Mit dem Camper aus der Schweiz kommend
Früh am Samstagmorgen fahren wir in der Schweiz zur 5-wöchigen Rundreise durch Nordost-Europa los.
Durch Bregenz und an München vorbei gehts in den Osten. Beim grössten See in Bayern - dem Chiemsee - machen wir einen ersten Stopp. Bekannt ist der See vor allem durch zwei seiner drei grösseren Inseln. Auf der Frauen-Insel befindet sich ein Benediktinerinnen-Kloster, auf der Herren-Insel stehen zwei Schlösser. Das alte Schloss (ehemaliges Kloster) und das neue Schloss des Märchenkönigs Ludwig II. (Schloss Herrenchiemsee) wollen wir uns ansehen und lassen uns daher mit einem Touristenboot auf diese Insel fahren.
Da wir uns in Nordost-Europa viel vorgenommen haben, fahren wir nach wenigen Stunden auf der Herren-Insel bald wieder auf der Autobahn weiter Richtung Österreich.
Weiter gehts nach Österreich, Tschechien und Polen, von wo wir wieder nach Nord-Deutschland zurückkehren.
26.-27.7.2001
Auf unserer Nordosteuropa-Rundreise überqueren wir - von Stettin kommend - die Grenze zwischen Polen und Deutschland und steuern einen Camping am Griebnitzsee in der Nähe von Potsdam an. Obwohl Ursi weiterhin krank ist, steht weiterhin Sightseeing auf dem Programm.
Wir fahren zum Schloss Sanssouci und bewundern dessen Gartenanlage, das Neue Palais sowie das Chinesische Gartenhaus im Schlosspark.
Wir erkennen, dass unser Camper unser ganz persönliches 'Sanssouci' darstellt und begeben uns daher bald in die kulinarisch gewieften Hände unseres Leib-Kochs 'Tin Can'.
26.-28.07.2001
Von unserem Camping am Griebnitzsee - in der Nähe von Potsdam - fahren wir mit den Velos zum nahen S-Bahnhof, von wo wir dann mit dem Zug ins Zentrum von Berlin fahren.
Ursi gehts immer noch nicht besser. Trotzdem radeln wir durch Berlin und besichtigen den Fernsehturm, einen kleinen Rest der Berliner Mauer, eine leerstehende Häuserzeile gegenüber der Mauer und den Alexanderplatz.
Das Brandenburger Tor ist gänzlich eingehüllt und wird zurzeit restauriert. Am Kanzleramt und der Schweizer Botschaft vorbei gehts zum Reichstagsgebäude, wo wir uns mit vielen anderen für die Besichtigung der Kuppel anstellen.
Ursi gehts inzwischen miserabel.
Auch am nächsten Tag quält sich Ursi mit Fieber, Schüttelfrost und Magen-/Darm-Problemen. Trotzdem will sie nicht aufgeben und so fahren wir nochmals mit unseren Velos per Bahn ins Zentrum von Berlin.
Wir umrunden die Kaiser Wilhelm Gedächniskirche, aber die Siegessäule muss ich alleine besteigen. Nach dem Besuch von Checkpoint Charly ist Ursi zu schwach um noch länger weiterzumachen und lässt sich überreden, die Notaufnahme der Berliner Charité anzufahren.
Die Ärzte vermuten eine Lebensmittel-Vergiftung als Ursache - vermutlich der gebratene Fisch an der Ostsee?! Seit Stettin hat Ursi viel Flüssigkeit und Mineralien verloren und muss mit einigen Flüssigkeits-Beuteln - intravenös - wieder aufgepäppelt werden muss. Innerhalb einer Stunde gehts ihr bereits wieder so gut, dass wir per Velo und S-Bahn nach Potsdam zurückkehren können.
Nach einem späten Start in Potsdam erreichen wir gegen Mittag Dresden. Ursi ist immer noch etwas schwach, so dass wir uns bereits nach einer kurzen Besichtigung der Altstadt auf einen Campingplatz zusteuern. Wir nehmen uns vor, irgendwann Dresden nochmals zu besuchen und dann die zahlreichen Sehenswürdigkeiten zu geniessen.
29.-30.7.2001
Von Dresden gehts direkt nach Selb. Nach einem ausgiebigen Einkaufs-Trip - bei Rosenthal, Hutschenreuter, etc. - und dem Besuch einer Porzellanmanufaktur fahren wir am nächsten Morgen - mit Porzellan beladen - weiter nach Regensburg.
Auch hier sehen wir uns rasch etwas um, bevor wir uns auf den Camping zurückziehen.
31.7.-03.08.2001
In München lassen wir uns einige Tage Zeit und geniessen entspannt das warme Sommerwetter. Ursi geht es nun wieder blendend und wir mögen beide Hefeweizen-Bier und die deftige bayerische Küche. Auch der Schweizer Nationalfeiertag - 1. August - will gebührend gefeiert werden, so dass wir erst am Freitag, nach einer monatigen Rundreise durch Nordost-Europa, wieder in die Schweiz zurückkehren.
Von München aus gehts wieder zurück in die Schweiz
Mit dem Camper durch Frankreich aus der Schweiz kommend
24. - 26.08.2016
Am 24. August ist es nun soweit. Der Abschied in Abtwil fällt sehr schwer und nachdem wir Gregory vom Kindergarten abgeholt haben gibt es nochmals einen tränenreichen Abschied in Knonau.
Jetzt geht's aber nordwärts. Wegen unserer Überlast fahren wir durch Frankreich (die Franzosen kontrollieren ev. nicht so genau) und machen unseren ersten Halt in Strassburg. Wir spazieren durch die Altstadt und geniessen nochmals die französische Küche.
Am anderen Tag wechseln wir die Rheinseite, besichtigen Speyer (eine der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen) und fahren noch bis Frankfurt weiter. Die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz erweist sich als schwierig und so geben wir uns mit dem Parkplatz am Südfriedhof zufrieden.
Die sehenswerte Innenstadt besichtigen wir mit der U-Bahn und auf 'Schusters Rappen'. Am späteren Nachmittag geht's weiter über Kassel (gähn) nach Marburg.
26. - 29.08.2016
Marburg, eine Universitäts-Stadt auf einem Hügel, begrüsst uns schon von weitem. Wir schwingen uns auf unsere Bikes und fahren zur Altstadt hoch - ein ganz schöner 'Chrampf' :o(
Die schönen, gut erhaltenen Fachwerkhäuser und das Schloss ganz oben entschädigen uns aber für die Mühe.
Beim nächsten Ziel - Göttingen - machen wir Bekanntschaft mit der berühmten Gänseliesel. Sie soll das meistgeküsste Mädchen der Welt sein. Alle neuen Doktoranden drücken ihr nach bestandener Prüfung zum
Dank einen Kuss auf die Wange.
Der Abend beschert uns dann ein heftiges Gewitter und Hagel. Das Wasser steht knöcheltief und von den Bäumen brechen grosse Äste ab. Jetzt heisst es aufräumen. Alle helfen einander die Äste von den Camper-Dächern zu holen und wieder alles trocken zu legen (das Schlafzimmer wird zum Trockenraum).
Am anderen Morgen ist alles wieder ganz friedlich und zum Glück gibt's keine Schäden. Nun stehen zwei dringende Erledigungen auf dem Programm. Roby muss den Marderbiss am Schlauch der Scheibenwaschanlage flicken und ich die in Deutschland offensichtlich unbeliebten 500 €-Scheine auf einer Bank in kleinere umzutauschen. Ich hab schnell gemerkt, dass ich den weitaus schwierigeren Job gefasst habe. Keine Bank will wechseln, es könnte ja Drogengeld sein. ;o) Nach Langem kann ich meine Aufgabe auf der Landeszentralbank erledigen, uff!
Auf der Weiterfahrt nach Hannover legen wir noch einen Zwischenhalt in Hildesheim (nur kurzer Spaziergang) ein.
In Hannover beziehen wir einen Parkplatz am Maschsee, unweit der Innenstadt. Selbstverständlich, wenn Roby einen solchen See sieht, heisst es sofort – den umrunden wir!!
Gesagt getan, es führt kein Weg daran vorbei – früh am nächsten Morgen geht's joggend um das Gewässer!
Auf der Weiterreise bemerken wir langsam, dass es flach und flacher wird und wir nun wirklich im Norden von Deutschland angekommen sind. Celle, eine kleines und bezauberndes Städtchen mit vielen Reihen von Fachwerkhäusern gefällt uns sehr und so schlendern wir durch die Gassen, trinken ein Hefeweizen und schauen den Menschen beim Schoppen zu – wir dürfen ja nicht mitmachen (sind 220kg zu schwer).
Am Abend treffen wir uns mir Claudia und Thorsten. Sie übergeben uns eine Spurstange und zwei Klappsessel, die wir für Reto (Schweizer Camper in Uruguay) nach Südamerika mitnehmen. Später führen sie uns zu einem wunderschönen Übernachtungsplatz inmitten der Natur, über uns ein Windrad. Wir sitzen ein Weilchen zusammen und lassen uns Tipps von diesen beiden ehemaligen Südamerika-Reisenden geben. Spät am anderen Morgen, als Claudia ihren Hund Atze Gassi führt, findet sie uns noch immer auf diesem friedlichen Platz vor.
Uns gefällt es hier super, vor allem stehen aber auch noch verschiedene Hausarbeiten an (Haare schneiden, Camper putzen, Keller aufräumen) - auch das gehört dazu.
Am Nachmittag fahren wir weiter nach Bremen. Auf einer Weserinsel stellen wir unseren Camper ab und fahren mit den Bikes in die Stadt. Wir besichtigen zuerst den Marktplatz mit dem wunderschönen Rathaus und dem Dom und suchen und suchen und suchen…. und finden dann doch noch ‚Die Bremer Stadtmusikanten‘!
Nach einer Altstadtumrundung per Bike schlendern wir durch die engen Gassen des Schnoorviertels und lassen uns zum Nachtessen Matjes (roher Fisch) mit Bratkartoffeln im 'Kleiner Olymp' schmecken. Das muss natürlich wieder abtrainiert werden und so ist am Morgen wieder joggen angesagt. Nachdem ich micht in Marburg schon so total verlaufen habe, passiert es mir hier auch wieder. Ist doch nur eine kleine Insel, aber ich habe das Gefühl schon irgendwo in der Pampa Südamerikas zu stecken – Hilfe!
Neben Celle gefällt uns auch Lüneburg sehr. Die Fachwerkhäuser hier haben aber wieder einen anderen Stil. Das Besteigen des Wasserturms lohnt sich, hat man doch eine schöne Aussicht über die ganze Stadt.
Die Besichtigung des nahegelegenen Schiffshebewerks bietet ein sehenswertes technisches Schauspiel. Dieses bietet modernen Frachtschiffen die Möglichkeit eine Höhe von 38 Metern zu überwinden (siehe Video dazu).
Die Besichtigung des Schiffshebewerks in Scharnebeck, Nähe Lüneburg/Deutschland bietet ein sehenswertes technisches Schauspiel. Dieses moderne Bauwerk bietet Schiffen die Möglichkeit eine Höhe von 38 Metern zu überwinden.
03.09. - 06.09.2016
Das Wetter verschlechtert sich, wärmere Kleider sind gefragt – ausgerechnet jetzt, wo wir doch die Heide sehen möchten. Trotzdem setzen wir unsere Reise fort nach Undeloh in der Lüneburger Heide. Roby kann mich sogar bei diesem nass-kalten Wetter noch zu einer Heide-Bike-Tour
überreden. Petrus muss ein Biker gewesen sein – kaum auf dem Sattel lichten sich die Wolken und es wird schön.
Es ist herrlich durch die ruhige und blühende Heide zu biken. Wir kommen an Scharen von Gänsen vorbei aber leider sehen wir keine Heidschnucken (Schafe, die wie Wild zu essen sein sollen). In Wilsede, einem schnuckligen kleine Ort mit Riet-Gras gedeckten Bauernhäusern lassen wir uns das Salzsieden erklären. Und wie das so ist - die Welt ist klein – einer dieser Sieder berichtet uns aus seiner Zeit, als er vor 55 Jahren in die Schweiz ausgewandert und in Altdorf bei der Dätwyler AG in Altdorf/Uri (Nachbarort, wo wir aufwuchsen) Arbeit gefunden hat.
Auf unserem Stellplatz in Undeloh machen wir die Camper-Bekanntschaft von Irene und Gerd aus Bremen. Bei Weisswein und gemeinsamen Nachtessen (Bratkartoffeln und Fisch) tauschen wir unsere Reise-Erfahrungen aus. Gemütlich sitzen wir noch bis in die Nacht hinein zusammen und teilen am nächsten Morgen auch unsere Frühstücke.
Bei trübem Wetter geht’s weiter über Buxtehude (nett) nach Stade, eine schmucke Kleinstadt. Dort ist alles auf den Beinen, der etwas vom Flohmarkt günstig ergattern möchte.
Da es schon bald zu regnen beginnt fahren wir weiter zum Camping Krautsand am Elbstrand.
Hier wollen wir wieder einmal zwei Nächte bleiben, etwas ausruhen, Blog schreiben und haushalten. Am Morgen ist joggen auf dem Elbe-Deich angesagt. Langsam verabschieden sich auch die Schweizer Lebensmittel. Keinen Kaffeerahm mehr, Käse, Milch und Butter aufgebraucht, letzte Flasche Rotwein aus unserem Keller getrunken. Was uns noch bleibt – Fondue, Aromat, Mayo und Senf ;o))
Am Nachmittag sitzen wir gemütlich in einem Strandkorb an der Elbe, geniessen ein kühles Bier und sind beeindruckt über die gewaltigen Ausmasse nahe ans uns vorbeiziehender Container-schiffe. In ca. einer Woche werden wir auf einem ähnlichen in die entgegengesetzte Richtung hier wieder vorbeifahren.
Ein kleiner Eindruck von der Elbe bekommen wir, als wir in Wischhafen die Fähre über die Elbe Richtung Hamburg nehmen. Gegen Abend erreichen wir – zwar nur langsam, da viel Stau - unseren Stellplatz 'Am grünen Deich' nahe des Hafens, wo wir bis Montag auf unser Containerschiff warten.
06.09. -12.09.2016
Einen Camper-Stellplatz 'Am grünen Deich' stelle ich mir zwar etwas anders vor. Wie Sardinen in eine Büchse gequetscht, stehen wir Camper an Camper -1989 haben wir noch im Hotel Atlantic Kempinski übernachtet ;0))
Aber was soll’s, wir sind nahe zum Hafen, denn wir müssen noch mit unserer 'neuen' Autonummer dorthin fahren!
Unseren ersten Abend in Hamburg feiern wir mit Grill und gutem Wein.
Am nächsten Tag, bei einer Stadtrundfahrt mit dem Touribus, verschaffen wir uns einen guten Überblick, den wir noch zu Fuss, S-Bahn, Bike und joggend vertiefen.
Für die vier Wochen auf See ist nun nochmals Packen angesagt. Auch Blog und Newsletter wollen nochmals aktualisiert werden. Dafür besuchen wir McDonalds - hat WLAN - aber nur seeehr langsam - und gönnen uns dort ein Eis.
Zu einer Bike-Tour nach Blankenese hat's auch noch gereicht. Dabei haben zwei Rad-Speichen den Geist aufgegeben, die wir glücklicherweise noch vor der Abfahrt austauschen konnten.
Containerschiff GRANDE ANGOLA von Grimaldi Line
Zweibett Innenkabine €1.971,00/Person (Vollpension)
Camper L7,68 x B2,33 x H3,05m €3.078,00
Gesamtpreis €7.020,00
Gebaut 2008
Länge 211 m
Breite 32.25 m
Höchstgeschwindigkeit 19 Knoten/35 kmh
Lademöglichkeit: 3890 Autos und 1'360 Container.
6 Kabinen ohne Fenster für je 2 Passagiere, Dusche/WC, kleiner Aufenthalts- und Fitnessraum.
Gegessen wird in der Offiziersmesse mit dem ‚Comandante‘ und den Offizieren. Der ‚Comandante‘ begrüsst uns am Mittag immer mit „Gut morning, gut apetait!“ – was so viel heisst wie: „Guten Morgen und guten Appetit!“
Jeder Passagier hat pro Tag drei Getränke zur Verfügung - 1.5l Wasser, 2dl Rot- oder Weisswein, 3dl Cola oder Orangina. (Brasilianisches) Bier oder Red Label kosten zusätzlich separat – 1 bzw. 25 Euro.
Das Schiff wird von einem Verbrennungs-Motor mittels einer 4m grossen Schraube angetrieben. Drei Stockwerke hoch, mit acht Zylindern (Kolben-Hub 3m) ausgestattet, verbraucht das laute Ungetüm ca. 2 Tonnen Treibstoff pro Stunde (bei 17 Knoten oder 31km/h). 2000 Tonnen davon (schwefelarmer Schiffsdiesel für die europäischen Strecken, dickes schwarzes Schweröl für die restliche Strecke) liegen seit Hamburg im Bug des Schiffes.
Das Schweröl wird in einer Zentrifuge vom Schlamm befreit, auf ca. 200 Grad aufgeheizt und dann in den Motor eingespritzt. Der Öl-Schlamm wird heute nicht mehr im Meer entsorgt. Die Hafenbehörden erwarten, dass für
jedes getankte Kilo Schweröl eine entsprechende Menge Schlamm zurückgebracht wird. Auch werden, mindestens in Europa, Abgasmessungen stichprobenweise durch Helikopter oder Drohnen durchgeführt.
Zwei grosse Kühler mit Meerwasser kühlen den motor-seitigen Wasserkreislauf. Ein siebenköpfiges Team ist für alles Technische auf dem Schiff verantwortlich (08.00-17.00 Uhr). Meerwasser wird entsalzt, gereinigt und für Duschen und WC-Spülung verwendet.
Zum zentimetergenauen Manövrieren im Hafen stehen elektrisch betriebene Seiten-Schrauben zur Verfügung.
Einmal im Tag werden die mächtigen Turbolader vom Russ gereinigt. Dabei wird bei Volldampf eine Chemikalie eingespritzt und mit der damit entstehenden Hitze aller Dreck zum Kamin rausgestossen – dicker schwarzer
Rauch ist das Resultat.
Auch auf einem Riesenfrachter wie der Grande Angola ist Seekrankheit ein Thema. Auf der Reise nach Dakar schwankt das Schiff von links nach rechts, was uns mit unseren quer zur Fahrtrichtung stehenden Betten zugutekommt. Man kann sich entweder mit den Zehen oder den Fingern oben an der Matratze, respektive unten, festklammern und rutscht dadurch nicht umher.
Bei der Atlantiküberquerung von Freetown nach Victoria schwankt das Schiff hingegen längs zur Fahrrichtung – eine unangenehme Schaukel-Bewegung, die man aber durch unterlegen von Kissen etwas mildern kann.
12.09.2016
So, endlich geht’s los – oder doch nicht!?
Der Agent der Reederei informiert uns, dass wir um 16.00 Uhr auf’s Schiff können und da wir noch etwas vom Hafen-Feeling mitkriegen wollen, sind wir schon um 14 Uhr da. Doch wo müssen wir uns nun
melden, oder können wir einfach zum Schuppen 48 durchfahren? Röbä fährt direkt auf die Schranke zu, wird aber sehr schnell und unfreundlich zurückgepfiffen.
Aus 16.00 wird 18.00 Uhr. Unsere Mitreisenden Michaela und Tobias - 36/40 J., reisen mit einem Landrover Defender 110 - treffen auch schon ein und so machen wir uns im Schatten unseres Campers - mit Blick auf die Hafeneinfahrt - gemütlich und stellen uns einmal mehr auf‘s Warten ein.
Leute kommen und gehen, schauen uns etwas fragend an bis dann einer auf uns zusteuert und uns mitteilt, dass wir nun doch erst um 21.00 Uhr aufs Schiff dürfen, die Autos aber erst morgen einfahren können.
Kurzum bestellen wir Pizza und das Warten geht weiter. Um 20.45 Uhr können wir endlich das Administrative abwickeln und mit einem Begleitfahrzeug bis zur Grande Angola vorfahren; ein mächtiger, eindrücklicher Kahn. Nach der Begrüssung durch den Kapitän räumen wir unsere sieben Sachen in unsere einfache aber saubere Kajüte ein und legen uns schon bald in die Kojen.
13.09.2016
Oh, war das eine Nacht! Harte Betten mit überstehendem Rahmen - dass man nicht rausfällt, wenn’s mal schaukelt - eiskalte Kabine und noch dazu etwas Nervosität….!
Nach dem Frühstück - Focaccia mit Tomatensauce, frisch gebackene Brötchen, Butter, Konfitüre, Coppa, Cornflakes, Kaffee, Tee - setzen wir uns auf‘s Dach der Brücke und schauen für die nächsten drei Stunden dem Ent- und Beladen des Schiffes zu.
Wir sind überwältigt von der Präzisionsarbeit des Kranführers. Auf den Zentimeter genau senkt er sein Greifwerkzeug, packt einen Container und setzt ihn im Bug des Schiffes ab. Im Heck werden Occasionsautos für Afrika eingeladen. Unsere eigenen zwei Fahrzeuge stehen noch neben dem Schiff und warten auf die Einfahrt.
Mittlerweile haben wir ein leckeres italienisches Mittagessen genossen - 1. Gang Spaghetti, 2. Gang Fisch, 3. Gang Fleisch mit Salat, 4. Gang eine Orange und einen Espresso.
Als wir unseren 3. Offizier Roberto fragen, wann das Schiff ablegt, meint er um 16.00 Uhr, wir würden es ja aber dann schon merken. He, und unsere Fahrzeuge!!!
Er schaut ganz verdutzt aus der Röhre und meint: “ Ach ja, die Campers … die müssen auch noch rein, aber zuletzt!? Uff!
Um 15.00 Uhr geht’s dann plötzlich schnell. Rückwärts fahren wir aufs Schiff und zurren die Fahrzeuge am Boden fest. Pünktlich um 16.00 Uhr legen wir in Hamburg ab.
Ein unbeschreibliches Gefühl, wie dieser Koloss so ruhig und leise sich Zentimeter für Zentimeter vom Kai entfernt und in die Elbe einmündet.
Als wir den ‚Welcome Point‘ bei Werde passieren, werden wir sogar noch mit der italienischen Nationalhymne verabschiedet – welch ein Gefühl! Lange bleiben wir noch auf dem Deck sitzen und geniessen einen wunderschönen Sonnenuntergang.
14. 09.2016
Wir überqueren die Nordsee Richtung Tilbury/England.
Was für ein Start in den Tag! Nach dem Joggen auf Deck - Röbä schwitzt unten im Fitnessraum, umgeben von altersschwachen Geräten - stehe ich an der Reling, um mich herum blaues Wasser und schäumende Wellen. Die Sonne glänzt auf der Wasseroberfläche und aus meinem iPot ertönt 'What a wonderful world' von Louis Armstrong.
Heute stehen noch ‚Safety-Procedures‘ auf dem Programm. Röbä freut sich schon auf die ‚Actions‘ mit Schwimmweste, Rettungsboot, Mann über Bord, etc... ! Doch leider - für ihn - entpuppt sich das Ganze als trockene Information im Gemeinschaftsraum :o(
Punkt für Punkt wird besprochen und auf einer Liste abgehakt. Aye, aye, Sir - alles verstanden!
16.09.2016
Im Gegensatz zur Eigner-Kabine und den Aussenkabinen - dort hat sich die Crew eingenistet - besitzt unsere Innenkabine kein Fenster. Um etwas Sonne zu tanken zieht es uns daher noch vor dem Frühstück aufs Deck. Doch heute kommen uns die Strahlen in Tropfen entgegen – es regnet. Wir sind in England und da muss das wohl so sein ;o)
Um 09.00 Uhr wird uns mitgeteilt, dass die Abflussrohre der Toiletten verstopft sind und wir bis auf weiteres diese nicht benutzen dürfen. Ok, ein Weilchen halten wir das schon aus! Als wir uns um 13.00 Uhr nach dem Stand der Dinge erkundigen, wird uns mit einem Lächeln und einem Schulterzucken verkündet, dass um 16.00 Uhr wieder alles ok sein müsste!!
Da heute schlechtes Wetter ist, schalten wir einen Waschtag ein. So weit so gut – nur der Tumbler funktioniert nicht so wie er müsste und Wäscheleinen gibt es nicht. Mit Absperrband spannen wir in unserer Kajüte, zwischen Vorhang und Schrank, eine Aufhänge-Möglichkeit – traraaa, funktioniert!
Mik - 68 J., mit Motorrad und Zelt - und Mike - 52 J., mit Mercedes Sprinter 4x4 - zwei neue Mitreisende nach Südamerika, treffen ein.
Fahrzeit Hamburg - Tilbury/Grossbritannien 26 Stunden.
16. - 20.09.2016
Überquerung Ärmelkanal Richtung Antwerpen.
Wir erwachen mit einem sanften Schaukeln. Oho, da scheint ja draussen was los zu sein! Doch als wir dann oben stehen, sind wir erstaunt, dass nicht höherer Wellengang herrscht. Da ich in dieser Hinsicht nicht sehr seetauglich bin, lässt das Rebellieren meines Magens auch nicht lange auf sich warten. Aber dank Sandra und Guillermo - Tochter und Schwiegersohn - sind wir medizintechnisch bestens ausgerüstet.
Leider entschliesst sich unser Koch ausgerechnet heute einen stark riechenden Fisch zuzubereiten :o(
Während alle am Tisch auf diesen Gang verzichten, scheint Röbä keine Probleme zu haben und geniesst diese Mahlzeit offensichtlich.
In der Einmündung Westerschelde Richtung Antwerpen wird das Wasser zum Glück wieder ruhiger und so auch mein Magen. Kurz vor dem Hafen passieren wir eine Schleuse und es fühlt sich ‚fast‘ schon an wie unsere Fahrt durch den Panamakanal ;o)
Die Überfahrt von Tilbury nach Antwerpen dauert 18 Stunden. In Antwerpen bleiben wir bis Montagabend. Langsam füllt sich nun auch unser Aufenthaltsdeck mit zahllosen Fahrzeugen. Unsere Bewegungsfreiheit wird mehr und mehr eingeschränkt. Am Schluss bleibt uns nur noch der ‚Helikopter‘-Landeplatz.
18.09.2016
Am Sonntag fahren Michaela, Tobias und wir mit dem Taxi nach Antwerpen rein. Wir haben Glück, denn es ist autofreier Sonntag und ein kleines Volksfest im Gange. Nach einer
Woche italienischer Küche - Menüplan unverändert - geniessen wir die äusserst leckeren Moules und Frites und dazu ein kühles ‚Hoegarden‘.
Wir schlendern durch die Altstadt und schauen dem bunten Treiben der Leute zu. Später begeben wir uns mit Michaela und Tobias zum Seafarers’ Centre ‚Stella Maris‘, wo wir noch etwas am Blog
arbeiten und auf den Bus zum Schiff warten.
In jedem Hafen gibt es offensichtlich ein solches Seelsorge-Zentrum, das den See-Fahrern eine Aufenthalts-möglichkeit mit Gratis-Transport vom/zum Schiff organisiert.
19.09.2016
Am Montag herrscht Aufbruch-Stimmung in verschiedenster Weise! Der Kapitän und der Koch werden abgelöst. Nach 5-monatigem Einsatz haben sie ihre Ferien redlich verdient. Der neue ‚Comandante‘ - höherer Rang als Kapitän - fährt schon seit drei Tagen auf dem Frachter mit und ist nicht zu überhören. Ein voluminöser lauter Italiener, der ohne Punkt und Komma spricht :o(
Beim Mittagessen fast unerträglich!
Der neue Koch soll fantastisch kochen, schwärmt die Crew – und Recht haben sie. Rocco hat zwar die gleichen Zutaten wie der früher Koch und auch den gleichen Speiseplan, kocht aber etwas raffinierter.
Die vier letzten Passagiere kommen an Bord – Theresa und Pierre - 67/69 J., mit einem selbstgebauten Toyota Pickup-Camper - sowie Marie Christine und Philipp - 59/59 J., mit einem Sprinter-Camper
- alle aus Frankreich. Theres und Pierre haben diese Frachtschiffreise schon elfmal gemacht. So interessant die Reise auch ist, dies kann man sich nur schwer vorstellen!
Golf von Biskaya
Es wurde uns schon prophezeit – und ist jetzt auch eingetroffen – die See ist wieder rauer als im Kanal. Diesmal erwischt es Röbä. Schon früh morgens versucht er seinen Magen mit einem Schluck Whisky zu besänftigen, muss dann aber später doch noch zu einer Tablette greifen.
Fisch zum Mittagessen scheint an solchen Tagen nicht sehr beliebt zu sein. Ausser Mike verzichten alle, obwohl er diesmal nicht so unangenehm riecht!
Wir verbringen den Tag fast ausschliesslich liegend in der Kajüte.
Küste Portugal
Kaum ist die Biskaya hinter uns, wird die See wieder ruhiger und der Wind schwächt ab. Wir haben uns mittlerweile an das konstante Wiegen des Schiffes gewöhnt. Rings um uns nur blaues Wasser, blauer Himmel und manchmal ein paar Wolken. Jetzt müsste eigentlich die Langeweile einsetzen - aber dem ist nicht so. Jeder geht irgendwelchen Beschäftigungen nach, sei es auf dem Oberdeck ‚relaxen‘, auf dem Meer Ausschau nach Walen halten, Spanisch lernen, musizieren, Fitness machen oder etwas schlafen.
Diese Tage werden meistens nur unterbrochen von den drei sehr üppigen Mahlzeiten plus unserem abendlichen GADC-Treffen (Grande Angola Drinking Cub). Die absolute Erholung :o))
22.09.2016
Am Donnerstag, 14.00 Uhr, heisst es Malariaprophylaxe schlucken - freiwillig - als Vorbereitung für den Landgang in Dakar und Freetown. Anschliessend dürfen wir dem Kapitän auf der Brücke über die Schulter schauen. Wir kriegen diverse Logbücher - Fracht, Navigation, Sicherheit, … - zu sehen und erhalten eine kurze Einführung in die Bedienung der Steuerpulte. Das Schiff fährt mit Autopilot und ist meistens mit 14 Knoten unterwegs. Man stelle sich vor, wir fahren mit 25 km/h nach Südamerika!!
Der ‚Look-Out‘ sitzt hier nicht mehr im Mastkorb, sondern muss inzwischen von der Brücke aus 4 Stunden den Horizont auf mögliche Gefahren absuchen. In einer Ecke der Brücke unterweisst der 1. Offizier zwei Offiziers-Kadetten in der Anwendung von Theodoliten.
Küste Marokko
Am Nachmittag, vis-a-vis von Casablanca, hören wir ein klatschendes Geräusch. Wir springen zur Reling – vielleicht erweist uns ein Wal wieder mal die Ehre. Wir beobachten, wie die Crew einen grossen weissen Gegenstand über die Reling ins Meer kippt. Etwas später nochmals dasselbe Geräusch. Es spricht sich rasch herum, dass dies die zwei defekten Waschmaschinen waren, die man auf diese Weise elegant entsorgt hat – ganz legal, wie die aushängende Anweisung zur Müllentsorgung zeigt!
24.09.2016
Küste Lanzarote und Fuerteventura
Früh um 05.30 Uhr stehen wir an der Reling und lassen die Lichter von Lanzarote an uns vorbeiziehen. Im April 2015, während unseren Ferien auf der Insel beobachteten wir die vorbeifahrenden Containerschiffe mit dem Gedanken, dass wir in ca. einem Jahr genau auf einem solchen sein würden. Und jetzt ist es soweit!
Da wir nahe an Land vorbeifahren, haben wir auch wieder einmal Verbindung ins Mobil-Netz und können schnell mit der Aussenwelt in Kontakt treten.
.
26.09.2016
Schon von weitem erhebt sich das riesige 'Monument de la Renaissance Africain' von Dakar. Der Lotse kommt an Bord. Langsam umfahren wir die ‚Ille de Gorée‘ und legen im Hafen an. Vor uns breitet sich Dakar mit all seinen Aktivitäten, Gerüchen und Stimmen aus. Der Hafen liegt direkt am Rande der Stadt und so verbringen wir die Zeit, bis alle Zollformalitäten erledigt sind, mit Erspähen von interessanten Ecken, welche wir unbedingt erkunden möchten.
Um 17 Uhr erhalten wir - Michaela, Tobias, Mike, Röbä und ich - unsere Passierscheine, melden uns bei Sonny – unserem Steward - fürs Abendessen ab, schlüpfen in die gelben Warnwesten und los geht die Tour.
Doch schon der Ausgang aus dem Hafen zu finden, entpuppt sich als kleines Abenteuer. Wir müssen ca. 500 Meter der Hafenmauer entlang laufen, vorbei an hupenden und mit Reis und Zwiebeln schwer beladenen
Lastwagen und Acht geben, dass wir nicht überfahren werden. Endlich draussen, eine total andere Welt, stürzen sich schon die ersten Möchte-Gern-Guides auf uns und wollen uns die Stadt zeigen. Aber das bewältigen wir heute lieber selber und so schütteln wir sie ab und laufen los.
Männer und Frauen in farbigen traditionellen Kleidern kommen uns entgegen, viele transportieren ihre Ware auf dem Kopf. Einzelne neue und viele kaputte, verrostete Autos - Grande Angola entlädt auch noch gerade ein paar hundert - verstopfen die Strassen und wir suchen uns einen Weg hindurch. Im Zentrum hat es zahllose kleine Händler, die ihre Ware anbieten. Es ist schwül und stickig, wir sind hungrig, durstig und einen ersten Eindruck haben wir gewonnen.
Im Hotel ‚Fleur de Lys‘ möchten wir uns stärken, müssen aber zuerst am Eingang einen Metall-Detektor-Check über uns ergehen lassen. Wir haben Glück und haben per Zufall eines der höheren Hotels mit Bar und Restaurant im 12. Stock ausgewählt. Die Aussicht über die Stadt ist fantastisch und der Muezzin, der zum Gebet ruft, gibt dem Ganzen noch eine extra Portion Exotik. So geniessen wir das feine Abendessen - einmal keine Pasta - und stossen mit einem Glas Sekt auf 44 Jahre Ursi und Röbä an.
In der Dunkelheit machen wir uns auf den Rückweg zum Hafen. Am Eingang werden wir mit Helmen ausgestattet, da das Begehen des Hafengeländes ohne nicht gestattet ist - beim Rausgehen war dies noch kein Problem!! Der Hafen-Kontrolleur meint dann noch zum Schluss, wenn wir beim Schiff angekommen sind, soll einer die Helme dann wieder zurückbringen – hm, wie soll das denn gehen?!!
27.09.2016
Heute wollen Röbä und ich die Stadt noch etwas genauer erkunden. Gestern hiess es, wir würden heute erst gegen Abend auslaufen. Doch beim Frühstück sieht alles wieder anders aus – typisch! Wir haben genau noch zwei Stunden Zeit. Um 11 Uhr kommt der Zoll und da müssen wir an Bord sein.
Gleiches Prozedere wie gestern und schon sind wir draussen. Wir suchen uns den kürzesten Weg zum Markt und lassen uns dann auch irgendwann einmal von einem Guide begleiten. Ich werde mehrmals unfreundlich darauf hingewiesen, dass fotografieren nicht erlaubt sei, was unser Begleiter aber immer wieder verneint – ‚Pas de probleme, Madame'!
Die alte Markt-Ruine ist heute nur noch zu einem kleinen Teil begehbar und es gibt nur noch wenige Verkaufsstände. Alle anderen Geschäfte befinden sich aussen um die Markthalle herum.
Durch weitere interessante Gassen lassen wir uns zur Kathedrale und zum Präsidentenpalast führen. Da ich dort dem Drang, ein Foto zu machen, nicht widerstehen kann - warum sollte man kein Foto von einem Präsidentenpalast machen dürfen? - werde ich von einem Polizisten auf die andere Strassenseite beordert. Unser Guide versucht zu beschwichtigen und ich nutze die Zeit, die Palastfotos auf meiner Kamera zu verstecken. Es nützt nichts, ich muss meine Kamera zeigen.
Hoffentlich werde ich jetzt nicht verhaftet und Röbä fährt alleine nach Südamerika ;o(
Ich zeige ihm ein Foto von der Kathedrale und versichere ihm, dass ich keines vom Präsidentenpalast gemacht habe und dass ich niiiiie im Sinn hatte eines zu machen ;o)
Es ist Zeit für die Rückkehr. Noch schnell einen Whisky im Supermarkt für unsere abendlichen Meetings kaufen und unseren Guide bezahlen. Er möchte gerne 20 kg Reis als Bezahlung, wir einigen uns auf 10 kg!
Zurück auf dem Schiff, noch keine Zollbeamten. Abfahrt ist offensichtlich erst um 17.00 Uhr und wir haben so gestresst!
Fahrzeit Antwerpen - Dakar 5 ½ Tage
Entlang der Küste von Senegal, Guinea-Bissau, Guinea bis nach Sierra Leone/Freetown ist das Wetter trüb und es regnet immer wieder.
Nachts um 03.00 Uhr erreichen wir den Warteraum (Anchorage) von Freetown, Fahrzeit Dakar - Freetown 36 Stunden.
Hier bleiben wir für die nächsten 12 Stunden. Ein ‚Helms-Man‘ schiebt Wache auf Deck und erzählt uns, dass er Ausschau nach Piraten halten muss, da es hier immer wieder zu Überfällen kommt. Trotzdem möchten wir uns Freetown anschauen gehen.
Bei der Einfahrt in den Hafen lichten sich die Nebelschwaden und wir sehen Freetown zum ersten Mal. Unser Landgang-Vorhaben schmilzt wie Schnee an der Sonne, denn was wir zu sehen bekommen, erschreckt uns doch etwas.
Da wo sich in anderen Länder Sonnenhungrige an der Beach bräunen, sehen wir nur Slum-Siedlungen. Dicht gedrängt, Hütte an Hütte, aus Holz-, Blech- und Plastikteilen zusammengenagelt. Um die Wellen abzuhalten, Holzstäbe längs und quer ineinander geflochten und mit Stofffetzen, Plastik und Müll abgedichtet. Überall Schweine, die nach etwas Fressbarem suchen und mittendrin Kinder die spielen. Die Stadt ist eingehüllt in Rauchschwaden von den vielen Feuerstellen - es riecht nach geräuchertem Fisch und Fleisch. Und es regnet in Strömen.
Am nächsten Morgen - noch während dem Frühstück - legen wir leider schon wieder ab. So mussten wir selber keine Entscheidung treffen, ob wir einen Landgang wagen oder nicht.
Beim Abendessen stellen wir fest, dass wir nun schon 17 Tage an Bord dieses Schiffes sind und dass wir ev. noch nicht einmal die Hälfte der Reise hinter uns haben. Für Einzelne ist dies eine eher erschreckende Erkenntnis, da ihnen die Ideen zur Tagesbeschäftigung langsam ausgehen.
Unser Tagesablauf:
08.00 Uhr aufstehen und Frühstück
09.30 Uhr Fitness/musizieren
11.00 Uhr lesen/Spanisch lernen
12.30 Uhr Mittagessen mit dem ‚Comandante‘ und den Offizieren
13.30 Uhr Siesta
15.00 Uhr lesen/Spanisch lernen/musizieren/aufs Meer starren/ Wale und Delphine suchen
18.00 Uhr Abendessen mit dem ‚Comandante‘ und den Offizieren
19.30 Uhr GADC-Meeting auf Deck 12
21.00 Uhr schlafen
Am 02. Oktober, 01.40 Uhr überqueren wir den Äquator und haben somit von der nördlichen in die südliche Hemisphäre und vom Herbst in den Frühling gewechselt. Die Sonne steht jetzt nicht mehr im Süden sondern im Norden und das Wasser im Lavabo dreht sich beim Abfliessen in die entgegengesetzte Richtung!
Am Abend feiern Crew und Passagiere die Überquerung mit einem grossen Grillfest. Auf Deck 11 ist weiss gedeckt, die grosse Tafel überquillt mit Köstlichkeiten - Paella, Riesen-Krevetten, Lamm, Poulet, Würste, Fruchtsalat, Gebäck. Eine TV-/Karaoke-Anlage plärrt brasilianische Musik-Shows dazu, die Matrosen sind begeistert von der spärlichen Bekleidung der Tänzerinnen.
Im Verlaufe des Abends werden uns vom Kommandanten Rafaele Minotauro Zertifikate überreicht, die unsere
Äquator-Überquerung dokumentieren.
An einem sonnigen Nachmittag hastet der 3. Offizier an unserem Sitzplatz vorbei und wirft einen rot-weissen Kanister über Bord; rasch verschwindet er aus unserem Blickfeld. Nur mit Mühe kann man dem Kunststoff-Gefäss mit blossem Auge noch folgen - ein Alarm schrillt durch das Schiff - Mann über Bord!
Erstaunlich rasch dreht sich nun unser Schiff. Die Mannschaft eilt, mit Helm und Schwimmweste ausgerüstet, zu den Rettungsbooten und hält sich für einen Einsatz bereit. Inzwischen hat sich der Frachter in einer engen Gegenbewegung auf die andere Seite gedreht und fährt dem ‚Schwimmer‘ entgegen. Nur noch mit Feldstecher erkennt man das auf den Wellen reitende Objekt. Unglaublich schnell sind wir wieder auf gleicher Höhe. Offensichtlich ist damit die Übung abgeschlossen. Der Frachter dreht sich nochmals um 180 Grad und stampft anschliessend wieder Südamerika entgegen.
Am 5. Tag der Atlantiküberquerung sehen wir das erste Frachtschiff und die ersten Vögel (Gannets), die uns begleiten und nach fliegenden Fischen tauchen. Jetzt haben wir es bald geschafft! Die tägliche Routine wird durch einen Waschtag unterbrochen.
06.10.2016
Endlich, der Wecker klingelt 05.45 Uhr, wir haben nach sechs Tagen Vitória in Südamerika erreicht! Schnell aus den Federn und auf Deck. Röbä schläft unbeeindruckt weiter. Doch welche Enttäuschung. Anstatt blaues Wasser und Sonnenschein erwartet mich Regen, graues Wasser und graue Aussicht - Röbä muss das gespürt haben.
Trotzdem lasse ich mich nicht entmutigen, setze mich auf meinen Campingstuhl und beobachte das an mir vorbeiziehende Ufer.
He, da war doch was! Tatsächlich sehe ich drei Wale, die fröhlich im Meer planschen und mir zur Begrüssung zuwinken. Wir müssen uns noch ein paar Stunden gedulden bis wir das OK zur Einfahrt in den Kanal nach Vitória erhalten. Und immer wieder heftiger Wind und starke Regengüsse.
Das Mittagessen nehmen wir hastig ein, denn wir wollen uns ja dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Langsam fahren wir unter der ‚Ponte Deputado Darcy Castello de Mendonca‘ in den engen Kanal ein. Rechts und links mit Palmen überwachsene Felsen, dazwischen bunte Favelas. Hier soll es anscheinend von Pavianen nur so wimmeln – aber bei diesem Regen bleiben die wohl lieber unter einem schützenden Palmwedel ;o)
Nach der Ankunft müssen wir uns wieder gedulden, bis die 'Immigration' unsere Papiere stempelt und wir an Land dürfen. Schlussendlich bekommen wir gerade einmal vier Stunden ‚Freigang‘!
Zu viert nehmen wir ein Taxi, lassen uns in ein Shopping-Center fahren, wo wir uns mit Schoggi, Whisky, Früchten und einer Telefonkarte eindecken.
Während der ganzen Atlantiküberquerung war das Essen immer wieder ein Thema. Jeder/jede hat sich ausgemalt, was er/sie dann als erstes essen möchte, wenn es dann soweit ist. Wir haben uns sooo auf ein saftiges zartes Bife de Lomo und eine Flasche guten Rotwein gefreut. Nicht mehr diese dünnen Rinds-Schnitzel, mal so und mal so zubereitet, kein rotgefärbtes Wasser in grünen Rotwein-Flaschen.
Was wir am Ende bekommen, ist ein rundes, etwa zwei Zentimeter dickes gehacktes Rindfleisch mit Zwiebeln, Käse und Ketchup, eingeklemmt in Brot. Dazu eine Cola und Fries :o(
Das machen wir nächstes Mal besser!!
Atlantiküberquerung 6 Tage
06. - 09.10.2016
Die Reise geht weiter. Während wir Passagiere alle im Tiefschlaf sind – ausser Mik, der geistert nachts irgendwo auf dem Deck rum – verlässt das Schiff den Hafen und der Autopilot fährt uns Richtung Río de Janeiro.
Nach 21 Stunden Fahrzeit treffen wir in der Dunkelheit ein. Wir bekommen einen First-Class Warteraum direkt vor der Copacabana und der Ipanema-Beach mit Sicht auf den Corcovado und den Zuckerhut. Wow!
Die schlechte Nachricht – die Anlegestelle im Hafen ist besetzt und wir bleiben für die nächsten 2 1/2 Tage hier im Warteraum. Río zum Greifen nahe und doch so fern :o(
Aber es wird einiges zur Unterhaltung geboten. Ich sitze auf Deck und lese, als ich ein mir schon bekanntes Aufplatschen auf dem Wasser vernehme. Das darf doch nicht wahr sein – jetzt schmeissen die schon wieder
eine Waschmaschine über Bord und dies vor der Copacabana. Zu meiner Überraschung entpuppt es sich als eine Schule von acht Delphinen, die sich direkt unten am Schiff vergnügen und mit ihren Hinterflossen aufs Meer schlagen. Sie bleiben uns auch die restliche Zeit treu und besuchen uns in den folgenden Tagen regelmässig.
Des Weiteren findet eine Rettungsboot-Aktion statt. Das erste Rettungsboot wird ins Meer gelassen und wieder raufgeholt. Ein paar kleinere Schäden, Rest ok. Das zweite Boot soll nun bemannt runtergelassen werden.
Der Security-Officer und die ‚Helmsmen‘ müssen daran glauben. Alle sind etwas nervös – für uns eher unverständlich, würde doch Röbä sofort partizipieren, wenn er dürfte. Da das Meer etwas unruhig ist, muss noch auf das OK des ‚Comandante‘ gewartet werden.
In der Zwischenzeit drehen Röbä und ich unsere Joggingrunden auf der Meerseite der Copacabana.
Endlich geht es los! Die Crew besteigt mit weichen Knien das Rettungsboot - einer bittet Röbä noch seiner Frau auszurichten, dass er sie liebt – schwups, sind sie unten. Doch jetzt beginnt das grosse Debakel. Der vordere Aufhängehacken löst sich überraschend und das Boot baumelt am hinteren Hacken - halb in der Luft, halb im Wasser. Über eine Stunde versucht die Mannschaft das Rettungsboot, das sich immer mehr in seinen Aufhängeseilen verheddert, zu retten. Schlussfazit der Rettungsaktion – einer hat sich im Boot übergeben, einer wollte sterben, einer war in Panik und der Security-Officer (Philippino) will den Job wechseln, weil er die ignorante Art und Weise der italienischen Crew nicht mehr erträgt.
Zu guter Letzt heisst es - offizielle Version - unser Koch Rocco sei krank und in ein Spital gebracht worden – inoffizielle Version – er hätte das Schiff nach einem Streit verlassen! Das kann ja noch heiter werden!!
Gekocht wird jetzt von unserem italienischen Steward Nello und dem italienischen First Officer Primo.
Erstes Abendessen – sehr gut – wurde noch von Rocco vorbereitet.
Erstes Frühstück – oh, da stehen Joghurt auf dem Tisch und die Brötchen sehen auch ganz anders aus! Es entpuppt sich, dass die Brötchen kaum essbar sind, da zu lange gebacken und deshalb hart :o(
Wir vermuten, die Joghurt sind eine kleine Entschuldigung.
Erstes Mittagessen - 1. Gang: Kalter Teller mit Melone, Schinken, Essiggurken, Oliven und französischem
Baguette – wo haben die jetzt das wohl her? Leider schmeckt es nach Fisch und ist kaum geniessbar.
2. Gang: Teigwaren mit Zucchetti schmecken gut. 3. Gang: Gekochte Rindsplätzli ohne Sauce, ist ungeniessbar.
Dem ‚Comandante‘ fehlen zum ersten Mal die Worte – es herrscht fast Totenstille im Speiseraum. Es heisst nicht umsonst, der Koch ist die wichtigste Person an Bord! Doch dies ändert sich schlagartig. Die Koch-Crew bekommt vom ‚Comandante‘ sein italienisches Brotrezept und die Brötchen sind ab jetzt ein Traum – fast schon wie Brot aus der Schweiz :o))
Alle geben sich Mühe und beraten die Köche mit verschiedenen Rezepten und die Jungs machen das wirklich sehr gut. So kommt jetzt etwas Abwechslung in den Speiseplan!
10.10.2016
Endlich ist es soweit und wir fahren morgens um 05.00 Uhr - vorbei am Zuckerhut - in den Hafen von Río ein. Leider bleibt uns nur wenig Zeit für einen Landgang und so beschliessen Michaela, Tobias, Röbä und ich zur
Copacabana zu fahren, Caipirinhas zu trinken und dann wieder zurück.
Zum Glück waren Röbä und ich schon in Río, sonst würde es mich schon etwas ärgern hier zu sein und doch nicht viel zu sehen. So geniessen wir zwei gemütliche Stunden am Strand, nehmen schnell Kontakt mit zuhause auf, saugen die Atmosphäre der Copacabana auf und lassen uns ein paar Caipirinhas schmecken. Einfach herrlich!!
Über Nacht geht die Fahrt weiter nach Santos, dem Hafen von Sao Paulo. Leider bleibt hier keine Zeit zum Rausgehen. Wir zwängen uns schnell unter Deck zwischen Lastwagen zu unserem Camper durch, um ein paar Sachen auszutauschen.
11.10.2016
Unser Steward Sonny verlässt uns heute. Wir sind etwas traurig, da er seinen Job exzellent gemacht hat, freuen uns aber auch für ihn, da er seine beiden Kinder (2/9) seit acht Monaten nicht mehr gesehen hat. Das Dreamteam – Michaela, Tobias, Mike, Röbä und ich – stehen auf Deck 12 Spalier und winken im nochmals zum Abschied zu.
11.10.-21.10.2016
Nun schaukeln wir schon wieder seit zwei Tagen in Richtung Zaraté/Argentinien. Richtig gelesen - haben wir auch erst kürzlich erfahren – wir machen noch eine kleine Zusatzschlaufe bevor wir dann endlich Montevideo ansteuern. Bis auf ein paar Aussetzer des Schiffmotors und einen totalen Stromausfall gibt es keine Highlights.
Da wir auch noch keinen neuen Koch bekommen haben und dem 'Ersatzkoch' Nello langsam die Ideen ausgehen, sinkt langsam unsere Stimmung.
Gestern Abend, 12. September, haben wir beim GADC- Meeting unser ‚Ein-Monat-auf-Schiff‘ gefeiert.
Neue Hiobsbotschaft – wir müssen südöstlich von Uruguay zur Einfahrt in die Meerenge des Río de la Plata, zwei Tage auf den Lotsen warten :o((
Die Ankunft in Montevideo verschiebt sich immer mehr nach hinten! Das Wetter verschlechtert sich auch zusehends und wir hocken im Moment im dichtesten Nebel.
Auch das Essen wird immer schlechter – verkohltes Brot zum Frühstück, grüne Tomaten mit Cornedbeef zum Mittagessen. Das Tischgespräch dreht sich praktisch nur noch um unsere kulinarischen Wünsche und dazwischen immer wieder die aufmunternden Worte von Röbä: „No, we won’t crack!!“
Gerüchte und Geschichten verbreiten sich auf unserem engen Raum extrem schnell. Mittlerweile weiss ich, weshalb wir im dichtesten Nebel vor Uruguay ohne Licht geankert haben. Wir haben uns versteckt :o))
Der ‚Comandante‘ wollte Warteraumkosten sparen. Wir wurden von der uruguayischen Küstenwache auch erst entdeckt, als der Nebel sich zu lichteten begann. So mussten wir weiter südlich doch noch einen offiziellen Warteraum vor Montevideo ansteuern und hier auf die Weiterreise nach Zaraté warten.
In dieser Zeit findet auf Deck 11 auch das erste Fussball Länderspiel Deutschland – Schweiz auf der Grande Angola statt. Die Schweiz gewinnt 29:24 ! Die beiden Torschützen heissen Röbä und Tobias.
16. 10.2016
Am Sonntag, 17.00 Uhr, geht es endlich los! Der Lotse steuert die Grande Angola auf der engen Fahrstrasse des Río de la Plata in Richtung Buenos Aires. Bevor wir aber in den Río Paraná einbiegen, gibt es noch Abendessen. Welche Farbe wird die Pasta heute Abend haben?? Schnell verdrücken wir ein paar Tomaten-Farfalle und eilen wieder auf Deck. Und was wir da zu sehen bekommen, verschlägt uns fast die Sprache! Der riesige Vollmond erhebt sich blutrot aus dem Horizont. Wow, so etwas haben wir in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen! Am folgenden Tag lesen wir in der e-Zeitung, dass der Vollmond die kürzeste Distanz zur Erde hatte und daher 14% grösser erschien als normal.
Im Dunkeln gleitet unser Schiff in den engen Río Paraná ein. Nur schemenhaft können wir die Natur erahnen. Ab und zu ein schwaches Licht. Etwas unheimlich! Mir kommt das Buch ‚Heart of Darkness‘ von Joseph Conrad in den Sinn. Darin beschreibt er, wie eine Gruppe Abenteurer den Kongo-Fluss in Afrika zum ersten Mal befährt und umkommt - wir kommen aber wieder zurück - hoffentlich!
Den Landgang in Zaraté benutzen wir, um wieder einmal etwas anderes zu essen, als Pasta und mit der Aussenwelt – Familie und Freunde – Kontakt aufzunehmen. Am späteren Nachmittag spazieren wir zurück zum Schiff – gerade rechtzeitig für die Tomaten-Rigatoni!
Da heute unser letzter Abend auf dem Schiff sein könnte, gibt es am GADC-Meeting die Premiere des Grande
Angola-Abschieds-Song (für Text siehe 'Dies und Das').
Mike kommt mit einer neuen Hiobsbotschaft. Er hat vernommen, dass wir nochmals vor Montevideo zwei Tage im Warteraum liegen, bevor wir endlich entlassen werden :o((
Miserables Wetter empfängt uns zurück im Río de la Plata. Es stürmt, Regen fläzt auf uns runter, es ist kalt und der Wind fegt uns fast von Deck. Vielleicht doch besser dieses miserable Wetter noch im Warteraum zu verbringen ;o)
21.10.2016
Endlich! Am Freitag fahren wir nach 39 Tagen und 78 Pasta-Gerichten in den Hafen von Montevideo/Uruguay ein. Rasch packen wir alles zusammen und verlassen den Frachter Richtung Zollabfertigung.
Reisezeit Santos - Montevideo 10 Tage
Fazit - Verschiffung von Deutschland nach Uruguay
Alles in allem war es eine sehr interessante Reise. Wir haben auf dem Schiff und an Land viel gesehen und erlebt. Wir möchten nichts missen, jedoch würden wir eine solch lange Schiffsreise – ausser es besteht keine andere Möglichkeit – nicht noch einmal machen. Die insgesamt sieben Tage in Warteräumen– vor Río de Janeiro/Brasilien, vor La Paloma/Uruguay, vor La Plata/Argentinien – haben unser Durchhaltevermögen doch arg strapaziert!
Während all dieser vielen amüsanten stundenlangen Gespräche haben wir viel gelacht und dabei entstanden ein paar neue Wörter und Namen, die wir, GA-Insider, benutzten und die wir gerne in Erinnerung behalten möchten.
Text, Ursi & Roby Gisler
Melodie, ‚Wir lagen vor Madagaskar‘
Wir lagen vor Montevideo und hatten keinen Koch an Bord.
In den Fässern da faulten die Fische und manchmal wollte einer über Bord.
Ahoi Pasajeros ahoi, ahoi.
Wenn Robys Schifferklavier auf der Angola ertönt
ja dann singen wir alle fröhlich mit – ej warum
weil viele Stunden und viele Tage, wir nach Uruguay geschippert sind.
Grüne Tomaten u. Pasta u. Pasta, u. Pasta
u. Pasta u. Pasta,
u. Pasta u. Pasta u. Pasta und dazwischen etwas hartes Brot.
- Ref.
Der Steward Sonny Boy
Mendoza war die gute Seele auf dem Kahn.
Doch er hatte Sehnsucht nach seinen Kindern und hat uns in Santos verlahn.
- Ref.
Plötzlich schrie einer ‚Mann über Bord!‘ und sofort rannten alle los.
Doch die Waschmaschine war nicht mehr zu retten und so machen wir die Wäsche mit den Händen bloss.
- Ref.
Franzosen verstecken sich hinter Autos – was die wohl bloss da machen?
Sie bräunen den Busen und das ‚Füdeli‘ und geheim bleiben all die andren Sachen.
- Ref.
Die Michi, der Tobi und der Michel wohnen über oder neben dem Fitnessraum.
Sie können das Gestöhne nicht mehr hören und planen Anschlag mit Wein auf den Hampelmann.
- Ref.
Die Reise ist nun zu Ende, vorbei ist die bittersüsse Zeit.
Doch dank WIFI, Satellit und Diesel bleiben wir in Touch und uns ist kein Weg zu weit.
Mit einem Containerschiff geht's via Afrika nach Südamerika/Montevideo in Uruguay
Mit dem PW geht's via Kanton St. Gallen, Österreich, Deutschland, Österreich nach Deutschland
01.-5. Februar 2026
Da unser Camper erst zwei Tage vor unserem Kurztrip nach Garmisch-Partenkirchen (kurz GaPa genannt) vom Strassenverkehrsamt Aargau freigegeben wird, entschliessen wir uns, dorthin mit dem PW zu fahren und im Gästehaus Angela zu nächtigen.
Die 1935 fusionierten Orte Garmisch und Partenkirchen sind ein bekanntes Reiseziel für Wintersportler. Da in kurzer Zeit bei uns zwei Operationen anstehen, wollen wir kein Unfallrisiko eingehen und beschränken uns aufs Wandern und die Gegend zu erkunden.
Der gemütliche Ort beeindruckt uns mit seinen alten sonnenverbrannten Holzhäusern und den aufwendigen Fassadenmalereien, die Geschichten vergangener Epochen erzählen.
Dazu kommt, dass wir uns ja in Oberbayern befinden. Zahlreiche Wirtshäuser locken mit leckerem Weissbier, mit Haxe und Bratkartoffeln, Braten und Knödel oder ganz einfach mit Käsespätzle, yammy!
Blauer Himmel und die Sonne blinzelt zwischen den Bergspitzen durch. Der perfekte Tag für den Ausflug auf die Zugspitze, mit 2.962m der höchste Berg Deutschlands. Der Gipfel kann mit der Zugspitzbahn oder der Seilbahn erreicht werden. Wir entscheiden uns für eine Rundfahrt.
Am Zugspitzbahnhof in GaPa beginnt die Fahrt mit der Zahnradbahn Richtung Eibsee. Kurz danach fährt die Bahn in den Zugspitztunnel ein und klettert Meter um Meter durch den kompakten Kalkstein dem Zugspitzplatt auf 2600m entgegen. Wir geniessen die wunderbare Aussicht auf die umliegenden, mit Schnee bedeckten, Berge.
Mit der Gletscherbahn geht es weiter in luftige Höhen und nach fünf Minuten erreichen wir die Spitze mit einer beeindruckenden Fernsicht auf unzählige Gipfel.
Sehr imposant ist auch die Fahrt mit der Luftseilbahn runter zum Eibsee. Nicht nur passieren wir die mit 127m weltweit höchste Stahlstütze, wir legen auch gleichzeitig den weltweit grössten Gesamt-Höhenunterschied von 1.945m mit einer Luftseilbahn zurück.
Heute Dienstag steht ein weiteres Highlight auf dem Programm. Wir unternehmen eine Rundwanderung durch die Partnachklamm.
Der Weg führt direkt am Fluss Partnach entlang, über Stege, durch Tunnel und Galerien mit Ausblick in die tief eingeschnittene Klamm und auf die mit Eis verhangenen Wände der Schlucht.
Am Ende der Klamm folgen wir einem steilen Aufstieg zu den sonnigen Höfen der Graseck und weil das Runterlaufen dem Knie nicht gut tut, nehmen wir die Seilbahn zum Ausgangspunkt.
Am Nachmittag besuchen wir die historische Altstadt von Partenkirchen. Wir schlendern durch die Fussgängerzone der Ludwigstrasse, die mit ihrem traditionell bayerischen Charme und den prachtvoll bemalten Häusern besticht.
Der Mittwoch ist unser letzter Tag in GaPa, die Sonne versteckt sich hinter Wolken. Am Morgen laufen wir hoch zur Windbeutelalm. Die zum Teil eisigen Wege erschweren das Laufen und so beschliessen wir in der Hälfte abzubrechen und fahren nach Mittenwald an der österreichischen Grenze.
Die Stadt Mittenwald ist ein Stück Bayern, wie es im Bilderbuch steht. Historische Häuser mit bunten Malereien zieren die Fussgängerzone und mittendrin der reich bemalte Kirchturm von St. Peter & Paul. Das Innere der Kirche ist mit zahlreichen Fresken reich verziert und jeder angestammte Dorfbewohner findet seinen persönlich angeschrieben Platz im Kirchenbank.
Südöstlich erhebt sich majestätisch der Karwendel. Leider fehlt uns die Zeit, um mit der Luftseilbahn hochzufahren. Das heben wir uns für ein anderes Mal auf ;o)
Mit dem PW geht's wieder retour via Österreich, Deutschland und Österreich in die Schweiz
Mit dem Camper geht's via Kanton Schaffhausen nach Deutschland
Blau - 2026 Rot - frühere Reisen
15.-29.04.2026
Endlich ist es soweit! Unser Camper ist nach europäisch-schweizerischen Normen wieder fit für die Strasse und wir haben unseren eigenen Verjüngungs-Service ;o) - Rücken- und Knie-OPs - auch gut überstanden.
Unsere erste Reise führt uns nach Deutschland, der Romantischen Strasse entlang von Süden nach Norden. Sie ist Deutschlands älteste und beliebteste Ferienstrasse und verbindet auf 413km über 29 mittelalterliche und historische Orte in Bayern, führt durch malerische Landschaften und zu interessanten Schlössern.
Da wir den südlichen Teil der Romantischen Strasse aber schon auf früheren Reisen erkundet haben, planen wir unseren Einstieg erst in Landsberg am Lech.
15.-17.04.2026
Die 300 km bis zum Startpunkt unterbrechen wir in Baden-Württemberg/Oberschwaben und suchen uns einen geeigneten Stellplatz in Biberach. Jahrhundertealte Geschichte, Wehrtürme, Teile der alten Stadtbefestigung sowie prächtige Bürger- und Fachwerkhäuser prägen die gut erhaltene Altstadt.
Ein Bummel durch die engen Gassen lässt uns staunen. Hier gibt es sie noch, die kleinen Geschäfte - Bäckereien, Metzgereien, Hutmacher, Schuhmacher, Schreiner, Cafés und Kneipen, die die Stadt so lebendig machen.
Heute Donnerstag laufen wir - bei tollem Sonnenschein - hoch zum Gigelturm und entlang der Stadtmauer zum Weissen Turm. Von hier oben haben wir eine schöne Sicht über die Stadt. Unten gibt es anschliessend - als Belohnung - ein sehr leckeres, lokales Weissbier.
Landsberg am Lech ist eine gut erhaltene, mittelalterliche Stadt in Oberbayern. Für uns auf der Fahrt nach Augsburg die erste Anlaufstelle an der Romantischen Strasse.
Die Altstadt liegt mitten in einer mittelalterlichen Stadtbefestigung und wird von der mächtigen Stadtpfarrkirche aus dem 15. Jh. dominiert. Auf dem Hauptplatz befindet sich das - reich mit Stuck verzierte - Rathaus. Der Schöne Turm oder Schmalzturm aus dem Jahre 1260 diente damals den Marktfrauen zum Kühlen von Schmalz - was ihm diesen Namen einbrachte.
Die Stadt kann auch - neben uns ;o) - mit berühmten Besuchern aufwarten. So kaufte Johnny Cash hier seine erste Gitarre und Elvis Presley war als Soldat in der Region stationiert.
17.-19.04.2024
40 km nördlich von Landsberg liegt Augsburg. Die Stadt ist mit etwas mehr als 300‘000 Einwohnern die drittgrösste Bayerns und kann auf eine über 2000-jährige Geschichte zurückblicken. Von den Römern bis zu der mächtigen Handelsfamilie der Fugger ist Augsburg heute auch bekannt für ihr historisches Wassermanagement-System, das als UNESCO-Welterbe gilt.
Unseren zweiten Besuch in Augsburg - wir waren im Winter 2015 mit unserem Camper bereits hier - beginnen wir mit einem Rundgang am Rathaus, aber leider sind der berühmte Goldene Saal sowie der bekannte Perlachturm wegen Renovationsarbeiten geschlossen.
Nach der Besichtigung des Doms spazieren wir der Maximilianstrasse entlang zur Basilika St. Ulrich & Afra mit ihrem Zwiebelturm und werfen einen Blick in die - uns aus unserer Kindheit so bekannte - Augsburger Puppenkiste.
Am Roten Tor drehen wir um und lassen uns zur Brauerei Riegele fahren (Tobias, danke für den Tipp), wo wir uns ein Hefeweizen und eine Schweins-Haxe bestellen. Wir sind ja schliesslich in Bayern!
Die Familie Fugger war eine einflussreiche Augsburger Kaufmanns- und Bankiersfamilie, die im 15. und 16. Jh. durch Handel, Bergbau und Kreditvergabe an die Herrschenden zu enormem Reichtum kam.
Die 1521 von der Familie gestiftete Fuggerei in Augsburg ist die älteste Sozialsiedlung der Welt. Heute umfasst die Fuggerei 140 Wohnungen in 67 Häusern.
Verbindliche Bestimmungen - von Jakob Fugger 1521 festgelegt und bis heute geltend - regeln, wer hier wohnen darf: Augsburger oder Augsburgerin, bedürftig und katholisch. Als Gegenleistung dafür wird erwartet, dass der Mieter drei Gebete am Tag und 88 Cent Jahreskaltmiete abliefert. Die Fuggerei-Stiftung wurde/wird durch den Holzverkauf aus 3'000ha Wald und heute zusätzlich durch die Eintrittsgelder der zahlreichen Touristen finanziert.
Menschlicher Erfindergeist und wegweisendes Ingenieurwissen führten zum grossartigen Augsburger Wassermanagement-System, das in mehreren Phasen seit dem 13. Jh. weiterentwickelt wurde. Das System umfasst ein weitläufiges Kanalsystem, verschiedene Wassertürme mit archimedischen Pumpwerken, eine ehemals durch Wasser gekühlte Stadtmetzgerei sowie Wasserkraftwerke, die auch heute noch Strom erzeugen.
Die Kanäle lieferten Brauchwasser und Energie und sie waren unverzichtbar für die Wasserversorgung der zahlreichen Handwerksbetriebe, die mit Mühlrädern ihre Maschinen antrieben.
Heute Sonntag ist es kalt, windig und Regen ist angesagt. Doch kaum haben wir Augsburg verlassen und fahren Richtung Norden - der Romantischen Strasse entlang - nach Donauwörth, scheint die Sonne. Angekommen, packen wir uns warm ein, denn es weht immer noch ein kalter Wind und begeben uns auf einen Rundgang durch den Ort. Die Sonntagsmesse im Liebfrauenmünster ist gerade zu Ende, die Leute strömen aus der Kirche, ansonsten scheint der Ort wie ausgestorben.
Nur 13 km weiter nördlich liegt auf einem Hügel die mächtige Harburg aus dem 11. Jh. Mit ihren 220 m Länge und 120 m Breite zählt die Burganlage zu den grössten, ältesten und besterhaltensten in ganz Süddeutschland. Die Harburg gelangte Ende des 13. Jh. in den Besitz der Fürsten zu Oettingen.
Bei einem geführten Rundgang tauchen wir ein in die Welt des Mittelalters. Durch die barocke Schlosskirche, über den Wehrgang mit den verschiedenen Schiessscharten, in den Gefängnisturm mit den unterschiedlichsten Folterzellen bis zum Gerichtssaal - wo heute Hochzeiten abgehalten werden - und dem prachtvollen Festsaal, geht es viele Treppen rauf und runter.
Eigentlich wollten wir heute eine Biketour in der Umgebung unternehmen, aber Temperaturen um 15° C und ein bissiger Wind halten uns von diesem Vorhaben ab.
Also geht die Fahrt weiter nach Nördlingen. Warm eingepackt geht die Altstadt-Erkundung los. Eine gut erhaltene mittelalterliche Stadtmauer mit mehreren Türmen und einem überdachten Wehrgang umgibt die Altstadt. Zahlreiche mittelalterliche Gebäude und Fachwerkhäuser - zum Teil schon etwas in Schieflage - entdecken wir bei unserem Rundgang.
Auf dem Marktplatz steht das Brot- und Tanzhaus, 1444 erbaut. Im Obergeschoss feierten die vornehmen Familien ihre Feste. Das Erdgeschoss war mit den kleinen Läden den Bäckern vorbehalten. Gleich daneben steht der imposante - 90 m hohe - Daniel, der Turm der gotischen St.-Georgskirche. 350 Stufen führen hoch zum Aussichtspunkt, von wo man einen herrlichen Blick über die Stadt geniessen kann.
Ungefähr in der Mitte der Romantischen Strasse - in Mittelfranken - liegt Dinkelsbühl mit einem aussergewöhnlich gut erhaltenen spätmittelalterlichen Stadtbild.
Die einzigartige, historische Altstadt ist von einer komplett erhaltenen Stadtmauer mit mehreren Stadttoren umgeben, die man begehen kann.
Durch Kopfsteinpflaster belegte Gassen spazieren wir an den wunderschönen alten Fachwerkhäusern mit ihren steilen Giebeln entlang. Dabei sticht das Zeughaus aus dem 16. Jh. mit seiner mächtigen Struktur ganz speziell ins Auge.
Das Münster St. Georg beeindruckt uns im Innern durch die elf sehr hohen Pfeilerpaare, die die Kirche regelrecht in den Himmel stossen.
Das Spital zum Heiligen Geist und der Jungfrau Maria aus dem Jahre 1280 mit dem kunstvollen Fachwerkgiebel war einst auch das Waisenhaus der Stadt. An seiner Fassade befindet sich das Symbol der Hochgerichtsbarkeit - eine abgehackte Hand auf einem Schlagbock.
22.-25.04.2026
Endlich hat sich der eisige Wind verzogen und die Sonne wärmt unsere durchfrorenen Knochen. Dieses sonnige Wetter wollen wir sofort nützen und machen uns auf unsere erste Biketour seit unseren Operationen. Mal schauen, wie sich das anfühlt.
Wir beschliessen eine Rundfahrt um Rothenburg ob der Tauber. Es geht runter zum Fluss Tauber, dann sofort wieder hoch zum nächsten Dörfchen und nur kurz nach der Dorfausfahrt geht es schon wieder runter zum nächsten Bach. Nach dem Auf und Ab krönt ein toller Blick auf Rothenburg unsere Tour. Wir haben alles gut überstanden - das ist die Hauptsache!
Heute Freitag machen wir uns zu Fuss auf, die historische Altstadt von Rothenburg zu erkunden. Der Ort scheint direkt aus Grimm’s Märchen entsprungen zu sein. Die engen Kopfsteinpflasterstrassen führen zu mittelalterlichen Plätzen mit Fachwerkhäusern und deren uralte Geschichte. Das bekannteste Fotomotiv der Stadt ist das Plönlein, was soviel bedeutet wie 'Kleiner Platz am Brunnen' mit dem Siebersturm im Hintergrund.
Rothenburg o.d.T. ist umgeben von einer gut erhaltenen - ca. 4 km langen - Wehrmauer mit 42 Türmen. Es geht Treppe rauf und runter von Turm zu Turm mit schöner Aussicht ins Taubertal und über die Dächer der Stadt.
Nach dem langen Marsch probieren wir die Rothenburger Spezialität - Schneeballen - ein Mürbeteiggebäck. Das Rezept kennt man schon seit 300 Jahren und leider schmeckt es auch so - viel zu trocken! Wir brauchen ein Bier zum Spühlen ;o)
Wir fanden es schade, dass diese enge, schöne Altstadt nicht autofrei ist.
Weiter geht die Fahrt an strahlend gelben und fein riechenden Rapsfeldern vorbei nach Weikersheim.
Hier in Baden-Württemberg befindet sich einer der schönsten Residenzen der Renaissance - der Stammsitz der Herren von Hohenlohe. Das Schloss Weikersheim entstand ab 1595 aus einer mittelalterlichen Wasserburg im Stau der Tauber. Bei einer einstündigen Führung lassen wir uns verschiedene Prunkstücke dieser Anlage zeigen und erklären. Der 40 m lange Rittersaal soll der best-erhaltene Renaissance-Festsaal Deutschlands sein. Decken und Wände des Schlosses sind üppig mit Stuck verziert. Ein aussergewöhnlicher Luxus zur damaligen Zeit waren auch die acht eingebauten Aborte. So mussten die Bewohner - laut Führung nicht wie in Versailles - ihr Geschäft irgendwo in einer Ecke erledigen.
Der Schlossgarten mit Orangerie, Springbrunnen und Skulpturen wurde dem des Schlosses Versailles nachempfunden.
Es ist was los in Bad Mergentheim!
Der St. Georgstag ist ein traditionelles dreitägiges Fest, das von der Historischen Deutschordenskompanie zu Ehren ihres Schutzpatrons gefeiert wird. Es erinnert an das Deutschmeisterregiment von 1695 - ein Infanterieregiment, das ursprünglich für den Einsatz im Großen Türkenkrieg in Ungarn aufgestellt wurde - und umfasst einen historischen Wachaufzug auf dem Marktplatz, Salutschüsse und einen Marsch zum Schloss.
Bevor wir einen Abstecher nach Würzburg machen, besucht Röbä noch Tauberbischofsheim im Taubertal.
Ich bleibe schön brav im Camper zurück - mein Knie braucht eine Pause!
Aber nach einer Stunde ist er schon wieder zurück - so viel gab’s nicht zu sehen.
Am 16. März 1945 - wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs - zerstörte der verheerende Luftangriff auf Würzburg 90 Prozent der Altstadt. Es blieben nur noch wenige historische Gebäude stehen. Beim Wiederaufbau wurden bedeutende Denkmäler und die meisten Kirchen der Altstadt äusserlich rekonstruiert, jedoch nur wenige Bürgerhäuser.
Der Stellplatz ist direkt am Main gelegen - gegenüber der Altstadt - den wir mit einem Vogel Elternpaar teilen ;o) Die Stare haben alle Hände voll zu tun, denn die hungrige Jungmannschaft ist konstant am Rufen.
Die Würzburger Residenz der Fürstbischöfe wurde ab 1720 zu einem gewaltigen Drei-Flügel-Schloss umgebaut. Die Baukosten beliefen sich insgesamt auf etwa 1,5 Millionen Gulden - bei einem Gulden Wochenlohn für einen Taglöhner damals eine gewaltige Summe.
Ein beeindruckender Aspekt sind die üppigen Fresken im Kaisersaal, im Treppenhaus und dem Gartensaal, sowie in der Schlosskapelle.
Beim Luftangriff auf Würzburg brannte auch die Residenz fast völlig nieder.
In Würzburg haben wir nun das Ende der Romantischen Strasse erreicht. Es war eine interessante, 14-tägige Fahrt in die Vergangenheit, mit eindrucksvollen Schlössern und Burgen sowie romantischen Orten voller Fachwerkhäuser.
Auf der Heimfahrt von Würzburg in die Schweiz fahren wir an Heilbronn vorbei - Grund genug für einen Zwischenstopp.
Heilbronn präsentiert sich als junge Stadt. Die meisten Bauten des 'alten Heilbronn' fielen dem schweren Luftangriff vom 4. Dezember 1944 zum Opfer. Doch einige wichtige historische Gebäude überstanden den Krieg, andere wurden später wieder aufgebaut.
Das bedeutendste Baukunstwerk der Stadt ist nach dem irischen Wanderbischof St. Kilian benannt - die Killianskirche. Auch das Rathaus aus dem Jahre 1417 gehört mit der prunkvollen astronomischen Uhr zu den wenigen Sehenswürdigkeiten.
Das Fleisch-, Gerichts- und Hochzeitshaus hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Ab 1600 tagte im Obergeschoss das reichsständische Gericht, an den Wochenenden feierten hier die Bürger Hochzeit und im Erdgeschoss hielten die Metzger ihren Fleischmarkt ab.
Von der einst mächtigen Stadtmauer zeugen heute nur noch zwei Türme - der Bollwerksturm und der Götzenturm, beide erbaut 1392.
Mit dem Camper geht's wieder in den Kanton Aargau/Schweiz