HONDURAS

Von Nicaragua kommend ...

Honduras (07. - 23. August 2021)

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Hier haben wir auf dieser Reise übernachtet
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Einreise Honduras

Nach dem ungeordneten Ausreiseprozedere in Nicaragua geht es hier in Honduras sehr geordnet zu und her. Alle Schalter stehen in logischer Reihenfolge hintereinander.

 

Als erstes benötigen wir einen Covid Antigen-Test. Das Labor ist wegen mangelnder Nachfrage geschlossen, wir können uns aber per Telefon anmelden. Innert 20min ist jemand da, um den Test durchzuführen und 15min später stehen wir mit dem Resultat vor dem Gesundheits-Check, wo uns diesmal die Temperatur gemessen wird. Alles okay – wir dürfen zum Einreiseschalter.

 

Als ein Novum in Süd- und Mittelamerika werden uns die Kuppen aller Finger gescannt. Einreisegebühr 6US$ - oder 142 Lempiras.

 

Während Röbä den Camper einführt, unterhalte ich mich mit dem Chef der Einwanderungsbehörde. Wir seien heute die ersten ausländischen Touristen, meint er, die nach Honduras einreisen. Wir besprechen auf der Landkarte unsere Routenplanung und er gibt mir einige gute Tipps mit auf den Weg. Entspannt reisen wir in Honduras ein.

Da es schon 16.00 Uhr ist und wir noch keinen Übernachtungsplatz haben, fahren wir durch Danlí - Zigarrenhochburg Honduras - hindurch. Wir steuern das Hotel Villa Alejandra kurz ausserhalb der Stadt an und bleiben die ersten beiden Tage dort.

Tegucigalpa

Nach einem gemütlichen Wochenende geht es heute über einen 1450m hohen Pass Richtung Hauptstadt Tegucigalpa.

Von der grossen Transversale abgebogen, fühlen wir uns nach Südamerika zurück versetzt. Dichter Verkehr auf engen Strassen, hupende drängelnde Autofahrer – das hatten wir jetzt länger nicht mehr.

 

Die Stadt liegt eingebettet in einem Hochtal auf 975müM. Bis weit hinauf ziehen sich die ineinander verschachtelten Backsteinquader der Bewohner. Da Tegucigalpa eine hohe Kriminalitätsrate hat, besuchen wir nur das Zentrum um die Kathedrale - die Polizeipräsenz ist hoch.

Die Stadt würde sicher keinen Schönheitspreis gewinnen, aber die Kathedrale kann sich sehen lassen. Wir spazieren durch die Fussgängerzone und essen in einer kleinen Imbissbude die Nationalspeise Baleada – eine Tortilla gefüllt mit Bohnenmus, Rührei, Käse und Butter für SFR 0.50 – lecker!

Wir haben einen Augenschein von dieser Hauptstadt genommen - mehr brauchen wir nicht.

Aus Sicherheitsgründen fahren wir aus der Stadt raus und übernachten am Balneario San Francisco/Freiluftbad.

Endlich wieder einmal eine ruhige Nacht ohne bellende Hunde und krähende Hähne :o))

Comayagua

Weiter geht unsere Reise über sehr gute, vier-spurige Strassen nordwärts. Die Landschaft im Südwesten von Honduras ist zu unserem Erstaunen hauptsächlich mit Kiefern bewachsen.

Comayagua liegt genau in der Mitte zwischen Atlantik und Pazifik und war zwischen 1547 und 1880 die Hauptstadt Honduras. Heute besticht die Stadt mit ihren zum Teil sorgfältig restaurierten Kolonialbauten, Kirchen und Plätzen. 

Lago de Yojoa

12.-17.08.2021

Der Lago de Yojoa ist malerisch gelegen, umgeben von Tropenwald und daher ein beliebtes Ausflugsziel fürs Wochenende.

Wir quartieren uns in Los Naranjos ein – einem kleinen Dorf mit holpriger Zufahrtsstrasse und einer kleinen Bier-Brauerei.

Zu unserer Enttäuschung stellen wir beim ersten Bier fest, dass nur IPA (Indian Pale Ale mit viel Hopfen) gebraut wird und dass uns diese Biersorten – auch mit Blaubeeren- und Melonengeschmack, etc. – nicht sonderlich schmecken. Also müssen wir uns mit belgischem und mexikanischem Bier zufriedengeben.

Zu unserer Freude gesellen sich schon bald Katja und David aus Bülach zu uns. Endlich treffen wir wieder einmal Overlander und endlich gibt es wieder einmal einen gemütlichen Schwatz bei einem kühlen Bier :o))

Das Gebiet am See um Los Naranjos war schon 1300 v. Ch. besiedelt und gilt als wichtigste archäologische Stätte in Honduras.

Bei einer 6km langen Wanderung durch den Parque Eco-Arqueológico sehen wir nicht nur die bedeckten Ruinenhügel – nach der Ausgrabung zum Schutz wieder aufgeschüttet – sondern wir laufen auch auf Holzstegen durch Tropenwald und über ausgedehnte Feuchtgebiete. 

Beim Frühstück entdecken wir, dass wir offensichtlich einen 'Platten' eingefangen haben. Erst beim Hochheben wird klar, dass der Reifen dicht ist, sich aber an seiner Aussenwand eine Blase entwickelt hat. Das Stahlgeflecht ist gerissen - vermutlich Überlast - wir brauchen einen neuen Hinterreifen!

 

Der Chef der Brauerei telefoniert mit zahlreichen Reifen-Importeuren in den Grossstädten San Pedro Sula und Tegucigalpa – unsere Reifengrösse gibt es, aber eine minimale Tragfähigkeit von 1000kg/Reifen kennt man in Honduras offensichtlich nicht. Somit kommt nun unser Ersatzreifen wieder mal ins Spiel und der muss mindestens bis El Salvador, wenn nicht gar bis nach Mexiko halten!

Fahrt nach Copán

17.-19.08.2021

Nehmen wir für die Weiterreise die südliche Route über Gracias oder fahren wir die nördliche Route über San Pedro Sula?

Die Entscheidung wird uns von einem ansässigen Amerikaner abgenommen, der uns von den Cataratas Pulhapanzak erzählt. Eigentlich sind wir bei Wasserfällen inzwischen etwas skeptisch, aber er hat uns 'gwundrig‘ gemacht. Also geht unsere Reise in den Norden weiter.

Nach einer ruhigen Nacht neben einer Vieh-Hacienda marschieren wir los. Von den Wasserfällen sind wir positiv überrascht! Mit einer Höhe von 43m und einer beachtlichen Breite können sie sich durchaus sehen lassen!

Jetzt fehlen uns noch 220km bis Copán. Die wären eigentlich zu schaffen, aber nicht bei diesen Strassenverhältnissen!

Die Hauptachse von der Grenze Nicaraguas über Tegucigalpa bis nach San Pedro Sula ist vom Feinsten – vierspurig, Beton, keine Löcher. Bei den restlichen Strassen sieht das jedoch etwas anders aus. Die Autofahrer schlängeln sich in Wellenlinien um die unzähligen Löcher im alten Asphalt herum.

Immer wieder begegnen wir Männern oder Kindern, die Erde in einige wenige Löcher schaufeln und dafür ein Trinkgeld erwarten. Wir schaffen gerade mal 102km in 2 1/4Std und bleiben für eine Nacht in Quimistán

 

Heute Donnerstag liegen nochmals 116km vor uns. Es geht so weiter, wie es gestern aufgehört hat – staubige, löchrige Strassen.

Jetzt stoppen uns aber nicht mehr die 'Lochfüller', sondern die zahlreichen Polizei- und Militärkontrollen. Papiere werden kontrolliert, nach dem Weg wird gefragt und mit einem freundlichen Lächeln werden wir wieder weiter geschickt – alles sehr korrekt - Hut ab vor den honduranischen Beamten.

Ein weiterer Lichtblick - als wir uns der Abzweigung nach Santa Rosa nähern - die Löcher sind oder werden zur Zeit überteert, juhuiii! Trotzdem brauchen wir für die wenigen Kilometer über 3 Std – dann sind wir in Copán!

Copán

19.-22.08.2021

Copán liegt im äussersten Westen von Honduras auf ca. 600müM, nahe der Grenze zu Guatemala.

Hier befindet sich die östlichste Kult-Stätte der von den Maya bewohnten Gebiete. Seit 1980 zählt sie zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Zuerst erkunden wir aber die bunte kleine Stadt Copán mit ihrem Kopfsteinpflaster und den steilen Strassen - gut haben wir unseren Camper ausserhalb des Dorfes stehen lassen. 

Zum Nachtessen lassen wir uns mit einem Tucktuck zum Restaurant Nia Lola bringen. Super gemütliche Atmosphäre, grosse Auswahl an Bier und feines Essen!

Heute Freitag besuchen wir die archäologische Stätte von Copán.

Zwischen 250-900 n.Chr. siedelten sich die Maya hier in einem von bewaldeten Bergen eingerahmten Tal an. Zu ihrer Blütezeit lebten bis zu 21‘000 Einwohner in der Maya-Stadt, die das bedeutendste Zentrum dieser Hochkultur war.

Die Stadt war in zwei Gebiete aufgeteilt - den Grossen Platz mit der Hieroglyphentreppe für das soziale Zusammenleben und die Akropolis für die adlige Bevölkerung. 

 

Der Grosse Platz wurde für Spiele, Rituale und für astronomische Beobachtungen genutzt. 

Die Akropolis war ein abgegrenzter Bereich der Stadt. Verschiedene Tempel, ein Friedhof und das Throngebäude von König Waxaklajuun Ub´aah K´awiil sind hier zu bewundern.

Fahrt zur Grenze Honduras - El Salvador

22./23.08.2021

Von Copán aus wären wir nach 11km in Guatemala - wir wollen aber zuerst nach El Salvador.

 

Das bedeutet für uns, dass wir 60km zurückfahren müssen, um dann in den Süden nach El Salvador abzubiegen Auch nach der Abzweigung ist die Strasse mit tiefen Löchern gespickt und das Hinterteil des Campers macht öfters Luftsprünge. Dies führt dazu, dass die Regale oberhalb unserer Betten leergeräumt und die Sachen überall verstreut werden.

Nach 75km stoppt uns ein hupender Autofahrer und gestikuliert mit den Armen. Auch das noch - nun ist auch der linke hintere Reifen platt und wir haben doch keinen Ersatzreifen mehr.

Glücklicherweise ist die nächste Tankstelle nicht weit entfernt. Röbä pumpt etwas Luft in den Reifen und so schaffen wir es bis dorthin.

Mario - den wir per Zufall an der Tankstelle treffen  - ist überzeugt, dass wir passende Reifen in Cucuyagua bekommen könnten - wir sind skeptisch. Dank seiner Freunde und seiner Super-Organisation haben wir eine Stunde später bereits neue Hinterreifen. Selbstverständlich ist Mario für den Rest des Sonntags unser Gast :o))

 

Nach einer relativ ruhigen Nacht bei der Tankstelle meldet der Fahrzeug-Computer 'ABS, ESP, Hillholder stehen nicht zur Verfügung'. Ein fehlerhafter Drehzahlmesser soll gem. Diagnostikgerät die Ursache sein - dummerweise genau an einem der hinteren Räder. 

Ein Diagnostik-Spezialist ist in dieser Gegend kaum zu finden und so fahren wir - trotz der vielen Fehlermeldungen ohne Probleme - über einen 1850m hohen Pass nach El Salvador.

Fazit Honduras

Honduras ist fast dreimal so gross wie die Schweiz. Der grösste zusammenhängende Regenwald in Zentralamerika liegt im Nordosten des Landes. Der Rest des Landes ist mit trockenem, lichtem Kiefernwald bedeckt. Honduras ist eines der ärmsten Länder Mittelamerikas und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Trotz vieler negativer Informationen haben wir uns in Honduras sicher gefühlt. Leider gibt es nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten und auch gute Übernachtungsmöglichkeiten sind rar.

 

In den 16 Tagen in Honduras haben wir festgestellt, dass….

  • die Honduraner ein friedliches, freundliches, hilfsbereites Volk sind
  • die Männer Cowboy-Hüte tragen
  • eine Polizei- und Militärkontrolle (Papiere) immer korrekt durchgeführt und nie nach Geld oder Getränken gefragt wird
  • die Strassen in Honduras von 'ausgezeichnet' bis 'miserabel' qualifiziert werden können
  • wir nie einer Geschwindigkeitskontrolle der Polizei begegnet sind
  • das Land das Abfallproblem nicht im Griff hat. Kleinere oder grössere Mülldeponien gibt es praktisch an jeder Strasse
  • viele Menschen noch mit Holz kochen und täglich auf Holzsuche sind
  • es nicht viele Früchte zu kaufen gibt und die Qualität dann nicht die beste ist 
  • Kinder bei unserem Anblick oft zu betteln beginnen (gringo, un regalo...)

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