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Letzter Blog-Update, 23. August 2018

Paraguay

Altos

07.07.2018

Zurück von unserem zweiten Heimaturlaub landen wir in der Dunkelheit um 05.30 morgens in Asunción. Von den herrlichen 30 Grad in der Schweiz können wir hier nur träumen. Der kalte Winter bläst uns mit 9 Grad erbarmungslos entgegen. Dazu mischt sich noch Regen – ein schöner Empfang :o((

 

Doch unser Herz erwärmt sich beim Anblick unseres Heims, das auf dem Camping ‚Hasta La Pasta‘ in Altos geduldig wartet.

 

Nach zwei Tagen ist alles wieder verstaut,  eingerichtet und wir machen uns auf den Weg Richtung Brasilien.

Asunción – Pedro Juan Caballero – Grenze Brasilien

10.-13.07.2018

Die landschaftlich abwechslungsreichen 450 km von Asunción nach Pedro Juan Caballero an der brasilianischen Grenze sind mit unzähligen Polizeikontrollen gespickt. Auf dieser Route werden die Drogen von Brasilien nach Paraguay geschmuggelt.

Viermal werden wir kontrolliert und einmal müssen wir sogar den Gelbfieber-Impfausweis vorweisen. 

Im Nationalpark Cerro Corá legen wir einen weiteren Übernachtungshalt ein. 

Diese Gegend war 1870 Schauplatz des Tripel-Allianz-Krieges zwischen Paraguay und den gegnerischen Staaten Argentinien, Brasilien und Uruguay.
Der Krieg endete mit der völligen Niederlage Paraguays. Der Kriegstreiber Paraguay verlor 50% seines Territoriums und 56% der Bevölkerung. 80% aller wehrfähigen Männer kamen bei den Kämpfen ums Leben. Trotzdem wird Diktator Francisco Solano López und seine Generäle bis heute als Nationalheld gefeiert.

Fazit Paraguay

Fazit Paraguay

Paraguay liegt zwischen Argentinien, Brasilien und Bolivien, ist ca. 10mal grösser als die Schweiz und hat 6.5 Millionen Einwohner.

In der abwechslungsreichen Landschaft findet man weite Sumpflandschaften wie den Pantanal, subtropische Wälder und der Grosse Chaco, eine Wildnis aus Savanne und Buschland mit einer Temperatur bis zu 49° Celsius.

Obwohl am Anfang etwas skeptisch, sind wir sehr positiv überrascht von diesem schönen Land und den wunderbaren Menschen. Leider wird Paraguay von den Südamerika-Reisenden sehr oft links liegen gelassen.

Wir haben uns in den 48 Tagen Paraguay jede Minute sicher gefühlt und die Reise durch das Land genossen.

 

Wir haben festgestellt, dass….

 

….die Menschen sehr hilfsbereit und interessiert sind. 

….die Paraguayos extreme Terere-Trinker sind (Dies und Das).

….man im ganzen Land guten Schweizer Käse bekommt (Tilsiter, Emmentaler, Gruyere, Vacherin, Appenzeller).

….sie Pizzas machen wie bei Mamma in Italien, mmhh! ;o))

….viele Schweizer und Deutsche Auswanderer hier leben. Ihr Einfluss ist vielerorts spürbar.

….der Geldbezug bei jeder Bank problemlos möglich ist.

….bezahlen mit Kreditkarte auf dem Land selten möglich ist.

....WIFI- und Telefon-Verbindung im ganzen Land eher schlecht sind. 

….sie den Abfall vielerorts verbrennen müssen, da es keine geregelte Kehrichtabfuhr gibt.

....sie den Automotor nur sehr ungern abstellen.

Brasilien

Bonito

 

14.-16.07.2018

Wir verlassen Paraguay und fahren nach Brasilien.

Schnorcheln in Bonito – in einigen der klarsten Flüsse der Welt – das lassen wir uns nicht entgehen!

 

Auf dem Camping werden wir von zwei Seriemas (Foto) begrüsst, die uns ‚gwundrig‘ beobachten. Auch Aras lassen sich gerne nieder um aus dem Futtertopf zu naschen. Das Schnorcheln verschieben wir auf morgen Montag, dafür geht es zum Fischessen ins Restaurant :o))

Heute Vormittag geht es zum Río Sucuri.

Mit Neopren-Anzug, Schnorchel und Unterwasserkamera ausgerüstet, wird unsere Gruppe zum Fluss transportiert. Das klare Wasser zieht uns magisch an - trotz den kühlen 23 Grad ;o)

Auf einer Länge von 1.8 km schweben wir buchstäblich durch die blaue Unterwasserwelt, vorbei an Fischen und Wasserpflanzen. Einfach toll !! 

Bonito – Río Verde

17.- 19.07.2018

Die Fahrt von Bonito nach Río Verde führt uns entlang des süd-östlichen Pantanals – einer 212 km langen Naturstrasse. Von der Polizei erfahren wir, dass die Strasse teils in gutem, teils aber in eher schlechtem Zustand ist. Aber Röbä will es unbedingt probieren :o)

 

Vor der Abfahrt verstauen wir noch unsere Winterkleider, die wir vor einer Woche in Asunción noch dringend benötigten. Bei den hier nun herrschenden 36° Grad kommt man schon beim Anblick dieser warmen Sachen bereits ins Schwitzen!!

 

Unser Vorhaben scheint am Anfang schon zu scheitern, sind doch die ersten drei Einfahrten ins Pantanal wegen Bauarbeiten gesperrt. Trotzdem finden wir noch ein Schlupfloch und schon geht die Fahrt los. Mit 25 km/h 'hötterlen' wir der Dunkelheit entgegen. Zum Übernachten suchen wir uns einen Schlafplatz am Strassenrand.

 

Nach einer ruhigen Nacht geht es schon früh los, denn es liegen immer noch 178 km vor uns.

Die Strasse ist sehr staubig und bei jedem entgegenkommenden oder überholenden Lastwagen überrollt uns eine riesige Staubwolke. Eine Fazenda/Farm reiht sich an die andere, wo hunderte von Rindern unter der brennenden Sonne grasen. Wir müssen 56 Holz-Brücken überqueren und viermal ein - zum Glück -ausgetrocknetes Bachbett durchqueren. Ab und zu begleitet uns ein Tucan oder ein Ara und ein Ameisenbär überquert noch schnell die Strasse.

 

Der Tag zieht sich endlos in die Länge und wir rütteln unserem Ziel entgegen – das wir erst nach 8 ½ Stunden und in völliger Dunkelheit erreichen. Jetzt nur noch ab ins Bett!!

Zum Frühstück haben wir einen wunderschönen Blick auf einen Wasserfall – direkt vor unserer Nase.

Doch zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen! Wir müssen unseren Camper vom Strassenstaub von gestern befreien. Anschliessend geniessen wir das kühlende Nass :o))

Río Verde – Poconé – Transpantaneira

20.-24.07.2018

So richtig haben wir noch nicht das Gefühl im brasilianischen Pantanal - eines der grössten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde, mit einer Grösse von Deutschland - gewesen zu sein.

Obwohl wir eher knapp an Zeit sind – nur drei Monate für diese lange Reise durch Nordbrasilien – entschliessen wir uns, einen Teil der Transpantaneira doch noch zu fahren.

Dafür müssen wir aber zuerst 530 km bis Cuiabá zurücklegen. Das bedeutet zwei Tage reine Fahrzeit :o/

Von Cuiabá aus sind es nochmals 80 km bis zur Einfahrt in die Transpantaneira. Kaum da, werden wir schon von  Kaimanen begrüsst. 

 

Da es schon spät ist, entschliessen wir uns auf der nächsten Pousada zu campieren. Wir sitzen draussen und geniessen die vielen unbekannten Vögel, die Affen und die Aras, die auf den Bäumen rundherum ihr Nachtmahl einnehmen. 

Bei dieser interessanten Vielfalt bleiben wir noch einen weiteren Tag und unternehmen Ausflüge. 

Poconé - Porto Velho

23.-30.07.2018

Es sind immer noch 1400 km bis Porto Velho!!

Jetzt könnte man annehmen, dass diese Strecke in zwei Tagen zu bewältigen wäre. Doch hier gibt es keine Autobahnen, sondern nur unebene und mit Löchern versetzte Landstrassen mit Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. Durch die vielen Baustellen kommt es immer wieder zu Wartezeiten bis 30 Minuten. Röbä meint:“ Schon fast wie in der Schweiz am Gotthard!!“ ;o))

Mehr oder weniger spulen wir im Lastwagen-Konvoi unsere Kilometer gegen Norden ab.

Die Landschaft wechselt von flachen Getreidefeldern - die bis zum Horizont reichen – zu hügeligem Buschland. Zu sehen gibt es wenig. Es ist bis zu 38 Grad heiss. Da es praktisch keine Campingplätze mehr gibt, schlafen wir auf Tankstellen. Dort stehen saubere Duschen gratis zur Verfügung und die Nächte sind meistens ruhig, ausser wenn wir wieder mal von dröhnenden Kühllastwagen umringt sind :o((

 

 

Auf einer dieser Tankstelle treffen wir auf die brasilianische Familie Pai Mãe, die uns vor lauter Begeisterung spontan zu sich nach Hause zum Mittagessen einlädt.

Nach einem weiteren Fahrtag biegen wir müde in den Camping Rancho Grande ein.

Dieser grosse und ruhige Platz lädt zum Verweilen ein. Wir beschliessen zwei Tage Rast zu machen.

Der einzige, der bei unserem Anblick in Stress kommt, ist der Pfau. Er entdeckt sein Spiegelbild im Autolack und sofort wird attackiert und gekratzt – nicht zum Wohl unseres Campers:o/

  

Neben einem ausgedehnten Urwald-Spaziergang machen wir noch einzelne Ausbesserungsarbeiten und legen einen Waschtag ein.

Wieder mit Energie vollgetankt, heisst es heute neue Vorderreifen suchen, nach Porto Vuelho fahren, Flussfahrt nach Manaus organisieren, für eine Woche einkaufen und einen Schlafplatz finden!

Mal sehen wo unser Energiepegel heute Abend steht :o)

 

 

 

Bei den Reifen haben wir grosses Glück.

Lucimar - Besitzer einer grossen Pneu-Garage für Lastwagen in Ariquemes – ist begeisterter Reisender und traut seinen Augen kaum, als er uns sieht.

So einen Camper ist der Traum von seiner Frau und ihm. Er hilft uns die richtigen Pneus zu finden und lässt sie uns sogar noch gratis montieren – Geschenk unter Amigos, wie er lachend meint ;o))

 

 

 

 

 

Thank you very much, Lucimar.

Hope to meet you and Cingldy one day some place again!

Wir sind da!!

In Porto Velho fahren wir direkt zum Hafen um Ausschau nach einem Schiffs-Agenten zu halten.

Der erste meint, auf Transportplattformen dürften - ausser einem Lenker - keine weiteren Passagiere mehr mitfahren. Das hätte bedeutet, dass Röbä hinterher schwimmen müsste ;o))

 

Der zweite Agent hat keine Skrupel und wir buchen unsere Verschiffung nach Manaus.

Am Mittwoch 1. August soll die 5-tägige Schifffahrt losgehen. Wir bezahlen jedoch nur mal die Hälfte des Preises, denn dieser Typ ist uns nicht so richtig geheuer. Die andere Hälfte kriegt er, sobald unser Camper auf der Balsa steht.

 

Nun müssen noch Wasser, Lebensmittel und Getränke für diese Reise eingekauft werden. Anschliessend fahren wir zum Hafen, wo wir uns einen Schlafplatz suchen.

Auf dem Río Madeira, Rio Amazonas und Rio Negro nach Manaus

 

31.07.-09.08.2018

Es wäre auch möglich mit dem Camper – jetzt in der Trockenzeit - die 900 km lange Strecke von Pôrto Velho nach Manaus mit dem Camper durch den Urwald zu fahren. Wir entschliessen uns dagegen, da der letzte Drittel in einem schlechten Zustand sein soll.  

Die Fahrt auf dem Río Madeira ist mit ca. 1250 km um einiges länger, da sich die Wasserstrasse kurvenreich durch den Regenwald windet.  Dafür ist es auf dem Fluss weniger stressig ;o)) 

 

Die erste Nacht im Hafengelände in Porto Velho ist ruhig, doch am Dienstagmorgen werden wir früh geweckt. Neben uns beginnen Schiffsbauer mit ihrer hämmernden Arbeit.

 

Da unsere Balsas/Transportplattformen noch mit Soja, Zucker, Reis, Mais, Mehl und Autos beladen werden, wir aber mit unserem Camper erst morgen Mittwoch auf die Balsa fahren können, laufen wir über die Brücke des Río Madeira nach Porto Velho.
Als Vorbereitung für das Amazonasgebiet montieren wir nun auch unser Moskitonetz, da die Malaria-Gefahr  gem. den brasilianischen Behörden dort stark zugenommen hat.

 

Plötzlich - nach dem Mittagessen - kommt Bewegung in unsere Warterei - wir können schon heute auf die Balsa fahren.

 

Wir sind die einzigen Passagiere und mit dem uns zugewiesenen Standplatz bleibt uns noch genug Freiraum, um Tisch und Stühle aufzustellen. Eingeklemmt zwischen zwei Transportplattformen und drei Privatautos sind wir eine ganze Balsa-Länge von der Crew entfernt. 

Mittwoch, 1. August – Schweizer Nationalfeiertag!

Wir haben uns gefreut - heute Abend nach der Abfahrt – bei einem Grill und einem guten Tropfen Wein den Geburtstag der Schweiz zu feiern.

Leider wird aber nichts daraus, denn der Start wird auf Donnerstag verschoben. Um uns herum wird immer noch gearbeitet. Also vertagen wir die Feier auf den nächsten Abend. 

Beim ersten Sonnenstrahl geht es Donnerstagmorgen los.

Unser Schiff - die ESN 1 - schiebt die zwei schwer beladenen Balsas sanft auf den breiten Urwaldfluss hinaus und nimmt - mit durchschnittlich 13 km/h - Kurs auf das 1250 Fluss-km entfernte Manaus.

 

Nach dem Frühstück schruppen wir zuerst einmal unser Deck, fixieren Markise und Plastik-Blachen gegen die brennende Sonne. Derweilen gleiten wir fast lautlos an den steilen Ufern des Río Madeira vorbei.

 

Von der Crew erfahren wir, dass in der Nacht - wegen zu wenig Wasser und Untiefen - nicht gefahren werden kann. Wir beginnen zu rechnen…..das bedeutet, dass wir doppelt so lange auf dem Schiff sein werden….wir aber nur für fünf Tage eingekauft haben!

Schaumermal – jetzt wird aber zuerst 1. August gefeiert ;o))


Für die Nacht machen wir Halt irgendwo im Nirgendwo. Eine Ecke der vorderen Balsa wird am kräftigsten Baum gegen die Fliessrichtung festgebunden, der Rest hängt bis Sonnenaufgang ruhig im Wasser.

Der Río Madeira gilt als Weisswasserfluss und hat seine lehmgelbe Farbe von einem Tonmineral aus den Anden.

 

Wir fahren auf dem durchschnittlich 1 km breiten Fluss abwechslungsweise an Regenwald, grossen Sandbänken und ab und zu an kleinen Dörfern vorbei.

 

Schwimmende Häuschen – manchmal ganze Reihen - waschen Gold aus dem Río Madeira. Mit dicken Schläuchen saugen die illegalen Goldwäscher den Sandboden aus dem Fluss. Das braune Wasser strömt über Kaskaden wieder zurück, Sand und Goldflöckchen werden separiert. 

Heute Sonntag – nach vier Fahrtagen - haben wir erst die Hälfte der Strecke durchschifft. Laut Agent sollten wir morgen in Manaus ankommen :o/


Unser 100 Liter Wassertank und unsere 35 Liter Trinkwasser sind schon vom ersten Ablegen an rationiert. Geduscht wird draussen mit Flusswasser. Geschirr und Pfannen waschen wir im Fluss vor und spülen nur noch kurz mit Tankwasser. Dieses wiederum benützen wir zum Spülen der Toilette.

 

An Lebensmitteln wird es uns nicht mangeln – kommen doch ab und zu Boote vorbei um ihre Fische oder Früchte zu verkaufen. Die Crew-Köchin Silvana zeigt uns, wie die schmackhaften Fische auszunehmen und für den Grill vorzubereiten sind.

 

Den ganzen Tag sind wir uns selbst überlassen. Wir machen unsere Physio-Übungen, musizieren, lesen und reparieren wieder einmal eine unserer Kunststoff-Ecken am Camper ;o))

 

Am Abend erhalten wir Generatorstrom – 110V/60Hz  - und manchmal kommt einer der Crew vorbei um zu schauen, ob wir noch da sind oder ob wir schon über Bord gegangen sind.

 

Wie ein Feuerball senkt sich die Sonne jeweils hinter den Urwald, die Balsas werden irgendwo am Ufer befestigt. Wir geniessen einen Schlummertrunk und gehen anschliessend bei 24°C ins Bett.

Flussdelfine, Schmetterlinge, Mücken, sehr viele Stechfliegen und eine Gottesanbeterin begleiten uns auf unserer Flussreise. 

 

Bei 36°C schwüler Hitze versuchen wir zur Kühlung etwas Fahrtwind zu erhaschen und beobachten das Leben am Ufer.

Heute Montag – geplanter Ankunftstag in Manaus – stattet uns der Kapitän einen Besuch ab. Auf die Frage, wann wir denn nun unser Ziel erreichen würden, meint er: “Quinta-feira à noite!“ Donnerstagabend, haben wir doch richtig vermutet!

Zum Überleben bringt Geci – der Mann für alles – uns einen Kanister Trinkwasser und Silvana wird uns ein Brot backen. Fast wie im Knast :o))

 

Am Abend plötzlich Stromausfall.

Das Schiff ist jetzt ohne Positionslampen und kann daher nicht für die Nacht parkieren. Im Leerlauf lässt der Kapitän die Balsas im Fluss treiben.

In der Morgendämmerung weckt uns ein harter Stoss. Sind wir auf Grund gelaufen? Nein, unsere Balsas werden mit einem anderen Transportschiff zusammengebunden. Mit dieser Schlepp-Hilfe geht’s nun weiter bis zur Einmündung in den Río Amazonas.

Dank Sonar wird nun rund um die Uhr gefahren, jedoch mit nur noch 9 km/h. Die letzten 180 km bis Manaus sind wir wieder uns selbst überlassen.  

Zur geplanten Einfahrt in den Amazonas sind wir heute Mittwochmorgen schon früh auf den Beinen.

Der lehmgelbe Río Madeira öffnet sich immer mehr und mischt sich mit dem milchschokoladebraunen Wasser des Amazonas.

Der Zeitpunkt ist nicht schlecht gewählt, geht doch genau in diesem Moment die Sonne auf.

Leider verlässt uns hier unser Zugschiff und fährt nach Santarém. Wir brauchen daher noch zwei Tage bis nach Manaus. 

Endlich - Donnerstagabend 20.00 Uhr - sind wir im Hafen von Manaus. Noch einmal schlafen und hoffen, dass wir bald entladen können. 

  

War wohl nix :o((
Die Rampe zum Rausfahren ist zu steil, die Balsa zu tief. Es muss zuerst Fracht ausgeladen werden, damit sich die Balsa hebt und  wir von Bord können.

Hiobsbotschaft vom Kapitän – Entlassung Samstagmittag!!!!

Für die Reise von Porto Velho nach Manaus brauchten wir insgesamt 8 Reisetage und wir haben 11 Nächten auf der Balsa geschlafen.

Manaus – Paris der Tropen

10.-15.08.2018
Manaus liegt nicht wie erwartet am Rio Amazonas sondern am schwarzroten Rio Negro. Erst 20 km flussabwärts mischt sich der Rio Negro mit dem senfbraunen Rio Solimões bzw. Rio Amazonas. Die verschiedenen Wasser fliessen noch kilometerweit getrennt und mischen sich schlussendlich zu einem milchschokoladenbraunen Nass.

 

Manaus ist eine geschäftige Industriestadt mit zwei Millionen Einwohnern, mitten im Urwald des Amazonas. Ende des 19. Jahrhunderts war Manaus - dank des Kautschukbooms - eine der reichsten Städte der Welt. Gummibarone liessen prächtige Stadt- und Kultur-Paläste bauen. Manaus erhielt eine Strassenbahn und war die erste brasilianische Stadt mit elektrischer Beleuchtung. Damals nannte man  Manaus auch das ‚Paris der Tropen‘.

 

Als die Briten in Asien Kautschuk billiger zu produzieren begannen, war der Abstieg von Manaus unausweichlich.

 

Heute zeugen nur noch wenige Gebäude von dieser reichen und prächtigen Epoche. Vielmehr stehen die meisten der damals stolzen Gemäuer vor dem Zerfall.

Trotzdem ist Manaus eine interessante, bunte Stadt und schon ihrer geografischen Lage wegen einen Besuch wert.

 

Nach unserer Ankunft fahren wir zuerst zu einem Fährhafen, um uns einen Platz auf einer Balsa nach Belém – im Nordosten von Brasilien - zu sichern. Wieder einmal ist uns das Glück hold. Wir kriegen eine Mitfahrgelegenheit und dürfen bis zur geplanten Abfahrt am Dienstagabend auf dem Hafengelände übernachten. Die kalte Dusche dort ist bei 38° C und einer Luftfeuchtigkeit von 80% ein wahrer Genuss.

 

Jetzt machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. 

Das Teatro Amazonas ist der grösste touristische Anziehungspunkt von Manaus. Der Kulturpalast – Platz für 700 Zuschauer - wurde 1884 fast vollständig mit Materialien aus Europa erbaut: Carrara-Marmor und Murano-Glas aus Italien, Stuckaturen und Vorhang aus Frankreich, glasierte und vergoldete Ziegel aus Deutschland und Schottland sowie Schmiedeeisen-Gitter aus England. 

 

Wir wollen das Teatro auch in Aktion sehen und besuchen die Aufführung eines brasilianischen Musicals - The Flowers.

Heute Sonntag fahren wir mit einem Boot in den Regenwald. Der Amazonas gilt weltweit als das Gebiet mit der grössten Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen.

Wir fahren in einem Kanal-Labyrinth durch den Überschwemmungswald/Igapós mit den grossen Schwimmblättern/Vitória-Amazônica und statten einer Indio-Gemeinschaft einen Besuch ab. 

Auf dem Rio Amazonas und dem Rio Anapu von Manaus nach Belém

16.-20.08.2018

Der Rio Solimões bzw. Rio Amazonas entspringt in den Anden von Bolivien und ist mit einer Gesamtlänge von 6575 km und seinen über 200 Nebenflüssen das grösste Fluss-System der Erde.

 

Mit Amazoniens Verkehrsmittel Nr. 1 wollen wir die 1600 Kilometer entfernte Stadt Belém ansteuern. Doch auch hier heisst es zuerst Geduld üben, denn ein zuverlässiger Fahrplan existiert nicht. So wird aus dem versprochenen Dienstag schnell Donnerstag. 

 

Zentimetergenau werden die Lastwagen auf der Balsa platziert. Als letzte fahren wir auf die Plattform  und stehen zwischen Lastwagen eingeklemmt an vorderster Front – Logensitz - der kühlende Wind ist uns sicher ;o))

Am Morgen erwachen wir bereits über 100 km entfernt von Manaus.

Die Abfahrt haben wir verschlafen, denn auch die hat sich in die tiefe Nacht hinein verschoben. Als erstes erkunden wir unser Daheim für die nächsten fünf Tage. 

Die leichte Brise bei einer Geschwindigkeit von 15 km/h ist angenehm. Keine lästigen Stechfliegen oder Mücken die uns quälen. 
Auf dem selten mehr als 5 km breiten Rio Amazonas ziehen ab und zu kleine Schaumwölkchen oder Gras-Inseln vorbei. Es gibt nicht viel zu sehen, denn die Ufer sind zu weit weg. Der Tages-Rhythmus wird nur von den drei Mahlzeiten unterbrochen. Das Frühstück um 06.00 Uhr verschlafen wir. Das Mittagessen um 10.30 Uhr lassen wir aus, denn wir haben erst 09.00 Uhr im Camper gefrühstückt. Das Abendessen gibt es bereits um 16.00 Uhr, was für uns wieder zu früh ist. Also holen wir uns etwas zum Aufwärmen ;o))

 

Das zweimal täglich gekochte Rind- und Poulet-Fleisch, der Reis, die Tomaten-Spagetti und die Bohnen sind zwar schmackhaft zubereitet - zur Abwechslung kochen wir aber auch mal selber.

 

Eine Unterbrechung gibt es am Samstag, als unsere Balsa mitten auf dem Amazonas plötzlich stoppt. Motorschaden - denken wir - aber plötzlich taucht eine andere Balsa neben uns auf und drei mit Schrotflinten bewaffnete Wachmänner kommen zu uns an Bord. Die untere Hälfte des dichter besiedelten Amazonas ist berüchtigt für Piratenüberfälle und man will offensichtlich auf Nummer sicher gehen. Und in ein paar Stunden werden wir zudem in den 400 m breiten Seitenarm nach Belém einbiegen, was die Situation vermutlich noch etwas unübersichtlicher macht. 

Heute Sonntagmorgen werden wir jäh aus dem Schlaf gerissen.

Die Frühaufsteher schreien - es kracht und quietscht. Vom Schlafzimmerfenster aus sehe ich, wie dicke Äste und grünes Gebüsch unseren Camper einschliessen. Wir krachen ins Ufer! Röbä ist in Sekunden angezogen und draussen.

Unser Gefährt trieb offensichtlich für mehrere Stunden steuerungsunfähig auf dem Wasser. Starke Winde hatten es zudem bis zum Aufprall in eine langsame aber unkontrollierbare Drehbewegung versetzt. 

 

Zum Glück haben wir beidseits Lastwagen, die den Aufprall grösstenteils abgefangen haben. Ausser ein paar Schrammen und Kratzer ist unserem Camper glücklicherweise nichts passiert. Die Boots-Crew, die 12 LKW-Fahrer und wir kommen mit dem Schrecken davon.

Nach kurzer Reparatur geht die Fahrt weiter.

Auf diesem Seitenarm des Amazonas gibt es mehr zu sehen als auf dem Hauptfluss. Alle paar hundert Meter steht ein auf Stelzen gebautes Haus, alle paar Kilometer eine bunt bemalte Gebetshalle. Kinder oder ganze Familien paddeln immer wieder zu unserer Balsa und betteln um eine milde Gabe. 

 

200 km vor Belém biegen wir in den Rio Anapu ein. Hier herrscht im Gegensatz zum Amazonas reger Schiffsverkehr. Die hohen Wellen lassen unser tonnenschweres Gefährt schaukeln und Gischt schlägt uns entgegen. Die Federn der Fahrzeuge ächzen und quitschen, Handbremsen und Getriebe werden arg strapaziert. 

Ein spezielles Schiffs-Abenteuer auf den grössten Flüssen Brasiliens geht vorbei. Wir haben viel Neues entdeckt und gesehen,  vom neu Gelernten wollen wir gar nicht sprechen. 

 

Es war spannend und interessant, manchmal überraschend und ab und zu auch langweilig.