Potosí

04.-07.11.2018

Einfahrt in Potosí auf 3950 müM im strömenden Regen – kein schöner Anblick!

Überall Minen, Schutt, Müll und schlammiges Regenwasser.

 

Heute Sonntag ist Markt in der Stadt und ein Durchkommen praktisch unmöglich. Wir parkieren in einer Seitenstrasse und laufen durch den bunten Sonntagsmarkt. Der Regen hat inzwischen der Sonne Platz gemacht.

 

Am Abend fahren wir durch die sehr engen und steilen Gassen zu unserem Parkplatz für die nächsten Tage.

Heute machen wir uns auf, die historische Innenstadt mit ihren Kolonialhäusern und den typischen Holzbalkonen zu erkunden.

Vom Torre de la Compañía haben wir eine wunderbare Sicht auf die Stadt und den Hausberg Cerro Rico. Auf der Plaza probieren wir eine ‚Batida‘ – geschlagenes Eiweiss mit etwas kaltem Kaffee und im Mercado Central eine Sopa de Arroz/Reissuppe. 

Mit dem Besuch im Karmeliterkloster Santa Teresa 1692, betreten wir die Welt der jeweils zweitältesten Tochter jeder reichen Familie, denn sie musste an die Kirche abgegeben werden.

Die interessante Führung begleitet uns durch den – für unsere Auffassung – strengen und isolierten Alltag dieser Nonnen.

Ein weiterer Höhepunkt steht heute auf dem Programm. Wir besuchen eine Silbermine im Cerro Rico.

Seit 500 Jahren werden in unzähligen Stollen Silber, Kupfer, Wolfram, Zink, Zinn und andere Mineralien abgebaut. Der Berg gleicht heute einem Schweizer Käse und nicht selten stürzen Gänge ein, wenn darunter gesprengt wird.

 

Roland hat selber einige Jahre in der Mine gearbeitet und wird uns sicher durch die Stollen führen.

Zuerst werden wir mit Minen tauglichen Kleidern und Helmen ausgerüstet, bevor die Fahrt zum Markt der Minenarbeiter weitergeht.

Hier kann alles gekauft werden, was im Stollen gebraucht wird – Dynamit, Zündschnur, Zünder, Werkzeug, Kokablätter und 95% Alkohol für El Tío/Beschützer der Minenarbeiter. Wir – eine Gruppe von sieben Personen – kaufen auf Rat von Roland 24 Liter Getränke, zwei Sprengsätze und zwei Pakete Kokablätter. 

Mit einem kleinen Bus fahren wir den Cerro Rico bis zur Mine auf 4400 müM hoch.

Stirnlampe an und los geht es in den Stollen. Im Eilmarsch und in gebückter Haltung bringen wir die ersten 100m hinter uns. Immer wieder müssen wir auf die Seite springen, denn zwei Tonnen schwere Wagen - gestossen von zwei Minenarbeitern - flitzten an uns vorbei.

 

In einem kleineren Seitenstollen sitzt ‚El Tío‘. Er ist der Beschützer der Minenarbeiter und sorgt für ihre tägliche sichere Heimkehr. Plötzlich ein Knall und eine Druckwelle lässt unsere Körper erzittern. Roland nimmt es cool: „War nur eine Sprengung mit Dynamit!“ Für unsere Gruppe natürlich sehr eindrücklich, so etwas mitzuerleben.

 

Immer tiefer dringen wir in den Cerro Rico vor. Jetzt wird es eng! Wir klettern einen schmalen Stollen hoch, überqueren einen tiefen Schacht über ein 10 cm breites Brett, um auf der anderen Seite fast wie auf einer Rutschbahn in den unteren Stollen zu gelangen. Ob wir da je wieder rauskommen???

 

Hier beobachten wir zwei Arbeiter, die gerade eine Sprengung vorbereiten. Mit Meissel und Hammer wird ein Loch in das Gestein geschlagen, Dynamit, Zünder und Zündschnur für drei Minuten reingesteckt und dann nichts wie weg!

Nach 2 1/2 Std sind wir wieder am Tageslicht, müde und tief beeindruckt von der Arbeit der Mineure und deren Arbeitsbedingungen hier am Cerro Rico. 

Der letzte Besuch vor unserer Abreise gilt der Casa Nacional de la Moneda - 1572 - dem wichtigsten Gebäude von Potosí, zur damaligen Zeit.

Hier wurde das Silber aus dem Cerro Rico in Schwerstarbeit zu Münzen geprägt. Lamas transportierten die Münzen anschliessend über die Anden nach Arica an den chilenischen Pazifik, von wo sie nach Spanien verschifft wurden.