Vitória - Río de Janeiro - Santos

06. - 09.10.2016

Die Reise geht weiter. Während wir Passagiere alle im Tiefschlaf sind – ausser Mik, der geistert nachts irgendwo auf dem Deck rum – verlässt das Schiff den Hafen und der Autopilot fährt uns Richtung Río de Janeiro.

Nach 21 Stunden Fahrzeit treffen wir in der Dunkelheit ein. Wir bekommen einen First-Class Warteraum direkt vor der der Copacabana und der Ipanema-Beach mit Sicht auf den Corcovado und den Zuckerhut. Wow!

Die schlechte Nachricht – die Anlegestelle im Hafen ist besetzt und wir bleiben für die nächsten 2 1/2 Tage hier im Warteraum. Río zum Greifen nahe und doch so fern :o(

 

Aber es wird einiges zur Unterhaltung geboten. Ich sitze auf Deck und lese, als ich ein mir schon bekanntes Aufplatschen auf dem Wasser vernehme. Das darf doch nicht wahr sein – jetzt schmeissen die schon wieder

eine Waschmaschine über Bord und dies vor der Copacabana. Zu meiner Überraschung entpuppt es sich als eine Schule von acht Delphinen, die sich direkt unten am Schiff vergnügen und mit ihren Hinterflossen aufs Meer schlagen. Sie bleiben uns auch die restliche Zeit treu und besuchen uns in den folgenden Tagen regelmässig.

 

Des Weiteren findet eine Rettungsboot-Aktion statt. Das erste Rettungsboot wird ins Meer gelassen und wieder raufgeholt. Ein paar kleinere Schäden, Rest ok. Das zweite Boot soll nun bemannt runtergelassen werden.

Der Security-Officer und die ‚Helmsmen‘ müssen daran glauben. Alle sind etwas nervös – für uns eher unverständlich, würde doch Röbä sofort partizipieren, wenn er dürfte. Da das Meer etwas unruhig ist, muss noch auf das OK des ‚Comandante‘ gewartet werden.

In der Zwischenzeit drehen Röbä und ich unsere Joggingrunden auf der Meerseite der Copacabana.

Endlich geht es los. Die Crew besteigt mit weichen Knien das Rettungsboot - einer bittet Röbä noch seiner Frau auszurichten, dass er sie liebt – schwups, sind sie unten. Doch jetzt beginnt das grosse Debakel. Der vordere Aufhängehacken löst sich überraschend und das Boot baumelt am hinteren Hacken - halb in der Luft, halb im Wasser. Über eine Stunde versucht die Mannschaft das Rettungsboot, das sich immer mehr in seinen Aufhängeseilen verheddert, zu retten. Schlussfazit der Rettungsaktion – einer hat sich im Boot übergeben, einer wollte sterben, einer war in Panik und der Security-Officer (Philippino) will den Job wechseln, weil er die ignorante Art und Weise der italienischen Crew nicht mehr erträgt.

 

Zu guter Letzt heisst es – offizielle Version - unser Koch Rocco sei krank und in ein Spital gebracht worden – inoffizielle Version – er hätte das Schiff nach einem Streit verlassen! Das kann ja noch heiter werden!!

Gekocht wird jetzt von unserem italienischen Steward Nello und dem italienischen First Officer Primo.

 

Erstes Abendessen – sehr gut – wurde noch von Rocco vorbereitet.

Erstes Frühstück – oh, da stehen Joghurt auf dem Tisch und die Brötchen sehen auch ganz anders aus! Es entpuppt sich, dass die Brötchen kaum essbar sind, da zu lange gebacken und deshalb hart :o(

Wir vermuten, die Joghurt sind eine kleine Entschuldigung.

Erstes Mittagessen - 1. Gang: Kalter Teller mit Melone, Schinken, Essiggurken, Oliven und französischem

Baguette – wo haben die jetzt das wohl her? Leider schmeckt es nach Fisch und ist kaum geniessbar.

2. Gang: Teigwaren mit Zucchetti schmecken gut. 3. Gang: Gekochte Rindsplätzli ohne Sauce, ist ungeniessbar.

 

Dem ‚Comandante‘ fehlen zum ersten Mal die Worte – es herrscht fast Totenstille im Speiseraum. Es heisst nicht umsonst, der Koch ist die wichtigste Person an Bord! Doch dies ändert sich schlagartig. Die Koch-Crew bekommt vom ‚Comandante‘ sein italienisches Brotrezept und die Brötchen sind ab jetzt ein Traum – fast schon wie Brot aus der Schweiz :o))

Alle geben sich Mühe und beraten die Köche mit verschiedenen Rezepten und die Jungs machen das wirklich sehr gut. So kommt jetzt etwas Abwechslung in den Speiseplan!

 

10.10.2016

Endlich ist es soweit und wir fahren morgens um 05.00 Uhr - vorbei am Zuckerhut - in den Hafen von Río ein. Leider bleibt uns nur wenig Zeit für einen Landgang und so beschliessen Michaela, Tobias, Röbä und ich zur

Copacabana zu fahren, Caipirinhas zu trinken und dann wieder zurück.

Zum Glück waren Röbä und ich schon in Río, sonst würde es mich schon etwas ärgern hier zu sein und doch nicht viel zu sehen. So geniessen wir zwei gemütliche Stunden am Strand, nehmen schnell Kontakt mit zuhause auf, saugen die Atmosphäre der Copacabana auf und lassen uns ein paar Caipirinhas schmecken. Einfach herrlich!!

 

Über Nacht geht die Fahrt weiter nach Santos, dem Hafen von Sao Paulo. Leider bleibt hier keine Zeit zum Rausgehen. Wir zwängen uns schnell unter Deck zwischen Lastwagen zu unserem Camper durch, um ein paar Sachen auszutauschen.

 

11.10.2016

Unser Steward Sonny verlässt uns heute. Wir sind etwas traurig, da er seinen Job exzellent gemacht hat, freuen uns aber auch für ihn, da er seine beiden Kinder (2/9) seit acht Monaten nicht mehr gesehen hat. Das Dreamteam – Michaela, Tobias, Mike, Röbä und ich – stehen auf Deck 12 Spalier und winken im nochmals zum Abschied zu.