KOLUMBIEN

Kolumbien 2019

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Hier haben wir auf dieser Reise übernachtet
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Grenze Ecuador - Kolumbien

Schon früh stehen wir an der Grenze von Ecuador nach Kolumbien, denn laut verschiedenen Berichten von Mitreisenden soll dieser Grenzübertritt etwas dauern.

Es sieht hier auch nicht sehr übersichtlich aus. Die Parkplätze sind voll, überall stehen Menschen rum und die venezuelanischen Flüchtlinge warten unter Zelten der verschiedenen Hilfsorganisationen auf ihre Weiterreise.

 

Aber die Ausreise von Ecuador und die Einreise nach Kolumbien für uns geht recht fix. Beim Camper sieht es schon anders aus. Obwohl wir vorsorglich schon alle Dokumente wie Pass, Fahrzeugausweis, internationaler und schweizerischer Führerausweis kopiert haben, will der Zollbeamte nun auch noch die Chassie-Nummer auf Papier haben! Das muss nun Röbä zuerst noch organisieren, während ich unseren Camper keine Minute aus den Augen lasse. Nach zwei Stunden – uff! – sind wir in Kolumbien. 

Santuario de Las Lajas – Laguna de la Cocha - Popayán

29.10.-02.11.2019 

Unser erster Besuch in Kolumbien gilt dem Santuario de Las Lajas. Die imposante Wallfahrtskirche wurde in einer tiefen Schlucht an eine Felswand gebaut. Hier soll 1754 einer Mutter und ihrer taubstummen Tochter die Jungfrau Maria erschienen sein, worauf das Kind wieder sprechen konnte.

Weiter geht die Fahrt durch das hügelige und kurvenreiche Südkolumbien. Tief unter uns fliesst das braune Wasser des Río Guaitara, an den steilen Hängen kleben die grossen Kartoffelplantagen.

Ein grosser Teil der Strasse ist Baustelle und so zwängen wir uns - stop and go - mit unzähligen Lastwagen durch die unwegsamen Stellen und die winzigen Bergdörfer.

Die letzten 22km schlängeln sich in engen Kurven bis zur Laguna de la Cocha hoch.

Beim Chalet Guamuez finden wir eine Oase direkt an der Laguna. Neben einem schön angelegten Blumengarten mit vielen Kolibris sticht uns auch der biologisch angebaute Gemüsegarten in die Augen.

Leider ist uns Petrus immer noch nicht wohlgesinnt und so verzichten wir auf den Boots-Ausflug auf die vorgelagerte Insel.

Leider ist auch die Weiterfahrt nach Popayán sehr kurvenreich. Alle 20-50m eine Kurve – mir ist übel. Röbä meint, dass es am Steuer besser wäre, aber auch als Chaffeuse rebelliert der Magen. Endlich kurz vor Popayán ist der Spuck vorbei!

 

‚Die Weisse Stadt‘ wartet mit einem kolonialen Stadtteil auf. 

Silvia - Cali - Lago Calima

03.-09.11.19

Bevor wir Silvia besuchen, bleiben wir ein paar Tage bei einer marokkanischen Familie - Kika, Anouar, Meissa, Mehdi und Maya - auf ihrem Camping La Bonanza.

Da die Familie selber mehrere Jahre als Overlander unterwegs war, wissen sie natürlich genau, was Campers von Zeit zu Zeit brauchen und verwöhnen uns mit Gipfeli zum Frühstück, Tee am Nachmittag und marokkanischem Essen.  

05.11.2019

Heute Dienstag fahren wir Overlanders mit Anouar nach Silvia, denn heute ist grosser Markttag.

Die in der Region lebenden Misac-Indianer bringen mit den bunten Bussen/Chivas ihre Waren zum Verkauf nach Silvia. Auf dem farbenprächtigen Wochenmarkt verkaufen sie Obst und Gemüse und decken sich mit allem ein, was sie für die nächste Zeit brauchen.

 

Der Markt ist aber nur schon wegen den Misac-Indianern sehenswert. Sie gelten als älteste Ureinwohner Kolumbiens, sprechen ihre eigene Sprache und kleiden sich immer noch sehr traditionell.

Die Männer tragen einen blauen Rock, einen dunklen Poncho, ein rotes Halstuch sowie einen dunklen Filzhut. Die Frauen kleiden sich mit einem dunklen Rock, einem blauen Tuch über die Schultern, Perlenketten und dem traditionell geflochtenen Strohhut oder einem Filzhut. 

08.11.2019

Nach fünf Tagen auf der Finca Bonanza fahren wir weiter nach Cali, wo wir in einem Supermarkt mit vielen europäischen Produkten unseren Kühlschrank wieder einmal bis zum Bersten füllen. In den nächsten Tagen werden wir uns mit Fondue, Berner-Platte und Wurstsalat verwöhnen, mmmh!!

 

Aber jetzt müssen wir los, denn wir möchten noch vor dem Eindunkeln am Lago Calima eintreffen! Immer wieder passieren wir Militär-Kontrollposten, die wichtige Strassenabschnitte bewachen und jedesmal wird stramm salutiert - beeindruckend!

Fast geschafft, aber die letzten löchrigen Kilometer legen wir in der Dunkelheit und im Regen zurück :o((

Filandia - Salento - Valle de Cocora

10.-13.11.2019

Auf dem Weg nach Filandia müssen wir uns zuerst durch den mühsamen Mittagsverkehr Armenias schlängeln. Da eine Strassenspur immer wieder zum Parkieren benutzt wird, kann kein fliessender Verkehr entstehen.

 

Wir sind in der Zona Cafetera/Kaffeeregion angekommen - eine riesige von Kaffeeplantagen durchzogene hügelige, immergrüne Landschaft. Kolumbien ist der viert-grösste Kaffeeproduzent weltweit und produziert ausschliesslich Arabica-Bohnen. 

Das charmante Filandia liegt auf einem der sanften Hügel inmitten der Kaffeeregion. Sein bunter und gut erhaltener Dorfkern zieht am Wochenende viele Touristen an. Hier gehört das Kaffeetrinken zum täglichen Ritual. Der kolumbianische Arabica-Kaffee gilt als einer der besten der Welt. Wir aber sind von der sauren Brühe - die man hier serviert bekommt - nicht sehr begeistert. Leider werden die besten Bohnen in die weite Welt exportiert.

Die traditionellen Willys Jeeps aus dem 2. Weltkrieg - parkiert an der Plaza - sehen zwar aus wie aus einem Museum, werden aber bis heut als Taxis und Last-Fahrzeuge eingesetzt. Ein Willys transportiert bis zu 16 Personen auf einmal – sechs auf dem Dach, drei hinten auf der Stossstange und sieben im Fahrzeuginnern!!

Da es hier täglich ab Mittag zu regnen beginnt, haben wir nicht viel Sitzleder und fahren weiter zum Nachbarort Salento.

Wie in Filandia tragen die Einwohner auch hier sorge zu ihren bunten Häusern. Es wird repariert und gestrichen und das Resultat lässt sich sehen. Zwischen den unzähligen Souvenierläden riecht es immer wieder nach frisch gebrautem Kaffee. 

Salento ist auch das Eingangstor zum Valle de Cocora. Dort wachsen die höchsten Palmen der Welt.

Die Palmas de Cera/Wachspalmen - Nationalbaum Kolumbiens - wachsen kerzengerade bis zu 60m in die Höhe. Leider ist das Wetter immer noch trüb und nass und da wir nicht eine Stunde lang in diesem Match zum Aussichtspunkt laufen mögen, schauen wir uns die Riesen eben von unten an.

Bei einem Canelzo (Dies&das) und einem Stück kolumbianischer Rüeblitorte trocknen wir anschliessend unsere triefenden Kleider.

Termales de Santa Rosa - Manizales - Jericó

14.-21.11.2019

Langsam haben wir genug vom nass-kühlen Wetter. Seit Wochen ist der ‚Fasi‘ wieder unser ständiger Begleiter. Also ab in die Termales de Santa Rosa!!

 

Der Regen prasselt auf unsere Köpfe, im Hintergrund rauscht der 95m hohe Wasserfall und wir geniessen die wohlige Wärme des Thermalwassers.

Den Umweg über Manizales machen wir, weil wir unbedingt unsere Natels registrieren möchten, damit sie nicht gesperrt werden. Doch leider finden wir keinen freien Parkplatz für unseren 'grossen' Camper.

 

Damit wir aber nicht ganz umsonst gekommen sind, fahren wir zum Monumento a Los Colonizadores – ein Denkmal für die Gründer der Stadt.

Unser nächstes Ziel - Jericó - liegt wieder auf einer Höhe von 1970m. Das heisst, wir müssen 1300m Höhe auf einer Distanz von 8km gewinnen.

 

Zuerst heisst es aber die Kilometer lange Baustelle mit vielen Stopps hinter uns bringen. Zeit genug um uns etwas umzusehen. Ob diese Tiere jemals die Strasse überqueren?

Nach unzähligen unübersichtlichen Kurven und zahlreichen Schlag-Löchern erreichen wir den Camping Ecoland unterhalb von Jericó.

Der Ausblick auf den Talboden mit dem Rio Cauca ist beeindruckend. Hier gefällt es uns, hier bleiben wir eine Woche und warten bis der landesweite Generalstreik Kolumbiens - 21. November - vorbei ist. Diesmal sind wir vorbereitet! :o)

Chili kann der Versuchung nicht widerstehen und will zusammen mit Röbä und Guapi einen Tandem-Flug mit dem Gleitschirm unternehmen (siehe Chilis Abenteuer). In 25 Minuten geht es 1300m runter zum Fluss-Ufer. Startplatz – direkt vor unserem Camper.

Heute Sonntag fahren wir mit den Bikes rauf nach Jericó. Das Dorf ist vor zwei Wochen bei heftigem Regen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Mehrere Häuser wurden von einer grossen Schlammlawine verschüttet. Zum Glück konnten alle Bewohner rechtzeitig evakuiert werden. 

 

An der Plaza herrscht schon wieder buntes Markttreiben. Aus den Cafés tönt laute kolumbianische Musik. Da und dort wird noch wacker aufgeräumt und geputzt. Die Leute von den abgelegenen Kaffeeplantagen kaufen im Supermarkt für die nächste Woche ein und verladen die Ware auf die Jeeps.

Es herrscht eine lockere und sehr angenehme Stimmung, die wir in diesem Land bisher noch nicht gespürt haben. So könnte uns Kolumbien gefallen!

Medellín

22.-24.11.2019

Der Streik ist ausgesessen und wir fahren weiter nach Medellín. Die 120km müssten wir eigentlich in zwei Stunden schaffen - doch weit gefehlt! Die Strasse schlängelt sich weiter in unzähligen engen Kurven, zuerst 1300Hm runter, dann wieder 2000Hm rauf und gleich wieder 750Hm runter. Immer wieder müssen wir auf eine günstige Gelegenheit warten um die schleichenden Laster zu überholen.

Nach vier Stunden endlich geschafft - wir sind in Medellín!

Heute Samstag machen wir uns schon früh auf den Weg ins Zentrum. An der Plaza de las Esculturas stehen 23 Bronzestatuen beleibter Menschen und Tiere des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero.

 

Im angrenzenden Museo de Antioquia können wir - nebst Gemälden internationaler Künstlern - auch diejenigen von Botero bewundern.

Medellín – die lauteste vibrierenste Stadt Südamerikas. Zumindest fühlt es sich für uns so an.

Überall Marktschreier und Bettler, die uns etwas verkaufen oder abbetteln wollen, viele Obdachlose, gestresste Menschen und viel Verkehr. Schwierig sich so auf die interessante Stadt zu konzentrieren.

Die Comuna 13 war früher eine der gefährlichsten Gegenden Medellíns. Drogenhandel, Gewalt und Morde

gehörten zur Tagesordnung. Bis vor wenigen Jahren war dieser Stadtteil ein absolutes No-Go.

Obwohl Pablo Escobar für viele Bewohner der Comuna 13 noch immer eine Art Robin Hood ist - einen Teil des Drogengeldes investierte er im Armenviertel - begann das bessere Leben erst mit seinem Tod. 1993 wurde er in seinem Versteck aufgespürt und erschossen.

 

Mit Daniel - Bewohner der Comuna 13 – laufen wir die steilen engen Gassen hoch, nehmen die vor ein paar Jahren errichteten Freiluft-Rolltreppen, hören seinen Erzählungen über das Leben hier und lassen uns die zahlreichen ‚Muros‘/geschichtliche Wandbilder erklären.

Auf halber Höhe weist er auf eine Bauschutt-Deponie am gegenüberliegenden Berghang. Dort wurden in den Jahren der Gewalt viele Leute hingerichtet und verscharrt.

 

Oben angekommen öffnet sich der weite Ausblick auf die blechernen Dächer der an steilen Hängen klebenden Häuser.

Da es in Bolivien, Peru und Kolumbien oft von grossen Höhen wieder tief runter ging, sind die Bremsbeläge - hinten wie vorne - bereits nach ca. 7000km bis auf den Metallrahmen abgeschmirgelt. 

Ein weiterer lehrreicher Tag in einer Garage!