Auf dem Río Madeira, Rio Amazonas und Rio Negro nach Manaus

 

31.07.-09.08.2018

Es wäre auch möglich mit dem Camper – jetzt in der Trockenzeit - die 900 km lange Strecke von Pôrto Velho nach Manaus mit dem Camper durch den Urwald zu fahren. Wir entschliessen uns dagegen, da der letzte Drittel in einem schlechten Zustand sein soll.  

Die Fahrt auf dem Río Madeira ist mit ca. 1250 km um einiges länger, da sich die Wasserstrasse kurvenreich durch den Regenwald windet.  Dafür ist es auf dem Fluss weniger stressig ;o)) 

 

Die erste Nacht im Hafengelände in Porto Velho ist ruhig, doch am Dienstagmorgen werden wir früh geweckt. Neben uns beginnen Schiffsbauer mit ihrer hämmernden Arbeit.

 

Da unsere Balsas/Transportplattformen noch mit Soja, Zucker, Reis, Mais, Mehl und Autos beladen werden, wir aber mit unserem Camper erst morgen Mittwoch auf die Balsa fahren können, laufen wir über die Brücke des Río Madeira nach Porto Velho.
Als Vorbereitung für das Amazonasgebiet montieren wir nun auch unser Moskitonetz, da die Malaria-Gefahr  gem. den brasilianischen Behörden dort stark zugenommen hat.

 

Plötzlich - nach dem Mittagessen - kommt Bewegung in unsere Warterei - wir können schon heute auf die Balsa fahren.

 

Wir sind die einzigen Passagiere und mit dem uns zugewiesenen Standplatz bleibt uns noch genug Freiraum, um Tisch und Stühle aufzustellen. Eingeklemmt zwischen zwei Transportplattformen und drei Privatautos sind wir eine ganze Balsa-Länge von der Crew entfernt. 

Mittwoch, 1. August – Schweizer Nationalfeiertag!

Wir haben uns gefreut - heute Abend nach der Abfahrt – bei einem Grill und einem guten Tropfen Wein den Geburtstag der Schweiz zu feiern.

Leider wird aber nichts daraus, denn der Start wird auf Donnerstag verschoben. Um uns herum wird immer noch gearbeitet. Also vertagen wir die Feier auf den nächsten Abend. 

Beim ersten Sonnenstrahl geht es Donnerstagmorgen los.

Unser Schiff - die ESN 1 - schiebt die zwei schwer beladenen Balsas sanft auf den breiten Urwaldfluss hinaus und nimmt - mit durchschnittlich 13 km/h - Kurs auf das 1250 Fluss-km entfernte Manaus.

 

Nach dem Frühstück schruppen wir zuerst einmal unser Deck, fixieren Markise und Plastik-Blachen gegen die brennende Sonne. Derweilen gleiten wir fast lautlos an den steilen Ufern des Río Madeira vorbei.

 

Von der Crew erfahren wir, dass in der Nacht - wegen zu wenig Wasser und Untiefen - nicht gefahren werden kann. Wir beginnen zu rechnen…..das bedeutet, dass wir doppelt so lange auf dem Schiff sein werden….wir aber nur für fünf Tage eingekauft haben!

Schaumermal – jetzt wird aber zuerst 1. August gefeiert ;o))


Für die Nacht machen wir Halt irgendwo im Nirgendwo. Eine Ecke der vorderen Balsa wird am kräftigsten Baum gegen die Fliessrichtung festgebunden, der Rest hängt bis Sonnenaufgang ruhig im Wasser.

Der Río Madeira gilt als Weisswasserfluss und hat seine lehmgelbe Farbe von einem Tonmineral aus den Anden.

 

Wir fahren auf dem durchschnittlich 1 km breiten Fluss abwechslungsweise an Regenwald, grossen Sandbänken und ab und zu an kleinen Dörfern vorbei.

 

Schwimmende Häuschen – manchmal ganze Reihen - waschen Gold aus dem Río Madeira. Mit dicken Schläuchen saugen die illegalen Goldwäscher den Sandboden aus dem Fluss. Das braune Wasser strömt über Kaskaden wieder zurück, Sand und Goldflöckchen werden separiert. 

Heute Sonntag – nach vier Fahrtagen - haben wir erst die Hälfte der Strecke durchschifft. Laut Agent sollten wir morgen in Manaus ankommen :o/


Unser 100 Liter Wassertank und unsere 35 Liter Trinkwasser sind schon vom ersten Ablegen an rationiert. Geduscht wird draussen mit Flusswasser. Geschirr und Pfannen waschen wir im Fluss vor und spülen nur noch kurz mit Tankwasser. Dieses wiederum benützen wir zum Spülen der Toilette.

 

An Lebensmitteln wird es uns nicht mangeln – kommen doch ab und zu Boote vorbei um ihre Fische oder Früchte zu verkaufen. Die Crew-Köchin Silvana zeigt uns, wie die schmackhaften Fische auszunehmen und für den Grill vorzubereiten sind.

 

Den ganzen Tag sind wir uns selbst überlassen. Wir machen unsere Physio-Übungen, musizieren, lesen und reparieren wieder einmal eine unserer Kunststoff-Ecken am Camper ;o))

 

Am Abend erhalten wir Generatorstrom – 110V/60Hz  - und manchmal kommt einer der Crew vorbei um zu schauen, ob wir noch da sind oder ob wir schon über Bord gegangen sind.

 

Wie ein Feuerball senkt sich die Sonne jeweils hinter den Urwald, die Balsas werden irgendwo am Ufer befestigt. Wir geniessen einen Schlummertrunk und gehen anschliessend bei 24°C ins Bett.

Flussdelfine, Schmetterlinge, Mücken, sehr viele Stechfliegen und eine Gottesanbeterin begleiten uns auf unserer Flussreise. 

 

Bei 36°C schwüler Hitze versuchen wir zur Kühlung etwas Fahrtwind zu erhaschen und beobachten das Leben am Ufer.

Heute Montag – geplanter Ankunftstag in Manaus – stattet uns der Kapitän einen Besuch ab. Auf die Frage, wann wir denn nun unser Ziel erreichen würden, meint er: “Quinta-feira à noite!“ Donnerstagabend, haben wir doch richtig vermutet!

Zum Überleben bringt Geci – der Mann für alles – uns einen Kanister Trinkwasser und Silvana wird uns ein Brot backen. Fast wie im Knast :o))

 

Am Abend plötzlich Stromausfall.

Das Schiff ist jetzt ohne Positionslampen und kann daher nicht für die Nacht parkieren. Im Leerlauf lässt der Kapitän die Balsas im Fluss treiben.

In der Morgendämmerung weckt uns ein harter Stoss. Sind wir auf Grund gelaufen? Nein, unsere Balsas werden mit einem anderen Transportschiff zusammengebunden. Mit dieser Schlepp-Hilfe geht’s nun weiter bis zur Einmündung in den Río Amazonas.

Dank Sonar wird nun rund um die Uhr gefahren, jedoch mit nur noch 9 km/h. Die letzten 180 km bis Manaus sind wir wieder uns selbst überlassen.  

Zur geplanten Einfahrt in den Amazonas sind wir heute Mittwochmorgen schon früh auf den Beinen.

Der lehmgelbe Río Madeira öffnet sich immer mehr und mischt sich mit dem milchschokoladebraunen Wasser des Amazonas.

Der Zeitpunkt ist nicht schlecht gewählt, geht doch genau in diesem Moment die Sonne auf.

Leider verlässt uns hier unser Zugschiff und fährt nach Santarém. Wir brauchen daher noch zwei Tage bis nach Manaus. 

Endlich - Donnerstagabend 20.00 Uhr - sind wir im Hafen von Manaus. Noch einmal schlafen und hoffen, dass wir bald entladen können. 

  

War wohl nix :o((
Die Rampe zum Rausfahren ist zu steil, die Balsa zu tief. Es muss zuerst Fracht ausgeladen werden, damit sich die Balsa hebt und  wir von Bord können.

Hiobsbotschaft vom Kapitän – Entlassung Samstagmittag!!!!

Für die Reise von Porto Velho nach Manaus brauchten wir insgesamt 8 Reisetage und wir haben 11 Nächten auf der Balsa geschlafen.