BOLIVIEN

Bolivien 2017

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Laguna-Route

05.-11.11.2017

 

Ausgerüstet mit 30 Liter Trinkwasser und Lebensmittel für eine Woche, passieren wir von San Pedro de Atacama/Chile kommend - auf einer Höhe von 4300müM - die bolivianische Grenze.

 

Auf den Sandpisten treffen wir fast ausschliesslich 4x4 Expeditionsfahrzeuge. Mit unserem Camper sind wir die Exoten und werden zum Teil belächelt. Oft aber beneidet man uns auch, denn wer hat schon so viel Komfort ;o)) 

Endlose Wüste, hohe Vulkane, farbige Berge, pfeifender Wind, miserable Schotterpisten, Vicuñas und in jeder Ritze Sand - das sind die ersten Eindrücke dieser Reise.

 

Doch plötzlich schiebt sich ein hellblauer Streifen in die braune Einöde – die Laguna Blanca taucht vor uns auf. Eine Gruppe Anden-Flamingos wühlt gemütlich in der Laguna nach Plankton. 

Nach einem kurzen Foto-Halt geht es im Schneckentempo über einen 5000m hohen Pass bis zur Laguna Chalviri in 4300müM. Wir fahren mit 20km/h, mehr geht nicht wegen dem Gerumpel.


In der 38°C warmen Therme direkt an der Laguna, wärmen wir unsere starren  Glieder und richten uns in der Nähe für eine kalte Nacht ein.

 

 

Heute Sonntagmorgen heisst es zuerst einmal schaufeln, was in dieser Höhe nicht gerade einfach ist. Wir haben die Nacht auf einem Seitenweg an der Lagune verbracht - leider ist die Ausfahrt mit Sand versperrt. 

An der Sol de Mañana - ein blubberndes Erdloch – spüren wir die Gewalt des Erdinnern. Es dampft, kocht und riecht nach Schwefel. 

Beim Mittagshalt auf 5000müM entdecken wir die letzten Schneefelder mit ihren spitzen Zacken. Dann geht’s runter in Richtung Laguna Colorada.

Die Schotterpiste wird immer schlechter und Röbä reduziert den Reifendruck, damit wir nicht plötzlich im Sand stecken bleiben.

 

Kurz vor der Laguna Colorada biegen wir in den einzigen Canyon weit und breit ein und suchen uns einen windgeschützten Übernachtungsplatz – in einsamer Stille und tiefschwarzer Nacht.

Der Canyon erwacht rasch aus der kalten Nacht (-3°C) und die Sonne schickt ihre Strahlen in die Schlucht. Wir bleiben einen Tag hier und erkunden den Canyon.

Wir wandern über Stock und Stein, klettern über Felsbrocken und bleiben oft stehen, um dieses schöne Stück Natur zu bewundern. Auf dieser Höhe wachsen grosse Yareta-Pflanzen, aber nur 5mm im Jahr. Als Untergrund bevorzugen sie Steine, fühlen sich auch wie solche an und sondern beim Berühren eine harzartige Flüssigkeit ab.

 

 

Von allen Seiten werden wir beobachtet. In den Felsritzen entdecken wir die vom Aussterben bedrohten Vizcocha. Dieses 40cm grosse, Chinchilla-ähnliche Tier sonnt sich in den windgeschützten Spalten und hat nur ein müdes Gähnen für uns übrig.

Plötzlich taucht ein Fuchs zwischen den Felsbrocken auf. Er ist so überrascht wie wir, beäugt uns eine Weile und nimmt dann Reissaus. 

Nur noch 16 km bis zur Laguna Colorada  - aber die haben es in sich!

Für die kiesige Waschbrett-Piste benötigen wir eine ganze Stunde bis wir endlich an der Laguna Colorada ankommen. Der 60 km2 grosse See scheint aufgrund kupferhaltiger Mineralien und eines Planktons stellenweise rot gefärbt. 

In einem kleinen Laden kaufen wir ein – Kräckers, WC Papier und Lama-Fleisch.

Nach dem das Messer mit einer rostigen Feile geschliffen ist, schneidet der Chef ein Stück aus dem Lama-Bein und schon liegt das Fleisch auf dem Tresen - unverpackt. ;o))

Heute Donnerstag treten wir den Rückweg an.

Leider gibt es nur diesen Weg zurück, was bedeutet, dass wir diese mi-se-ra-ble Strasse noch einmal befahren müssen.

Zu tiefe Fahrspuren zwingen uns auf den Kieshügeln zu balancieren. Das kann ja nicht gut gehen – und schon schlägt ein grosser Stein eine Kunststoffabdeckung am Camper in Stücke!

 

Als letzte fahrerische Herausforderung auf diesem Rund-Kurs stellt sich heute Freitag die Laguna Verde heraus. Aber auch die haben wie geschafft!!!

Nun fahren wir nochmals zurück nach Chile – San Pedro de Atacama – um die Zollabfertigung Bolivien/Chile zu erledigen, aufzutanken und mit unseren Familien Kontakt aufzunehmen.

 

Doch soooo einfach ist das nicht.  Der Zoll für die Ausfuhr von Fahrzeugen ist heute Samstag in Bolivien nicht geöffnet. Warum nicht – das wissen die Götter.

Der Park-Ranger meint, wir könnten zum 84 km im Norden des Parkes geöffneten Zoll fahren :o((

Wir überlegen uns, den Camper einfach rauszuschmuggeln ;o)) Ein Mitarbeiter der Personen-Immigration offeriert uns, das Fahrzeug-Dokument gegen eine Zahlung von umgerechnet SFr. 10.- zum Zoll in den Norden mitzunehmen und dort ausstempeln zu lassen – für uns perfekt. 

 

Unsere Reise setzten wir nach der Zollabfertigung in San Pedro de Atacama/Chile über den Paso Jama nach Argentinien fort.

 

 

Die Reise geht in Argentinien weiter

.....

Zurück in Bolivien aus Brasilien kommend

Bolivien 2018

Blau - 2018   Rot - 2017

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Fahrt San Matias - Santa Cruz

02.-08.10.2018

Ach du meine Güte!!!

Etwas verwöhnt durch die mehrheitlich guten Strassen in Brasilien, ist dies mein erster Gedanke. Die Hauptverbindung von Brasilien nach Bolivien ist eine verwaschene Erdstrasse mit vielen spitzen Steinen und langen Waschbrett-Strecken.

Im Camper schüttelt‘s und rüttelt‘s wie verrückt. Man glaubt, die Zähne müssten einem dabei rausfallen. Dazu kommt jetzt auch noch Regen - am liebsten würde ich wieder umdrehen!

Doch es kommt noch schlimmer. Plötzlich läuft Wasser aus dem Bad – der Wasserhahn hat sich freigerüttelt und alles ist nass.

Kurz darauf ein unbekanntes Geräusch aus der Küche. Die Befestigungs-Schrauben des Gaskochherd haben sich eine Auszeit gegeben und springen im Camper umher.

 

Kaum eingesammelt, bricht die Verstärkung der Hinterachse. Wir fahren langsam ins nächste Dorf um das Ganze wieder schweissen zu lassen. 

Zermürbt durch die spitzen Steine platzt etwa 10 km später der rechte Hinterreifen. Ein Reifenwechsel und die spätere Reparatur bei einem 'Spezialisten' in San Vincente löst auch dieses Problem.

 

Was für ein Tag, was für ein Einstand in Bolivien!

 

Frischen Mutes geht die Fahrt – nach einem kurzen Kontrollblick auf den geflickten Reifen – heute Donnerstagmorgen weiter. Nach nur 4.4 km hören wir plötzlich ein inzwischen bekanntes Geräusch. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt den Verdacht – der gleiche Reifen ist wieder platt :o((

 

So kommen wir natürlich nie nach La Paz, wo wir im Dezember 2018 mit unserem Neffen Ramon verabredet sind. Durch die vielen Reparatur-Pausen und die durchschnittlich 20 km/h wächst Bolivien im Nu um ein Mehrfaches.

 

Mit dem Ersatzreifen fahren wir nun weiter bis nach San Ignacio, wo wir bei den Schweizern Miriam und Toni im Garten einen Unterschlupf für die Nacht finden. Zu unserer Überraschung sind Carina und Tobias aus Tirol auch da. Die Beiden haben wir an der Grenze Brasilien/Bolivien schon einmal getroffen. 

Toni informiert uns, dass am Montag eine Strassensperre rings um Santa Cruz die Stadt lahm legen wird.

Warum, kann er nicht sagen, aber er meint: „Die streike wägä jedem Seich!!“

Also heisst es für uns am nächsten Morgen weiter, denn am Montag wollen wir neue Reifen in Santa Cruz kaufen.

 

Zu unserer Freude ist die Strasse ab San Ignacio nigelnagelneu und nach dem Auftanken und einer Autowäsche – wo uns der Besitzer beim Warten den richtigen Gebrauch von Cocablätter erklärt – geht’s zügig voran. 

In Concepción kommen wir genau richtig zu einem traditionellen Umzug mit Musik und Tanz.

Die Nacht verbringen wir auf dem nahen Camping Las Piedras und weil es da so gemütlich ist, schalten wir heute Samstag einen Ruhetag ein. 

Heute Sonntag erreichen wir Santa Cruz.

Carina und Tobias haben hier vor ein paar Wochen bei Patty gewohnt und sie lädt uns spontan ein, bei ihr im Garten zu parkieren.

Patty wohnt schon seit 25 Jahren hier in Santa Cruz in einem wunderschönen Haus. Mit ihrer Hilfe finden wir am Montag rasch auch neue Reifen.

Liebe Patty

 

Vielen lieben Dank für deine spontane und sehr herzliche Gastfreundschaft. Wir wären gerne noch etwas länger geblieben, aber du weisst ja – Reisende haben wenig Sitzleder ;o))

Fahrt Santa Cruz - Sucre

09.-12.10.2018
Jetzt geht’s in die Höhe. Kontinuierlich steigt das Altimeter und die Temperatur sinkt. Das Tal wird immer enger -  die Strasse immer kurvenreicher.

Bis nach Samaipata - auf 1700 müM - wechseln wir uns mit dem Bike ab. Ich habe wieder einmal Glück und erwische den weniger steilen Teil ;o))

Nach fünf Monaten erleben wir wieder einmal einen kalten Regentag und für den 'Fasi' sind die Ferien zu Ende.

 

Auf dem Camping in Samaipata treffen wir Susanne und Werni aus Winterthur. Die beiden wohnen schon seit Jahren hier in ihrem schmucken Haus und laden uns zu Kaffee, Kuchen und einem Schwatz ein. 

Von Samaipata sind es noch 372 km bis nach Sucre auf 2800 müM. Wir fahren durch trockene steinige Gegenden mit schroffen Felswänden, vorbei an kleinen Dörfern mit Häusern aus Lehmziegeln.

Es geht mehrmals rauf und runter mit bis zu 1000 Meter Höhenunterschied. Ein grosser Teil der Naturstrasse wird zur Asphaltstrasse ausgebaut und lässt sich nur langsam durchfahren. Trotzdem geniessen wir diese abwechslungsreiche Bergwelt.

Sucre

13.-15.10.2018

Der letzte Anstieg ist geschafft – vor uns liegt auf 2800 müM die Stadt Sucre. Sie soll angeblich die schönste Stadt Boliviens sein und zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. 

 

Gleich hier vor den Toren der Stadt wurden in einem Kalksteinbruch die längsten Dinosaurierspuren der Welt entdeckt. 5000 Fussabdrücke die vor 65 Millionen Jahren von verschiedenen Tieren hier hinterlassen wurden. Die Wand mit diesen Spuren steht fast senkrecht im Steinbruch. Durch die Verschiebung der Kontinental-Platten wurde sie in Jahrmillionen aufgerichtet.

Wir zwängen uns durch den dichten Verkehr und finden bei Felicidad und Alberto einen Platz für die nächsten Tage.

Die erste Nacht müssen wir allerdings auf der Strasse vor dem Tor übernachten, denn der Garten ist voll mit Reisenden aus aller Welt.

Heute Samstag machen wir uns auf, die weisse Kolonialstadt zu erkunden.

Rund um die Plaza stehen die dreistöckigen Kolonialbauten aus dem 17. Jahrhundert, die Casa de la Libertad/Haus der Freiheit und die fast 500-jährige Kathedrale. Die Kathedrale ist leider geschlossen und kann nur während der Messe besucht werden. Dafür gibt es eine geführte Tour in der Casa de la Libertad, in der am 6. August 1825 die Unabhängigkeitserklärung Boliviens von Spanien unterschrieben wurde. 

Weiter geht es zum bunten Mercado, wo es immer etwas zu entdecken gibt.

Hier trinken wir einen dieser ‚gluschtigen‘ Fruchtsäfte – hätten wir aber vielleicht besser lassen sollen :o/

 

So viel Herumlaufen macht hungrig und an einem Stand probieren wir die lokale Spezialität ‚Sopa de Maní‘ – Erdnusssuppe. 

Eine Bike-Tour auf den 3130 Meter hohen Cerro Churuquella belohnt uns mit einem fantastischen Blick auf Sucre.   

Fahrt Sucre – Uyuni

16.-19.10.2018

Wir verlassen Sucre auf 2800 m und fahren vorbei an architektonischen Perlen aus der Vergangenheit in tiefere Lagen – 2250 m.

Aber bald windet sich die Strasse durch steinige Hänge zum nächsten Plateau auf über 4000 m hoch, wo Lamas, Schafe und Vicuñas weiden. Felsen in den Farben violett-braun erheben sich hinter goldgelben - bis zu vier Meter hohen - Grasbüscheln. Schluchten ziehen tiefe Furchen durch die Hochebenen, welche oft durch mächtige Sanddünen eingerahmt sind. Dünen auf dieser Höhe!?

 

Dann biegen wir mit unserem Camper um eine Kurve und alles sieht wieder ganz anders aus. Staunen ohne Ende!

Wenn da nur nicht der Fruchtsaft in Sucre und/oder die grossen Höhe wären. Jedenfalls müssen wir irgendwo vor Potosi  auf 3650m eine 2-tägige Kranken-Pause einlegen, denn ich liege mit Magenverstimmung und Fieber im Bett.

Auch Röbä geht’s nicht gut, er gibt aber der Höhe die Schuld. Einmal mehr sind wir beide froh, dass wir nicht mit einem Dachzelt unterwegs sind.

 

Sobald wir wieder etwas bei Kräften sind, geht’s weiter. Ein Schild ‚Thermalquelle‘ lockt uns in ein Seitental, wo wir im 40 Grad warmen Wasser unsere geschwächten Körper suhlen – herrlich!

Nach der stündigen Bade-Kur und einigen Tassen Coca-Tee geht’s gestärkt Richtung Potosi auf 3900 müM. Um nicht nochmals wegen einer zu kurzen Höhen-Akklimatisierung Probleme zu kriegen, geht's aber rasch weiter zur 300 m tiefer liegenden Stadt Uyuni, 3660 müM.

Potosi werden wir uns erst auf der Rückfahrt in den bolivianischen Norden etwas genauer anschauen.

 

Salzspuren in einem Flusstal und ein kurzer Blick auf den riesigen Salzsee in der Ferne künden den nächsten Höhepunkt unserer Bolivien-Reise an.

Salar de Uyuni

20.-22.10.2018

Da wir mehrere Tage auf dem Salar de Uyuni auf 3660 müM bleiben wollen füllen wir alles, was es zu füllen gibt – Diesel, Wasser, Kühlschrank, WC-Papier, etc. – essen eine Pizza und los geht die Fahrt.

 

Nachdem die Stadt Uyuni schon keine Augenweide war, sind nun auch die ersten Kilometer nach der Salzsee-Einfahrt Colchani enttäuschend.

Der Wind bläst den Sand durch die baum- und strauchlose Gegend und färbt die Salzoberfläche braun. Die Fahrpisten sind schwarz gefärbt von den zahllosen Autoreifen und die Salzhotels machen einen etwas heruntergekommenen Eindruck.

Nach wenigen Kilometern treffen wir auf das - aus Salzziegeln gebaute - Denkmal der Dakar-Rallye 2016 – von Argentinien nach Bolivien.

Die Salz-Oberfläche ist ruppig, wird aber mit jedem gefahrenen Kilometer weisser. Wir tauchen ein in die gleissende weisse Fläche. Salz, wohin das Auge reicht!

Der Salar de Uyuni auf 3660 müM ist mit 12‘000 km2 der grösste Salzsee der Erde.

Die Salzkruste ist zwischen 3 m und 90 m dick und kann sogar mit Lastwagen  befahren werden.

 

Nach ca. 30km stoppen wir für die erste Nacht auf dem Salar. Weit und breit ist nichts und niemand zu sehen, nichts ausser salzige Weite. Die Stille ist absolut, unsere Ohren öffnen sich mit einem leisen ‚pop‘.  

Am nächsten Morgen peilen wir die Insel Incahuasi – das Zentrum des Salar – an.

Die Salzoberfläche wechselt von scharfkantigen Salz-Noppen in ein schnell zu befahrendes Wabenmuster. Die Berge rings um den Salar scheinen in der Hitze zu schweben. Nach ca. 30 km meist geradliniger Fahrt - ab und zu müssen wir offenen Wasserlöchern ausweichen – taucht die Insel wie eine Fata Morgana am Horizont auf.

Die Insel Incahuasi ist übersäht mit bis zu 1000 Jahre alten Kakteen. Eine Pracht, die wir bis dahin so noch nicht gesehen haben.

Wir haben Glück, denn es sind noch nicht so viele Touren-Fahrzeuge hier und wir haben den Insel-Rundwanderweg fast für uns alleine. Beim späteren Bier überlegen wir uns, wo wir uns für die Nacht hinstellen wollen und beobachten die nach und nach einfahrenden Touren-Fahrzeuge, die mit den Touristen einen Stopp auf Incahuasi einlegen. Wir zählen bis zu 44 Fahrzeuge. Aber bis 17 Uhr treten alle den Rückweg an und wir haben die Insel wieder für uns alleine. 

Heute Sonntagmorgen - 07 Uhr - stehen bereits wieder 20 Tourenfahrzeuge vor der Insel. Wir packen unsere Sachen und fahren gegen Süden – eine andere Insel im Visier.

Doch beim Heranfahren bemerken wir, dass der Insel-nahe Untergrund weich ist und wir mit unserem Camper  einsinken. Also nichts wie weg!!

 

Vorbei an den grossen Ojos de Agua/Wasserlöchern suchen wir uns nochmals ein ruhiges Plätzchen in der stillen Weite und geniessen die letzte Nacht – bei hellem Mondschein – auf dem Salar de Uyuni.

Nach einer gründlichen Reinigung des Campers quartieren wir uns bei Emilio und Leanor in Uyuni ein.

Hier treffen wir Carina und Tobias aus Tirol wieder. Bei Tortilla-Pizzas und einigen Gläsern Wein tauschen wir unsere Reiseerlebnisse aus.

Fahrt Uyuni – Tupiza

Da wir uns für Bolivien genügend Zeit nehmen können, entschliessen wir uns auch den Süden bzw. das im Tiefland liegende Weingebiet von Bolivien etwas genauer anzuschauen.

 

Von Uyuni aus geht’s stetig aufwärts auf eine Höhe von 4230 müM. Die neue Asphalt-Strasse lässt es zu, dass wir uns auf die abwechslungsreiche Gegend und auf die farbigen Felsformationen konzentrieren können. Eine rote Erdstrasse führt uns anschliessend hinunter vom Pass durch einen Cañon nach Tupiza - 2950 müM.

Auf den Spuren von Butch Cassidy in Tupiza

Butch Cassidy war erst Viehzüchter, bevor er zum Bank- und Eisenbahnräuber in den USA avancierte und Anführer der Bande ‚Wild Bunch‘ wurde. Das berühmteste Mitglied des Wild Bunch war Sundance Kid. Zwischen 1896 und 1901 raubte die Bande über ein Dutzend Banken und Züge aus. Im Jahr 1901 flohen Cassidy und Sundance zusammen mit dessen Freundin Etta nach Argentinien, wo sie einige Jahre in Patagonien friedvoll als Farmer auf einer Ranch lebten. Nach dem Etta wieder in die Staaten zurückgekehrt war, begannen Butch und Sundance wieder mit ihren kriminellen Aktivitäten und erwarben sich einen ähnlich legendären Ruf wie in den USA. Über Chile erreichten sie Bolivien, wo sie um 1908 von bolivianischen Soldaten in der Nähe von Tupiza erschossen wurden. Über das genaue Datum und über die Frage, ob sie tatsächlich getötet oder nur verletzt wurden, gibt es keine zuverlässigen Quellen (Wikipedia).


 

 

 

 

Ursi und ich machen uns daher auf Spurensuche. Vielleicht finden wir in dieser wunderschönen aber unwirtlichen Gegend um Tupiza noch ein Lebenszeichen der beiden Banditen. Schliesslich sollen sie hier zuletzt ihr Unwesen getrieben haben -und he - 10‘000$ Kopfgeld sind auch nicht zu verachten.


Unser erster Besuch gilt dem Cañon del Duende/der Kobolde, wo früher die Einheimischen ihre Neugeborenen zwecks Geburtenkontrolle auszusetzen pflegten. Der Legende nach sollen sich diese in Streiche spielende Kobolde verwandelt haben, die heute jedoch nur noch Nachts anzutreffen sind. Glücklicherweise sind wir bei gleissendem Sonnenlicht unterwegs und haben somit nichts zu befürchten.

 

Leider finden wir in diesem Cañon trotz intensiver Suche nichts, was auf die frühere Anwesenheit von Butch und Sundance hinweisen würde.

Weiter geht's zur Puerta del Diablo, wo wir uns nicht scheuen die höchsten Gipfel auf unserer Suche zu erklimmen.

Bald mahnt Carlos - der Coca-Blätter kauende Hilfs-Sheriff - zum Aufbruch, denn auch in dieser Gegend sollte man sich nach Sonnenuntergang nicht mehr aufhalten.

Im Cañon del Inca soll es Wasser geben. Dieser Ort wäre somit ideal, um sich für eine gewisse Zeit aus der Zivilisation zurückzuziehen bzw. vor dem Auge des Gesetzes zu verbergen. Obwohl unsere Pferde inzwischen schweissnass und vermutlich auch müde sind, können wir diese Örtlichkeit nicht auslassen. Schliesslich haben wir eine Mission zu erfüllen ;o))

 

Also nichts wie hin !

Doch auch in diesem kilometerlangen Cañon ist uns das Glück nicht hold. Keine Spur von der Anwesenheit von Butch Cassidy und Suncance Kid. Die 10'000$ können wir uns somit ans Bein streichen :o((

 

Doch halt - ein herzzerreissendes Wimmern halt von den steilen Felswände. Mit neuer Energie machen wir uns nochmals auf die Suche und in einer kleinen Höhle finden wir.....

 

.... eine Hündin mit ihren vier neugeborenen Welpen. 

Fahrt Tupiza - Tarija

28./29.10.2018

Mit einem etwas empfindlichen Hinterteil vom Reiten nehmen wir den zweiten Teil der Strecke nach Tarija unter die Räder.

Die ersten 100 km sind Erdstrassen – mal besser mal schlechter - die uns immer wieder über Pässe von bis zu 4300 müM führen. Gegen Abend biegen wir irgendwo in ein Seitental ein und suchen uns einen ruhigen Platz für die Nacht.

 

Heute Montag sollten wir eigentlich zügiger vorankommen, denn wir fahren wieder auf Asphalt. Trotzdem heisst es für unseren Camper nochmals 'Berg hoch', bevor wir gemütlich nach Tarija runter rollen können.

Tarija - Singani und die bolivianischen Weine

Unsere Ankunft in Tarija - 1890 müM - ist kurz vor der Mittagszeit, also bleibt noch Zeit der ersten Bodega einen Besuch abzustatten.

Einmal quer durch die Stadt, raus aufs Land und schon werden wir von den ersten Rebbergen empfangen. Kühlende Wolken schieben sich lauernd über die Berge.

 

Wir entscheiden uns für die Bodega Casa Real, die das nationale Destillat ‚Singani‘ herstellt.

Der Weinbrand wird aus der weissen Traube Moscatel de Alejandría gebrannt. Der einfache Schnaps wird zusammen mit Ginger Ale zum beliebten ‚Chufly‘ gemischt – mit einem Zitronenschnitz und etwas Eis ein erfrischender Aperitif. Die etwas teureren Singanis werden jedoch über mehrere Jahre in Eichenfässern gelagert und sind daher mit einem guten Cognac vergleichbar.

Leider ist es – ausser mit einer geführten Tour – nicht möglich, bei den grossen Produzenten den Wein zu degustieren.

Da wir inzwischen aber die Herstellung kennen, haben wir keine Lust mehr auf geführte Lektionen zur Weinherstellung.

 

In der einzigen Vinothek der Stadt soll es möglich sein, die meisten Weine von Tarija zu degustieren. Leider entpuppt sich diese Information als falsch. So sind wir etwas enttäuscht, da wir die Fahrt nach Tarija unternommen haben, um den bolivianischen Wein kennen zu lernen. Daher kaufen wir von den fünf besten Produzenten aus der Gegend - Casa Grande, Kohlberg, Aranjuez, Campos de Solana und Sausini - je eine Flasche der oberen Preisklasse und führen eine private Degustation im Camper durch.

Prosit!! ;o))

Nach einem Rundgang in der Altstadt von Tarija gibt es dafür ein feines argentinisches Steak – wir sind ja nicht weit von Argentinien entfernt.

Zurück im Camper lassen wir den Tag zusammen mit Royman aus Venezuela und Lucas aus Chile fröhlich ausklingen.

Fahrt Tarija - Potosí

01.-03.11.2018

Heute Donnerstag geht es wieder in die Höhe. Bis nach Potosí sind es 380 km, die wir in zwei Tagen bewältigen könnten.

Leider haben wir mit unserem Aufenthalt in Tarija – 1890 müM - unsere Höhenakklimatisierung etwas verloren und die heisst es jetzt wieder langsam aufzubauen. So fahren wir heute nur bis zu einem unserer letzten Übernachtungsplätze auf 3000 müM – was eigentlich auch schon zu hoch ist.

 

Auf einem Spaziergang durch die farbigen Hügel entdecken wir kleine und grosse versteinerte Blasen – wie die wohl entstanden sind?

Beim zweiten Übernachtungsplatz in Chanchacilli haben wir grosses Glück. Gerade zurück von einer Erkundungstour auf den Cerro, zieht ein Gewitter auf und es hagelt kirschgrosse Eiskugeln auf unseren schutzlosen Camper.

Also nichts wie raus und versuchen zumindest unsere Windschutzscheibe zu schützen, denn die bekommen wir hier in Bolivien nicht ersetzt. Die Hagelkörner hinterlassen auf unseren Rücken rote Flecken – aber der Scheibe geht es gut, uff!

Potosí

04.-07.11.2018

Einfahrt in Potosí auf 3950 müM im strömenden Regen – kein schöner Anblick!

Überall Minen, Schutt, Müll und schlammiges Regenwasser.

 

Heute Sonntag ist Markt in der Stadt und ein Durchkommen praktisch unmöglich. Wir parkieren in einer Seitenstrasse und laufen durch den bunten Sonntagsmarkt. Der Regen hat inzwischen der Sonne Platz gemacht.

 

Am Abend fahren wir durch die sehr engen und steilen Gassen zu unserem Parkplatz für die nächsten Tage.

Heute machen wir uns auf, die historische Innenstadt mit ihren Kolonialhäusern und den typischen Holzbalkonen zu erkunden.

Vom Torre de la Compañía haben wir eine wunderbare Sicht auf die Stadt und den Hausberg Cerro Rico. Auf der Plaza probieren wir eine ‚Batida‘ – geschlagenes Eiweiss mit etwas kaltem Kaffee und im Mercado Central eine Sopa de Arroz/Reissuppe. 

Mit dem Besuch im Karmeliterkloster Santa Teresa 1692, betreten wir die Welt der jeweils zweitältesten Tochter jeder reichen Familie, denn sie musste an die Kirche abgegeben werden.

Die interessante Führung begleitet uns durch den – für unsere Auffassung – strengen und isolierten Alltag dieser Nonnen.

Ein weiterer Höhepunkt steht heute auf dem Programm. Wir besuchen eine Silbermine im Cerro Rico.

Seit 500 Jahren werden in unzähligen Stollen Silber, Kupfer, Wolfram, Zink, Zinn und andere Mineralien abgebaut. Der Berg gleicht heute einem Schweizer Käse und nicht selten stürzen Gänge ein, wenn darunter gesprengt wird.

 

Roland hat selber einige Jahre in der Mine gearbeitet und wird uns sicher durch die Stollen führen.

Zuerst werden wir mit Minen tauglichen Kleidern und Helmen ausgerüstet, bevor die Fahrt zum Markt der Minenarbeiter weitergeht.

Hier kann alles gekauft werden, was im Stollen gebraucht wird – Dynamit, Zündschnur, Zünder, Werkzeug, Kokablätter und 95% Alkohol für El Tío/Beschützer der Minenarbeiter. Wir – eine Gruppe von sieben Personen – kaufen auf Rat von Roland 24 Liter Getränke, zwei Sprengsätze und zwei Pakete Kokablätter. 

Mit einem kleinen Bus fahren wir den Cerro Rico bis zur Mine auf 4400 müM hoch.

Stirnlampe an und los geht es in den Stollen. Im Eilmarsch und in gebückter Haltung bringen wir die ersten 100m hinter uns. Immer wieder müssen wir auf die Seite springen, denn zwei Tonnen schwere Wagen - gestossen von zwei Minenarbeitern - flitzten an uns vorbei.

 

In einem kleineren Seitenstollen sitzt ‚El Tío‘. Er ist der Beschützer der Minenarbeiter und sorgt für ihre tägliche sichere Heimkehr. Plötzlich ein Knall und eine Druckwelle lässt unsere Körper erzittern. Roland nimmt es cool: „War nur eine Sprengung mit Dynamit!“ Für unsere Gruppe natürlich sehr eindrücklich, so etwas mitzuerleben.

 

Immer tiefer dringen wir in den Cerro Rico vor. Jetzt wird es eng! Wir klettern einen schmalen Stollen hoch, überqueren einen tiefen Schacht über ein 10 cm breites Brett, um auf der anderen Seite fast wie auf einer Rutschbahn in den unteren Stollen zu gelangen. Ob wir da je wieder rauskommen???

 

Hier beobachten wir zwei Arbeiter, die gerade eine Sprengung vorbereiten. Mit Meissel und Hammer wird ein Loch in das Gestein geschlagen, Dynamit, Zünder und Zündschnur für drei Minuten reingesteckt und dann nichts wie weg!

Nach 2 1/2 Std sind wir wieder am Tageslicht, müde und tief beeindruckt von der Arbeit der Mineure und deren Arbeitsbedingungen hier am Cerro Rico. 

Der letzte Besuch vor unserer Abreise gilt der Casa Nacional de la Moneda - 1572 - dem wichtigsten Gebäude von Potosí, zur damaligen Zeit.

Hier wurde das Silber aus dem Cerro Rico in Schwerstarbeit zu Münzen geprägt. Lamas transportierten die Münzen anschliessend über die Anden nach Arica an den chilenischen Pazifik, von wo sie nach Spanien verschifft wurden. 

Fahrt Potosí – Oruro

08.-09.11.2018

Auf unserer Fahrt nach Norden machen wir - auf Grund einer Einladung - kurz nach Potosí einen Abstecher nach Cayara – ein Dorf weit hinten in einem fruchtbaren Tal.

 

Um zum Ojo del Inca – eine aus dem Erdinnern sprudelnde Thermalquelle – zu gelangen, müssen wir unseren Camper wieder einmal einen Berg hochtreiben.

Leider war die Mühe vergebens, denn die eine Quelle ist viel zu heiss und die andere viel zu kalt. Also gibt es kein Bad :o(

 

Der Rest der Strecke fahren wir immer wieder über Hochebenen von bis zu 4200 müM.  

Oruro

Wieder einmal ist Samstag und wieder einmal haben wir nicht daran gedacht, dass wir am Wochenende nicht mit dem Camper in eine Stadt reinfahren sollten.

 

Oruro - Karnevalshauptstadt auf 3740 müM - feiert heute ein Marienfest mit vielen traditionellen Tanzgruppen. Die Strassen sind verstopft durch Marktstände, Baustellen, in Verbotszonen parkierte Autos  und viel Verkehr - und wir stecken mitten drin :o/

 

Immer wieder müssen wir unsere Aussenspiegel einklappen, um nicht an Marktständen oder Kleiderpuppen hängen zu bleiben. Rings um uns Menschen, Menschen, Menschen! 

Nach 1 ½ Std haben wir es geschafft und können endlich in einer Seitenstrasse parkieren.

 

Mit dem Taxi fahren wir wieder ins Getümmel, laufen etwas durch diese Marktstrassen und lassen uns mit der Luftseilbahn zum Cerro Santa Bárbara - 3883 müM - hinauf befördern.

Hier steht - mit 40 m - die höchste Marienstatue Südamerikas und wir haben eine wunderbare Sicht auf die quirlige Stadt.

Zum Übernachten fahren wir auf den internationalen Flugplatz von Oruro, wo wir vom Chef persönlich willkommen geheissen und eingewiesen werden. 

Cochabamba

11.-15.11.2018

 

Die zweitletzte Stadt auf unserer Bolivien-Reise – Cochabamba – liegt nur auf 2560 müM und ist für uns eine Erholung vom Aufenthalt im Andenhochland. Die viertgrösste Stadt Boliviens – 260‘000 Einwohner – hat nicht viele Sehenswürdigkeiten und so bleibt uns auch mehr Zeit zum Ausruhen.

 

Im Garten von Javier und seinem Vater – zwei Architekten und Gaudi-Fans – finden wir neben vier Lamas, einem Schimmel, fünfzehn Gänsen, einer deutschen Dogge und zwei Pfaus einen Platz zum Verweilen.

Hügel animieren Röbä sofort zum Raufbiken :o)) und so steht das Programm für den nächsten Tag schon fest.

 

Cochabamba wird von einem Hügel mit der 40 m hohen Statue Cristo de la Concordia überragt. Leider ist die Strasse mit holprigen Kopfsteinen gepflastert. Das Rauf- und Runterfahren ist anstrengend und macht mir wenig Spass.

Mit einem ‚Diablo Rojo‘ – diese Busse gibt’s hier noch – fahren wir am Mittwoch in die Stadt zur Plaza. Von dort laufen wir durch die Menschen gefüllte Stadt zum Mercado. Der Markt ist riesig und man findet hier einfach alles.

 

Der Rest des Tages ist eher enttäuschend, da alles was wir ansteuern geschlossen ist. So nehmen wir ein Taxi zurück und bereiten uns auf die Weiterfahrt vor.

Fahrt Cochabamba – La Paz

16.-17.11.2018

Nun heisst es wieder: „Rauf in die Höhe!“

 

Schon nach 60 km haben wir 3290 müM erreicht. In einer Kurve der früheren Pass-Strasse übernachten wir und hoffen, dass sich unsere Körper diese Höhe noch gewohnt sind.

 

Nach einem weiteren Fahrtag über die Hochebene von über 4000 müM schlafen wir ruhig auf dem Schlachtfeld Batalla de Aroma - 1810 ;o) 

In Pongo Kasa ist Wochenend-Markt. Männer, Frauen und Kinder strömen in ihren Trachten aus den Seitentälern um sich hier zu treffen, die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen und sich mit dem Nötigsten einzudecken.

 

Bei der Kräuterfrau entdecken wir Lama-Embryos. Sie erklärt uns, dass beim Hausbau in jeder Ecke ein Embryo vergraben wird. Sie sollen Glück bringen und Leid von den künftigen Bewohnern abhalten.