Santos - Zárate - Montevideo

11.10.-21.10.2016

Nun schaukeln wir schon wieder seit zwei Tagen in Richtung Zaraté/Argentinien. Richtig gelesen - haben wir auch erst kürzlich erfahren – wir machen noch eine kleine Zusatzschlaufe bevor wir dann endlich Montevideo ansteuern. Bis auf ein paar Aussetzer des Schiffmotors und einen totalen Stromausfall gibt es keine Highlights.

Da wir auch noch keinen neuen Koch bekommen haben und dem 'Ersatzkoch' Nello langsam die Ideen ausgehen, sinkt aber langsam unsere Stimmung.

 

Gestern Abend, 12. September, haben wir beim GADC- Meeting unser ‚Ein-Monat-auf-Schiff‘ gefeiert.

 

Neue Hiobsbotschaft – wir müssen südöstlich von Uruguay zur Einfahrt in die Meerenge des Río de la Plata, zwei Tage auf den Lotsen warten :o(( Die Ankunft in Montevideo verschiebt sich immer mehr nach hinten! Das

Wetter verschlechtert sich auch zusehends und wir hocken im Moment im dichtesten Nebel.

Auch das Essen wird immer schlechter – verkohltes Brot zum Frühstück, grüne Tomaten mit Cornedbeef zum Mittagessen. Das Tischgespräch dreht sich praktisch nur noch um unsere kulinarischen Wünsche und dazwischen immer wieder die aufmunternden Worte von Röbä: „No, we won’t crack!!“

 

Gerüchte und Geschichten verbreiten sich auf unserem engen Raum extrem schnell. Mittlerweile weiss ich, weshalb wir im dichtesten Nebel vor Uruguay ohne Licht geankert haben. Wir haben uns versteckt :o)) Der ‚Comandante‘ wollte Warteraumkosten sparen. Wir wurden von der uruguayischen Küstenwache auch erst entdeckt, als der Nebel sich zu lichteten begann. So mussten wir weiter südlich doch noch einen offiziellen Warteraum vor Montevideo ansteuern und hier auf die Weiterreise nach Zaraté warten.

 

In dieser Zeit findet auf Deck 11 auch das erste Fussball Länderspiel Deutschland – Schweiz auf der Grande Angola. Die Schweiz gewinnt 29:24 ! Die beiden Torschützen heissen Röbä und Tobias.

 

16. 10.2016

Am Sonntag, 17.00 Uhr, geht es endlich los! Der Lotse steuert die Grande Angola auf der engen Fahrstrasse des Río de la Plata in Richtung Buenos Aires. Bevor wir aber in den Río Paraná einbiegen, gibt es noch Abendessen. Welche Farbe wird die Pasta heute Abend haben?? Schnell verdrücken wir ein paar Tomaten-Farfalle und eilen wieder auf Deck. Und was wir da zu sehen bekommen, verschlägt uns fast die Sprache! Der riesige Vollmond erhebt sich blutrot aus dem Horizont. Wow, so etwas haben wir in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen. Am folgenden Tag lesen wir in der e-Zeitung, dass der Vollmond die kürzeste Distanz zur Erde hatte und daher 14% grösser erschien als normal.

 

Im Dunkeln gleitet unser Schiff in den engen Río Paraná ein. Nur schemenhaft können wir die Natur erahnen. Ab und zu ein schwaches Licht. Etwas unheimlich! Mir kommt das Buch ‚Heart of Darkness‘ von Joseph Conrad in den Sinn. Darin beschreibt er, wie eine Gruppe Abenteurer den Kongo-Fluss in Afrika zum ersten Mal befährt und umkommt -  wir kommen aber wieder zurück – hoffentlich!

 

Den Landgang in Zaraté benutzen wir, um wieder einmal etwas anderes zu essen, als Pasta und mit der Aussenwelt – Familie und Freunde – Kontakt aufzunehmen. Am späteren Nachmittag spazieren wir zurück zum Schiff – gerade rechtzeitig für die Tomaten-Rigatoni!

Da heute unser letzter Abend auf dem Schiff sein könnte, gibt es am GADC-Meeting die Premiere des Grande

Angola-Abschieds-Song (für Text siehe 'Dies und Das').

 

Mike kommt mit einer neuen Hiobsbotschaft. Er hat vernommen, dass wir nochmals vor Montevideo zwei Tage im Warteraum liegen, bevor wir endlich entlassen werden :o((

 

Miserables Wetter empfängt uns zurück im Río de la Plata. Es stürmt, Regen fläzt auf uns runter es ist kalt und der Wind fegt uns fast von Deck. Vielleicht doch besser dieses miserable Wetter noch im Warteraum zu verbringen ;o)

 

21.10.2016

Endlich! Am Freitag fahren wir nach 39 Tagen (und 78 Pasta-Gerichten) in den Hafen von Montevideo/Uruguay ein. Rasch packen wir alles zusammen und verlassen den Frachter Richtung Zollabfertigung.

 

Reisezeit Santos - Montevideo 10 Tage

 

Fazit

Alles in allem war es eine sehr interessante Reise. Wir haben auf dem Schiff und an Land viel gesehen und erlebt. Wir möchten nichts missen, jedoch würden wir eine solch lange Schiffsreise – ausser es besteht keine andere Möglichkeit – nicht noch einmal machen. Die insgesamt sieben Tage in Warteräumen– vor Río de Janeiro/Brasilien, vor La Paloma/Uruguay, vor La Plata/Argentinien – haben unser Durchhaltevermögen doch arg strapaziert!

 

Anhang

Während all dieser vielen amüsanten stundenlangen Gespräche haben wir viel gelacht und dabei entstanden ein paar neue Wörter und Namen, die wir, GA-Insider, benutzten und die wir gerne in Erinnerung behalten möchten.

  • Open-Flappen -> Nachdem Oxtail an Tomatensauce zum Abendessen serviert wurde. Alle Klappen werden ab jetzt so benannt.
  • Pinguini (shredded Penguin)-> Linguini, die unser Steward versehentlich als Pinguini serviert hat
  • Lola -> die weibliche Hälfte von Mike, die er mit hoher Stimme an den Meetings mitmachen liess
  • Scheisste -> Kraftausdruck von Mike. Wir mussten ihn aufklären, dass er das Wort falsch ausspricht und in Deutsch Sch…. heisst! Je länger die Reise dauerte, umso öfter wurde dieser neue Ausdruck auch von anderen Passagieren benutzt!!
  • Der Grieche -> Der ‚Comandante‘
  • Helium-Boy -> 3. Offizier, 25 J., 1.60m gross, hohe Stimme
  • Google -> Französische Mitreisende, die immer über alles bestens Bescheid wusste
  • Rote Zora -> Französische Mitreisende mit roten Haaren, die stundenlang das Laufband besetzte
  • Hampelmann -> Französischer Mitreisender mit entsprechenden Lauf-Bewegungen, der beim Fitness die Gewichte immer fallen liess und Kampfschreie von sich gab, wenn er diese hob, was bis in die Kabinen zu hören war. Die Kampfschreie wurden auch nach mehrmaligem Hinweis nicht leiser :o(
  • French Quarter -> Schiffsecke, wo sich gewisse französische Passagiere zum halbnackt ‚Sünnele‘ trafen.
  • Dead Flies -> Rosinen im Studentenfutter