Kolumbien – Herausforderungen über die Festtage

Offensichtlich sind für einige technisch Interessierte die Beschreibungen der Fahrzeug-Probleme zu wenig detailliert. Dies zu Herzen nehmend, tragen ich in diesem Artikel für einmal etwas mehr Informationen zu unseren ‚Festtags‘-Herausforderungen zusammen.

 

Batterie-Ladegerät und Klimaanlage des Campers

 

Wie bereits früher berichtet führen wir seit Curitiba/Brasilien einen ca. 10kg schweren Spannungs-Transformator mit, damit wir unser 220V (Volt)-Campernetz an das im nördlichen Südamerika sowie in Brasilien vorherrschende 110V-Netz anschliessen können. 

Nach Monaten in Ländern mit ausschliesslich 110V-Netz ist die Installation mit diesem Transformator bzw. Spannnungsverdoppler zur Routine geworden. Der Zufall will es aber nun, dass auf einem Campingplatz an der Karibikküste neben 110V- ausnahmsweise auch 220V-Steckdosen vorhanden sind. Einem alten Instinkt folgend,  stecke ich das Ende der Kabelrolle bei 220V ein, worauf rasch eine Rauchwolke unter dem Beifahrersitz aufzusteigen beginnt  – das Batterie-Ladegerät des Campers hat nach Erhalt von 440V (220V wäre optimal ;o) kurzerhand den Geist aufgegeben.  

 

Da auch die Klimaanlage des Campers direkt am Netz angeschlossen ist, wird diese nützliche Einrichtung zusätzlich beschädigt.

 

Nach dem zweiten Anlauf finde ich eine Elektronik-Werkstatt in Santa Marta, die das Batterie-Ladegerät reparieren kann, für die Klimaanlage fehlen jedoch wichtige Ersatzteile. Bis auf weiteres müssen wir daher mit einem kleinen Ventilator vorlieb nehmen.

Lichtmaschine und Starter-Batterie des Fiat Ducato

 

Was sich mit dem - zwar nur selten - kurz aufleuchtenden roten Batterie-Symbol bereits seit Monaten angekündigt hat, wird bei unserer ersten Fahrt im 2020 zur Gewissheit. Das Batterie-Symbol leuchtet nun konstant, die Lichtmaschine lädt nicht mehr und die Batterie-Spannung fällt rasch ins Bodenlose.

 

Glück im Unglück – unser Camper versagt seinen Fahrdienst an der grössten Kreuzung unserer 300km langen Fahrt von Santa Marta nach Mompós. Hier in Bosconia hat sogar ein ‚Elektro-Mechaniker‘ seine Werkstatt eingerichtet.

 

Eines muss man den Fiat-Konstrukteuren lassen: Sie haben das letzte aus dem geringen Platzangebot im Motorenraum herausgeholt, zum Nachteil der Reparaturfreundlichkeit. 

Mit Händen wie Gynäkologen befreien die zwei Mechaniker die Lichtmaschine aus ihren beengenden Verhältnissen. Nach 3 Std, bei 40°C und 85% rel. Luftfeuchtigkeit, verschwitzt, sandgepudert wie Wiener-Schnitzel, haben sie das Ding ausgebaut. 

Der Laderegler – so vermutet der Meister – hat den Geist aufgegeben. Da ein baugleiches Teil an diesem Ort nicht zu finden ist, wird der alte rasch ausgeweidet und über ein Kabel mit einem neuen Laderegler lokaler Bauart verbunden.

Abends um 19 Uhr, nach 6 Std. Arbeit, ist die Lichtmaschine wieder an seinem angestammten Platz. Auch für den neuen Laderegler finden wir ein freies Plätzchen. Zündung an, und siehe da, es wird Licht :o))

 

Zwei Tage später leuchtet das beschi… Batterie-Symbol bereits wieder auf. Es ist kurz vor dem Eindunkeln, wir sind 4km vor dem Ziel – das schaffen wir noch!

 

Aber halt, wir sind auf dem falschen Weg, wir müssen umdrehen. Doch inmitten des Wendeversuchs ist die Batterie endgültig leer, alle elektrischen Systeme des Fahrzeugs verabschieden sich, der Motor schaltet ab.

In Minuten sind wir umringt von Bewohnern der umliegenden Bretter-Buden. Durch Stossen und Schaukeln können wir den Camper wieder in Bewegung versetzen. Doch auch die Brems- und Lenkhilfen sind ausgeschaltet, das schwere Fahrzeug ist nicht mehr zu halten. Glücklicherweise macht ein nahes Eingangstor der kurzen Fahrt ein Ende.

Alle wollen helfen, aber nur nach entsprechender Bezahlung. Ein Mechaniker und zwei Auto-Batterien reichen um den Camper wieder zu starten und den steilen Weg zurückzufahren. Um 21.30Uhr erreichen wir endlich den angepeilten Übernachtungsplatz. Damit ich mich am nächsten Morgen auf die Suche nach einer neuen Lichtmaschine machen kann, wird das Ding noch in derselben Nacht ausgebaut.

 

Aber auch in der eine Fahrstunde entfernten Grossstadt Cartagena bzw. in ganz Kolumbien ist keine Lichtmaschine dieser Bauart zu finden. Also nochmals ein Reparatur-Versuch. Nach langem Suchen finden wir in einem der unzähligen Ersatzteil-Läden einen originalen Bosch-Laderegler und neue Leistungsdioden.

 

Am nächsten Morgen wird die reparierte Lichtmaschine und die inzwischen geladene Batterie wieder montiert - der Camper startet anstandslos – uff, geschafft.

Nicht ganz, meint Ursi und macht mich auf einen Reifen aufmerksam, der Luft verloren hat. Da es aber bereits wieder eindunkelt verschiebe ich diese Reparatur auf den nächsten Morgen. 

Eine dicke Schraube hat sich in einen Hinter-Reifen gebohrt und die Luft langsam entweichen lassen. Selbstverständlich wird das Loch selbst gestopft, der Reifen muss jetzt nur noch aufgepumpt werden. Also, Kompressor anschliessen, Camper starten – aber der Motor gibt nur ein gurgeln von sich. Die Batterie ist bereits wieder leer – sie hat das zweimalige Entladen nicht überlebt.

 

So mache ich mich mit luftleerem Reifen und der defekten Batterie in einem Mototaxi ins nächste Dorf auf. Alvaro, ein älterer Batterie-Händler – in einem von Säure verfressenen T-Shirt - ist erstaunt über meine wartungsfreie, aber leider defekte Hochleistungsbatterie. Nein, sowas gibt’s in Kolumbien nicht, meint er kopfschüttelnd.

 

Mit einer Auswahl lokaler Batterien und einem aufgepumpten Reifen mache ich mich wieder auf zu unserem ausgeweideten Camper. Eine der Batterien passt, der Reifen ist wieder montiert.

Bei der Testfahrt - alles scheint zu funktionieren - lassen wir noch in einer Garage den überfälligen Ölwechsel machen.

 

Am nächsten Tag ist leider aber das ganze Motoren-Öl wieder draussen ….. doch nun ist genug - nicht alle sind an technischen Details interessiert – lassen wir’s gut sein ;o))