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Letzter Blog-Update, 20. November 2018

Bolivien

Fahrt Uyuni – Tupiza

Da wir uns für Bolivien genügend Zeit nehmen können, entschliessen wir uns auch den Süden bzw. das im Tiefland liegende Weingebiet von Bolivien etwas genauer anzuschauen.

 

Von Uyuni aus geht’s stetig aufwärts auf eine Höhe von 4230 müM. Die neue Asphalt-Strasse lässt es zu, dass wir uns auf die abwechslungsreiche Gegend und auf die farbigen Felsformationen konzentrieren können. Eine rote Erdstrasse führt uns anschliessend hinunter vom Pass durch einen Cañon nach Tupiza - 2950 müM.

Auf den Spuren von Butch Cassidy in Tupiza

Butch Cassidy war erst Viehzüchter, bevor er zum Bank- und Eisenbahnräuber in den USA avancierte und Anführer der Bande ‚Wild Bunch‘ wurde. Das berühmteste Mitglied des Wild Bunch war Sundance Kid. Zwischen 1896 und 1901 raubte die Bande über ein Dutzend Banken und Züge aus. Im Jahr 1901 flohen Cassidy und Sundance zusammen mit dessen Freundin Etta nach Argentinien, wo sie einige Jahre in Patagonien friedvoll als Farmer auf einer Ranch lebten. Nach dem Etta wieder in die Staaten zurückgekehrt war, begannen Butch und Sundance wieder mit ihren kriminellen Aktivitäten und erwarben sich einen ähnlich legendären Ruf wie in den USA. Über Chile erreichten sie Bolivien, wo sie um 1908 von bolivianischen Soldaten in der Nähe von Tupiza erschossen wurden. Über das genaue Datum und über die Frage, ob sie tatsächlich getötet oder nur verletzt wurden, gibt es keine zuverlässigen Quellen (Wikipedia).


 

 

 

 

Ursi und ich machen uns daher auf Spurensuche. Vielleicht finden wir in dieser wunderschönen aber unwirtlichen Gegend um Tupiza noch ein Lebenszeichen der beiden Banditen. Schliesslich sollen sie hier zuletzt ihr Unwesen getrieben haben -und he - 10‘000$ Kopfgeld sind auch nicht zu verachten.


Unser erster Besuch gilt dem Cañon del Duende/der Kobolde, wo früher die Einheimischen ihre Neugeborenen zwecks Geburtenkontrolle auszusetzen pflegten. Der Legende nach sollen sich diese in Streiche spielende Kobolde verwandelt haben, die heute jedoch nur noch Nachts anzutreffen sind. Glücklicherweise sind wir bei gleissendem Sonnenlicht unterwegs und haben somit nichts zu befürchten.

 

Leider finden wir in diesem Cañon trotz intensiver Suche nichts, was auf die frühere Anwesenheit von Butch und Sundance hinweisen würde.

Weiter geht's zur Puerta del Diablo, wo wir uns nicht scheuen die höchsten Gipfel auf unserer Suche zu erklimmen.

Bald mahnt Carlos - der Coca-Blätter kauende Hilfs-Sheriff - zum Aufbruch, denn auch in dieser Gegend sollte man sich nach Sonnenuntergang nicht mehr aufhalten.

Im Cañon del Inca soll es Wasser geben. Dieser Ort wäre somit ideal, um sich für eine gewisse Zeit aus der Zivilisation zurückzuziehen bzw. vor dem Auge des Gesetzes zu verbergen. Obwohl unsere Pferde inzwischen schweissnass und vermutlich auch müde sind, können wir diese Örtlichkeit nicht auslassen. Schliesslich haben wir eine Mission zu erfüllen ;o))

 

Also nichts wie hin !

Doch auch in diesem kilometerlangen Cañon ist uns das Glück nicht hold. Keine Spur von der Anwesenheit von Butch Cassidy und Suncance Kid. Die 10'000$ können wir uns somit ans Bein streichen :o((

 

Doch halt - ein herzzerreissendes Wimmern halt von den steilen Felswände. Mit neuer Energie machen wir uns nochmals auf die Suche und in einer kleinen Höhle finden wir.....

 

.... eine Hündin mit ihren vier neugeborenen Welpen. 

Fahrt Tupiza - Tarija

28./29.10.2018

Mit einem etwas empfindlichen Hinterteil vom Reiten nehmen wir den zweiten Teil der Strecke nach Tarija unter die Räder.

Die ersten 100 km sind Erdstrassen – mal besser mal schlechter - die uns immer wieder über Pässe von bis zu 4300 müM führen. Gegen Abend biegen wir irgendwo in ein Seitental ein und suchen uns einen ruhigen Platz für die Nacht.

 

Heute Montag sollten wir eigentlich zügiger vorankommen, denn wir fahren wieder auf Asphalt. Trotzdem heisst es für unseren Camper nochmals 'Berg hoch', bevor wir gemütlich nach Tarija runter rollen können.

Tarija - Singani und die bolivianischen Weine

Unsere Ankunft in Tarija - 1890 müM - ist kurz vor der Mittagszeit, also bleibt noch Zeit der ersten Bodega einen Besuch abzustatten.

Einmal quer durch die Stadt, raus aufs Land und schon werden wir von den ersten Rebbergen empfangen. Kühlende Wolken schieben sich lauernd über die Berge.

 

Wir entscheiden uns für die Bodega Casa Real, die das nationale Destillat ‚Singani‘ herstellt.

Der Weinbrand wird aus der weissen Traube Moscatel de Alejandría gebrannt. Der einfache Schnaps wird zusammen mit Ginger Ale zum beliebten ‚Chufly‘ gemischt – mit einem Zitronenschnitz und etwas Eis ein erfrischender Aperitif. Die etwas teureren Singanis werden jedoch über mehrere Jahre in Eichenfässern gelagert und sind daher mit einem guten Cognac vergleichbar.

Leider ist es – ausser mit einer geführten Tour – nicht möglich, bei den grossen Produzenten den Wein zu degustieren.

Da wir inzwischen aber die Herstellung kennen, haben wir keine Lust mehr auf geführte Lektionen zur Weinherstellung.

 

In der einzigen Vinothek der Stadt soll es möglich sein, die meisten Weine von Tarija zu degustieren. Leider entpuppt sich diese Information als falsch.

So sind wir etwas enttäuscht, da wir die Fahrt nach Tarija unternommen haben, um den bolivianischen Wein kennen zu lernen.

Daher kaufen wir von den fünf besten Produzenten aus der Gegend - Casa Grande, Kohlberg, Aranjuez, Campos de Solana und Sausini - je eine Flasche der oberen Preisklasse und führen eine private Degustation im Camper durch.

Prosit!! ;o))

Nach einem Rundgang in der Altstadt von Tarija gibt es dafür ein feines argentinisches Steak – wir sind ja nicht weit von Argentinien entfernt.

Zurück im Camper lassen wir den Tag zusammen mit Royman aus Venezuela und Lucas aus Chile fröhlich ausklingen.

Fahrt Tarija - Potosí

01.-03.11.2018

Heute Donnerstag geht es wieder in die Höhe. Bis nach Potosí sind es 380 km, die wir in zwei Tagen bewältigen könnten.

Leider haben wir mit unserem Aufenthalt in Tarija – 1890 müM - unsere Höhenakklimatisierung etwas verloren und die heisst es jetzt wieder langsam aufzubauen. So fahren wir heute nur bis zu einem unserer letzten Übernachtungsplätze auf 3000 müM – was eigentlich auch schon zu hoch ist.

 

Auf einem Spaziergang durch die farbigen Hügel entdecken wir kleine und grosse versteinerte Blasen – wie die wohl entstanden sind?

Beim zweiten Übernachtungsplatz in Chanchacilli haben wir grosses Glück. Gerade zurück von einer Erkundungstour auf den Cerro, zieht ein Gewitter auf und es hagelt kirschgrosse Eiskugeln auf unseren schutzlosen Camper.

Also nichts wie raus und versuchen zumindest unsere Windschutzscheibe zu schützen, denn die bekommen wir hier in Bolivien nicht ersetzt. Die Hagelkörner hinterlassen auf unseren Rücken rote Flecken – aber der Scheibe geht es gut, uff!

Potosí

04.-07.11.2018

Einfahrt in Potosí auf 3950 müM im strömenden Regen – kein schöner Anblick!

Überall Minen, Schutt, Müll und schlammiges Regenwasser.

 

Heute Sonntag ist Markt in der Stadt und ein Durchkommen praktisch unmöglich. Wir parkieren in einer Seitenstrasse und laufen durch den bunten Sonntagsmarkt. Der Regen hat inzwischen der Sonne Platz gemacht.

 

Am Abend fahren wir durch die sehr engen und steilen Gassen zu unserem Parkplatz für die nächsten Tage.

Heute machen wir uns auf, die historische Innenstadt mit ihren Kolonialhäusern und den typischen Holzbalkonen zu erkunden.

Vom Torre de la Compañía haben wir eine wunderbare Sicht auf die Stadt und den Hausberg Cerro Rico. Auf der Plaza probieren wir eine ‚Batida‘ – geschlagenes Eiweiss mit etwas kaltem Kaffee und im Mercado Central eine Sopa de Arroz/Reissuppe. 

Mit dem Besuch im Karmeliterkloster Santa Teresa 1692, betreten wir die Welt der jeweils zweitältesten Tochter jeder reichen Familie, denn sie musste an die Kirche abgegeben werden.

Die interessante Führung begleitet uns durch den – für unsere Auffassung – strengen und isolierten Alltag dieser Nonnen.

Ein weiterer Höhepunkt steht heute auf dem Programm. Wir besuchen eine Silbermine im Cerro Rico.

Seit 500 Jahren werden in unzähligen Stollen Silber, Kupfer, Wolfram, Zink, Zinn und andere Mineralien abgebaut. Der Berg gleicht heute einem Schweizer Käse und nicht selten stürzen Gänge ein, wenn darunter gesprengt wird.

 

Roland hat selber einige Jahre in der Mine gearbeitet und wird uns sicher durch die Stollen führen.

Zuerst werden wir mit Minen tauglichen Kleidern und Helmen ausgerüstet, bevor die Fahrt zum Markt der Minenarbeiter weitergeht.

Hier kann alles gekauft werden, was im Stollen gebraucht wird – Dynamit, Zündschnur, Zünder, Werkzeug, Kokablätter und 95% Alkohol für El Tío/Beschützer der Minenarbeiter. Wir – eine Gruppe von sieben Personen – kaufen auf Rat von Roland 24 Liter Getränke, zwei Sprengsätze und zwei Pakete Kokablätter. 

Mit einem kleinen Bus fahren wir den Cerro Rico bis zur Mine auf 4400 müM hoch.

Stirnlampe an und los geht es in den Stollen. Im Eilmarsch und in gebückter Haltung bringen wir die ersten 100m hinter uns. Immer wieder müssen wir auf die Seite springen, denn zwei Tonnen schwere Wagen - gestossen von zwei Minenarbeitern - flitzten an uns vorbei.

 

In einem kleineren Seitenstollen sitzt ‚El Tío‘. Er ist der Beschützer der Minenarbeiter und sorgt für ihre tägliche sichere Heimkehr. Plötzlich ein Knall und eine Druckwelle lässt unsere Körper erzittern. Roland nimmt es cool: „War nur eine Sprengung mit Dynamit!“ Für unsere Gruppe natürlich sehr eindrücklich, so etwas mitzuerleben.

 

Immer tiefer dringen wir in den Cerro Rico vor. Jetzt wird es eng! Wir klettern einen schmalen Stollen hoch, überqueren einen tiefen Schacht über ein 10 cm breites Brett, um auf der anderen Seite fast wie auf einer Rutschbahn in den unteren Stollen zu gelangen. Ob wir da je wieder rauskommen???

 

Hier beobachten wir zwei Arbeiter, die gerade eine Sprengung vorbereiten. Mit Meissel und Hammer wird ein Loch in das Gestein geschlagen, Dynamit, Zünder und Zündschnur für drei Minuten reingesteckt und dann nichts wie weg!

Nach 2 1/2 Std sind wir wieder am Tageslicht, müde und tief beeindruckt von der Arbeit der Mineure und deren Arbeitsbedingungen hier am Cerro Rico. 

Der letzte Besuch vor unserer Abreise gilt der Casa Nacional de la Moneda - 1572 - dem wichtigsten Gebäude von Potosí, zur damaligen Zeit.

Hier wurde das Silber aus dem Cerro Rico in Schwerstarbeit zu Münzen geprägt. Lamas transportierten die Münzen anschliessend über die Anden nach Arica an den chilenischen Pazifik, von wo sie nach Spanien verschifft wurden. 

Fahrt Potosí – Oruro

08.-09.11.2018

Auf unserer Fahrt nach Norden machen wir - auf Grund einer Einladung - kurz nach Potosí einen Abstecher nach Cayara – ein Dorf weit hinten in einem fruchtbaren Tal.

 

Um zum Ojo del Inca – eine aus dem Erdinnern sprudelnde Thermalquelle – zu gelangen, müssen wir unseren Camper wieder einmal einen Berg hochtreiben.

Leider war die Mühe vergebens, denn die eine Quelle ist viel zu heiss und die andere viel zu kalt. Also gibt es kein Bad :o(

 

Der Rest der Strecke fahren wir immer wieder über Hochebenen von bis zu 4200 müM.  

Oruro

Wieder einmal ist Samstag und wieder einmal haben wir nicht daran gedacht, dass wir am Wochenende nicht mit dem Camper in eine Stadt reinfahren sollten.

 

Oruro - Karnevalshauptstadt auf 3740 müM - feiert heute ein Marienfest mit vielen traditionellen Tanzgruppen. Die Strassen sind verstopft durch Marktstände, Baustellen, in Verbotszonen parkierte Autos  und viel Verkehr - und wir stecken mitten drin :o/

 

Immer wieder müssen wir unsere Aussenspiegel einklappen, um nicht an Marktständen oder Kleiderpuppen hängen zu bleiben. Rings um uns Menschen, Menschen, Menschen! 

Nach 1 ½ Std haben wir es geschafft und können endlich in einer Seitenstrasse parkieren.

 

Mit dem Taxi fahren wir wieder ins Getümmel, laufen etwas durch diese Marktstrassen und lassen uns mit der Luftseilbahn zum Cerro Santa Bárbara - 3883 müM - hinauf befördern.

Hier steht - mit 40 m - die höchste Marienstatue Südamerikas und wir haben eine wunderbare Sicht auf die quirlige Stadt.

Zum Übernachten fahren wir auf den internationalen Flugplatz von Oruro, wo wir vom Chef persönlich willkommen geheissen und eingewiesen werden. 

Cochabamba

11.-15.11.2018

 

Die zweitletzte Stadt auf unserer Bolivien-Reise – Cochabamba – liegt nur auf 2560 müM und ist für uns eine Erholung vom Aufenthalt im Andenhochland. Die viertgrösste Stadt Boliviens – 260‘000 Einwohner – hat nicht viele Sehenswürdigkeiten und so bleibt uns auch mehr Zeit zum Ausruhen.

 

Im Garten von Javier und seinem Vater – zwei Architekten und Gaudi-Fans – finden wir neben vier Lamas, einem Schimmel, fünfzehn Gänsen, einer deutschen Dogge und zwei Pfaus einen Platz zum Verweilen.

Hügel animieren Röbä sofort zum Raufbiken :o)) und so steht das Programm für den nächsten Tag schon fest.

 

Cochabamba wird von einem Hügel mit der 40 m hohen Statue Cristo de la Concordia überragt. Leider ist die Strasse mit holprigen Kopfsteinen gepflastert. Das Rauf- und Runterfahren ist anstrengend und macht mir wenig Spass.

Mit einem ‚Diablo Rojo‘ – diese Busse gibt’s hier noch – fahren wir am Mittwoch in die Stadt zur Plaza. Von dort laufen wir durch die Menschen gefüllte Stadt zum Mercado. Der Markt ist riesig und man findet hier einfach alles.

 

Der Rest des Tages ist eher enttäuschend, da alles was wir ansteuern geschlossen ist. So nehmen wir ein Taxi zurück und bereiten uns auf die Weiterfahrt vor.

Fahrt Cochabamba – La Paz

16.-17.11.2018

Nun heisst es wieder: „Rauf in die Höhe!“

 

Schon nach 60 km haben wir 3290 müM erreicht. In einer Kurve der früheren Pass-Strasse übernachten wir und hoffen, dass sich unsere Körper diese Höhe noch gewohnt sind.

 

Nach einem weiteren Fahrtag über die Hochebene von über 4000 müM schlafen wir ruhig auf dem Schlachtfeld Batalla de Aroma - 1810 ;o) 

In Pongo Kasa ist Wochenend-Markt. Männer, Frauen und Kinder strömen in ihren Trachten aus den Seitentälern um sich hier zu treffen, die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen und sich mit dem Nötigsten einzudecken.

 

Bei der Kräuterfrau entdecken wir Lama-Embryos. Sie erklärt uns, dass beim Hausbau in jeder Ecke ein Embryo vergraben wird. Sie sollen Glück bringen und Leid von den künftigen Bewohnern abhalten.