Pantanal – Bio Reservat ‚Los Tres Gigantes‘

03.-09.05.2018

1000 km nördlich von Asunción liegt das Bio Reservat ‚Los Tres Gigantes‘ am Río Negro, welcher die Grenze zwischen Paraguay und Bolivien bildet.

Lutgard aus Hohenau hat von diesem Ausflug dorthin sooo geschwärmt, dass wir uns entschliessen, diese Abenteuer-Reise auch zu machen. Sie hat uns aber auch vorgewarnt, dass die Anreise zwar interessant aber ohne jeglichen Komfort ist.

 

Flug Asunción – Fuerte Olimpo

 

Der Flug in diese abgeschiedene Grenz-Region wird nur von der Luftwaffe SETAM durchgeführt.

Zwei Tage vor unserem geplanten Abflug fahren wir auf den Luftwaffenstützpunkt von Asunción, um uns zu erkunden, ob wir den Camper während unserer Abwesenheit hier stehen lassen dürfen. Wir müssen drei Wachposten passieren um in den Stützpunkt zu gelangen.

 

Hauptmann Hermosilla erklärt uns, dass sich unser Flug um einen Tag verschiebt und hilft uns die Schiffs-Reservation umzubuchen. Von höchster Stelle holt er auch die Erlaubnis ein, die Nacht vor dem Flug im Camper auf dem Stützpunkt zu verbringen und das Fahrzeug während unserer Abwesenheit hier zu parkieren.

 

So trudeln wir am Vorabend unserer Abreise wieder hier ein und schlummern - wohlbehütet zwischen zwei Wachposten – unserem Abenteuer entgegen.

Morgens um 05.30 Uhr müssen wir am ‚Check-in‘ sein.

Zum Glück brauchen wir nur die Strasse zu überqueren und schon sind wir da. Nicht nur das Gepäck wird gewogen, auch wir müssen auf die Waage.

 

Wie Sardinen in der Dose sitzen wir eng geschichtet zwischen Taschen und Frachtgut. Der Pilot lässt die Motoren mit angezogener Handbremse auf Hochtouren hochfahren. Es dröhnt und schüttelt, als würde man auf einer Power-Plate sitzen ;o))

Ein Ruck - los geht's - das Propeller-Flugzeug hebt schon nach sehr kurzer Strecke von der Piste ab.

 

Wir haben direkten Blick ins Cockpit, wo Pilot, Copilot und Bordtechniker auf engstem Raum zusammen arbeiten und Terere trinken ;o))

 

Kurz nach dem Verlassen von Asunción tauchen die weiten grünen Flächen des Chaco und später des paraguayischen Pantanal unter uns auf. Der Río Paraguay - Grenzfluss zwischen Paraguay und Brasilien - schlängelt sich in einem breiten blauen Band in den Süden.

Aber auch die riesigen abgeholzten Urwaldflächen, wo nun Rinderzucht betreiben und Soja für Europa angebaut werden, sind von hier oben gut sichtbar.

 

In Concepción wird aufgetankt. In Vallemi gibt es einen weiteren Zwischenhalt, bevor wir in Fuerte Olimpo das Flugzeug total durchmassiert wieder verlassen. 

Schiffsreise Fuerte Olimpo – Bahía Negra

 

Kaum sind wir an Bord, legt die Aquidaban ab - sie hat nur noch auf uns warten müssen.

In Europa würde man dieses Schiff als Seelenverkäufer bezeichnen, hier aber ist sie die einzige Möglichkeit – einmal in der Woche - auf dem Río Paraguay nach Norden in den paraguayischen Pantanal zu schippern.

 

Gleichzeitig ist das Schiff auch ein fahrender Lebensmittel-Markt und transportiert alles Mögliche für die Bevölkerung in den hohen Norden Paraguays - Lebensmittel, Getränke, Spielsachen, Wassertanks, Satellitenschüsseln, Motorräder, Matratzen, TV, Kleider, Gasflaschen, Pneus…..

 

Im unteren Stockwerk des Schiffes haben sich die mitfahrenden Händler eingerichtet. Kaum legt das Schiff irgendwo an, strömen - wie aus dem Nichts - die Bewohner des Pantanal zum Schiff um ihren Wocheneinkauf zu tätigen – auch wenn es auf Mitternacht zu geht!!

 

Im oberen Stock sitzen oder liegen die Passagiere auf Hängematten und Sitzbänken – ein Durchkommen ist schwierig ;o)

Hier gibt es auch acht Camarotes/Kabinen mit je vier Liegemöglichkeiten. Wir sind froh, einen Schlafsack dabei zu haben, denn das Schiff und die Kabinen selbst wurden schon länger nicht mehr gereinigt!!

 

Ruhig gleitet das Schiff über den Río Paraguay dem Sonnenuntergang entgegen. Beim Koch bestellen wir zum Abendessen den obligaten Teller Reis mit Rindfleisch und kaufen unten im Markt ein paar Früchte.

 

Nachts um 3 Uhr kommen wir in Bahía Negra an. Das Schiff leert sich langsam – wir aber dösen noch bis zum Sonnenaufgang weiter.

Bio Reservat Los Tres Gigantes

 

Nery - der Chef von Los Tres Gigantes - steht morgens um 7 Uhr mit seinem Boot für uns bereit. Doch zuerst heisst es Lebensmittel einkaufen, denn im Reservat müssen sich die Gäste selber versorgen.

 

Die 50-minütige Bootsfahrt auf dem kleineren Río Negro - Grenzfluss zwischen Paraguay und Bolivien - bringt uns in eine andere Welt.

 

Im Gästehaus bekommen wir das schönste Zimmer mit grossem Bett – wir sind die einzigen Gäste - oder doch nur fast, denn im Badezimmer quaken uns zwei Frösche entgegen ;o))

 

Eine grosse Terrasse – eingekleidet  mit Moskitonetzen - lädt zum Verweilen und Beobachten der Tiere ein. 

Mit den Park-Rangers machen wir uns früh morgens auf, um Tiere zu beobachten und um die Vögel einmal in der Woche zu inventarisieren. Die beiden erkennen jedes Federvieh und jeden Vierbeiner bereits am Gepiepse, Gekrächze oder Gebrüll.

Auf einer Strecke von ca. 4 km Urwald identifizieren diese Spezialisten in kurzer Zeit mehr als 40 Vogelarten.

Einige Reservat-Bewohner zeigen sich aber nur am Abend oder in der Nacht.

Es braut sich ein Gewitter zusammen und heftiger Regen prasselt auf unser Dach.

Wir geniessen diese Abkühlung, denn hier schwankt die Tages-Temperatur zwischen 33 und 36 Grad mit einer hohen Luftfeuchtigkeit.

Auf unseren Wunsch – einmal das Fischen auszuprobieren – fahren Nery und Gustavo mit uns raus auf den Río Negro.

Am liebsten hätten wir einen Piranha gefangen, dann wäre unser Abendessen gerettet gewesen. Aber Nery warnt uns schon vor, dass es bei diesem Hochwasser eher schwierig ist, einen Fisch zu fangen.

Also - alle vier - Fleisch an den Hacken und raus mit der Leine!

Jetzt ist Geduld angesagt. Nach längerem Warten zwickt es an Nerys Leine – doch es ist leider nur ein kleiner Fisch, den wir wieder frei lassen. Aber Zähne hat er fast wie eine Piranha ;o))

 

Dafür entdecken wir Wasserschnecken – die können wir zwar nicht essen – aber der Schneckenfresser/Caracolero kann nicht genug davon kriegen.

Eigentlich dachten wir, dass ausser Nery und sein Team sonst niemand hier in dieser Wildnis lebt – aber falsch gedacht. Heute gehen wir auf Besuch zu den Nachbarn :o))

 

Die beiden Señores leben und arbeiten hier. Sie besitzen einen grossen Garten mit allem was man so zum Leben braucht.

Viel Zeit verbringen wir auch mit dem Beobachten der Natur.

So stellen wir fest, dass immer wieder grössere und kleinere Gras- und Wasserpflanzen-Inseln den Río Negro runter schwimmen. Manchmal versperren sie die Flussdurchfahrt fast ganz, bis etwas Wind sie wieder weiter treibt.

Auch von den Sonnenuntergängen können wir – speziell ich, Röbä reicht einer – nicht genug bekommen ;o))

Nach fünf Tagen heisst es wieder Abschied nehmen. 

Nery fährt uns mit dem Boot zurück nach Bahía Negra und bringt uns zum Flugplatz. In einer kleinen Hütte erledigen wir unsere Papiere und und warten anschliessend  3 1/2 Std im Schatten eines Baumes auf den Abflug. 

Ich wundere mich, denn auf dem Flugfeld tummeln sich immer noch Pferde.

Nach zwei Stunden taucht ein Auto der Gemeinde auf. Auf der Ladefläche sitzen Männer, die jetzt die Pferde von der Landepiste treiben. Anschliessend reinigen sie die Bahn von Pferdeäpfeln und warten - Terere trinkend - auf das Flugzeug. 

 

Wir sind die einzigen Passagiere, die zusteigen. Bald rattern wir über die holprige Piste und heben Richtung Asunción ab.