SÜDAMERIKA 2019

Braun 2019   Blau - 2018   Rot - 2017   Gelb 2016

Peru (01. - 11. Januar)

Braun 2019   Blau - 2018

Cañon del Colca - Von Arequipa nach El Alto

01.-04.01.2019

Am Neujahrstag machen wir uns auf zum Cañon del Colca - eine der tiefsten Schluchten der Welt.

 

Doch zuerst müssen wir uns die Aussicht in den Cañon verdienen, denn vor uns liegt der 4910m hohe Paso de Patopampa. Auf Grund fehlender Alternativen suchen wir uns einen ebenen Platz und bleiben für die Nacht auf dieser Höhe.

Kaum eingenistet, beginnt es zu schneien. Ob wir da morgen wieder rauskommen? Auch macht mich die Höhe wieder schwindlig, ich bin kurzatmig und Röbä hat leichte Kopfschmerzen. Trotz Coca-Tee wird es nicht besser und auch an Schlaf ist kaum zu denken.

 

Am Morgen liegt fünf Zentimeter Schnee – der zum Glück an der Sonne schnell schmilzt – aber wir stehen etwas eingesunken auf eingeweichtem Boden. Da hilft nur noch - 'Mit voller Kraft voraus!' :o) 

Wieder auf Asphalt geht es runter nach Chivay auf 3630müM, wo wir uns im Mercado Central mit allem eindecken, was wir für die Fahrt durch das Colca-Tal brauchen.

 

Ein Bummel durch den Ort zeigt uns rasch, dass Chivay eine Karnevals-Hochburg ist. Auf Säulen sind viele ihrer Karnevals-Figuren lebensecht dargestellt.

Ab Chivay gräbt sich der Río Colca immer tiefer in den Boden und der Cañon wird rasch tiefer. Die Strasse schlängelt sich zwischen Terrassenfelder dem Abhang entlang, vorbei an kleinen traditionellen Siedlungen.

 

In Lari steht die grösste und schönste Kirche des Cañons. Sie wurde aber beim letzten Erdbeben 2001 schwer beschädigt und ist leider noch nicht wieder geflickt. 

50 Kilometer nach Chivay erreichen wir den eigentlichen Höhepunkt des Cañons. Hier, beim Cruz del Condor hat sich eine Gruppe Anden-Kondore niedergelassen. Bei gutem Wetter lassen sie sich jeden Morgen von der aufsteigenden Thermik treiben und kreisen lautlos über der Schlucht.

 

Wir übernachten auf dem Parkplatz – ganz alleine!

Auch am anderen Morgen, als wir 07.15 Uhr jäh von der Ticketfrau aus dem Schlaf gerissen werden, haben wir den Platz immer noch für uns. Aber an Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken und so machen wir uns auf zum Aussichtspunkt, wo die 'Flugschau' um 08.00 Uhr beginnen soll.

Mittlerweile haben sich auch noch andere Touristen eingefunden. Und tatsächlich – fast pünktlich schwebt ein Kondor über uns hinweg. Der Rest der Gruppe gibt leider nur eine kurze Vorstellung und gemeinsam biegen sie ab in höhere Gefilde. 

Als einzige fahren wir dem Cañon entlang weiter. Für alle andern heisst es wieder umdrehen. In Cabanaconde erreichen wir die tiefste Stelle des Cañon de Colca.

Nun verlassen wir den Río Colca und fahren – immer über 4000müM – durch eine einsame Hügellandschaft, überwachsen von gelbem Steppengras. Die Strasse ist nicht mehr asphaltiert und wir müssen unsere Reisegeschwindigkeit drosseln. Es begegnet uns keine Menschenseele mehr. Irgendwo im tiefer gelegenen Niemandsland machen wir Halt für die Nacht. 

 

Heute Freitag fahren wir die letzten 60 Rüttel-Kilometer durch die einsame Sand-Landschaft zum peruanischen El Alto. 

Petroglyphen von Toro Muerto

4./5.01.2019

Wir finden keinen Übernachtungsplatz in El Alto und die Petroglyphen von Toro Muerto 'gluschten‘ uns eigentlich auch nicht. Wir sind immer etwas skeptisch, was die Echtheit solcher 'Kunstwerke' angeht.

 

Trotzdem machen wir uns auf ins Valle de Majes.

Kilometerlang rechts und links der Strasse nur Sand und Dünen, sonst nichts. Wir biegen um eine Kurve und wir können es beinahe nicht glauben – eine Fatamorgana? Vor uns breitet sich das wunderschöne Valle de Majes aus. So etwas hätten wir hier nie und nimmer erwartet! Eine riesige grüne Fläche - Reisfelder und Pisco-Trauben - inmitten einer Sand-Wüste, eingekesselt von hohen Bergen. 

Auf der gegenüberliegenden Talseite liegt ein grosses Lavastein-Feld, auf denen sich ca. 2500 Petroglyphen befinden – eingravierte geometrische Figuren, Tiere, Menschen, Reptilien. Sie wurden offensichtlich vor ca. 1500 Jahren zu rituellen Zwecken in das Gestein geritzt.

 

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz machen wir uns auf, um uns einige dieser Kunstwerke anzuschauen. 

Das Nationalgetränk der Peruaner wie der Chilenen ist der Pisco.

Den chilenischen Brandwein kennen und schätzen wir schon und so nehmen wir die Gelegenheit wahr und besuchen eine der Pisco-Brennereien in diesem Tal.

 

Die Bodega Cepas de Loro wird von einem jungen Peruaner geführt, der in Italien Oenologie studiert hat. Im Gegensatz zum chilenischen Pisco wird der peruanische nicht im Fass ausgebaut. Dafür brennen die Peruaner artenreine Piscos aus bis zu acht verschiedenen Trauben.

Von Camaná nach Tacna

08.-11.01.2019

Wir sind nach gut 14 Monaten wieder zurück am Pazifik und warten in Camaná auf die Dakar Rallye. Doch weder im Internet noch bei der Polizei können wir die genaue Fahr-Strecke ausfindig machen. 

So entschliessen wir uns in den Süden nach Tacna zu fahren, wo die Dakar Rallye wieder nach Lima - im Norden von Peru - umdrehen soll.

 

Die 400km lange Strecke führt uns durch die Atacama-Wüste, immer dem Meer entlang. Ab und zu durchqueren wir ein grünes Fluss-Tal, wo Gemüse und Früchte angebaut werden.

In Ilo lassen wir uns eine Ceviche-Fischplatte schmecken und schauen anschliessend den Pelikanen und Seelöwen zu. Sie werden mit Fischresten vom nahen Markt gefüttert.

Immer noch keine Spur von der Rallye. Es erscheint uns, als seien die Organisatoren nicht wirklich erpicht auf Publikum, denn auch hier nur Schulterzucken. Also geht die Suche nach der Nadel im Heuhaufen bzw. der Rallye-Strecke im bis zu 100km breiten Wüstenstreifen weiter.

In Tacna erfahren wir dann den genauen Teilnehmer-Rastplatz für die Nacht. Wir möchten aber die Fahrzeuge nicht brav parkiert sehen sondern in 'Action‘.

 

Zum Mittagessen parkieren wir einen Häuser-Block entfernt vom Restaurant, geniessen eine Pizza und kehren zum Camper zurück.

Aber - oh Schreck - Fensterscheibe eingeschlagen, Sicherungs-Spannset der beiden Fahrzeugtüren durchtrennt und im Schnellgang Camper durchsucht.

Es fehlen Röbäs Akkordeon :o(( und unser Fotodrucker. Die restlichen Wertsachen hat der Einbrecher nicht gefunden. Wir hatten Glück!

 

Jetzt ist die Rallye Dakar eh gelaufen, denn die nächsten fünf Stunden verbringen wir bei der Polizei!!

Der Kühlschrank ist inzwischen leer, die meisten Büchsen und Teigwaren sind aufgebraucht und so hält uns momentan nichts mehr in Peru - auf nach Chile!

Chile (11. Januar - 15. März)

Braun 2019   Rot - 2017

Arica

11.-16.01.2019

Nur gerade 15km von der Grenze Peru/Chile entfernt liegt die nördlichste Stadt Chiles. Hier in Arica füllen wir den Kühlschrank wieder auf und lassen es uns gut gehen. Nach langer Zeit wieder einmal eine Parilla/Grill :o))

 

Heute Sonntag gibt es auch wieder einmal ein 'Bike-Türli‘. Die Fahrt führt uns an den fast menschenleeren Stränden vorbei zu einem Schlachtfeld des Pazifik-Krieges (1879-1884) - dem Cerro Moro. Von hier oben - dem Wahrzeichen von Arica - haben wir eine schöne Sicht über die ganze Stadt. 

Am Montag heisst es als erstes - Seitenfenster ersetzen!

Wiederum haben wir Glück im Einbrecher-Unglück. Wir finden eine Werkstadt, die Autofenster auf Mass herstellt - die einzige zwischen hier und dem 2000km entfernten Santiago de Chile - und der Chef persönlich kümmert sich um unsere Reparatur.

Zwei Stunden später und 56 CHF (!) ärmer ist die Scheibe drin und unterscheidet sich kaum von einem Original-Ersatzteil. :o))

Von Arica nach Iquique

17.-21.01.2019

Weiter geht die Fahrt gegen Süden durch die trockenste Wüste der Welt. Kein Gras, keine Kakteen, keine Tiere – einfach nichts, was hier überleben könnte. Dafür gibt es hier Kunst in der Wüste - moderne oder schon tausende Jahre alte.

Etwas südlich von Arica stehen die Skulpturen 'Presencias Turtelares' und erinnern an die ersten Völker, die sich vor ca. 7000 Jahren hier niederliessen. 

Beim Fischerdorf Caleta Camarones hat die Künstlerin Paola Pimentel vier Meter hohe Skulpturen aufgestellt, die Chinchorro-Mumien mit ihren typischen Gesichtsmasken darstellen sollen.

Das Volk der Chinchorro, das hier in dieser Gegend lebte, begann schon sehr früh Verstorbene einzubalsamieren und so fand man hier in der Atacama-Wüste die ältesten Mumien der Welt – 7050 Jahre alt. 

Wir bleiben zwei Nächte am einsamen Strand von Caleta Camarones, machen ausgiebige Strand-Spaziergänge und schauen den Vögeln und den Seelöwen beim Fischen zu. 

Um in das ca. 60km südlicher gelegene Dorf Pisagua zu gelangen, müssen wir doppelt so viele Kilometer übers Landesinnere fahren.

Das Dorf an der Pazifik-Küste besass im 19. Jahrhundert einer der grössten Nitrat/Salpeter-Häfen von Chile. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts konnte Nitrat künstlich hergestellt werden und so verlor Pisaguas Hafen langsam an Bedeutung. 

 

Weltweites Aufsehen erregte Pisagua jedoch erneut durch die Entdeckung von Massengräbern nach dem Ende der Pinochet-Diktatur (1973-89).

Auf antike Kunst, nämlich auf die Geoglyphen von Tiliviche und auf den Riesen von Tarapacá stossen wir kurz vor Iquique. Diese zwischen dem 9. und dem 16. Jahrhundert entstandenen Scharrbilder stammen aus der Tiwanako- und der darauffolgenden Inka-Kultur.

Wie man heute vermutet, dienten sie vor allem rituellen Zwecken.

Die Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerke liegen auf dem Weg nach Iquique und für uns eine gute Gelegenheit nochmals einen Blick in diese Vergangenheit zu werfen.

 

Die beiden Werke haben zwischen 1872-1960 Salpeter in grossen Mengen abgebaut und über Pisagua nach Europa verschifft.

Um die Minen herum lebten damals bis zu 3700 Menschen, mit mehr oder weniger grossem Komfort. Die Salpeter-Werke und -Siedlungen sind seit 1961 nur noch Geisterstädte und vom Zerfall bedroht.

Iquique

22.-29.01.2019

Das ehemals peruanische Iquique steht auf einem schmalen Sandstreifen, eingeklemmt zwischen Pazifik und einer unmittelbar hinter der Stadt aufragenden Düne. Das Ganze wird überragt von einem steil aufsteigenden, 600m hohen Felsband.

Am südlichen Ende dieser Bucht liegt das Flight Park Hotel, wo wir uns für die nächsten Tage im Garten gemütlich niederlassen. Hier treffen sich Paraglider und 'Overlander‘ - Reisende wie wir - aus der ganzen Welt. 

Ein Bummel führt uns zum historischen Stadtkern um die Plaza Prat. Hier steht auch das Wahrzeichen von Iquique - der 1877 errichtete Uhrturm.

Die Fussgängerzone wird von restaurierten Holzhäusern gesäumt. Diese Gebäude sind ursprünglich im 19. Jahrhundert - in der Blütezeit des Salpeter-Exports - gebaut worden, wurden dann aber mehrmals von Erdbeben und Feuersbrünsten zerstört. 

Auf dem Heimweg passieren wir die neu erbaute ‚Esmeralda‘ – das Flagschiff des chilenischen Seehelden Arturo Prat.

Das Original liegt – von den Peruanern 1879 während eines Seegefechts versenkt – in der Nähe der Küste auf dem Meeresboden. 

Von Iquique nach Antofagasta

30.01.-03.02.2019

Wir verlassen die Wüstenstadt Iquique.

Nach einer kurzen Fahrt der Pazifikküste entlang, biegen wir ab und klettern innerhalb 10km auf das 1000müM gelegene Hochplateau zum Salar Grande und zur Ruta 5 – Chiles Nord-Süd-Hauptverbindung.

 

150km weiter südlich übernachten wir am Stausee Tranque Sloman. Der Staudamm und das heute stillgelegte Elektrizitätswerk wurden 1911 zur Stromerzeugung für die Salpeterminen erbaut.

Weiter geht die Fahrt querfeldein durch die Wüste zurück an den Pazifik.

 

In Cobija – das Dorf besteht nur noch aus verlassenen alten Mauerresten und neu aufgebauten Pressspan-Hütten – machen wir es uns direkt am Meer gemütlich. Hier lassen wir für zwei Tage die Seele baumeln und füttern die Hundefamilie, die uns morgens und abends besucht.

Noch einmal 134km weiter südlich und die Stadt Antofagasta hat uns wieder.

Sie hat uns schon beim ersten Besuch 2017 nicht begeistert und entlockt uns auch dieses Mal kein Strahlen. Unsere To-do-Liste können wir hier auch nicht erledigen und so geht die Reise nun Richtung Osten, zum Salar de Atacama.

Salar de Atacama - Peine

05.-08.02.2019

Um zum Salar de Atacama zu gelangen durchqueren wir die Wüste von Antofagasta her kommend 300km Richtung Anden.

Die Strasse ist zum Hintransport von Schwefelsäure und zum Abtransport von Salz und Lithium erstellt worden und somit besteht der Verkehr hauptsächlich aus schweren Lastwagen. Auf den letzten 50km führt die Strasse über die Salzebene.

Nach einer ruhigen Nacht direkt an der Strasse - der Camping in Peine ist wegen Unwetterschäden geschlossen -  fahren wir hoch zur Laguna Miscanti.

Doch auch hier haben wir Pech, denn die Strasse ist wegen Unwetter gesperrt. Hier erfahren wir von einem vorbeifahrenden Arbeiter, dass wir auch nicht hinlaufen dürfen.

Etwas enttäuscht machen wir uns auf zur nächsten Lagune. Kurz vor dem Sico-Pass werden wir mit der wunderbaren Aussicht auf die Laguna Aguas Calientes belohnt.  

Wieder zurück am Salar wollen wir weiter nach San Pedro de Atacama. Da waren wir im Oktober/November 2017 zwar auch schon, aber nur dort gibt es eine Tankstelle und wir brauchen Diesel für die Weiterfahrt.

  

Weit kommen wir nicht. Die Strasse ist mit Sand überschüttet, zum Teil weggespült und wir müssen einen Umweg über tief-sandige steile Hügel fahren - und bleiben stecken :o(

Jetzt wäre ein 4x4 sehr hilfreich, denn diese Fahrzeuge schaffen es wieder auf der anderen Seite hoch. Alle andern bleiben wie wir stecken.

Wir können uns ohne fremde Hilfe rückwärts aus dem Sand retten aber was dann, wo geht's weiter???

 

Alle Strassen rings um uns sind unterbrochen oder gesperrt. Jeder – auch die Polizei - bietet uns Hilfe an und verspricht ein grosses Fahrzeug vorbeizuschicken, um uns über diese unwegsame Stelle zu ziehen.

Warten, warten, warten…..und anderen aus der Misere helfen.

Das einzige was nach zwei Stunden auftaucht ist ein Wüstensturm und so machen wir uns schleunigst auf den Rückweg zu unserem letzten Übernachtungsplatz.

 

Am anderen Morgen – die Sonne scheint wieder – fahren wir nach Peine und fragen uns nach Diesel durch. Bei Eduardo werden wir fündig. Nachdem unser Tank voll ist, geht es über den Salar wieder zurück Richtung Pazifik.

Kühler-Panne

08./09.02.2019

Wir wollen nicht wieder die 300km zurück nach Antofagasta fahren und so entschliessen wir uns nach Norden in Richtung Calama abzudrehen.

Auch diese Strasse wird praktisch nur von Minenfahrzeugen befahren, die unter anderem auch Schwefelsäure transportieren.

Plötzlich bespritzt uns ein vorbeirasender Säure-Laster mit Flüssigkeit. Wenn das Schwefelsäure ist, haben wir ein Problem. Röbä hält sofort an, um die Flüssigkeit abzuspülen und dabei stellen wir fest – das ist ja unsere eigene Kühlerflüssigkeit, die da in einer Fontaine unser Auto verlässt!!! Der Laster hat uns mit einem Stein den Kühler beschädigt :o((

Wir fahren noch solange die Motortemperatur ok ist, müssen aber nach 75km aufgeben – und stecken jetzt irgendwo mitten in der Wüste fest. Daher fährt Röbä per Anhalter weiter nach Calama und sucht Hilfe, während ich den Camper bewache.

 

Nach zweieinhalb Stunden ist er mit dem Mechaniker Juan Carlos und viel Wasser wieder zurück. Juan Carlos versucht das Loch im Kühler zu stopfen, was ihm mit seinem Material nicht gelingt.

Da wissen wir etwas Besseres. Mit BlueTack verstopfen wir das Loch und klemmen einen Korken zwischen Kühlerrahmen und Knete :o))

Jetzt noch Wasser einfüllen und ab geht’s Richtung Calama. Unser Flick ist erstaunlicherweise dicht und nach 50km erreichen wir am späten Freitagnachmittag die Kühler-Werkstatt Gomez!

Der Chef Alexis und seine Mechaniker Eduardo und Luis machen sich sofort daran, den defekten Kühler zu demontieren - nicht ganz einfach, wenn man noch nie einen Fiat Ducato gesehen hat :o)

Nach etwa 2 Std ist der Kühler draussen, der Rest muss bis Samstagmorgen warten. Die Nacht dürfen wir im Camper in der Werkstatt verbringen. Super, sogar eine Dusche mit warmem Wasser steht uns zur Verfügung.

Samstag, 09.00 Uhr, geht's weiter. Ein altgedienter Hartlöt-Spezialist reinigt die Kühlerwunde und beginnt den verletzten Kühlkanal zu löten. Doch der erste Druckluft-Test im Wasserbecken scheitert, der Kühler blubbert wie ein defekter Velo-Schlauch. Beim zweiten Versuch klappt es - der Kühler ist wieder dicht. 13.00 Uhr ist der Kühler drin und - Freude herrscht - die Motortemperatur bleibt stabil.  

Zufrieden fahren wir zum Camping-Platz - wo das Kühlwasser bereits wieder auf den Boden rinnt. Also nochmals zur Kühler-Werkstatt, wo ein Loch in einem Gummi-Schlauch diagnostiziert und beseitigt wird.

Wieder im Camping möchte Röbä vor Freude hupen, doch dem Fiat ist kein Ton mehr zu entlocken. Hat sich ein Kabel gelöst oder wurde die Hupe durch den Kühlwasser-Schwall beschädigt? Diesmal geht's zur Fiat-Garage, die ein loses Kabel ohne Hupe findet - Radiadores Gomez hat die Hupe vergessen einzubauen, schmunzeln die Fiat-Mechaniker. Obwohl wir dies eigentlich ausschliessen können - Röbä hat jeden ihrer Arbeitsschritt mit Argusaugen mitverfolgt - geht's nochmals zu Gomez. Doch diesmal ohne Erfolg - wir haben keine Hupe mehr :o(

 

Gestrandet in der Wüste

09.-17.02.2019

Die Welt bricht um uns herum zusammen und wir erfahren das ganze Ausmass der Unwetterschäden erst hier in Calama!

 

Mit einem Jahresniederschlag von praktisch 0mm ist diese Region normalerweise eine der trockensten der Erde. Doch der Bolivianische Winter beschert Chile diesen Februar ein nie gesehenes Chaos in der gesamten Nordregion. Erdrutsche, weggeschwemmte Strassen, Tote und Verletzte.

 

Aber auch im südlichen Peru wie im nördlichen Bolivien sieht es zurzeit nicht viel besser aus.

  

Unsere Rückfahrt nach Arica - im hohen Norden von Chile - und über die Anden nach La Paz/Bolivien ist daher im Moment nicht möglich. So harren wir hier in Calama der Dinge und hoffen, den Flughafen für den Heimaturlaub doch noch rechtzeitig zu erreichen.

Die aufgezwungene Wartezeit nutzen wir und decken die grossen Öffnungen am Kühler-Grill mit einem Metall-Schutzgitter ab.

Bei dieser Gelegenheit suchen und finden wir auch unsere verloren geglaubte Hupe. Zuhinderst im rechten Kotflügel versteckt sich das Ding - hat aber den Geist aufgegeben.

Glücklicherweise ist Chile mit vielen Ersatzteil-Shops gesegnet und rasch ist eine baugleiche Hupe gefunden.  Tüt, tüt - wir können auf den Strassen Südamerikas wieder mithupen.

Seit Ramons Besuch in Bolivien haben wir auch die notwendigen Teile, um die von der Hitze und dem Vielgebrauch spröde gewordenen Kunststoff-Schlösser der Sonnen-Markise zu ersetzen.

Zeit haben wir ja genug!

Eine Woche warten wir hier nun schon auf die Öffnung der Strassen. Im Internet werden wir nicht fündig und so machen wir uns mit den Bikes auf eine Erkundungstour und fragen zur Sicherheit noch bei der Polizei nach dem Strassenzustand - alles befahrbar!

Am Abend sitzen wir mit Angie und Woon aus Malaysia zusammen. Sie sind unterwegs auf Weltreise mit dem Motorrad und auch hier gestrandet.

Bei einem Grill tauschen wir Reise-Erfahrungen aus und hoffen, uns irgendwo auf dieser schönen weiten Welt wieder zu treffen.

Buen Viaje Angie und Woon!

Das Pech auf unserer Seite

18.-27.02.2019

Nach 10 Tagen in Calama geht's am Montagmorgen Richtung Westen - Richtung Pazifik. Nach 100km machen wir Halt in Maria Elena. Ein verschlafenes Salpeter-Dorf mit einem kleinen Museum. Wir dürfen die Nacht vor dem Museum verbringen. Aber Chile wäre nicht Chile, wenn hier nach 21 Uhr die Musik nicht aus allen Lautsprechern dröhnen würde. So suchen wir das Weite und übernachten an der etwas weniger lauten Schnellstrasse nach Tocopilla :o(( 

 

Nach der morgendlichen Kühlerwasser- und Oel-Kontrolle sehe ich Röbäs ernste Miene hinter der Motorhaube auftauchen. Wir haben wieder sehr viel Kühlerwasser verloren und Röbä entdeckt einen ‚blubbernden‘ Schlauch. Nach kurzem Überlegen entschliessen wir uns zu Radiadores Gomez zurückzukehren.

 

Ersatzteile müssen in Chile meistens selber aufgetrieben werden und so suchen wir fast ganz Calama nach einem passend gebogenen und mit dem richtigen Durchmesser versehenen Ersatzschlauch ab.

 

Alles dicht – eine weitere Nacht auf dem Camping!


Mittwochmorgen – herzliche Verabschiedung von Angie und Woon zum Zweiten. Die gleiche Strecke Richtung Pazifik. Röbä will alle 20km den Motor kontrollieren – und siehe da, nach 20km keine Flüssigkeit im Kühlerwassergefässes und alles verspritzt – Deckel des Gefässes undicht – retour nach Calama – Deckel suchen – zweiter Versuch.

Nach 20km sieht alles genau gleich aus! Wir basteln eine Dichtung in den Deckel und fahren weitere 10km. 

Voller Hoffnung öffnet Röbä die Motorhaube – Katastrophe!! Der Überdruck der nun nicht mehr über den Deckel entweichen konnte, zerriss einen zuführenden Schlauch und alle Flüssigkeit ist weg :o((
Es ist 16 Uhr und wir stecken fest.

 

Röbä fährt per Anhalter nach Calama zurück, um einen Abschleppwagen zu organisieren und ich bewache wieder einmal den Camper. Nach eineinhalb Stunden erscheint ein Wägeli, das noch kleiner und leichter ist als wir. Röbä meint entmutigt: „Ich konnte sie nicht überzeugen, dass dieser Abschleppwagen zu klein ist, sie wissen halt alles besser!“

Weder das Aufladen noch das Abschleppen gelingt, denn wir sind zu lang und zu schwer. So verbringen wir eine weitere schlaflose Nacht an der lärmigen Schnellstrasse. 

Doch schlaflose Nächte haben auch ihr Gutes, denn Röbä überrascht mich am anderen Morgen mit einer genialen Idee.

Anstatt nochmals in Calama nach einem Tieflader zu suchen, ersetzt er den aufgeschlitzten Schlauch mit einem Gas-Schlauch. Wir füllen Wasser ein und fahren vorsichtig wieder nach Calama zur Fiat Garage :o))

Zylinderkopfdichtung – die erste Meinung der Mechaniker ohne den Motor anzuschauen. Mir kriecht langsam die Angst in den Nacken, denn ich will unbedingt zur Geburt unseres fünften Enkelkindes zuhause sein.

  

Endlich, nach langem Warten steckt Wilfredo seinen Kopf unter die Motorhaube. Er kontrolliert alle Sicherungen und Relais, schraubt hier, drückt da und taucht mit einem Lächeln im Gesicht wieder auf – Thermostat, Temperatur-Sensor und/oder Verschluss-Deckel sind vermutlich die Problem-Ursache.

So recht können wir das aber noch nicht glauben.

Jetzt müssen Ersatzteile her - aber die holen sie sich nicht einfach im Lager, die müssen teuer von Santiago eingeflogen werden. „Am Montag ist alles da!“ - mit diesen Worten werden wir ins Wochenende entlassen.

Zum Glück schaffen wir die zwei Kilometer bis zum Camping mit unserem Fahrzeug und wir müssen nicht im Hotel auf Montag warten.

 

Montagnachmittag die unerfreuliche Nachricht, dass die Teile aus USA eingeflogen werden müssen und erst morgen da sind. Es wird weiter gebastelt und probiert - mit wenig Erfolg.

Heute Dienstag - die Teile sind da, nur die Thermostat-Dichtung wurde nicht mitgeliefert, da nicht bestellt :o(( Also muss die alte Dichtung nochmals ran.

Antofagasta hat uns wieder

28.02.-25.03.2019

Nun sollte es gut sein - die Testfahrt des Chef-Mechanikers von Fiat Calama ist ja gestern positiv verlaufen. Doch auch diesen Donnerstag kommen wir nicht weit - wir verlieren weiterhin Kühlwasser. In der Garage ratlose Gesichter - sie wissen nicht mehr weiter. 

 

Sie raten uns ins 220km entfernte Antofagasta zu fahren und uns von der dortigen, grösseren Fiat-Garage helfen zu lassen. So ganz geheuer ist uns dieser Vorschlag nicht, denn wir wissen nicht, ob wir diese Wüstenstrecke mit unserem angeschlagenen Camper überhaupt noch bewältigen können.

 

Wir rufen die Garage Hammer in Emmenbrücke/CH an und Röbä und Herr Tormann versuchen per Ferndiagnose herauszufinden, ob diese Fahrt so überhaupt möglich ist und was Röbä noch ändern kann.

 

Doch manchmal erscheint das Glück auch in Form eines Abschlepp-Fahrzeugs - der auch noch die richtige Grösse für unseren Camper hat :o))

Franzisco musste ein Auto von Antofagasta nach Calama bringen und nimmt uns nun gleich mit zurück. So tuckern wir langsam durch die Wüste dem Abend entgegen. Nach sechs Stunden sind wir in Antofagasta und bekommen auch gleich ein Schlafplätzchen zwischen den Abschlepp-Fahrzeugen zugewiesen.

Freitagmorgen in der Fiat Garage – der Chef Technik tippt auf einen defekten Zylinderkopf. Er bereitet uns auch schon mal auf eine lange Wartezeit und hohe Kosten vor, kann uns aber erst am kommenden Dienstag mehr sagen.

 

Da unser Kühlschrank aber noch gefüllt ist, wollen wir das Wochenende nicht in einem Hotel verbringen. Der Verkaufsleiter empfiehlt uns eine ruhige Wohnstrasse in der Nähe seines Wohnquartiers zum Übernachten. Doch es wäre nicht Chile, wenn alles ruhig bliebe.

 

Samstag auf Sonntag feiert man in der Nähe eine Party mit lauter Musik, bis in den Morgen hinein. An richtiges Schlafen ist nicht zu denken.

Dies mag mitunter ein Grund gewesen sein, dass Röba das leise Rascheln hört, dass Diebe beim Abdecken unserer Bikes verursachen. Laut schreiend stürzt er aus dem Camper und vertreibt diese. Was, wenn sie eine Waffe dabei gehabt hätten? Wir müssen uns eine bessere Reaktion überlegen, wie wir das nächste Mal handeln sollten.

 

Am Montag liefern wir den Camper ab und buchen über Airbnb eine Wohnung. Am Dienstagmorgen ist der Motor freigelegt, eine Offerte ausgedruckt und eine Reparaturdauer abgeschätzt; der Ausbau und die Ausmessung des Zylinderkopfes dauert jedoch noch bis Samstag. 

Am Samstag kriegen wir den nächste Schock – es müssen noch mehr Teile ersetzt werden. Die geschätzten Kosten haben sich inzwischen auf eine 5-Stellige Summe verdoppelt. Auch sollen Ersatzteilbeschaffung und Reparatur des Motors nun mindestens zwei Monate dauern :o((

 

"Warum nicht gleich einen neuen Motor einbauen?", meint unser Schwiegersohn, "das ist kostengünstiger und sicherer." Also nochmals eine halbe Woche warten, bis eine Offerte für einen neuen Motor vorliegt.  

Zwischen den vielen Besuchen in der Fiat-Garage bleibt uns genügend Zeit Antofagasta – von der wir bis jetzt nicht so begeistert waren – besser kennen zu lernen.

 

Wir schlendern von der Plaza die Fussgängerzone rauf und runter, geniessen ein Bier an der Sonne, essen am Fischmarkt frittierten Reineta-Fisch und schauen dem Treiben der Fischer zu. Nicht so übel diese Stadt - aber viel zu bieten hat sie trotzdem nicht :ol

Christine und Felix – zwei Overlander aus Baden/CH – haben unseren Blog im Internet entdeckt und sind auf der Durchfahrt in den Süden. Sie melden sich bei uns und wir verbringen einen gemütlichen Tag zusammen.

 

Wir laufen zum alten Bahnhof, der 1873 eröffnet wurde. Damals wurde hauptsächlich Nitrat – das ‘weisse Gold‘ – aus allen Regionen des nördlichen Chiles und aus Bolivien zum Hafen von Antofagasta transportiert.

Heute fährt dieser Zug immer noch - laut hupend, dreimal pro Tag durch die Stadt - nun jedoch schwer beladen mit Kupfer-Barren.

Auf die Frage, ob wir eine Foto vom - im Privatbesitz befindlichen - Bahnhof machen dürfen, bekommen wir spontan eine Führung inklusive Besichtigung der Waggons, die Papst Johannes Paul ll. bei seinem Besuch in Chile 1987 benutzte.

 

Auf der Weiterfahrt treffen Christine und Felix auf die beiden Gstaader Evelyne und Tom und schicken sie auf einen Besuch bei uns vorbei. Herzlichen Dank ihr Lieben, wir können die Ablenkung gut gebrauchen :o))  

Leider müssen wir uns nochmals eine neue Bleibe suchen, denn unsere Wohnung war nur für eine Woche frei und wir sitzen immer noch in Antofagasta fest. Diese Unterkunft liegt abgelegen und es fehlt an allem. So sind wir froh, als wir nach nur drei Nächten wieder ausziehen können. Wir vermissen unseren Camper schon sehr :o(

 

Inzwischen haben wir für heute Donnerstagnacht - 14.03.19 - ein Busticket zu unserem Abflughafen in La Paz gelöst, das Visum für den Camper verlängert und bei Fiat eine Anzahlung geleistet. Der neue Motor wird bestellt und hoffentlich bald eingebaut, so dass der Camper bei unserer Rückreise aus der Schweiz wieder fit sein sollte.

 

Also nichts wie los – Bolivien wir kommen!!

Bolivien (15. - 25. März)

Braun 2019   Blau 2018   Rot - 2017

Wieder zurück in La Paz

15.-24.03.2019

Ein letzter Blick zurück, der Bus verlässt Antofagasta und taucht ein in die Nacht.

Nach 25 Stunden Reisezeit – inklusive fünf Stunden für den Grenzübertritt Chile/Bolivien auf 3800müM und zwei Stunden Taxifahrt für zwei Stau-Kilometer in La Paz – kommen wir abends um 21 Uhr kaputt im Hotel an. 

Es ist empfindlich kalt in La Paz. Wir erleben einen Temperatursturz von ca. 20 Grad. Jetzt heisst es für die nächsten neun Tage die Zeit totzuschlagen.

Da wir die faszinierende Stadt schon sehr gut kennen, bleiben uns nur noch wenige Sehenswürdigkeiten. So schlendern wir durch die engen Gassen oder verstopften Strassen und entdecken doch noch manch Interessantes.

 

Ein Besuch auf dem Dach der Casa Grande del Pueblo - Regierungsgebäude - beschert uns einen Rundblick über La Paz.

 

Wir umrunden das Stadtgefängnis, wo sich die 2000-3000 Insassen bestens organisiert haben. Um ihren unfreiwilligen Aufenthalt finanzieren zu können, bieten sie Führungen durch die Räumlichkeiten an - worauf wir aber lieber verzichten. Auch soll das meiste Kokain für La Paz in dieser Institution hergestellt werden. Natürlich verdienen die Gefängniswärter auch etwas mit bei diesen Geschäftstätigkeiten ;o)

 

Auch der sehr abwechslungsreiche Mercado Negro hat es uns angetan.

Wir konzentrieren uns auf Dinge, die noch erledigt werden müssen. Zahnreinigung, Schuhe reparieren, die drei neuen Seilbahnen benutzen, Wäsche waschen, Blog schreiben, mit Fiat in Antofagasta die Reparatur unseres Campers aushandeln, etc......

In einem italienischen Restaurant treffen wir die Familie Glaus aus Ebertswil/ZH. Sie wohnen in der Schweiz nur gerade acht Kilometer von uns entfernt. Es stellt sich schnell heraus, dass wir einiges gemeinsam haben. Auch ihr Camper ist momentan in der Garage und keiner weiss, was ihm fehlt. So haben wir gegenseitig etwas zu erzählen und die beiden Jungs Mael und Louan unterhalten uns prächtig.

 

Ein weiterer Besuch kündigt sich an. Regula und Jörg kennen wir vom Hasta la Pasta in Paraguay. 

Freitag, 22. März – Día del Agua/Welttag des Wassers.

Tausende von Bolivianos ziehen mit Musik und Tanz durch die Strassen von La Paz und demonstrieren friedlich für einen ungehinderten Zugang zu Trinkwasser.

Samstag, 23. März - Día del Mar/Tag des Meeres - ein weiterer wichtiger Tag in Bolivien.

Mit einem Grossaufgebot an Militär, Marine, Polizei und allen Ministerien gedenkt das Land in einem Defilee - mitten durch die Stadt - an die Gefallenen des Pazifik-Krieges 1879 mit Chile. Zugleich fordern sie in einem Lied die Rückgabe ihrer verlorenen Region und damit einen Zugang zum Pazifik.

 

Dass die Stadt an diesen beiden Tagen wieder für mehrere Stunden im Verkehrschaos versinkt, stört kaum jemanden.

Morgen geht's in die Schweiz! Wir freuen uns riesig, nach neun Monaten unsere Familie und unsere Freunde wieder in die Arme zu schliessen.

Ganz besonders freuen wir uns über die Geburt unseres fünften Enkelkindes, das in den nächsten Tage das Licht der Welt erblicken wird :o))

Per Flugzeug geht's nun in die Schweiz