Bolivien - Treibstoff tanken

In Reise-Foren und –Applikationen ist das Tanken von Treibstoff in Bolivien ein beliebtes und kontrovers diskutiertes Thema. Viele dieser Beiträge sind jedoch oft ‚Gehörtes und Weitererzähltes‘, ‚Vermutetes‘ oder nur ‚Gerüchte‘. Daher hier für den zukünftigen Bolivien-Reisenden einige Informationen zu diesem Thema - Informationen, die wir über mehrwöchige Aufenthalte in Bolivien sammeln konnten.

 

Ein Liter Treibstoff kostet einen bolivianischen Autofahrer zurzeit 3.7 Bolivianos (Nov. 18) bzw. 0.54 Schweizer Franken. Ein Ausländer bezahlt hingegen für einen Liter Treibstoff zurzeit das 2.4-fache, d.h. 8.9 Bs bzw. 1.30 SFr. Damit bei diesem Geschäft alles mit rechten Dingen zu und her geht ist der Tankwart verpflichtet, den Verkauf dieses Treibstoffs in einer Buchhaltungs-Software zu erfassen und eine Quittung auszustellen.

 

Diese Preispolitik ist zum Teil nachvollziehbar, weisst jedoch einige Besonderheiten auf:

  • Den Bolivianos wird suggeriert, dass ein Ausländer über viel Geld verfügt und daher einen viel höheren Preis bezahlen kann.Dieses Denken hat sich bereits in viele andere Geschäftszweige eingeschlichen. Will man z.B.  auf einem Gemüse-Markt einen Preis wissen, kriegt man erst nach längerer Überlegung des Verkäufers eine entsprechende Antwort – und bezahlt anschliessend ein Mehrfaches des üblichen Preises.
  • Die Umsetzung dieser Preispolitik kann nur schwer überwacht werden, sodass Tankwarte und Ausländer viel Fantasie zur Umgehung derselben entwickeln können.
  • Das Betanken eines ausländischen Fahrzeuges ist mit administrativem Mehraufwand für den Tankwart verbunden, was manchmal zu einer Verweigerungshaltung führen kann (wir haben keinen Diesel mehr, Ausländer bedienen wir nicht, o.ä.).

Basierend auf dem Obigen haben wir uns beim Tanken von Treibstoff wie folgt verhalten (in absteigender Häufigkeit):

  • Da wir in der Schweiz für Treibstoff eh mehr bezahlen würden als hier in Bolivien, fahren wir direkt an die Zapfsäule, verlangen Diesel für Ausländer und eine Quittung. Meistens ist der Tankwart von diesem Verhalten so verblüfft, dass er ohne weiteres unseren Camper volltankt, ID und Autonummer verlangt und zum Abschluss eine Quittung ausstellt.
  • Kleinere Tankstellen verfügen manchmal nicht über die Mittel (Software, Quittungsblock), um Treibstoff legal an einen Ausländer verkaufen zu können. Damit man trotzdem zum benötigten Treibstoff kommt, erklärt man dem Tankwart, dass man keine Quittung benötigt und ihm z.B. 6 Bs/0.88 SFr pro Liter bezahlt. Da er damit die Differenz von 2.3 Bs pro Liter in die eigene Tasche stecken kann, ist der Tank im Nu gefüllt.
  • Am billigsten kommt man als Ausländer an Treibstoff, indem man sich mit einem Kanister in die Warteschlange stellt. Offensichtlich ist das Befüllen von ‚ausländischen‘ Kanistern nicht klar geregelt, sodass man auf diesem Weg den lokalen Preis von nur 3.7 Bs/0.54 SFr pro Liter bezahlt. Reisende mit knappem Budget nehmen dafür auch das mehrmalige und manchmal auch zeit-intensive Anstehen in Kauf.