NORDAMERIKA 2021-2022

Blau 2021  Violett - frühere Reisen

Mit dem Camper von Belize/Mittelamerika nach Mexiko/Nordamerika kommend

Mexiko (25. Oktober 2021- ??)

Blau 2021  Violett 2014

Grenzübertritt Belize/Mexiko

Einmal mehr ist der Kühlschrank leer, Reis, Teigwaren und Cornflakes sind aufgegessen oder versteckt - wir nähern uns der Grenze Belize/Mexiko.

Heute Montagmorgen sind wir fast die einzigen Grenzgänger und so sind wir auch innert kürzester Zeit aus Belize ausgereist und stehen nun im menschenleeren Einwanderungs-Gebäude von Mexiko.

 

Die Kühlschrank- und 'Chuchi-Chäschtli'-Kontrolle ist im nu erledigt und da wir gut vorgearbeitet sind, sollte der Rest auch zügig gehen!

 

Röbä hat die Touristenkarte drei Tage vorher online ausgefüllt, ausdrucken lassen und für den 180-tägigen Aufenthalt 575 Pesos bzw. 25 Franken/Person mit seiner Kreditkarte bezahlt. Diese Dokumente präsentieren wir jetzt dem freundlichen Grenzbeamten. Der möchte aber auch noch die Quittungen der Kreditkarten-Zahlung sehen.

Ohne Internet ist das schwierig, aber der Beamte Carlos versucht uns mit seinem Mobiltelefon zu helfen, was leider nicht funktioniert. Schlussendlich landen wir am Computer der Chefin und Röbä durchsucht seine Mails - ohne Erfolg.

Inzwischen hat Carlos mit Mexiko City telefonisch Verbindung aufgenommen und erfahren, dass zwei Zahlungen von einem Robert Gisler eingegangen sind.

Na geht doch....aber....Robert Gisler darf jetzt zweimal einreisen ;o) Ursula Gisler muss draussen bleiben oder nochmals eine Touristenkarte ausfüllen und selbst nochmals 575 Pesos bezahlen!!

Eine Stunde lang haben drei Beamte uns mit allen Mitteln zu helfen versucht und waren immer äusserst freundlich - da fällt einem das nochmalige Bezahlen doch etwas leichter :o) 

Bacalar

25.-29.10.2021

Da Röbä in zwei Tagen wieder ein Zoom-Meeting mit 'seiner' Firma in Guatemala hat, sind wir auf der Suche nach einem Camping mit Wifi.

 

An der Laguna Verde in Bacalar versuchen wir unser Glück. Doch der Parkplatz ist überfüllt mit Tages-Touristen, Bussen und Autos. Die letzten acht Monate in Mittelamerika waren wir meistens alleine, an diesen riesigen Trubel müssen wir uns zuerst wieder gewöhnen.

Auf dem Camping Jardin de Venus stehen glücklicherweise nur zwei Camper. Nadine und Thomas aus Bern gesellen sich später noch dazu.

Bei einem Glas Weisswein tauschen wir Reiseerfahrungen aus und 'chennet wider einisch Schwyzertytsch redä' ;o)) 

Auf der Bike-Rundfahrt durch Bacalar entdecken wir das Fort San Felipe. Dieses Fort wurde infolge der häufigen Piratenüberfällen 1725 gebaut und ist vor kurzem restauriert worden.

Tulum

29.-31.10.2021

Im Reiseführer als einer der schönsten Strände von Mexiko wärmstens empfohlen, machen wir uns auf nach Tulum. Der einzige Campingplatz - für Fahrzeuge über 2.5m Höhe - muss über eine schmale Sandbank zwischen Karibik und Lagune angefahren werden.

 

Im ersten Drittel der Strecke klammern sich Hotel, Restaurants, Bars und Geschäfte dicht aneinander - Sicht auf Meer und Lagune gleich Null! Die letzten 7km führen über die löcherigste Piste, die wir in letzter Zeit gefahren sind. Auch für die Camper-Kupplung ist diese Strecke zu anstrengend, der Nehmerzylinder verliert Hydraulik-Flüssigkeit, das Kupplungs-Pedal kommt nicht mehr zurück :o(

 

Der Strandcamping entpuppt sich als kleine Enttäuschung - Preis für eine Nacht 15 US$, kein Strom, kein Wasser, kein WIFI und übernachten müssen wir auf dem Parkplatz - schön ist es trotzdem :o)

Cancún

31.10.-08.11.2021

Das Kupplungsproblem, zusammen mit der holprigen Rückfahrt aus dem Camping in Tulum, macht uns etwas Sorgen. Auch die Tatsache, dass in Mexiko die Festtage 'El Día de los Muertos' - Tag der Toten - bevorstehen, wo viele Betriebe mehrere Tage geschlossen sein werden, bringt keine Entspannung.

Wir entschliessen uns nicht untätig herumzusitzen, sondern wagen die 150km lange Fahrt nach Cancún und hoffen, dort einen arbeitenden Kupplungs-Spezialisten zu finden.

 

Möglichst wenig schaltend - die vielen Temposchwellen im 3. und 4. Gang überfahrend, erreichen wir den Camping/Trailer-Park von Cancún, wo gerade ein VW-Käfer Treffen in vollem Gange ist. 

Wie sich herausstellt, sind aber nicht nur Käfer angereist, sondern auch viele Auto-Posers mit ihren aufgemotzten Untersätzen. Als neben unserem Camper ein offizieller Wettstreit um die lauteste Musikanlage beginnt und unsere Trommelfelle - trotz Ohrstöpsel - zu platzen drohen, suchen wir das Weite und gehen Crevetten-Cocktails essen!

Heute Montagmorgen fahren wir als erstes zu einem Kupplungs-Spezialisten. Der begrüsst uns mit "Fiat flicken wir nicht - es gibt hier keine Ersatzteile!"

Wir können ihn aber soweit umstimmen, dass er sich unser Kupplungs-Problem anschaut und versucht herauszufinden, was defekt sein könnte. "Alles in Ordnung - durch den häufigen Gebrauch auf der löchrigen Strasse in Tulum hat sich der Kupplungs-Zylinder überhitzt," meint der Meister - Glück gehabt?!

 

Am späteren Nachmittag geht's per Taxi in die Stadt, denn dort gibt es ein Strassenfest zu Ehren der Toten. Wir staunen nicht schlecht, die Mexikaner haben einen wesentlich lockereren Umgang mit ihren Toten als wir. Es wird fröhlich gefeiert, viele sind verkleidet und Bilder von Verstorbenen mit ihren Lieblingsspeisen und -getränken sind auf schön dekorierten Altären aufgestellt. 

Die restlichen Tage in Cancún nutzen wir zum Einkaufen von Lebensmitteln, zum Visas für die USA zu beantragen, zum fein Essen gehen und zum Relaxen.

 

Die 23km lange Hotelzone von Cancún fahren wir bei unserer Weiterreise ab. Wie befürchtet - Hotel reiht sich an Hotel, dazwischen hohe Mauern. Die gepflegten und schönen Stränden von Cancún kriegt man hier nur als Hotelgast zu sehen :o(

Isla Mujeres

Vor der Küste Cancúns liegt die kleine Insel Isla Mujeres - 7km lang und 650m breit. Sie wird als magischer romantischer Ort beschrieben, wo man unter Palmen relaxen und im türkisfarbenen Wasser schwimmen kann. Genau das Richtige für uns – also nichts wie hin!

 

Mit einem Schnellboot erreichen wir die Insel in 20 Minuten. Aber hier endet die romantische magische Geschichte bereits schon. Mit unseren Bikes quetschen wir uns zwischen parkierten Autos und vorbei surrenden Golf-Wagen durch die Stadt, der Südspitze entgegen. Nirgends gibt es einen freien Zugang zum Meer. Alles ist durch Hotelanlagen abgesperrt. Auf unserer Fahrt in den Süden bekommen wir das wunderschöne Meer gerade einmal zu Gesicht.

An der Ostküste gäbe es noch ein paar freie Meer-Zugänge, die sind aber nur über die scharfkantig ausgewaschenen Klippen zu erreichen. Die vielen Leguane freuts!

Wir schliessen unsere Rundfahrt an der öffentlichen Playa Norte/Nordstrand ab, wo all diejenigen an der Sonne schmoren, die keine Ferien in einer Hotelanlage gebucht haben. Nach einem kalten Bier nehmen wir das Boot zurück und freuen uns, Ferien nicht an solchen Orten verbringen zu müssen!!

Cenoten

Cenoten sind unterirdische Hohlräume im Kalkgestein, oft geschmückt mit Stalaktiten und Stalagmiten und klaren Grundwasserseen.

 

Vor Jahrmillionen war die Yucatan-Halbinsel ein mächtiges Korallenriff. Während einer Eiszeit sank der Meeresspiegel stark ab, sodass das Korallenriff aus dem Wasser zu ragen begann und sich daraus langsam ein dickes, von mit Grundwasser gefüllten Höhlen durchzogenes Kalksteinplateau bildete. Die natürliche Erosion lässt nun die Decken dieser Höhlen langsam dünner werden, bis sie irgendwann einstürzen und sich die Cenote mit Gestein und Humus zu füllen beginnt (siehe Grafik).

 

Die Cenoten galten den Maya als Sitz der Götter der Unterwelt, denen dort auch Menschen geopfert wurden.

 

In Yucatan gibt es tausende solcher Cenoten - in verschiedenen Stadien der Auflösung - wir haben einige besucht.

Valladolid

09.-12.11.2021

Die Stadt wurde 1543 im Norden der Yucatan Halbinsel  - 50km von der Karibikküste entfernt - gegründet. Wegen der extremen Hitze und den unerträglich vielen Moskitos verschoben die Spanier Valladolid einige Jahre später 80km weiter in den Süden, an ihren heutigen Platz.

Die ruhige Provinzstadt mit den pastellfarbenen Häusern und breiten Strassen wird langsam vom Tourismus entdeckt. Viel gibt es nicht zu sehen, dafür geniessen wir die Ruhe und Gelassenheit der Menschen. 

 

Im Hotel/Camping Xkopek - in Maya übersetzt 'Kleiner Hund' - parkieren wir unser Haus für die nächsten Tage und radeln mit den Bikes die Cenoten der näheren Umgebung ab. 

Maya Ruinen Chichén Itzá

Die UNESCO-Weltkulturstätte ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Mexikos und wird an speziellen Tagen - Sonnenwenden - von bis zu 70‘000 Menschen besucht. Zum Glück haben wir November - uns reicht schon eine bescheidenere Menschenmasse.

 

Chichén Itzá wurde ca. 450 n.Chr. gegründet und um 900 n.Chr. nach mehreren Missernten wieder verlassen.

Das bekannteste Bauwerk 'El Castillo'/das Schloss besteht aus vier Seiten, die die vier Himmelsrichtungen symbolisieren, neun Terrassen für die neun Himmel der Maya und vier Treppen mit 91 bzw. 92 Stufen für die 365 Tage eines Jahres

Zur Sonnenwende - 21. März und 21. September - erscheint durch die Sonneneinstrahlung der Schatten einer Schlange, die die Treppenstufen hinunter kriecht und sich unten mit dem Schlangenkopf vereint.

Im Innern der Pyramide fanden Archäologen einen älteren völlig intakten Tempel.

 

Wir lassen uns von José - unserem Guide - alles genau erklären und sind einmal mehr erstaunt über die genaue astronomische Ausrichtung dieser alten Meisterwerke.

Gleich daneben steht 'El Templo de los Guerreros'/der Krieger-Tempel. Oben auf der vierstufigen Pyramide bewacht Chak Mo'ol (Chacmool) den Eingang zum Heiligtum. Chak Mo'ol ist eine sitzende Figur, die sich nach hinten auf den Armen abstützt. In ihrem Schoss befindet sich eine Aushöhlung, die für Opfergaben bestimmt war.

 

Der Tempel ist umgeben von 'Las Mil Columnas‘/die 1000 Säulen - ein militärisches Ausbildungszentrum und Unterkunft für die Soldaten. 

 

'El Juego de Pelota'/Ballspielplatz von Chichén Itzá ist der grösste bisher gefundene in der Maya-Welt - 168m x 38m. Das Spielfeld wird beidseits durch 8m hohe Mauern abgegrenzt, welche gleichzeitig auch als Tribüne für die Zuschauer dienten.

Beim Spiel musste mit Hilfe von Ellbogen, Knien und Hüften der 3 kg schwere Kautschuk-Ball dem Kapitän eines Teams - auf der Erhöhung stehend - zugespielt werden. Nur er durfte den Ball durch den oben an der Mauer angebrachten Steinring schiessen. Ein Treffer reichte zum Sieg.

Die rituelle Bedeutung des Spiels endete in der Enthauptung des Siegerkapitäns - es war eine Ehre, den Göttern geopfert zu werden!! 

Mérida

12.-16.11.2021

Die Spanier gründeten 1542 Mérida auf den Ruinen der alten Maya-Stadt T’ho. Die rasterförmig angelegten Strassen dieser typischen Kolonialstadt haben keine Namen - sondern Nummern. Die Strassen mit geraden Zahlen verlaufen in Nord-Süd-Richtung, die mit ungeraden von Ost nach West.

 

Im Zentrum, der mit dem Sisal-Anbau reich gewordenen Stadt, liegt der Zócalo/Plaza de la Independencia, wo sich abends die Einheimischen zu einem Schwatz treffen.

Wir nehmen ein Taxi und fahren in den nördlich gelegenen Paseo de Montejo - einer der schönsten Strassen Méridas. Wir spazieren dem Boulevard entlang ins Zentrum und bewundern die Prachtbauten der Blütezeit des 19. Jahrhunderts.

Mittlerweile ist es dunkel. Bei einem Italiener - an der Plaza Santa Lucia - gibt’s eine feine Pizza und ein Glas Malbec. Die Kathedrale, das Rathaus und der Palast des Stadtgründers Montejo am Zócalo sind beleuchtet und erstrahlen in einer spezielle Atmosphäre. 

Da wir Mérida gestern nur im Dunkeln gesehen haben, schauen wir uns heute die Innenstadt nochmals bei Tageslicht an. Zu Fuss laufen wir in der Mittagszeit durch die praktisch ausgestorbenen Strassen - es ist Siesta - zum Zócalo. Im Zentrum und im Markt scheinen die Menschen keine Zeit für Siesta zu haben, denn hier ist doch einiges los. In einem kühlen Innenhof können wir der Sonne entfliehen und unseren Durst mit einem Ananassaft löschen. Jetzt sind wir wieder fit für den 2km-Marsch zurück zum Hostal/Camping La Ermita, wo noch ein Berg schmutziger Wäsche auf eine Reinigung wartet.

Maya Ruinen Uxmal

Uxmal - die voraussichtlich letzte Maya-Stätte, die wir auf unserer Reise besuchen - zählt auch zum UNESCO-Welterbe. Die restaurierten Bauwerke stammen aus der Zeit zwischen 700 und 1000 n.Ch.

Wir sind erstaunt über die wenigen Besucher und freuen uns, ohne grosses Gedränge die Anlage besichtigen zu können.

Kurz nach dem Betreten der Anlage stehen wir vor der 35m hohen Pyramide 'El Adivino'/Wahrsager. Sie weist im Gegensatz zu vielen anderen Maya Bauwerken abgerundete Ecken auf.

'El Cuadrángulo de las Monjas'/Nonnen-Viereck ist ein grosser Platz umringt von Gebäuden mit 74 Räumen. Die Fassaden sind reich verziert mit verschiedenen Ornamenten. Die Archäologen vermuten, dass es sich hier um eine Militärakademie gehandelt hat und dass hier keine Nonnen gelebt haben ;o)

Wir überqueren den Ballspielplatz - viel kleiner als der in Chizén Itzá, okay der Sieger-Kapitän wurde hier auch nicht geköpft - kommen wir zum Gouverneurspalast. Er beeindruckt durch seine Grösse und auch durch die Ornamente, die wie ein Band um den oberen Teil des Gebäudes verlaufen. Alles in allem hat uns diese Anlage sehr gut gefallen, aber unser Favorit bleibt Tikal!

Campeche

16.-19.11.2021

Nach Uxmal sind es noch endlose 172km enge Strasse, rechts und links Bäume und Gebüsch und alle 70km eine Kurve - gähn! Zum Glück wechseln wir jede Stunde den Fahrer, denn es besteht die Gefahr einzuschlafen.

 

Die Stadt am Golf von Mexiko ist zugleich auch Hauptstadt des gleichnamigen Departements. Da Campeche seit 1540 der zweitwichtigste Hafen der spanischen Kolonie war, wurde sie in regelmässigen Abständen von Piraten überfallen. Die Stadt errichtete zu ihrem Schutz im 16. und 17. Jh. acht Baluarten/Bastionen und verbanden diese mit einer 2.5km langen hohen Mauer.

Noch heute ist ein Grossteil dieser Befestigungsanlage erhalten und kann bestiegen werden. Von oben haben wir einen herrlichen Blick auf die bunten einstöckigen Häuser, die sich eng aneinander reihen.

Wieder unten, spazieren wir kreuz und quer durch die koloniale Altstadt. Zartes Rosa, kräftiges Gelb, kühles Himmelblau, freches Grün, beruhigendes Oker - kein Haus gleicht dem andern - und dazwischen immer wieder ein Gotteshaus.

Am Malecón ein Blick in die Ferne über den Golf von Mexiko und oben auf der Säule ein Maya-Engel, der die Stadt beschützt.

Aber irgendwie muss er beim Bewachen eingeschlafen sein, denn nicht weit entfernt scheint ein UFO gelandet zu sein. Schade, dass eine solch liebloses Gebäude einen Platz in dieser schönen Stadt gefunden hat.  

Wir haben am Vortag Barbara und Robert aus Deutschland auf dem Camping getroffen. Die beiden sind mit ihren Motorrädern auf Weltreise.

Zusammen sind wir nun auf der Suche nach einem traditionellen 'Beizli' wo wir gemütlich ein Bier trinken können. In einer typischen 'Cantina Mexicana' versuchen wir unser Glück…und haben Erfolg - Frauen wurde (und wird z.T. heute noch) der Zutritt zu dieser Männerbastion verwehrt.

'Mann' zieht sich hierher zurück um Bier zu trinken und Botanas/Häppchen zu essen, seine Gedanken zu ordnen und die laute Musik aus der modernen Jukebox an der Wand verhindert, dass man sich mit den Tischgenossen unterhalten muss! Uns gefällt’s - erst recht, als drei Mariachis die Konservenmusik mit ihrem musikalischen und gesanglichen Können ablösen.

Auf einem Bein läuft sich‘s nicht gut nach Hause - ein feiner Tequila zum Abschluss löst das Problem ;o))

Agua Purificada - Trinkwasser in Mexiko

Was für uns in Südamerika selbstverständlich war, wurde in Mittelamerika zunehmend schwieriger und ist nun in Mexiko praktisch ein Ding der Unmöglichkeit - Trinkwasser aus dem Wasserhahn !

 

An Wasser mangelt es in Mexiko eigentlich nicht, vor allem nicht auf der Halbinsel Yucatan. Verschmutzung von Seen und Flüssen und fehlende Kläranlagen führen zu mit Amöben kontaminiertem Wasser. Die 'Rache Montezumas' bzw. eine heftige Magen-Darm-Infektion droht denen, die solches Wasser trotzdem konsumieren.

 

Zusätzlich führt eine gedankenlose Verschwendung zu sinkenden Grundwasserspiegeln, was eine touristische Attraktion und Haupteinnahmequelle - die Cenoten - rascher zum Austrocknen bringt.

 

So halten wir mindestens einmal die Woche an einer Wasserstation - einer Agua Purificada - und füllen dort unsere Trinkwasser-Kanister mit osmotisch gereinigtem und UV-bestrahltem Wasser wieder auf. 

Vom Meer in die Berge

21.-23.11.2021

Wir verlassen Campeche und fahren dem Golf von Mexiko entlang Richtung Ciudad del Carmen. Der Himmel ist leicht bewölkt und die Strecke sieht auf der Strassenkarte interessanter aus, als sie in Wirklichkeit ist. Nach 171km liegt die Isla del Carmen vor uns. Noch 4US$ Brückenzoll entrichten und schon sind wir drüben. 

 

Jetzt geht die schwierige Suche nach einem Übernachtungsplatz los. Alle Strandrestaurants und Hotels sind wie ausgestorben. Doch halt, da bewegt sich was! Wir halten an und fragen. Doch für einen staubigen Parkplatz ohne Strom, Wasser, WIFI verlangen sie 25US$ - das ist uns zu viel.

Etwas weiter stehen die Tore eines Clubs weit offen. Wir fahren rein und finden den Gärtner. Der meint: "Viel zu gefährlich!" Es sei niemand hier in der Nacht, das Tor verschlossen und es käme immer wieder zu bewaffneten Raubüberfällen mit Booten. Wir suchen das Weite!!

 

Am Ende der 42km langen Insel liegt Ciudad del Carmen. Nach längerer erfolgloser Suche verstecken wir uns am Rande der Stadt zwischen Meer und einem Zirkus, der sich gerade auf die Abendvorstellungen vorbereitet.

Auch von der Insel runter geht's nicht kostenfrei! Heute scheint ab und zu die Sonne und nach der nächsten Kurve giesst es in Strömen. Nach 170km unspektakulärer Fahrt - zum Glück gute Strassen - erreichen wir Villahermosa.

 

Auf der Finca Caracol y El Jaguar werden wir von Rodolfo sehr herzlich in Empfang genommen. Was für ein Unterschied zu gestern! Heute Samstag ist auch das Restaurant geöffnet. Wir lassen uns verwöhnen.

Tacos und Tintenfischringe zur Vorspeise, Langusten in Tequila-Sauce zur Hauptspeise, dazu einen fruchtigen mexikanischen Chardonnay und das Ganze abgerundet mit einem samtigen Tequila - alles untermalt mit romantischer Livemusik von Maestro Rodolfo und seinem Freund - zwei Profimusikern. 

Die nächste Etappe führt uns stufenweise auf 2100m durch zapatistische Bergdörfer, die an den Hängen kleben. (Zapatisten sind sozialrevolutionäre indigene politische Gruppierungen) 

Sonne, Regen und Nebel wechseln sich immer wieder ab. Die Strasse ist sehr kurvenreich, es geht rauf und runter und die zahlreichen Tópes/Gechwindigkeitsschwellen - umgerechnet alle 400m eine - machen uns das Fahren schwer. 

In Solistahuacán - auf 1560m - beenden wir um 14 Uhr müde unsere Fahrt. Es regnet und es ist kalt - 15°C.

Im Camping-Restaurant brennt ein Feuer im Kamin, die Lichter am Christbaum leuchten und wir lassen uns heute bekochen.

Am anderen Morgen um 7 Uhr und bei einer Aussentemperatur von 12°C - die Nacht war s…kalt - werden wir geweckt. Draussen ist es grau und es nieselt. Eine Gruppe Studenten hat sich zur Studienabschlussfoto versammelt. Die Frauen zittern in ihren dünnen Chiffonkleidern! :o/

Wir fahren die letzten 130km nach San Cristobal de las Casas auf 2100m.