Mit dem Camper von Mexiko/Nuevo Laredo nach USA/Laredo kommend
Rot 2022 Violett frühere Reisen
Mexiko verabschiedet sich tränenreich von uns - es regnet!!
In drei Stunden erreichen wir von Monterrey aus die mexikanische Grenzstadt Nuevo Laredo. Nachdem wir unsere mexikanischen Einreisepapier abgeben haben, fahren wir über den Río Grande an den Amerikanischen Zoll. Wir müssen den Camper verlassen, drei Beamte im Camper und vier aussen, bewundern unser Fahrzeug und vergessen dabei, dass sie es eigentlich durchsuchen wollten ;o)) Wir sind in Texas!
Ein Problem gibt es dann aber doch noch. Seit der Pandemie werden die Pässe nicht mehr gestempelt und man muss nun das Einreise-Formular online ausfüllen - WiFi steht nicht zur Verfügung - und ohne ein solches Formular kommt man an den Kontroll-Posten ausserhalb der amerikanische Grenzstadt Laredo nicht vorbei.
Da wir noch keine US-Telefonkarte haben, suchen wir einen McDonald's und füllen bei einer Cola dieses Formular online aus.
02.-04.11.2022
Die erste Nacht in den USA verbringen wir in einem State Park in Laredo, fahren anderntags zu einem Checkpoint ausserhalb der Stadt und dann geht's weiter nach San Antonio.
Fort Alamo - eine ehemalige spanische Missionsstation aus dem 18. Jh. - wurde 1836 Schauplatz einer Schlacht im texanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Mexiko, bei der die mexikanischen Truppen die Verteidiger des Forts besiegten.
Die mehrere Kilometer lange Fussgängerpromenade Riverwalk entlang des San Antonio Rivers mit gemütlichen Cafés, Restaurants und Boutiquen lädt zum Schlendern und Verweilen ein und hier lassen wir uns auch das erste zarte Texas-Steak servieren.
Die restlichen Sehenswürdigkeiten besuchen wir auf der Suche nach einer US-Telefonkarte, was sich als eher schwierig entpuppt, da die anwesenden Angestellten der verschiedenen Anbieter wenig Interesse zeigen oder ihr Produkt zu wenig kennen :o/ Bei T-Mobile werden wir schlussendlich fündig.
04.-09.11.2022
Von San Antonio, Texas, bis zu den Wichita Mountains in Oklahoma sind es 680km fast kurvenlose Landstrasse.
In Round Mountain machen wir einen Zwischenhalt auf dem Peach Valley RV Park. Wir kommen gerade zur rechten Zeit, denn Barbara aus Florida - unterwegs mit einem grossen Reisebus - hat sich ausgesperrt. Röbä holt unsere Leiter aus dem 'Keller' und kann mit roher Kraft ein Fenster aufschieben - zum Dank lädt uns Barbara am Abend zum Hamburger-Essen ein.
Flach - flächer - am flächsten! Keine Hügel, nur Fläche bis zum Horizont. Ab und zu ein paar Ölpumpen, die gemächlich das schwarze Gold aus dem Erdinnern saugen. Eine kurze Unterbrechung, wir schalten ein paar Gänge runter, durchqueren eine Kleinstadt und schon geht die Fahrt schnurgerade wieder weiter.
In Jacksboro - auf einem abgelegenen RV-Park - verbringen wir das Wochenende. Viele Menschen leben hier in solchen Wohnwagen-Siedlungen - früher Trailer, heute RV (Recreation Vehicle) - und wissen wenig von der übrigen Welt:
Am Montag geht die Fahrt im Herbstnebel weiter und die Temperaturen sinken auf Faserpelzjacken-Niveau. Es ist nicht mehr weit und wir sind im Indianerland Oklahoma.
Wir fahren durch Apache, ein kleines Dorf weit abseits von Schnellstrassen und Grossstädten, aber Ureinwohner/Indianer sehen wir keine.
Genau so besingt Gölä die Situation in seinem Lied 'Indianer':
S'git keini Indianer meh,
Si ritte nümme dür d'Prärie.
S'git keini Indianer meh,
Si säge di Zitä di si verbi.
S'git keini Indianer meh,
U überhoupt isch nümme so...
Wis mau isch gsi.
07.-09.11.2022
Im Südwesten von Oklahoma liegt das 24‘000 ha grosse Wild-Reservat, Prärie, Berge und Seen. Bisonherden ziehen gemächlich grasend durch die Wichita Mountains und Longhorn-Rinder strecken ab und zu ihre Köpfe aus dem langen Präriegras.
Die Fachleute schätzen, dass um 1830 über 60 Millionen Bisons und Longhorn-Rinder die Prärien beweideten. 30 Jahre später waren sie bis auf einige wenige tausend Exemplare abgeschlachtet.
Nach einem Stopp im interessanten Besucher-Zentrum machen wir uns auf die Suche nach den ca. 600 hier wieder ansässigen Bisons.
Eine Wanderung über Stock und Stein auf den Elk Mountain lässt uns wieder einmal etwas für unsere Fitness tun. Oben haben wir nicht nur eine tolle Sicht runter auf das Reservat, auch die speziellen Felsformationen haben den Aufstieg gelohnt.
Zum Runterlaufen nehme ich meistens die Wanderstöcke, so auch heute. Plötzlich landet mein rechter Stock auf etwas Weichem - eine Klapperschlange sonnt sich zusammengerollt 20cm neben mir im Gras! Erschrocken suchen beide Parteien das Weite - in entgegengesetzter Richtung - die Schlange ohne Geklapper, ich mit viel :o))
Bevor wir das Reservat verlassen, fahren wir hoch auf die Spitze des Mount Scott - 750müM. Der Wind bläst zügig, aber die Rundsicht ist herrlich.
09.-11.11.22
Die Hauptsehenswürdigkeit ist das Oklahoma City National Memorial - ein nationaler Gedenkort - der an die
168 Opfer des Bombenanschlags vom 19. April 1995 erinnert.
Wo sich einst die 5th Street befand und Timothy McVeigh den Laster mit dem 2.5t schweren Sprengsatz parkierte, ist heute ein Wasserspiegel zu sehen. Daneben auf dem ehemaligen Gelände des zerbombten Regierungsgebäudes stehen 168 Stühle - für jedes Opfer des Anschlags ein Stuhl. Die Stühle stehen in neuen Reihen entsprechend den neun Stockwerken. In der zweiten Reihe 19 kleine Stühle für die getöteten Kinder aus dem Kindergarten der zweiten Etage.
Das sehr bewegende Museum gibt eine detaillierte Übersicht über das Geschehen dieses folgenschweren Bomben-Anschlages in Bildern, Filmausschnitten, Reportagen, Fundstücken. Auch die Untersuchung des Terror-Anschlages und die abschliessende Hinrichtung von Timothy McVeigh wird thematisiert.
Anschliessend schlendern wir durch die Stadt. Schöne Gebäude - hoch und niedrig, aus Glas und Backstein - alles aufgeräumt, alles steril, kein Leben. Keine gemütlichen Ecken, wo man draussen sitzen könnte. Wo sind all die Menschen? Ausser einigen schwarzen Obdachlosen und 2 weissen Weltenbummlern läuft keine Seele durch die grosszügigen Strassen.
Heute Morgen erwachen wir bei 1°C draussen und 3°C im Camper. Es ist grau und 'grusig'! Zum Glück arbeitet sich die Sonne bis nach dem Frühstück durch die Wolkenschicht und es wird wärmer. Die Fahrt geht weiter.
Die 3940km lange, historische Strasse Route 66 verbindet Ost mit West, Chicago mit Los Angeles. Sie wurde 1926 fertiggestellt und diente damals als Hauptroute für diejenigen, die per Auto nach Westen wollten. Die Geschäfte entlang der Route 66 florierten und ihre Besitzer wurden wohlhabend.
Nach der Errichtung des Interstate Highway Systems bangten die Geschäftsleute um ihr Einkommen und setzten sich dafür ein, diese beliebte Strasse mindestens für die Touristen zu erhalten.
Wir fahren 250km von Oklahoma nach Fort Gibson auf der historischen Route 66.
Mit dem Versprechen, dass ihnen in Oklahoma neue Territorien zur Verfügung gestellt würden, mussten die im fruchtbaren südöstlichen Teil der noch jungen USA ansässigen Ureinwohner (Cherokee, Creek, Choctaw, Seminole, Chickasaw) ihre Heimat unter Androhung von Gewalt verlassen und sich auf den mühsamen Weg in das eher karge Oklahoma machen.
Die zwischen 1830-1840 erfolgten Deportationen wurden in Trecks organisiert und folgten - von amerikanischen Truppen begleitet - verschiedenen Routen nach Westen. Auf dem Weg in die neu eingerichteten Indianerreservate starb über ein Viertel der Vertriebenen und der sie begleitenden afroamerikanischen Sklaven durch Krankheiten, Erschöpfung, Kälte und Hunger.
Dass die in den Prärien von Oklahoma bereits ansässigen Osages-Indianer ihre Land nicht einfach anderen Menschen überlassen wollten, versteht sich von selbst.
Fort Gibson, am Arkansas-Fluss gelegen, war der westlichste militärische Stützpunkt der USA und sollte die Neuankömmlinge vor den Osages schützen.
Die Folgen dieser Zwangs-Umsiedlung für die Ureinwohner waren verheerend und reichen bis in die heutige Zeit.
Die 39 heute in Oklahoma angesiedelten indianischen Völker werden von den USA inzwischen wie unabhängige Nationen betrachtet; die Armut in den Dörfern dieser Ureinwohner und die dort offensichtlich herrschende Apathie hat uns aber tief berührt.
Unterhalb des Lake Gibson-Staudamms (Cherokee und Muskogee Reservat) schlagen wir unser Nachtlager auf. Ein einsamer und ruhiger Platz, hätten die Damm-Betreiber nicht mehrmals mitten in der Nacht Wasser abgelassen und uns mit dröhnenden Sirenen darauf aufmerksam gemacht :o((
Wir verlassen Oklahoma und fahren auf kleinen Nebenstrassen Richtung Ozark Mountains in Arkansas. Die Landschaft ist geprägt von Wäldern, Seen, Bergen, fruchtbaren Ebenen und immer wieder durchfahren wir kleine Ortschaften z.T. mit grossen Namen - wie Paris oder Havanna.
Die Ozark Mountains sind die höchste Erhebung von Arkansas mit dem 839m hohen Mount Magazine.
Nachdem wir eine Nacht in klirrender Kälte - 0°C - im Mt. Magazine State Park am Cove Lake verbracht haben, umrunden wir heute die höchste Spitze und suchen uns einen sonnigen Platz für’s Frühstück.
13./14.11.2022
Es ist Sonntag, die Sonne scheint und es ist kalt!
Wir treffen in der Hauptstadt von Arkansas in Little Rock ein. Auch diese Stadt scheint von Menschen leergefegt zu sein, ausser zahlreichen Obdachlosen!
Bevor wir zum RV Park fahren, machen wir einen kurzen Abstecher zum State Capitol Building - dem Sitz der Regierung des Bundesstaates von Arkansas.
Anschliessend kuscheln wir uns zwischen all die grossen RVs und Trailers auf dem RV Park. Unsere Nachbarin warnt uns - in der Nacht sollen die Temperaturen auf -3°C fallen :o(
Jetzt heisst es rasch den Camper noch einwintern!!
William Jefferson 'Bill' Clinton war von 1993 bis 2001 der 42. Präsident der Vereinigten Staaten.
Die William J. Clinton Präsidenten Bibliothek in Little Rock Arkansas - 1‘900 m2 Ausstellungsfläche - enthält exakte Nachbildungen des Oval Office und des Cabinet Room. Neben zahlreichen Dokumenten, Videos, Fotos und Geschenken kann auch der Cadillac One - der während Clintons Präsidentschaft verwendet wurde - besichtigt werden.
Nachdem wir Little Rock verlassen haben, geht es in südlicher Richtung weiter.
Wir überqueren den Mississippi-River und fahren im Bundesstaat Mississippi ein. Ihr Informations-Zentrum begrüsst uns auf ungewöhnliche Weise - in einem Mississippi-Dampfer.
Weiter geht's auf der Interstate vorbei an riesigen abgeernteten Baumwollfeldern. Die Baumwolle wartet in grossen runden Ballen - rosa oder gelb verpackt - auf den Abtransport.
In Mississippi wurde am 16. September 1925 Riley Benjamin King geboren, der später unter dem Namen B. B. King zu einem der weltberühmtesten Blues-Musiker werden sollte.
In Indianola, wo B.B. King seine Kindheit verbrachte und er auch begraben liegt, steht heute ein Museum. Dieses zeigt nicht nur den steilen Werdegang vom Traktorfahrer in den Baumwollfeldern zum King of Blues, sondern auch das harte Leben der Schwarzen während der Rassentrennung in den USA.
Unsere Reise geht zügig weiter. In zwei Wochen müssen wir in Florida sein - wir bekommen Besuch aus der Schweiz!
Gestern noch in Mississippi am Natchez-Trail übernachtet, wohnen wir heute schon in Birmingham/Alabama auf einem Parkplatz mitten in der Stadt. Aber das ist kein Problem, denn auch diese Stadt ist wie ausgestorben.
Wir sind zu Fuss unterwegs zu einem Museum und selten treffen wir auf Menschen.
Joseph - ein schwarzer Obdachloser, den wir im Kelly Ingram Park treffen - gibt uns eine Geschichtsstunde über die Probleme während der Rassentrennung in den 50er und 60er Jahren, die er als Kind selber erlebt hat.
Wir spendieren ihm zum Dank für seine interessanten Erläuterungen einen Monat Aufenthalt im nahen Obdachlosenheim - für US$42.
Birmingham war Anfang der 50er und 60er-Jahre das Zentrum der Rassentrennung. Die Afroamerikaner kämpften gewaltfrei um Gleichberechtigung. Immer wieder gingen weisse Rassisten und Mitglieder des Ku-Klux-Klans mit Bomben gegen schwarze Einrichtungen vor. Ausschreitungen zwischen Weissen und Schwarzen waren an der Tagesordnung. Dr. Martin Luther King Jr. organisierte hier Friedensmärsche, um damit mehr nationale und internationale Aufmerksamkeit für die Problematik der Rassentrennung zu erhalten.
Am 15. September 1963 - während einer Messe - attackierten Mitglieder des Ku-Klux-Klans mit Dynamit die 16th Baptist Church. Vier schwarze Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren wurden dabei getötet und 23 Menschen zum Teil schwer verletzt.
Das Birmingham Civil Rights Institute - ein Museum zur Rassentrennung und Rassendiskriminierung - zeigt schonungslos in Bildern und Videoaufnahmen die Situation, in der die afroamerikanische Bevölkerung damals lebte und thematisiert deren Kampf für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit.
18.-22.11.2022
Heute, einen Tag später, sind wir schon im Bundesstaat Georgia - The Peach State/Pfirsich Staat - welcher ursprünglich von den Cherokee- und Muskogee-Indianern besiedelt war.
Die Hauptstadt Atlanta mit ihren 500‘000 Einwohnern ist eher eine überschaubare Stadt. Sie ist bekannt für die CNN Studios, den Hauptsitz der Coca Cola Company und ihre bekanntesten Bürger Dr. Martin Luther King Jr. und Jimmy Carter.
Es hat nicht nur viele Obdachlose auf der Strasse, sogar Touristen sind hier zu Fuss unterwegs - was der Stadt doch etwas Leben einhaucht.
Zu unserem Erstaunen ist unser letztes Ziel - der deutsche Biergarten - bis auf den letzten Platz besetzt - Prost!!
Da die CNN bis auf weiteres keine Führungen mehr macht, geht’s als erstes zum Aquarium, dem drittgrössten der Welt.
Tja, vielleicht waren unsere Erwartungen zu hoch! Andererseits - viele der hier schwimmenden Meerestiere wurden offensichtlich vom amerikanischen Zoll aus Schmuggler-Händen befreit und erfreuen nun Gross und Klein.
Wer kennt sie nicht, die Coca Cola!
John S. Pemberton wollte 1886 einen Kopfschmerz-lindernden Sirup herstellen und erfand per Zufall dieses weltberühmte Getränk. Kurz vor dessen Tod 1888 kaufte ein Apotheken-Grosshändler für $2'300 die Rechte am Coca-Cola Rezept. 1892 gründete er The Coca-Cola Company und begann das Produkt in die ganzen Welt zu vermarkten.
Die Austellung im Coca Cola Hauptsitz Atlanta ist etwas zäh und zum Teil sehr gesucht. Einen interessanten Fakt finden wir dennoch; früher wurden rund 2.8 Liter Wasser benötigt, um einen Liter Cola herzustellen - heute hat sich die benötigte Wassermenge auf rund 2 Liter reduziert!
Der interessanteste Teil dieser Ausstellung ist die Degustations-Ebene. Hier können an mehreren Getränkespendern unzählige Sprudelgetränke aus aller Welt probiert werden.
Den rot-leuchtenden Coca-Cola Lastwagen mit Santa am Steuer habe ich aber etwas vermisst ;o)
An der Auburn Avenue - dem ehemaligen afroamerikanischen Zentrum von Atlanta - steht das Haus, in dem Martin Luther King Jr. 1929 geboren wurde und aufwuchs.
Ganz in der Nähe steht die historische Ebenezer Baptist Church, wo Martin Luther zusammen mit seinem Vater predigte. Zwischen Geburtshaus und Kirche - in der Mitte eines Wasserbeckens - ruht ein Sarkophag, in dem Martin Luther King Jr. und seine Frau Coretta beigesetzt sind.
Aus mehreren Lautsprechern ist die berühmte Freiheits-Rede von M.L. King Jr. I have a dream zu hören. Mit dem von Mahatma Gandhi übernommenen Konzept des gewaltlosen Widerstandes gegen die Rassentrennung war Martin Luther King Jr. Leitfigur für eine ganze Generation von jungen aufstrebenden Afroamerikanern, die für gleiche Rechte und Chancen kämpften.
Martin Luther King wurde 4. April 1968 in Memphis/Tennessee von einem weissen Schwarzen-Hasser erschossen.
20.-22.11.2022
Etwas ausserhalb von Atlanta liegt der Stone Mountain Park. Die Hauptattraktion ist der angeblich grösste freiliegende Granitfels und der zweitgrösste Monolith der Welt. Der 250m hohe Felsen mit einem Umfang von ca. 8km ist nur zu einem Drittel sichtbar, der Rest liegt tief in der Erde. Der Stone Mountain entstand vor 300 Millionen Jahren ca. 3 km unterhalb der Erdoberfläche und es braucht noch ein paar hundert Millionen Jahren bis er ganz frei liegen wird.
Wir haben zwei Möglichkeiten auf diesen Felsen zu kommen: Wir nehmen die Schweizer Luftseilbahn - bequemer und schneller - oder wir laufen hoch und kommen ins Schwitzen. Wir entschliessen uns für die sportlichere Variante.
Über den glatten Felsen laufen wir in 45 Min. den 1.8km langen und immer steiler werdenden Weg hoch. Oben geniessen wir die Aussicht über Georgia und sehen im Hintergrund die Wolkenkratzer von Atlanta. Runter geht's schneller - in 20 Min. sind wir wieder unten ;o)
Vor der Abfahrt am nächsten Tag schauen wir uns das grösste Relief der Welt an - geschaffen 1972 , grösser als ein Fussballfeld - das sich an der Nordwand dieses Felsens befindet. Es zeigt drei Südstaaten-Führer des Sezessionskrieges von 1861-1865.
Wir persönlich finden es schade, einen so schönen Felsen zu verschandeln und dazu noch mit einem Bild, das die dunkle Zeit der amerikanischen Geschichte zeigt.
25./26.11.2022
Dunkle Wolken begleiten uns auf der Fahrt nach Savannah. Die Temperatur ist hier angenehme 20° C, aber es regnet leider immer wieder.
Es erweist sich als schwierig einen Übernachtungsplatz zu finden, denn überall auf den offiziellen Parkplätzen darf man nur bis abends 8 Uhr stehen und Campingplätze gibt es nur sehr weit draussen vor der Stadt. Wir finden einen ruhigen Parkplatz an einer Wohnstrasse.
Es ist Thanksgiving/Erntedankfest, der höchste Feiertag in den USA. Die meisten Geschäfte und Restaurants haben geschlossen. Wir spazieren durch die Strassen mit den wunderschönen historischen Häusern aus dem 19. Jh., biegen dann aber ins noch geöffnete Six Pence Pub zu einem traditionellen Truthahn Essen ab.
Damit wir ein Bier serviert bekommen, müssen wir der Bardame mit unserer ID beweisen, dass wir älter sind als 21 :o))
Um 7.45 Uhr klingelt der Wecker, denn wir müssen bis 8 Uhr unseren Übernachtungs-Parkplatz verlassen.
Nachdem wir umparkiert und gefrühstückt haben, geht es los durch die vielen Parks mit den grossen schattenspendenden Eichen, die alle dick mit Spanischem Moos behangen sind.
Ein Park interessiert uns speziell - der Chippewa Square. Hier, auf einer Bank sitzend, verteilte Forest Gump seine Pralinen und erzählte den 'Mitbankbenützern' seine Lebensgeschichte. Die Bank kann heute in einem Museum besichtigt werden.
Am Savannah River beobachten wir die grossen Container-Schiffe, die hier aus- und einfahren. Etwas Wehmut überkommt uns.
Das Grenz-Fort King George - zwischen Savannah und Brunswick am schiffbaren Fluss Altamaha gelegen - war zum Zeitpunkt seiner Errichtung (1721) die südlichste Festung der britischen Kolonien in Nordamerika und die erste britische Festung an der Küste Georgias.
Drei der mächtigsten Königreiche Europas (Grossbritannien, Frankreich, Spanien) kämpften um die Kontrolle dieses leicht zugänglichen Landstrichs. Mit den hier vorhandenen Ressourcen (Edelhölzer, Tierpelze, usw.) konnten unglaubliche Vermögen erwirtschaftet werden, vor allem für die Herstellung wertvoller Konsumgüter für die rasch wachsenden Mittelschicht in Europa.
Die ansässigen Guale-Indianer wurden schnell durch europäische Krankheiten dezimiert und später von der noch jungen USA in Reservate im Westen abgeschoben.
Bei unserer Besichtigung des Fort weist uns ein Park-Ranger darauf hin, dass das Fort durch Schweizer Söldner geplant und gebaut worden war. Die Schweizer waren in Französische Dienste getreten, um als Bau-Ingenieure Festungen in deren Nordamerikanischen Kolonien zu errichten. Unzufrieden mit den miserablen Lebensumständen am Mississippi und der schlechten Behandlung durch die französischen Offiziere sind unsere Landsleute offensichtlich desertiert und haben sich danach in britische Dienste begeben.
Weiter geht unsere Reise gegen Süden. Wir passieren die Brücke über den St. Marys River und sind in Florida. Kaum zu glauben, aber mit jedem Kilometer wird es wärmer. Bis wir am Zielort ankommen, haben wir 30° C und den ersten Schweissausbruch!
St. Augustine - die älteste von Europäern besiedelte Stadt Amerikas - wurde 1565 von einem Spanier gegründet. Im Laufe der Geschichte wechselte die Stadt mehrmals die Hand. 1586 brannte Sir Francis Drake die Siedlung nieder und 1668 wurde die wieder aufgebaute Siedlung auch noch von Piraten geplündert.
Heute ist die Stadt mit ihrem historischen Kern und der gut erhaltenen spanischen Architektur ein Anziehungspunkt für Touristen.
Als erstes laufen wir zur Festung Castillo de San Marco, die als die älteste Festung des Landes gilt und auch von den Spaniern erbaut wurde. Sie beschützte St. Augustine vor Angriffen vom Matanzas River her.
Jetzt stürzen wir uns ins Gewühl. Die berühmte Fussgängerzone St. George Street mit den historischen Gebäuden wird heute Sonntag von Touristen rege besucht. Cafés, Souvenir-Shops, Restaurants und das älteste Holz-Schulhaus aus dem Jahre 1788 reihen sich beidseits der Strasse aneinander.
Eine Seitenstrasse weiter stehen zwei imposante Gebäude. Das Flagler College - früher das Luxushotel Ponce de Leon - wurde 1887 vom Eisenbahn-Magnaten Henry Morrison Flagler erbaut. Aus dem gleiche Jahr stammt das Lightner Museum - ursprünglich Hotel Alcazar. Diese beiden Gebäude sind die ersten Bauten in den USA, die ganz aus Beton gebaut wurden.
Müde vom Laufen und Besichtigen fahren wir zum nahe gelegenen Camping, wo wir uns drei Nächte gönnen und uns auf die Ankunft unseres Gastes vorbereiten.
Auf dem Weg nach Orlando nehmen wir die Route über Daytona Beach - vor allem bekannt für Autorennen.
Von 1903 bis 1910 wurden Autorennen auf dem festen Sand an der Beach ausgetragen. Dabei lag der damalige Geschwindigkeitsrekord bei 211 km/h.
Seit 1959 wird das 805 km lange NASCAR Cup Autorennen auf dem Daytona International Speedway durchgeführt. Da das Rennen im Februar stattfindet, können wir nur die mächtige Zuschauertribüne von aussen bewundern.
01.-06.12.2022
Wir holen unseren Feriengast Ramon am Flughafen von Orlando ab und werden zusammen drei Wochen in Florida unterwegs sein.
Wir lassen es aber langsam im Camping in Cape Canaveral angehen, denn Ramon soll sich noch etwas vom Reise-Stress erholen können. Wir grillieren, machen einen Spaziergang am Strand und schauen den riesigen Kreuzfahrtschiffen zu, die neben uns in den Hafen ein- und ausfahren.
Am Montag fahren wir zum John F. Kennedy Space Center, dem Weltraumbahnhof der NASA.
Von Dezember 1968 bis Juli 2011 starteten von hier alle bemannten Raumflüge der USA - zuerst die Apollo-Missionen und ab 1981 die Space Shuttles, die z.T. auch hier wieder landeten.
Um 9 Uhr öffnen die Tore. Doch bevor wir eingelassen werden, erklingt die Nationalhymne aus allen Lautsprechern. Die wartenden Amerikaner drehen sich zur Fahne, rechte Hand aufs Herz und singen lauthals mit. Wir stehen etwas verdutzt da und wissen nicht so recht, wie uns geschieht!!
06./07.12.2022
Die Fahrt geht bei sonnigem Wetter - 26°C - weiter in den Süden. Unser Ziel Palm Beach auf halbem Weg nach Miami.
Die Stadt liegt auf einer 29 km langen vorgelagerten Insel und beherbergt vor allem in den Wintermonaten viele reiche Amerikaner. Der wohl berühmteste dürfte Donald Trump sein, der im historischen Anwesen Mar-A-Lago residiert. Pro und kontra Trump versammeln sich um das Anwesen, um ihm zuzujubeln oder gegen ihn zu protestieren!
Wir machen einen Spaziergang durch die Worth Avenue. Hier stehen Rolls Royce, Ferrari, Bentley, Lamborghini und Porsche am Strassenrand und ihre Besitzer kaufen bei Gucci, Tiffani, Louis Vuitton, etc. ein. Nicht unsere Welt, aber auch interessant zu sehen!
Wir beziehen unser Nachtquartier am Stadtrand auf einem Parkplatz - die reiche Gesellschaft hat nicht an uns Campers gedacht ;o)) - und geniessen den lauen Winterabend.
Fort Lauderdale liegt am Weg. Also warum nicht eine Unterbrechung in der relativ eintönigen Fahrt auf der 4-6 spurigen Interstate einlegen.
Beim Spaziergang den Stadt-Kanälen entlang können wir unsere Beine etwas bewegen. In 'Amerikas Venedig' fährt man eher mit einer Yacht als mit dem Auto vor ;o)
08.-10.12.2022
Da es in Miami weit und breit keine Campingplätze gibt und wir nicht drei Nächte auf einem Parkplatz verbringen möchten, beziehen wir in der Nähe des Flughafens eine Kleinst-Wohnung.
Gleich am nächsten Tag geht es ins kubanische Viertel nach Little Havanna. Entlang der Calle Ocho reihen sich Cafés, Souvenir- und Zigarrengeschäfte aneinander. Hier spricht man Spanisch, kubanische Musik ist allgegenwärtig und nicht herrenlose Hunde sondern herrenlose Hähne, Hühner und ihr Nachwuchs stolzieren durch die Strasse.
In Downtown Miami besteigen wir die kostenlose Monorail-Hochbahn, die auf einer Länge von ca. 7km die Innenstadt umrundet und fahren bis zum Bay Front Park.
Der Park wird abgegrenzt vom Atlantik und von Miamis Wolkenkratzern. Dazwischen liegt - am Ende der Markthallen - die 'Bubba Gump Shrimp Company' von Forest Gump.
Das eigentliche Leben in Miami spielt sich aber an der Miami South Beach und am Ocean Drive ab. Diese 2.5km lange Promenade mit dem angrenzenden Strand ist die Touristenhochburg von Miami. Heller Sand, Strandhotels, Art-Deco-Gebäude und trendige Nachtclubs - hier wird der Traum vieler Urlauber wahr!
Im Norden der Stadt liegt das Wynwood Quartier - eine Open-Air-Gallery. Eine der grössten Ansammlungen von Graffitis in den USA zieren die Wände der alten Lagerhäuser und haben diesem ehemals heruntergekommenen Stadtteil wieder etwas Leben eingehaucht.
10.-12.12.2022
Vom Festland biegen wir ab zu den Keys und fahren 180km über Brücken und Koralleninseln, die wie Perlen an einer Schnur aufgereiht sind. Rechts und links der Strasse das blaue Wasser des Atlantiks und des Golfs von Mexiko. Am Ende des Highway 1 liegt Key West, die südöstlichste Insel der Florida Keys - der südlichste Punkt der USA. Von hier aus sind es nur noch 145km bis nach Kuba.
Bevor wir unseren Campingplatz beziehen, sehen wir uns noch die südlichste Festung der USA an.
Als Folge des Britisch-Amerikanischen Krieges (1812) begann die USA ihre Küsten besser zu schützen. Fort Zachary Taylor war eines dieser Küstenforts und sollte den damaligen Hafen von Key West, die Ostküste von Florida und den Golf von Mexiko schützen. Das gut bewaffnete Fort überstand den Amerikanischen Bürgerkrieg, den Spanisch-Amerikanischen Krieg, die beiden Weltkriege und die Kuba-Krise relativ unbeschadet.
Der Zahn der Zeit ist inzwischen der einzige Feind dieser ausgedehnten Festungsanlage.
Nachdem wir unseren Platz im Leo's Campground bezogen haben, freuen wir uns auf ein leckeres Seafood-Nachtessen im Restaurant Hurricane Hole/Loch.
Hier werden die Fische fangfrisch zerlegt und die Abfälle landen direkt im Schlund der wartenden Ammen-Haie.
Heute Sonntag fahren wir früh mit einem Katamaran raus, um Haie zu füttern. Draussen im Meer werden wir schon von einer Gruppe Zitronen-Haie erwartet. Diese Fische erreichen eine Länge von 3.5m.
Es ist unglaublich eindrücklich, wie rücksichtsvoll diese Gruppe Raubfische bei der Fütterung miteinander umgehen. Es wird zwar um die Beute gerangelt, aber wenn einer einen Bissen ergattert hat, wird ihm der nicht streitig gemacht.
Auf der Rückfahrt kreuzen auch noch ein paar Delfine unser Boot. Da die aber auch auf Futtersuche sind, haben sie keine Zeit für eine Foto-Session ;o)
Den Rest des Tages spazieren wir durch die Altstadt von Key West mit den vielen historischen Holzhäusern, treffen Santa in einer Bar an der Duval Street, platzieren unsere Wünsche fürs 2023 bei ihm und spendieren ein Bier - vielleicht hilfts! ;o))
Den Tag beenden wir am Hafen an einem gemütlichen Ort mit Live-Musik, einem Havanna-Dream und Blick auf die an der Mole vorbei schwimmenden Haie.
12.-14.12.2022
Die Everglades sind ein erstaunliches Natur-Phänomen. Der im Norden liegende Okeechobee-See übersteigt in der Regenzeit (Mai-November) seine Ufer und kreiert damit einen immensen, langsam Richtung Süden fliessenden Fluss. Diese überflutete Gras-Landschaft ist mit baum-bewachsenen 'Inseln' gespickt, wo die Landtiere leben.
Die Siedler, die im 18. Jahrhundert dieses Gebiet besiedelten, betrachteten die Everglades als wertlosen Sumpf und begannen - mit Dämmen und Kanälen - grosse Gebiete trocken zu legen. Der verbleibende Rest der Everglades ist seit 1947 ein Nationalpark und damit vor weiterer Landnahme geschützt. Das für die Aufrechterhaltung dieses Naturparadieses benötigte Wasser muss nun jedoch mit der rasch wachsenden Bevölkerung von Süd-Florida geteilt werden.
Am 1.2km langen Anhinga Trail soll es nur so von Alligatoren wimmeln.
Über einen Holzsteg geht es durch die Grass-Landschaft der Everglades. Im tiefblauen Wasser wachsen Seerosen und es wimmelt nur so von Fischen. Kormorane sitzen auf den Bäumen und warten auf die nächste Hungerattacke. Nach langem Suchen entdecken wir doch noch zwei Alligatoren - Glück gehabt! Der Ranger meint, dass es wegen dem vielen Wasser - das der letzte Hurricane mitgebracht hat - hier weniger Alligatoren hätte :o(
Nach einer sehr ruhigen Nacht in den Everglades geht unsere Fahrt weiter zum Shark Valley - eigentlich sind wir wegen den Alligatoren hier und nicht wegen den Haien!!
Hier nehmen wir die Bikes - Ramon nach 34 Jahren zum erstenmal wieder ;o)) - und fahren die 22km lange Strecke ab, immer auf der Suche nach den Crocks.
Gleich zu Beginn entdecken wir Mamma-Crock mit zwei Babys. Jetzt heisst es aufpassen, denn mit der Mutter ist nicht zu spassen. Wir haben hier mehr Glück als gestern, denn am Wegesrand sonnen sich richtig grosse Alligatoren-Brocken.
Die letzte Nacht in den Everglades verbringen wir im Monument Lake Camping. Hier feiern wir ausgiebig - bei einem feinen Fischfondue - meinen 66. Geburtstag.
14./15.12.2022
Wir nähern uns langsam der vor ca. sieben Wochen durch den Hurrikan Jan verwüsteten Gegend. Erstaunlich was hier an Arbeit geleistet wurde. Am Strassenrand liegen zwar noch Trümmerteile; umgeknickte Verkehrstafeln, grosse Plastikplanen, Plastikkübel, Holzplatten, Matratzen, etc. Wir können uns aber gut vorstellen, wie es in den schlimmer verwüsteten Gegenden noch aussieht.
In Naples fahren wir an die Beach zum Pier. Der breite weisse Sandstrand leuchtet, Badende räkeln sich an der Sonne, nur das zerstörte Pier erinnert an die Katastrophe.
In Fort Myers besuchen wir die Winterresidenzen von Thomas Alva Edison und Henry Ford. Hier haben einst zwei der grössten Erfinder-Genies des 20. Jahrhunderts - gemeinsam mit ihren Familien - die Wintermonate unter der warmen Sonne Floridas verbracht.
Neben den benachbarten Anwesen bietet das angrenzende Museum einen Einblick in die wichtigsten Innovationen der beiden Freunde.
Neben Erfindungen wie Glühlampe, Phonograph, Kinetoskop, Filmkamera, etc. war das letzte grosse Forschungsprojekt von Edison die Suche nach einer heimischen Quelle für Naturkautschuk.
Durch die Highlands von Florida geht's nun zurück nach Orlando, wo wir nach einem Abstecher in die Universal Studios unseren Feriengast am Flughafen wieder abliefern.
22.-28.12.2022
In den letzten Dezembertagen zeigt sich Florida - The Sunshine State - von seiner winterlichen Seite!
Wir verlassen Orlando bei 15°C und fahren in den Norden. Wir wollen die Weihnachtstage auf einem ruhigen Camping irgendwo in der Pampa Floridas verbringen.
Je weiter wir in den Norden kommen, umso kälter wird es. Auf dem Camping in Gainesville wird uns bei der Ankunft ein Notfallplan in die Hand gedrückt, wie wir die kommende Jahrhundert-Kältewelle unbeschadet überstehen können. Alle sind in Aufruhr. Wir nehmen es gelassen, denn Winterkälte sind wir uns ja in Europa gewöhnt ;o)
Wir packen den Camper gut ein, stellen die Heizung an und machen es uns bei einem Glas Rotwein gemütlich. Draussen fallen die Temperaturen auf -1°C.
Nach Weihnachten geht die Fahrt weiter Richtung Panama City - immer der Küste Floridas entlang.
Die Sonne scheint, das Meer leuchtet blau und der weisse Sandstrand würde eigentlich zum Baden einladen, wenn es nicht so frisch wäre ;o)
Hier an der Carrabelle Beach und auf der gegenüberliegenden Dog Island wurde während dem 2. Weltkrieg intensiv für die amphibische Landung in Frankreich - Normandie/D-Day - von 1944 trainiert.
Die Stadt Panama City in Florida kann leider mit ihrer Schwesterstadt Panama City in Panamá/Mittelamerika nicht mithalten. Sie punktet einzig und alleine mit den wunderschönen weissen Sand-Stränden.
28.-30.12.2022
Wir haben uns mit Gabi und Erich aus der Schweiz - die wir schon in den Everglades getroffen haben - verabredet. Sie sind seit ein paar Monaten in Kanada und den USA unterwegs und wir möchten zusammen den Jahreswechsel verbringen.
Auf der vorgelagerten Sandbank vor Florida fahren wir zum Gulf Island National Seashore bei Pensacola. Wir sind überwältigt von dieser Puderzucker-Landschaft. Weisser Sand soweit das Auge reicht. Leider sind diese Strandabschnitte sehr begehrt und oft verbaut.
Das Wetter ist wechselhaft, der Himmel verdunkelt sich immer wieder und es sieht nach Regen aus. Also was gibt es besseres als ein Schweizer Fondue am Lagerfeuer.
Anderntags scheint wieder die Sonne und wir vier machen einen Strandspaziergang zum Fort Pickens. Das fünfeckige ehemalige Küstenfort schützte die Einfahrt zur Bucht und den Hafen von Pensacola.
Bei unserer Rückkehr klemmt ein Zettel unter dem Scheibenwischer. Wegen starkem Regen, Wind und Gefahr von Überschwemmung muss der Nationalpark bis morgen um 10Uhr geräumt sein!
Also geht's wieder aufs Festland nach Pensacola. Ein kurzer Spaziergang im historischen Teil und schon sind wir weg aus Florida. Silvester verbringen wir an der Perdido Bay in Lillian/Alabama.
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Neues Jahr - neue Herausforderungen!
Unser Camper braucht dringend einen neuen Zahnriemen und bevor wir an der USA-Westküste nach Norden abbiegen, möchten wir diese Servicearbeit erledigt haben. So klappern wir ab Pensacola jede Fiat-Chrysler-Jeep-Ram Garage ab, werden aber leider überall abgewiesen.
In New Orleans/Louisiana finden wir eine Fiat-Garage und einen Mechaniker, der sich mit unserem Modell etwas auskennt und der sich die Arbeit auch zutraut. Da sie aber die erforderlichen Teile in den USA nicht beschaffen können, lassen wir das komplette Set mit Fedex aus der Schweiz einfliegen.
In der Zwischenzeit überbrücken wir die Wartezeit mit einer Rundfahrt durch das südliche Louisiana.
Unser erster Halt ist Baton Rouge, die Hauptstadt von Louisiana. Das Wetter weiss nicht so recht, was es will. Leichter Regen wechselt sich mit Sonnenschein ab.
Wir fahren auf einen grossen Parkplatz neben dem Mississippi River. Eine Dame ist gerade dabei Strafzettel zu verteilen. Sie erklärt uns, dass wir für unseren Camper zwei Parkplätze bezahlen müssen - US$ 20 - wegen der Länge. Wir dürften auch unser langes Hinterteil nicht über den Platzrand ins Gras hängen lassen - das gäbe auch eine Busse!! Wir suchen weiter und finden einen genügend grossen Stellplatz im Zentrum für US $1 :o))
Die Innenstadt haben wir schnell durchlaufen - alles leer und die sehenswerten Gebäude sind wegen Renovationen geschlossen :o(
Am nächsten Tag fahren wir ins 100km entfernte Lafayette. Im Gegensatz zu den anderen amerikanischen Städten treffen wir hier auf Menschen. Eine junge Dame fährt sogar ihre 45kg schwere Schildkröte spazieren!!
Auch die Kathedrale lässt uns staunen - innen wie aussen. Aussen haben wir das Gefühl vor einem Gebäude der Disney Studios zu stehen. Innen ist die Kirche elegant weihnachtlich dekoriert.
Zum Abschluss unseres Besuches in dieser Stadt gibt es ein Belgisches Weiss-Bier im Restaurant 'Wurst Biergarten'.
Lafayette liegt im Herzen von Louisiana's Cajun Country und wir besuchen das historische Arcadian Village.
In dieser Gegend haben sich hauptsächlich französische Siedler aus dem Osten Kanadas, vor allem aus der Provinz Nova Scotia - damals Arcadia genannt - niedergelassen.
Als die Ostküste Kanadas 1754 von den Engländern übernommen wurde, sind die französischen Siedler von dort vertrieben worden. Einige dieser Flüchtlinge fanden ein neues Zuhause in der Umgebung von Lafayette. Bis Anfang des 20. Jh. blieben die Arcadier unter sich, mischten sich dann aber mit den englisch sprechenden Amerikanern - die Arcadische Kultur begann sich in die heute in Süd-Louisiana dominierende Cajun-Kultur zu verwandeln. Die französisch geprägte Cajun-Esskultur verfügt über zahlreiche köstliche Gerichte, sodass die Fast Food-Ketten es schwer haben in Süd-Louisiana Fuss zu fassen.
Bei einem Spaziergang durch das historische Arcadian Village bekommen wir einen Einblick, wie die Arcadier damals in ihren Dörfern lebten und arbeiteten.
Cajun und Afro-Amerikaner liessen sich in den flachen und trockeneren Gebieten zwischen Lafayette und Alexandria nieder und begannen das Land zu bewirtschaften.
Auf dem Weg nach Norden fahren wir an riesigen Reisfeldern vorbei. Diese werden nach der Reisernte geflutet und darin werden von Januar bis März Crawfish/Flusskrebse gezüchtet. Jim - ein Propan-Tankwart - erklärt uns den Zuchtverlauf, die Netze und das spezielle Boot, mit denen die Krebse im Frühling geerntet werden.
Louisiana produziert 45 Millionen Kilogramm Crawfish pro Jahr.
Bei einem Cajun-Essen (Crawfish, Frosch, Fisch, Krevetten) kommen wir mit einem älteren (älter als wir ;o) Ehepaar ins Gespräch. Sie sind auf dem Weg zur wöchentlichen Bibelstunde und essen vorher noch ein Gumbo (Cajun-Suppe). Nach einem kurzen Austausch steht der beleibte Herr vom Tisch auf, hebt sein T-Shirt und zeigt uns stolz seine beiden Kurzlauf-Pistolen, die er sich um den Bauch geschnallt hat. Mit ihm sei nicht zu spassen, falls ein 'Nigro' ihr Gebetshaus überfallen sollte.
06.-11.01.2023
Die charmante Kleinstadt Natchez - 14‘000 Einwohner - liegt auf einer Anhöhe direkt am Mississippi River. Wir machen einen kurzen Abstecher von Louisiana nach Mississippi.
Natchez ist einerseits bekannt für seine prächtigen Antebellum-Häuser, andererseits beginnt hier der Natchez Trace - ein 8000 Jahre alter Handelspfad - der über 710km bis nach Nashville führt.
Oft wurde die Handelsware auf Flachbooten den Mississippi River runter nach Natchez transportiert, wegen der starken Strömung konnten die Boote aber nicht mehr zurückgerudert werden.
Die Bootsleute verkauften die Fracht - inkl. das Holz der Boote - und liefen/ritten anschliessend über den Natchez Trace wieder nach Nashville zurück.
Da wir noch auf unsere Ersatzteile aus der Schweiz warten, nisten wir uns auf der gegenüberliegenden Flussseite in Vidalia/Louisiana auf dem River View Camping ein. Wir bekommen sogar den Veteranen-Rabatt, weil Röbä in der Schweizer Armee Dienst geleistet hat (You served your country)!
Die verschiedenen Wetterlagen bieten einiges an Abwechslung. Mal scheint die Sonne und es ist heiss, mal regnet es und ist kalt. Ab und an versteckt sich der Mississippi auch im dichten Nebel.
Wir fahren durch die Cajun Prairie zurück nach New Orleans - soweit es geht, immer dem Mississippi River entlang. Der Staat Louisiana schützt die Bevölkerung mit hohen Dämmen vor Überschwemmungen und somit ist auch leider die Sicht auf den Fluss mehrheitlich versperrt.
11.-13.01.2023
Als erstes fahren wir zur Fiat Garage und erfahren dort, dass unsere Teile aus der Schweiz angekommen sind und die schlechte Nachricht, dass wir erst einen Service-Termin in zwei Wochen erhalten. Enttäuscht beschliessen wir noch andere Garagen abzuklappern aber zuerst wollen wir uns New Orleans nochmals anschauen.
Bei der Brauerei Faubourg Brewing Co. gibt es neben genügend Parkplatz auch sehr leckeres Bier und die besten Hamburger, die wir bis jetzt in den USA gegessen haben!!
Die lebhafte Stadt New Orleans liegt am Mississippi River inmitten von Sümpfen und Seen und ist bekannt für ihre Jazz- und Blues-Musikszene, die Südstaaten-Architektur und das spezielle Essen der Cajuns.
In den Aussenbezirken chaotisch, schmutzig, gefährlich (wird uns gesagt) - im Stadtzentrum und in den touristischen Gegenden sauber, lebendig, einzigartig.
Wir sind schon um 10 Uhr morgens da - die Stadt schläft noch. Langsam öffnen einzelne Geschäfte ihre Tore. Wir schlendern durch die Strassen des berühmten French Quarters und besichtigen am Jackson Square die schlossähnliche St. Louis Kathedrale und den Mississippi Dampfer am Hafen.
Ein Platzregen überrascht uns und wir suchen uns ein trockenes Plätzchen in einem Kaffee.
Nach einer Stunde und einem interessanten Schwatz mit dem Bar Keeper machen wir uns auf zur Frenchmen Street. Hier im Restaurant Nonno’s probieren wir eine echte Cajun Spezialität - Seafood Gumbo/Meeresfrüchte-Suppe.
Bei unserer Rückkehr in die Bourbon Street im French Quarter ist New Orleans erwacht.
Sei es aus den verschiedenen Lokalen oder draussen am Strassenrand, aus jeder Ecke ertönt Livemusik.
Früher Jazz und Blues, mischen heute auch andere Musikrichtungen kräftig mit.
Wir setzten uns in Fritzel's Jazz Bar und geniessen zwei Stunden lang Live-Musik. Ganz speziell sind wir begeistert von den flinken Fingern des virtuosen Jazzpianisten Richard 'Piano' Scott.
13.-22.01.2023
Bei unserer weiteren Garagen-Suche haben wir leider kein Glück und so beissen wir in den sauren Apfel und nehmen den Termin in New Orleans an.
Mittlerweile sind es ja 'nur' noch 10 Tage Wartezeit!! Aber wo verbringen wir diese Tage? Da fällt uns ein wohlklingender Name auf der Landkarte auf - das 120km entfernte Venice/Venedig im Mississippi Delta. Wir buchen einen Stellplatz auf dem Camping - US$ 200 für eine Woche inkl. Strom Frisch- und Abwasser, keine Toilette/Dusche - kaufen genügend Lebensmittel ein und los geht’s!
Bei unserer Ankunft sind wir etwas enttäuscht, die Erwartungen waren zu hoch. Das Einzige, was Venice mit Venedig gemein hat, sind die vielen Wasserkanäle und Seen. Der Ort hat sich vom Hurrikan Katrina 2005 nicht mehr erholt.
Wir finden ein Restaurant, ein paar geschlossene Geschäfte und ein Dorf, das schon bessere Zeiten gesehen hat. Jetzt heisst es, das Beste daraus machen.
Wieder einmal kommt es anders, als man denkt, denn unser Nachbar Toby - ein pensionierter U-Bootfahrer in der US-Navi, der die ganze Welt befahren aber nichts davon gesehen hat - ist ein passionierter Crawfish/Flusskrebse-Fänger.
Hier leben die Flusskrebse in natürlicher Umgebung und sie krabbeln massenhaft im nahegelegenen Gewässer umher. Er zeigt uns, wie er sie in Drahtkörben fängt. Anschliessend kocht er sie zusammen mit Kartoffeln auf und übergibt sie uns zum Schälen, was eine Heidenarbeit bedeutet. Für ein feines Crawfish-Jambalya schälen wir eine Stunde lang Krebsschwänze - gut, wir sind auch noch nicht so geübt darin ;o)
Zur sportlichen Betätigung schwingen wir uns auf die Bikes und radeln dem Mississippi entlang - einmal zum südlichsten Punkt von Louisiana und ein anderes Mal zum nördlich gelegenen Fort Jackson.
1. Tag, Montag:
So, die lange Warterei und das Rumkurven in Louisiana - drei Wochen - hat ein Ende. Röbä hat sich vor drei Tagen nochmals bei der Fiat-Garage vergewissert, dass wir für kommenden Montag immer noch auf dem Arbeitsplan stehen. Alles okay - einmal mehr!
Heute ist der grosse Tag und wir melden unseren Camper pünktlich um 8.30 Uhr zur Operation an. Erstmal werden tonnenweise Floskeln ausgetauscht und dann heisst es warten und Kaffee trinken, denn der Mechaniker sei noch nicht da.
Zwei Stunden später, es hat sich noch gar nichts getan. Röbä quatscht jeden an, der ihm über den Weg läuft, spricht mit dem Manager - aber auch hier Floskeln und keine handfesten Aussagen. Irgendwann heisst es, der Mechaniker sei schon lange da, müsse aber noch ein anderes Fahrzeug fertig machen :o(
Schliesslich wird uns auch noch mitgeteilt, dass wir unseren Camper erst wieder morgen Dienstag zurückbekommen und wir uns jetzt ein Hotel suchen müssen! Wenigsten fahren sie uns gratis in's 20km entfernte Zentrum von New Orleans.
Wir nehmen uns vor abzuschalten und den Tag mit viel Sonnenschein zu geniessen. Mit dem Streetcar/Tram fahren wir in den Garden District, laufen durch die Magazine Street und schauen uns die herrlichen alten Antebellum-Häuser an. Wieder zurück schlendern wir dem Riverwalk entlang durch den French Market und geniessen ein wunderbares 3-Gang Menü am Jackson Square.
Weil es vor 11 Tagen sooo gemütlich war, besuchen wir nochmals das Fritztel’s Jazz Pub und lauschen dem rassigen Jazz. Um 23 Uhr fallen wir todmüde ins Bett. Es war ein super Abend!!!
2. Tag, Dienstag:
Seit Mittag sitzen wir nun in der Hotelhalle und warten auf den Anruf der Garage. Um 16 Uhr ruft Röbä an und wie wir fast vermutet haben, werden wir auf morgen vertröstet!!!
Gibt es in dieser Firma einen Menschen, der zu seinen Versprechen steht? Und wie sieht es morgen aus, wird wieder alles um einen Tag verschoben?
Wir müssen eine weitere Nacht im Hotel verbringen :o( aber es wird uns hoch und heilig versprochen, dass wir morgen früh um 09.30 Uhr vom Fahrer abgeholt werden.
3. Tag, Mittwoch:
09.30 Uhr - wir sitzen einmal mehr pünktlich in der Hotelhalle und warten! Es ist 11 Uhr und keine Spur von unserem Fahrer. Wir bestellen einen Uber-Fahrer und lassen uns zur Garage fahren. Dort angekommen, checkt Röbä unseren Camper. Der Mechaniker meint, er brauche nur noch eine Stunde. Aber wenn man den Camper anschaut, sieht es etwas anders aus.
Wir sitzen und warten, und warten, und warten. Um 15.15 Uhr endlich, die Operation ist beendet und der Patient lebt hoffentlich noch!!
Zum dritten Mal übernachten wir auf dem Gelände der Faubourg Brauerei. Aber morgen geht es weiter gegen Westen.
Obwohl wir eigentlich vermeiden, zweimal an denselben Ort zu reisen, müssen wir uns im nachhinein eingestehen - New Orleans nach 26 Jahren nochmals zu besuchen - war der Hammer!!
Auf unserem langen Weg - 1540km - von New Orleans zum Big Bend National Park im Süden von Texas müssen wir ein paar Stopps einlegen. Die erste Nacht verbringen wir an der Autobahn auf dem Restaurantparkplatz eines Cracker Barrels. Nun sind es noch 130km bis ins Zentrum von Houston.
Es ist kalt und der Wind bläst eisig durch die Hochhausschluchten. Wir marschieren in zügigen Schritten durchs Zentrum. Es ist Samstag und neben den vielen Obdachlosen, die in ihren Wolldecken eingehüllt an jeder Strassenecke sitzen, hat es doch auch noch vereinzelt ein paar Touristen.
Wir entdecken ein Restaurant, wo Frittiertes und Hamburger für einmal nicht auf der Karte zu finden sind und lassen uns eine köstliche Chicken Taco Suppe, einen knackigen Salat mit einem kleinen Sandwich schmecken. Houston hat uns nicht schlecht gefallen - wenn es nur etwas wärmer wäre!
28.-30.01.2023
Weiter geht die Fahrt nach Austin, der Hauptstadt von Texas. Das Wetter ist immer noch trüb und regnerisch.
Wir legen die Strecke auf einer der breitesten Autobahnen weltweit zurück - dem Katy Freeway. Die Autobahn I-10 hat streckenweise bis zu 26 Fahrspuren mit täglichem Verkehrsaufkommen von 219‘000 Fahrzeugen.
Da unser Camping nur einen Katzensprung über den Colorado River von der Stadt getrennt liegt, stürzen wir uns am Samstagabend - warm eingepackt - ins Nachtleben von Austin.
Am Sonntag wollten wir eigentlich die wunderbar angelegten Fahrradwege um Austin abstrampeln, aber Petrus macht uns einen Strich durch die Rechnung - es regnet in Strömen!!
Etwas Erbarmen hat er mit uns am späteren Nachmittag und wir können bei herrlichem Sonnenschein doch noch die Skyline bewundern.
30.01.2023
Es wird kälter und kälter! Mittlerweile sinkt die Tagestemperatur unter den Gefrierpunkt und das im Süden von Texas.
Bei -2°C sind es gerade mal eine Handvoll Verrückter, die durch Fredericksburg laufen. Der Ort wurde 1846 von deutschen Einwanderern gegründet. Viele Geschäfte und Restaurants tragen noch deutsche Namen, es gibt Biergärten, deutsches Bier, Brezel, Bäckereien, Bratwurst und Sauerkraut - naja, sie bräuchten wieder mal etwas Nachhilfe ;o(
Fredericksburg liegt inmitten des texanischen Weingebietes. Neben Bier kann man auch in über 50 Weingütern zum Teil köstlichen Rebensaft degustieren. Leider ist heute eher Tee-Wetter und die Geschäfte schliessen schon um 16 Uhr, da sich die Strassen vereisen und jeder will sicher zuhause ankommen. So reicht die Zeit gerade für drei Wein-Degustationen, bevor auch wir uns in den warmen Camper zurückziehen.
30.01.-03.02.2023
Nein, nicht wegen Corona sondern wegen Eis!!
Die Wettersituation hat sich hier in Fredericksburg mit jeder Stunde verschlimmert. Eine dicke Wolkenschicht legt sich über das Hill Country, Minustemperaturen, ein eisiger Wind und Eisregen legen alles lahm. Unser Campingwart informiert uns, dass die Strassen gesperrt seien und dass vor Freitag kaum Besserung zu erwarten ist.
Heute Dienstag - nach einer saukalten Nacht - liegt eine 2cm dicke Eisschicht auf den Gräsern, Ästen, Kabeln und auf unserem Camper. Sogar auf dem Kiesplatz könnten wir 'Schlittschüendle'!
Laufen ist nicht mehr, rutschen ist angesagt. Zum Glück ist unser Gas-Tank voll, wir können heizen und auch unser Notvorrat wird wieder einmal abgebaut.
Am Donnerstag fällt dann auch noch der Strom aus, da die frei aufgehängten Kabel die Last des Eises nicht mehr tragen können.
Endlich, am Freitag sind wir aufgetaut und können unsere Reise fortsetzen. Unsere bereits bezahlte Buchung im Big Bend National Park ist leider dem Wetter zum Opfer gefallen.
03.-06.02.2023
Sonora
Freitagmorgen, strahlend blauer Himmel und die Sonne lacht. Auch wir zwei strahlen um die Wette und fahren glücklich westwärts durch Texas.
Aber nach nur gerade 200km vergeht uns das Lachen schlagartig. Unser Camper bleibt im texanischen Wilden Westen mitten auf der Interstate 10 stecken. Der Motor stirbt nach jedem Startversuch innert 2 Sekunden ab. Vier Stunden lang versucht Röbä einen Abschleppdienst oder einen Mechaniker zu organisieren - vergebens!
Hier ein paar Antworten, die Röbä zu hören bekommt:
Nach vier Stunden tauchen Sheriffs auf, die wissen aber auch keinen Rat. Wir schieben den Camper an den Strassenrand, packen das Nötigste ein und lassen uns von ihnen in ein Hotel im 30km entfernten Sonora fahren.
Inzwischen ist Sonntagabend. Röbä hat mittlerweile vom Hotel aus die letzten zweieinhalb Tage am Telefon verbracht und mit über 20 Abschleppern, Diesel-Mechanikern, Versicherungen und Pannenhilfen gesprochen. Es ist unglaublich, aber wir sind noch keinen Schritt weiter.
So etwas haben wir in den letzten sechseinhalb Jahren auf unserer Reise durch ganz Süd- und Mittelamerika noch nicht erlebt!
Zur Entspannung spazieren wir einmal um das 2‘500 Seelendorf Sonora, das mitten in der Wüste und 155km nördlich der mexikanischen Grenze liegt. Neben vier Gebetshäusern, drei Fastfood-Buden und fünf Tankstellen gibts hier nicht viel mehr zu sehen. Wir gehen schlafen!
Es ist Montagmorgen 08.30 Uhr und wir sitzen beim Frühstück. Welche Überraschungen hält der heutige Tag wohl für uns bereit?
Gerade kauen wir am ersten Bissen Toastbrot, da klingelt das Telefon. Ein Abschlepper stehe in fünf Minuten vor unserem Hotel, teilt man uns mit. Wir lassen alles stehen und liegen, packen rasch unsere vier Sachen und tatsächlich, da wartet ein Monster-Truck auf uns - kleiner wäre auch okay gewesen, aber wir sind nicht (mehr) wählerisch ;o)
06.-23.02.2023
Ozona
Schnell ist unser Camper aufgeladen und wir tuckern ins 90km entfernte Ozona zu einem Diesel-Mechaniker. Natürlich haben die Mechaniker noch nie ein Europäisches Diesel-Fahrzeug gesehen, können aber mit ihrem Scanner einen fehlerhaften Diesel-Drucksensor ausfindig machen. In 650km entfernten Housten finden sie einen Ersatzteil-Händler, der den Sensor beschaffen kann. Bis am Freitag sollte er in Ozona ankommen. Einmal mehr - warten ist angesagt!!
Ja, das war leider nichts!
Es ist Freitagabend, der neue Sensor ist eingebaut aber der Camper springt nicht an. Am Montag wird der Mechaniker einen Diesel-Druckregulator bestellen.
Heute Montagmorgen die Hiobsbotschaft - es dauert ca. sechs Wochen, bis sie einen Regulator aufgetrieben haben.
Das geht schneller aus der Schweiz, trotzdem müssen wir nochmals eine Woche warten. Langsam gehen uns die Ideen aus, wie wir diese Warterei überstehen.
Ozona mit seinen 3200 Einwohnern liegt weitab von jeglicher Zivilisation. Die Interstate 10 verläuft mittendurch. Rechts und links dieser Autobahn gibt es ein paar Fastfood-Buden und gleich viele Gebetshäuser, einen Supermarkt, drei Schulen, keine Gehsteige dafür vierspurige Dorfstrassen und einen lokalen Flugplatz, der schon seit längerem keinen Flugbetrieb mehr gesehen hat. Das nächste Dorf ist 60km entfernt.
Bei unserer morgendlichen Aktivität - Joggen - begleitet uns das zähnefletschende Gebell der eingezäunten Kampf-Hunde, die sich Zweifüssler ohne Carrosserie-Ummantelung nicht gewohnt sind ;o)
Eine Woche später - Montagabend - trifft der Druckregulator aus der Schweiz ein. Schnell ist das Teil ausgetauscht und die 50km-Probefahrt verläuft ohne Probleme. Wow, was für eine Erleichterung!
Leider schlägt am Dienstagmorgen die Freude in Verzweiflung um, denn nun können wir knapp den Parkplatz verlassen, bevor der Motor wieder abstirbt. Die gleichen Symptome. Die beiden Mechaniker sind ratlos und zeigen auch kein grosses Interesse mehr, uns zu helfen.
Wir suchen Hilfe bei unserer Versicherung 'Good Sam', welche einen Termin bei der All American Chrysler, Jeep, Dodge, Ram, Fiat Garage im 150km entfernten San Angelo organisiert. In einem persönlichen Telefongespräch mit dem Werkstatt-Chef kriegt Röbä die Bestätigung, dass sie Fiat Ducato-Dieselfahrzeuge kennen und reparieren können - 'Hey man, no problem!'
23.02.2023
Nach zweieinhalb Wochen Warterei in Ozona geht unsere Odyssee weiter Richtung San Angelo.
Wieder einmal werden gemachte Versprechen nicht eingehalten!!
Nach unserem Eintreffen in der Chrysler Fiat Garage in San Angelo wird kurz ein Scanner angeschlossen und uns mitgeteilt, dass sie uns nun bei einem solchen Fahrzeug doch nicht helfen können. Röbä hat auch keine Möglichkeit mit dem Werkstattchef zu sprechen.
Nach weiteren fünf Stunden informiert uns die Empfangsdame, dass unser Camper im Moment in eine andere Garage transportiert wird??!! Wie bitte, das Fahrzeug ist doch nicht fahrbereit? Die Fahrerkabine ist abgeschlossen, die Handbremse angezogen, das Mobiliar nicht gesichert! Das darf doch nicht wahr sein! Röbä erwischt den Abschlepper gerade noch rechtzeitig vor dem Verlassen des Garagen-Areals und kann weiteren Schaden verhindern.
Nun stehen wir bei Ric Henry’s Auto Service - einem vermeintlichen Spezialisten für europäische Benzin- und Diesel-Autos. Wie weit die uns helfen können, steht noch in den Sternen.
23.02.-10.03.2023
Die Crew von Ric Henry’s Auto Service empfängt uns aber mit viel Verständnis für unsere verfahrene Situation und macht sich - es ist Donnerstagnachmittag 16 Uhr - sogleich ans Werk. Ric Henry, Besitzer der Garage und erfahrener Diesel-Spezialist, ist sich nach wenigen Messdaten bereits sicher.… die Diesel-Druckpumpe zerlegt sich und hat bereits kleine Metallspäne im ganzen Kraftstoff-System verteilt. Shane, der zuvorkommende Service Consultant, macht sich auf Ersatzteilsuche.
Das Wochenende verbringen wir - mit Strom, Wasser und einem Auto (gratis) versehen - auf dem Parkplatz vor der Garage.
Ein Spaziergang führt uns am Freitagnachmittag ins Zentrum von San Angelo. Ein oder zwei Gläser Wein sowie ein kurzweiliges Gespräch bei Karen in der Brix Winery lassen uns für ein paar Stunden die Camper-Sorgen vergessen.
Shane und seine Frau Jennifer laden uns spontan zum Nachtessen zu sich nach Hause ein. Ein super-leckeres Skillet Chicken - eine Grillspezialität von Shane - in entspannter Atmosphäre - und schon sieht die Welt wieder rosiger aus.
Dear Shane, dear Jenny
Thank you for your generous hospitality and the lovely evenings we could spend together. We'll keep these memories in our hearts and we'll see y'all in Switzerland! :o)
Am Montag ist klar, dass die benötigten Ersatzteile in den USA nicht beschafft werden können und wir eine Diesel-Druckpumpe, ein Dieselfilter sowie nochmals einen Druckregulator aus der Schweiz einfliegen lassen müssen - Lieferzeit 7 Tage :o((
Da läutet unser Telefon und Karen von der Winery und ihre Mutter Sandy laden uns zu einem Mittagessen ins Restaurant Cotton Patch ein.
Sandy hat vor langer Zeit für zwei Jahre in Deutschland gelebt und spricht immer noch ein paar Brocken Deutsch. Zusammen verbringen wir ein paar gemütliche Stunden und lauschen den Erzählungen aus alten Zeiten.
Sandy zeigt uns ihr grosses Haus und lädt uns ein, bei ihr zu wohnen, sobald die Reparatur an unserem Camper beginnt.
San Angelo wurde 1867 gegründet, hat ca. 100‘000 Einwohner, liegt in den Ausläufern der Chihuahua Wüste, 360km westlich der Hauptstadt Austin, in Mitten der ehemaligen Gebiete der Apachen, Comanchen und Shoshonen. Neben dem Öl-Business ist die Gegend um San Angelo bekannt für Schaf- und Rinderzucht. Obwohl mitten in der Wüste lässt es sich hier offensichtlich gut leben. Mehrere der grossen Supermarktketten und praktisch alle Fast Food Ketten sind vertreten.
Im kleinen aber schmucken Stadt-Zentrum stehen noch einige alte Gebäude und beherbergen interessante Geschäfte und Restaurants. Der City Park entlang des Concho Rivers bietet uns auch wieder mal die Gelegenheit zur sportlichen Betätigung - nur faul rumzusitzen geht gar nicht ;o)
Am Wochenende - Texas feiert seine Unabhängigkeit von Mexiko - organisiert die Stadt entlang des Concho Rivers ein BBQ-Wettbewerb. Die Besucher sind lediglich Zuschauer, dürfen aber das bewertete Grillgut - Huhn, Schweinerippen, grilierter Tafelspitz - gratis probieren. Mmm....das war guuut!
Heute ist Museumstag!
Fort Concho wurde an den Ufern des Concho Flusses 1867 errichtet - im gleichen Jahr wie die Stadt San Angelo - und hatte die Aufgabe, die Grenze des damaligen Texas vor Indianer-Angriffen zu schützen. Während den
22 Betriebsjahren war das Fort mit bis zu 400 Soldaten - den berühmten Buffalo Soldiers, dunkelhäutige Soldaten und weisse Offiziere - besetzt.
Die heutigen Militärbaracken beherbergen auch ein Telefonmuseum und ein Teil des Kunstmuseums mit Werken zweier texanischer Künstler.
Ganz in der Nähe liegt der San Angelo State Park mit dem O.C. Fisher-Stausee, der 1953 gebaut wurde um die Stadt vor Fluten zu schützen und mit Trinkwasser zu versorgen. Um Röbä etwas abzulenken - seine Gedanken sind nur beim Camper - machen wir einen Spaziergang am See. Der einstige Stausee mit einer Tiefe von 18m hat heute leider nur noch eine kümmerliche Grösse mit einer Tiefe von max. 2m.
Es ist Montag, endlich geht es einen Schritt vorwärts, die Teile aus der Schweiz sind eingetroffen!
Da der Camper jetzt für die Reparatur vorne aufgebockt wird, nehmen wie das Angebot von Sandy sehr gerne an und ziehen zu ihr und ihren zwei Hunden Fred und Shely.
Die restlichen zwei Tage verbringt Röbä in der Garage und schaut zu, wie Werkstattleiter Steve die Fahrzeugfront zerlegt, Diesel-Druckpumpe, -Regulator und -Filter ersetzt sowie -Tank, -Einspritzdüsen und -Leitungen reinigt. Die abschliessende 150km lange Testfahrt verläuft erfolgreich - Juhui !
Sandy und ich verbringen die Tage mit Gartenarbeit, shoppen und Kaffee trinken.
Mittwochabend fährt Röbä mit unserem reparierten Camper bei Sandy vor. Was für eine Erleichterung!!!!
Den Donnerstag benutzen wir als Wasch- und Putztag und machen uns bereit für die Abreise am Freitag.
Wir verabschieden uns von unseren lieb gewonnenen Freunden Sandy, Karen, von Fred und Shely und sind überwältigt von der Gastfreundschaft der Menschen in San Angelo.
Dear Sandy, dear Karen
We met by coincidence and you opened your house and your heart for us. What wonderful people you are. Thank you very much for everything and especially for your friendship. Hope to see you in Germany or Switzerland.
Biiiiig hug
Zahlreiche Abenteurer und eine wachsende Anzahl von Siedlern scheinen die Ursache gewesen zu sein, dass im Texanischen Wüstenort San Angelo - neben Einkaufsläden und Saloons - auch einige Bordelle die breite Hauptstrasser zu säumen begannen.
Prostitution und Bordelle sind inzwischen illegal in Texas, es drohen bis zu 10'000$ Strafe und jahrzehntelange (!) Gefängnisstrafen. Daher wird eines dieser Bordelle - Miss Hattie's Bordello - seit einigen Jahren nur noch als Museum betrieben.
Gemäss der lokalen Legende - die Historiker sind sich über die Details nicht einig - wurde das Bordell durch eine Mrs. Hatton geführt, während ihr Mann einen einträglichen Saloon im Erdgeschoss betrieb.
Während die Frauen sich in den zahlreichen Einkaufsläden der Stadt vergnügten, erledigten ihre Ehemänner die lästigen - jedoch auch bereits damals notwendigen - Bank-Geschäfte. Was die Ehefrauen jedoch nicht wussten war der Umstand, dass ihre Männer nach dem Geschäftlichen über einen Geheimgang im Keller der Bank ins Bordell rüber wechseln konnten und dort ihrerseits das Vergnügen suchten.
Ein Drag Race/Beschleunigungsrennen ist eine Motorsport-Veranstaltung für Autos und Motorräder, bei der eine gerade Strecke bei stehendem Start schnellstmöglich zurückzulegen ist. Die traditionellen Renndistanzen sind die Viertelmeile (400m) und die Achtelmeile (200m). Die beiden Kontrahenten werden unabhängig voneinander beurteilt. Die Reaktionsschnelligkeit des Fahrers sowie seine Fähigkeit, die enorme Leistung seines Dragster auf die speziell präparierte Start-Piste zu bringen, entscheiden über Sieg oder Niederlage.
Shane von San Angelo Texas, hat das Renn-Gen und die Karosserie seines aktuellen Dragster von seinem Vater geerbt (1975 Dodge Dart, aufgebohrt auf 6.8L, 620 PS, 200m bzw.160km/h in 6.6s, 6800-7000 RPM).
Wir können die letzten, ohrenbetäubenden Rennvorbereitungen in der Werkstatt von Ric Henry's Auto Service live miterleben. Um möglichst viel Gewicht einzusparen, sind Heck und Front der Karosserie aus Fiberglas, sowie alle unnötigen 'Innereien' ausgebaut.
An einem der Wochenenden, wo wir in San Angelo auf Ersatzteile für die Reparatur unseres Campers warten, findet im 600km entfernten Oklahoma ein Drag Race statt. Am Freitagmorgen bewegt sich Shanes Fahrzeug-Konvoi inkl. Anhänger mit Dragster Richtung Norden - wir bleiben in San Angelo und drücken aus der Ferne die Daumen.
Bevor ein Rennen beginnt, werden die breiten Antriebsreifen warm 'geschliffen'. Dann gehts in die Startposition, wo ein Lichtsignal im Blickwinkel der Fahrer die Start-Sequenz durchläuft.
Shane bestreitet mit seinem Fahrzeug mehrere Rennen - drei davon sehr erfolgreich - bevor er von einem noch schnelleren Dragster geschlagen wird.
Grün 2023 Rot 2022 Violett frühere Reisen
Gegen unseren Reiseplan entscheiden wir uns in den Norden zu fahren und in der Zivilisation zu bleiben. Der Big Band National Park ist uns und unserem Auto im Moment zu abgelegen und den Norden von Mexiko haben wir ja ausführlich bereist.
Röbä hatte eine unruhige Nacht in San Angelo. Gestern Abend entdeckte er ein paar Dieseltropfen unter dem Motor.
Da wir nicht schon wieder irgendwo stecken bleiben wollen, entschliessen wir uns vor der Abfahrt nochmals Steve in der Garage zu konsultieren. Der zieht den Dieselschlauch noch etwas kräftiger an und reinigt den Motor. Los geht’s!
Wir trauen uns aber trotzdem nicht einen Jubelschrei loszulassen - Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste - haben unsere Eltern immer gesagt. Nach 100km Fahrt checkt Röbä den Motor und kommt mit grimmiger Miene wieder hoch - alles voller Diesel. Wir drehen um und fahren nach San Angelo zurück.
Steve kann es kaum glauben. Noch einmal kontrolliert er alles genau, nimmt den Druck-Sensor nochmals raus, reinigt den Motor. Eine kurze Probefahrt bestätigt - alles okay.
Und tatsächlich mit jedem gewonnenen Kilometer Richtung Norden, steigt unser Vertrauen in unser Fahrzeug und wir können die Landschaft wieder geniessen. Trotzdem, Röbä macht alle 50km eine Kontrolle.
Nach einem langen und emotionalen Fahrtag erreichen wir die Grenze zu New Mexico. Der Bundesstaat hat etwa die Grösse von Deutschland mit knapp 2.5 Mio. Einwohnern.
Erleichtert nach diesem anstrengenden Tag, machen wir es uns kurz nach der Grenze auf einem Gratis-Camping - inkl. Strom und Wasser - gemütlich.
Nach einer ruhigen Nacht geht die Fahrt durch die weiten Ebenen weiter, der Sierra Blanca entgegen.
Heute stehen zwei Besuche auf unserem Programm, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum einen wollen wir uns in Roswell selbst ein Bild über das 1947 gesichtete und abgestürzte 'UFO' und die sich darin befindenden 'Grünen Männchen' machen und zum anderen tauchen wir in Lincoln in die Zeit des Wilden Westens ein und besuchen das Wirkungsgebiet von 'Billy the Kid'.
Überall kleben, stehen oder sitzen sie oder schauen verwundert aus Schaufenstern auf die Welt, die sie nicht mehr verlassen können - die kleinen 'Grünen Männchen'.
In der Nacht des 2. Juli 1947, in der abgelegenen Wüste New Mexicos, stürzte angeblich ein UFO ab. Die Walker Air Force Base in Roswell meldete, dass es sich um ein UFO handeln würde, korrigierte die Aussage aber schnell in einen abgestürzten Überwachungsballon. Dieses Ereignis änderte das Leben in Roswell komplett.
Das International UFO Museum & Research Center informiert mit vielen Videos von Zeitzeugen, Fotos und Reports aus dieser Zeit….und natürlich dürfen die 'Grünen Männchen' nicht fehlen ;o)
Ein paar Kilometer weiter in der hügeligen Sierra Blanca sitzt das verschlafene Nest Lincoln, das noch die einzige authentische alte Westernstadt in den Vereinigten Staaten sein soll.
Hier - im Gerichtsgebäude - wartete Billy the Kid 1881 auf seine Hinrichtung durch Erhängen. Er konnte entkommen und erschoss auf der Flucht die beiden Marshalls Robert Ollinger und J.W. Bell.
Ein Spaziergang durch das Dorf müsste uns eigentlich in die Zeit der Cowboys und Indianer versetzen, aber wir sind etwas enttäuscht - wahrscheinlich haben wir zu viele Western Filme gesehen!
12./13.03.2023
Auf der Weiterfahrt erreichen wir in der Sierra Blanca auf 2100müM den Winterferienort Ruidoso. In den schattigen Stellen liegt noch etwas Schnee, auf denen sich die Texaner, die gerade Frühlingsferien haben, rumtummeln.
Wieder einmal führt uns unser Navi über eine Abkürzung in eine heikle Situation. Nach etlichen Kilometern endet unsere Fahrt an einer Naturstrasse mit einer Fahrverbotstafel - wir sind im Mescalero Apachen Reservat gelandet. Ein Bewohner des Reservats gibt uns zum Glück die Erlaubnis durchzufahren, warnt uns aber zugleich vor der etwas ruppigen Waldstrasse.
Auf Röbäs Stirne zeigen sich nach kurzer Fahrt die ersten Schweissperlen - jetzt wo das 'Wägeli' sooo gut läuft!! Die kritischen Stellen haben Camper und Fahrer aber gut gemeistert. Jetzt brauchen beide eine Dusche ;o))
Steil geht es durch einen Canyon runter in die Fläche. Bei einem kurzen Halt an einem Aussichtspunkt bittet uns ein Camperfahrer um Hilfe. Er benötigt dringend Bremsflüssigkeit. Wir helfen gerne, wissen wir doch, wie es sich anfühlt, wenn man wegen einer Panne gestrandet ist.
Was wir zuerst für eine Nebeldecke halten, entpuppt sich als die weisse Fläche des White Sands National Park.
Kaum zu glauben, aber was aussieht wie eine Winterlandschaft sind tatsächlich weisse Sanddünen.
Kinder und Erwachsene düsen mit Plastiktellern die Dünen runter oder buddeln sich im kühlen Sand ein. Wir machen einen Dünenspaziergang, geben aber schnell wieder auf, denn drei Schritte hoch, zwei Schritte runter - 'isch en Chrampf'!
Dafür fahren wir in die angrenzende White Sands Missile Range. Der Park ist ein 8300km2 grosses Testgelände der US-Armee.
Es begann mit einem Test der weltweit ersten Atombombe im Jahr 1945 und ist heute das führende militärische Testgelände in Amerika. Zu unserem Erstaunen gibt es ein Museum - das im Moment leider geschlossen ist - und ein Missile/Raketen Park, den wir aber besuchen dürfen. Am Eingang müssen wir unseren Pass vorweisen und uns fotografieren lassen - dann dürfen wir rein.
13.-15.03.2023
Gleich anschliessend an das Armeegelände, das im Tularosa Becken in der Chihuahua-Wüste liegt, erheben sich die Organ Mountains mit ihren interessanten Felsformationen.
Am Fusse dieser Berge finden wir unseren Übernachtungsplatz im Aguirre Spring Camping. Auch hier bekommen wir die Frühlingsferien zu spüren - beinahe jeder Platz ist belegt.
Nach einer ruhigen Nacht nützen wir die Gelegenheit für eine Wanderung. Der Pine Tree Trail führt 6.5km über Stock und Stein hoch und runter, zwischen Wachholderbüschen, knorrigen Eichen und Sotol/Mezcalpflanzen hindurch. Immer wieder haben wir einen wunderbaren Blick in die Ferne über die Wüste.
Das bleibt auch so auf der Weiterfahrt nach Westen, wo wir einen Abstecher zum City of Rocks State Park machen. Es sieht aus, als ob hier - Mitten in der Wüste - vor 30 Mio. Jahren mit Bauklötzen gespielt wurde.
Heute ist der Park ein beliebtes Ausflugsziel mit Camping. Da Ferien sind, haben wir leider Pech und alles ist schon ausgebucht.
Wir finden einen Schlafplatz im 60km entfernten Deming auf dem Parkplatz der D.H. Lescombes Winery.
Die Familie Lescombes wanderte 1981 aus dem Burgund/Frankreich nach New Mexico aus und ist heute der grösste Weinproduzent in New Mexiko.
Die beiden Brüder Florent und Emmanuel Lescombes produzieren über 40 verschiedene Weine - sechs davon haben wir degustiert ;o))
Heute verlassen wir New Mexico und fahren nach Arizona.
Dieser Staat ist ca. sieben Mal grösser als die Schweiz und hat gleich viele Einwohner. In dieser einsamen trockenen Wüsten- und Halbwüstengegend werden wir also nicht sehr vielen Menschen begegnen.
Wir fahren südwärts nach Douglas an die mexikanische Grenze. Eigentlich würden wir ja schon sehr gerne einen Abstecher über die Grenze machen, aber wir sind aus einem ganz anderen Grund hier. Wir möchten den legendären Grenzzaun USA/Mexiko sehen.
Die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko ist 3'145 Kilometer lang. Auf einer Länge von ca. 650km steht ein bis zu 9m hoher Stahlzaun, der illegale Einwanderer aus Mexiko abhalten soll.
Grenzzaun USA/Mexiko auf Facebook - kein Hindernis zu hoch....
1877 wurden in den Mule Mountains/Maultierberge rings um das spätere Bisbee Spuren von Blei, Kupfer und Silber gefunden. Schon bald wurde der Ort von Goldsuchern und Spekulanten überrannt, in der Hoffnung, hier reich zu werden.
Der Bergbau in den Mule Mountains war sehr erfolgreich, und Bisbee wurde zu einem der reichsten Minenorte der Welt. Hier wurden 85 Tonnen Gold und mehr als vier Millionen Tonnen Kupfer geschürft, nebst Unmengen von Silber, Blei und Zink.
Mit über 20‘000 Einwohnern im Jahr 1910 war Bisbee eine der grössten Städte im Westen. Heute stehen viele der grossen mehrstöckigen Gebäude leer und die Einwohnerzahl ist bis auf 5'000 geschrumpft. Neben Joga-Kursen, Massage-Angeboten und Tarot-Karten legen kann der Tourist sich in den zahlreichen 'Lädeli' mit allerlei Schnick-Schnack eindecken. Viel ist hier nicht mehr los!
16.-20.03.2023
Wir reisen in die Vergangenheit nach Tombstone - eine alte Western Stadt.
Der Wind und die Postkutschen wirbeln den Strassensand auf, Cowboys in staubigen Kleidern mit Revolvern im Holster warten auf die nächste Schiesserei, während der Sheriff - gemütlich an einem Pfosten lehnend - den Ort im Auge behält. Da wird es still auf der Hauptgasse - Wyatt Earp, seine Brüder und Doc Holliday marschieren durch den Ort.
1879 kaufte der Goldsucher Ed Schieffelin ein Stück Land und gründete Tombstone/Grabstein. Er nannte den Ort so, weil ein Freund meinte, alles was er in dieser verlassenen Gegend finden werde, sei sein eigener Grabstein/Tombstone.
Der Ort wurde zu einem der letzten Boomtowns an der amerikanisch-mexikanischen Grenze und wuchs bis Mitte der 1880er Jahre von 100 auf rund 14‘000 Einwohner.
1881 kam es zum bekannten Schusswechsel zwischen den Earp-Brüdern Wyatt, Virgil und Morgan, sowie Doc Holliday mit den Cowboys Ike und Billy Clanton, Frank und Tom McLaury und Billy Claiborne.
Auf dem Boothill etwas ausserhalb von Tombstone liegen letztere begraben. Die Friedhöfe im Wilden Westen wurden Boothills genannt, weil die meisten der dort Bestatteten 'mit angezogenen Stiefeln/Boots' beigesetzt wurden.
19.-21.03.2023
Wieder zurück in der Gegenwart fahren wir durch Tucson zum Organ Pipe Cactus National Monument in der Sonora-Wüste.
Hier campieren wir direkt an einem ausgetrockneten Fluss auf einem riesigen Gelände ausserhalb des Parks. Die Temperaturen fallen auf 10°C. Schnell sammeln wir Holz und freuen uns, wieder einmal an einem Lagerfeuer zu sitzen.
Zwar haben wir uns schon in Mexiko im Botanischen Garten von Helia Bravo Hollis ausführlich mit den verschiedensten Kakteen beschäftigt, aber hier in den Vereinigten Staaten ist es der einzige Ort, wo Orgelpfeifenkakteen zu sehen sind.
Hier erleben wir auch wieder einmal, wie klein doch die Welt ist. Genau zu dem Zeitpunkt als wir vom Visitor Center in den Park losfahren wollen, kreuzen Katrin und Hans-Jürgen aus Deutschland unseren Weg. Das letzte Mal haben wir uns vor vier Jahren in Bolivien getroffen. Nach einem kurzen Schwatz beschliessen wir, den Abend gemeinsam zu verbringen.
Aber zuerst geht es jetzt auf Kakteen-Safari!
Der Orgelpfeifenkaktus kann über 150 Jahre alt werden und bringt seine erste Blüte erst im Alter von etwa 35 Jahren hervor. Durchschnittliches Wachstum pro Jahr beträgt ca. 6 cm.
22.-24.03.2023
Die Wüstenfahrt geht weiter westwärts und kurz nach Yuma überqueren wir die Grenze zu Kalifornien.
Da wir nahe an der mexikanischen Grenze entlang fahren, erhaschen wir auch immer wieder einen Blick auf den Grenzzaun der USA.
Zu unserem Erstaunen türmen sich plötzlich grosse Sanddünen neben uns auf. Sind wir jetzt in Afrika, im Mittleren Osten oder in den Vereinigten Staaten gelandet? Nein es sind die bis zu 10m hohen Imperial Sand Dunes.
Unser Ziel für die nächsten Tage ist Borrego Springs in der Mojave Wüste. Hier werden wir Heike und Peter treffen. Wir sind in Equador, Kolumbien und Mexiko ab und zu zusammen gereist.
Um Borrego Springs hat der Künstler Ricardo Breceda ca. 130 Metallskulpturen in der Wüste verteilt aufgestellt. Die Skulpturen stellen Tiere dar, die vor Millionen von Jahren in diesem Gebiet lebten oder die lokale Geschichte dieser Gegend repräsentieren.
Heute Donnerstag wandern wir vier den Palm Canyon Trail. Dieser Weg führt uns in eine felsige Schlucht zu einem der letzten natürlich vorkommenden einheimischen kalifornischen Palmenhaine.
Da es in den letzten Tagen immer wieder geregnet hat, ist an eine Flussüberquerung nicht zu denken und so suchen wir uns den Weg über kleinere und grössere Felsbrocken zur Oase.
Leider fielen vor wenigen Jahren 60 Palmen einem Brand zum Opfer und so erfreuen wir uns an den wenigen noch stehenden Fächerpalmen.
Wir überqueren das Küstengebirge auf einer Höhe von 1300müM Richtung Los Angeles und besuchen das Ausstellungs- und Wirkungsgelände von Ricardo Breceda.
Unglaublich viele Skulpturen warten hier auf Kundschaft. Er meint, ein Dino oder eine Schlange würde sich doch ganz gut auf unserem Dach machen ;o))
24.-27.03.2023
Nein, nix Pandemie!
Corona ist eine Stadt 80km südöstlich von Los Angeles und hat ca. 170‘000 Einwohner. Hier lebt die Schwester unseres Schwiegersohnes mit ihrer Familie, die wir das letzte Mal vor 18 Jahren getroffen haben.
Patricia und Philip laden uns ein, bei ihnen einen Zwischenstopp einzulegen. Bei einem gemütlichen Abendessen am Freitag-Abend und einem BBQ am Sonntag-Nachmittag bringen wir uns wieder auf den neuesten Stand über Familie, Arbeit und Freunde.
Dear Patricia and Philip
We enjoyed our stay at your place a lot. Thank you very much for your precious time.
Patricia, I'll miss going shopping with you. Philip, we admired how you mastered the BBQ to perfection and also the 3/4 over easy eggs for breakfast :o)) Boys, thank you for the interesting talks. We wish you all the best for your future.
We hope to see you all again, somewhere, sometime.
27.-30.03.2023
Los Angeles haben wir auf unserer ersten USA-Reise 1987 ausführlich besichtigt, deshalb umfahren wir die Mega-City auf dem Weg nach Santa Barbara.
Santa Barbara liegt an der kalifornischen Pazifikküste, geschützt im Rücken von der beeindruckenden Gebirgskulisse der Santa Ynez Mountains, die bei unserer Ankunft noch mit Schnee bedeckt sind. Die Temperaturen liegen unter unserer Erwartung (20°C - 24°C) und es bläst ein kühler Wind. Gut eingepackt machen wir uns auf, Santa Barbara zu Fuss zu erkunden.
Als erstes schauen wir uns das County Courthouse/Gerichtsgebäude an, das 1929 im Stil der spanischen Kolonialzeit erbaut wurde. Der mit Wandgemälden ausstaffierte Saal wird heute hauptsächlich für Hochzeiten genutzt. Über das reich dekorierte Treppenhaus geht es hoch zum Aussichtsturm. Von hier oben haben wir eine atemberaubende Aussicht über ganz Santa Barbara.
Zurück im Zentrum ist es Zeit für eine erste Weindegustation. Die Familie Grassini aus Pisa baut hier in der 3. Generation französisch-stämmige Trauben an. Wir sind keine Liebhaber von französischen Weinen, aber die von uns degustierten Weine waren zwar teuer, aber sehr gut.
Vor 15 Jahren gehörten die Weine der Santa Barbara Winery zu unseren Lieblingen. Und das ist mitunter ein Grund, weshalb wir nach SB gefahren sind! Einmal mehr bewahrheitet sich aber unser Prinzip 'nicht zweimal an denselben Ort zu gehen'.
Wir sind enttäuscht vom degustierten Wein und erstaunt, dass sich unser Geschmack so verändert haben sollte :o((
So genug Alkohol - jetzt brauchen wir etwas zwischen die Rippen! Am Hafen - bei den einheimischen Fischern - mit toller Aussicht auf das Meer gibt es frisch gefangenen Fisch und das knusprigste Ruchbrot, das wir ausserhalb Europas jemals gegessen haben.
Vor unserer Abfahrt besuchen wir noch die Old Mission Santa Barbara. Auf einem Hügel liegt die 1786 gegründete und von Franziskanermönchen bewohnte Mission. Die Mission liegt auf dem angestammten Gebiet der Chumash - dem indigenen Volk - das hier seit tausenden von Jahren lebt. Die Auswirkungen der Missionszeit auf die indigene Bevölkerung war verheerend, da viele durch eingeschleppte Krankheiten starben. Heute wird mit verschiedenen Projekten die Zusammenarbeit mit den Chumash gefördert.
Einer Panoramastrasse folgend, fahren wir über das Santa Ynez Gebirge ins Weingebiet Santa Ynez Valley. Wettermässig standen und stehen wir bis jetzt immer noch auf der Sonnenseite, aber etwas westlich verdunkelt sich der Himmel und es regnet. Kalifornien erlebt gerade - nach 10 Jahren Trockenheit - eine ausgiebige Schnee- und Regenperiode. Viele Strassen und Parks sind geschlossen.
Im Weinort Los Olivos warten neben unzähligen Souvenirshops auch über 30 Weinproduzenten auf Weinliebhaber - hauptsächlich mit Chardonnay und Pinot Noir. Da wir Pinot Noir nicht so gerne mögen, bleiben uns nur noch wenige 'Traubensäfte' zur Auswahl. Wir haben Glück und finden bei Coquelicot Winery drei gute Tropfen.
Die zweite Degustation bei Kaena Winery konnte uns hingegen kein Lächeln entlocken.
Solvang wurde 1911 von einer Gruppe dänischer Einwanderer gegründet. Mit seiner typisch dänischen Architektur, den authentisch dänischen Bäckereien und Restaurants zieht der Ort unzählige Touristen an - so auch uns.
Wir möchten neben dem Wein auch wieder einmal ein leckeres Blätterteiggebäck probieren.
Das Weingebiet Paso Robles liegt auf halbem Weg zwischen Los Angeles und San Francisco und ist neben Wein auch für seine heissen Quellen, seine Olivenöl-Produktion und seine zahlreichen Mandel-Plantagen bekannt. Wer uns kennt, weiss aber, auf was wir hier unser Schwergewicht legen ;o)
Weintrauben wurden 1797 von den spanischen Eroberern ins Salinas-Tal gebracht und die bereits ansässigen Franziskaner-Missionare wurden die ersten Weinbauern dieser Gegend.
Heute gibt es über 200 Weingüter, die die unterschiedlichsten Reben anbauen. Unsere erste Degustation bei Copia Vineyards schmeckt uns schon sehr gut. Das Highlight des Tage aber finden wir bei einem jungen Winzer Jason Bushong, der vor 20 Jahren den Wein für sich entdeckt hat und seither kräftige und charaktervolle Weine produziert. Seine Devise:
"We’re not focused on making more and more, but making better and better!"
Bei der dritten Winery - Locatelli Vineyards - dürfen wir sogar zwischen den Rebbergen übernachten. Leider produzieren sie nicht unbedingt Wein nach unserem Geschmack, aber schön wars trotzdem.
02.-03.04.2023
Wir fahren nach Monterey. Eigentlich wollten wir an der Pazifikküste entlang hochfahren, aber wegen den massiven Regenfällen der letzten Wochen und den damit verbundenen Erdrutschen ist die Küsten-Strasse gesperrt.
Der Fang von Sardinen und die Dosen-Verarbeitung war Anfang des 20. Jh. die Haupteinnahmequelle von Monterey und lockte viele Immigranten aus Europa und Asien in die Cannery Row/Konservenfabriken. Die Arbeit hier war hart und schmutzig, kalt und nass und der Gestank zum Teil unerträglich.
In der Mitte des letzten Jahrhunderts ging die Sardinen-Population so stark zurück, dass die ganze Fisch- Industrie zusammenbrach. Erst gegen Ende des Jahrhunderts kehrten die Sardinen wieder zurück.
Wir fahren zwischen Sanddünen und saftigem Agrarland der Pazifikküste entlang nach Santa Cruz.
Etwas oberhalb der Stadt haben wir in der Hallcrest Winery eine Degustation mit Übernachtung reserviert.
Gut geschlafen und gut gefrühstückt - machen wir uns auf zum Henry Cowell Redwoods State Park, der ganz in der Nähe liegt. Hier wachsen die Coastel Redwoods/Küsten-Zypressen, welche zu den höchsten Bäumen der Erde gehören. Der höchste Baum in diesem Park misst 82m, sie können aber bis zu 120m hoch werden. Die Bäume in diesem Park sind durchschnittlich 700-900 Jahre alt. Es gibt einzelne Exemplare in Kalifornien, die bis zu 2000 Jahre alt sind - beeindruckende Lebewesen!
Die letzten 120km bis San Francisco fahren wir wieder der Pazifik-Küste entlang. Es ist windig, saukalt und ausser für ein paar kurze Spaziergänge bleiben wir lieber im Camper sitzen.
03.-05.04.2023
Ostern steht vor der Türe und halb Amerika hat Frühlingsferien. Eine ganz schwierige Konstellation für uns, denn alle Campings, State Parks und Übernachtungsplätze sind ausgebucht. Jetzt heisst es improvisieren. Zum Glück ist der Wassertank voll und die WC-Kassette leer ;o)
Für die erste Nacht in San Francisco steuern wir einen Kasino-Parkplatz an, der von einem riesigen Friedhofsgelände umgeben ist - ruhig wars!
Mit dem Camper geht’s heute Dienstag ins Zentrum, wo wir auch die nächste Nacht auf einem Parkplatz verbringen. Wir kommen ins Gespräch mit einem Buschauffeur, der hier gerade seine 'Znünipause' beendet und der uns gratis zur 1.5km entfernten Tramstation mitnimmt. Unterwegs erzählt er uns von seiner Reise in die Schweiz.
Mit dem Tram - auch wieder gratis, der Chauffeur hat wahrscheinlich kein Retourgeld - fahren wir ein paar Kilometer durch die Stadt, bevor wir zu Fuss zwischen den Hochhäusern Richtung Ferry Building laufen.
Hier haben wir auch einen tollen Blick auf die Oakland Bay Bridge. Weiter geht’s zum Pier 39, wo wir unseren müden Füssen etwas Erholung gönnen und den Durst mit einem belgischen Blue Moon-Bier löschen.
Anschliessend schauen wir noch schnell bei den Seelöwen vorbei, bevor wir am Fisherman's Wharf beim Italiener britische Fish & Chips und Clam Chowder bestellen ;o)
Zum Abschluss des Tages marschieren wir die steilen Strassen San Franciscos hoch zur bekannten Lombard Street. Unterwegs gibt’s noch schnell ein Foto mit einer alten Cable Car. Eine Fahrt ersparen wir uns, denn die Warteschlange ist über eine Stunde lang.
Da wir vor 26 Jahren schon einmal hier waren, können wir es gemütlich nehmen.
Den zweiten Tag verbringen wir im Presidio Hill Park rund um das Wahrzeichen Golden Gate Bridge. Hier haben wir die schönste Joggingstrecke überhaupt - immer dem Meer entlang und mit Blick auf die Brücke.
Die Hängebrücke mit einer Spannweite von 1.28km und einer Höhe von 227m war bei ihrer Eröffnung 1937 die höchste und längste Brücke der Welt. Heute gilt sie (nur noch) als die meistfotografierte Brücke. Auch wir konnten die Finger nicht vom Kamera-Auslöser lassen ;o)
Zum Übernachten fahren wir wieder zurück zum ruhigen Kasino/Friedhof Parkplatz.
Als technik-lastigen Menschen zieht es mich (Röbä) ins Silicon Valley, wo eine grosse Anzahl von Firmen mit richtungsweisenden Produkten angesiedelt sind.
HP, IMB, Intel, Apple, Google, Facebook, Tesla und Netflix sind nur einige der Namen, die dieser Gegend ihren legendären Ruf verschafft haben. Mit den Universitäten in Stanford und Berkeley (auf der anderen Seite der Bucht) stehen ihnen Nachwuchsschmieden und Forschungsinstitutionen von Weltrum zur Verfügung.
Dem Einfluss und den Konsequenzen ihrer Produkte, von mobiler Kommunikation, autonomen Fahrzeugen, vom Internet der Dinge, der Gen- und der Nano-Technologie und den künstlichen Intelligenzen können sich die wenigsten entziehen. Einige dieser Themen werden sich in naher Zeit explosionsartig weiter entwickeln und die Zukunft der Menschheit massgeblich beeinflussen.
Wie bei allen bahnbrechenden Errungenschaften - es liegt an uns allen, ihnen eine möglichst positive Richtung vorzugeben.
Computer History Museum
Das relativ kleine, aber für mich äusserst interessante Computer History Museum in Palo Alto widerspiegelt die beinahe 2'000 Jahre alte Geschichte des Computers. Meine persönliche Computer-Geschichte hat mit einem Zählrahmen im Vorschulalter begonnen und seitdem nichts an Faszination verloren.
Vom Abakus, Logarithmentafeln und Rechenschieber über Lochkarten-Verarbeitungsanlagen, Mainframes, Supercomputers, Minicomputers, Speichersysteme, Taschenrechner, Personal Computer, Software, Computer-Grafik/-Musik/-Kunst/-Spiele, Input- & Output Systeme, Mobile Computing, Networking, Internet, Web bis zu Robotics und Künstlicher Intelligenz - hier sind alle Schwergewichts-Themen und unzählige Geräte vertreten. Nach 4 1/2 Stunden verlasse ich diesen faszinierenden Technik-Tempel /, vermutlich einer meiner längsten Museumsbesuche überhaupt.
07.-09.04.2023
Wir sind in den weltbekannten Weintälern der USA unterwegs, um ein paar gute Tropfen zu probieren. Vielleicht haben wir hier mehr Glück als in Santa Barbara.
Das Wetter ist grau und trüb und es regnet aber wir lassen uns die gute Laune nicht verderben.
Im Sonoma Valley besuchen wir die Jacuzzi Winery. Von Jacuzzi kennen wir bis heute nur den Whirlpool und den Flugzeugpropeller. Was für eine interessante Mischung! Diese Familie macht keine halben Sachen, der Wein ist ganz nach unserem Gusto.
Wir fahren ins Städtchen Sonoma und entdecken auf den Rebbergen rings herum Windpropeller.
Bei Roche Weine wird uns erklärt, dass diese ca. 12m hohen Windmaschinen mit einem 6m langen Propeller bestückt sind. Bei sinkenden Temperaturen verwirbeln sie die wärmere höhere Luftschicht mit der kälteren bodennahen Schicht und schützen so die Trauben vor Frost.
All zu viel hat es Roche nicht genützt - Weisswein gut, Rotwein eben nur rot!
Eigentlich stand heute schlafen auf der Autobahnraststätte auf dem Plan, da wir es versäumt hatten, schon Wochen oder sogar Monate im Voraus eine Reservation zu platzieren. Röbä - hartnäckig wie er ist - findet hoch über dem Napa Valley auf einer Ranch einen Übernachtungsplatz. Die Anfahrt ist etwas steil, dafür die Aussicht umso schöner.
Eigentlich haben wir vor 26 Jahren schon einmal bei Mondavi degustiert, aber wenn wir schon hier sind, warum nicht ein zweites Mal.
Leider haben wir auch hier wieder keine Reservation - alles ausgebucht. In den USA ist spontanes Reisen einfach nicht mehr möglich, schade! Als wir dann aber lesen, was eine Degustation bei Mondavi kostet - 125$/Person - sind wir nicht mehr traurig. Normalerweise bezahlt man für eine Degustation 25$ - 40$ !!
Nicht viel anders sieht es bei Beringer in St. Helena aus. Degu 125$/Person und trotzdem alles ausgebucht. Wir dürften ein Glas Wein für 20$ konsumieren und mit dem Wein durch den Park schlendern. Wir lehnen dankend ab.
In Healdsburg reihen sich rund um den Stadtpark Restaurants an Degustations-Shops der umliegenden Weinproduzenten aneinander. Normalerweise teilen wir uns immer eine Degustation, denn einer muss ja noch fahren. Da wir heute Mitten in der Stadt auf dem Parkplatz übernachten, dürfen wir etwas mehr trinken. Nach zwei Degustationen macht sich der Hunger bemerkbar - es gibt Rippli und Tafelspitz vom Grill, mmmh!
Fazit unserer Weinreise von Santa Barbara bis Sonoma und Napa:
Die meisten degustierten Rotweine sind nicht nach unserem Geschmack, die Weissweine schneiden besser ab. Es gibt sehr gute Weine, die meisten sind jedoch für uns zu teuer - ab Produzent $60 - $90!!
09.-11.04.2023
Wir überqueren ein paar Hügelzüge und schlängeln uns in engen Kurven durch Redwood-Wälder dem Pazifik entgegen. Fast unvorstellbar, aber dieser Küstenstreifen ist so weit abgelegen, dass man 60-100km fahren muss, um in einen grösseren Ort zu gelangen.
Und genau hier beginnt die Inkontinenz unseres Kühlers - 2019 ersetzt nach Steinschlag in Chile - er verliert Kühlflüssigkeit.
Die Fahrt entlang der Pazifikküste ist für uns eher unspektakulär. Auf halbem Weg übernachten wir in einem der vielen State Parks in einem durchnässten Redwood-Wald.
Hier bleiben wir zwei Nächte und versuchen die undichte Stelle unseres Kühlers zu finden. Nachdem wir die Fahrzeug-Front demontiert und den Kühler frei gelegt haben, finden wir das Leck in der oberen linken Ecke.
Auch diese Nacht gabs Regen, aber zum Glück scheint heute Morgen wieder die Sonne. Die Fahrt geht weiter durch Wälder, wo auf einer Lichtung - wie angekündigt - Hirsche/Elks äsen und die Wärme geniessen. Um keine Verwirrung zu stiften, die US-Amerikaner und Kanadier nennen die Hirsche Elks und die Elche Moose ;o)
In Fortuna fahren wir zu einem Kühlerspezialisten. Der meint, Kühler aus Aluminium können nicht geflickt werden, deshalb sollte ein neuer her - nur woher? In USA findet er keinen - was wir eigentlich schon erwartet haben. Wir kaufen ein Leckmittel, das uns die Zeit überbrückt bis wir einen neuen Kühler aufgetrieben haben.
Auf der Weiterfahrt macht uns das Schild 'Big Tree' gwundrig. Wir nehmen einen Umweg in Kauf und laufen durch einen Waldabschnitt mit riesigen Redwoods. Wir können nur noch staunen - unsere Fotos werden diesen majestätischen Bäumen nicht gerecht!
11.-13.04.2323
Wir verlassen die Pazifikküste für eine Weile und fahren landeinwärts und schon bald sind wir an der Grenze zu Oregon.
Oregon misst in der Ost-West-Ausdehnung 640km und von Norden nach Süden 580km. Mit einer Einwohnerzahl von 15 Personen pro km2 ist das Land eher dünn besiedelt. Die Flagge Oregons ist die einzige der 50 Staat Nordamerikas mit einer Vorder- und einer Rückseite.
In Oregon wird das Wetter wechselhaft. Sonne und Regenschauer lösen sich in Sekundenschnelle ab - es herrscht Aprilwetter! Immer noch fahren wir kilometerweit durch Wald. Wir überqueren den Grants Pass auf 300müM und fahren runter in die Stadt, die den gleichen Namen trägt.
Hier haben wir wieder einmal eine Übernachtung auf dem Parkplatz einer Brauerei reserviert. Das Bier ist süffig und die grossen Hamburger schmecken gut. Die Nacht ist empfindlich kalt - wir kuscheln uns unter die warmen Decken und schlafen dem Morgen entgegen.
Bei 6° Aussentemperatur machen wir uns auf, den 615m hohen Canyon Creek Pass zu überqueren. Noch scheint die Sonne, aber an den Bergketten rings um uns sieht es düster aus. Es beginnt zu regnen und zwei Minuten später schneit es. Die Strasse ist innert kurzer Frist bedeckt mit Schnee und rutschig. Wir fühlen uns mit unseren Sommer-Reifen etwas unsicher - das letzte Mal fuhren wir 2017 auf dem Vulkan Villarica/Chile durch Schnee.
Kaum sind wir wieder unten ist der Spuck vorbei. Wir verlassen die Waldgegend und fahren durch Acker- und Weideland nach Portland.
Portland ist die größte Stadt in Oregon und liegt im Norden des Landes an der Grenze zum Washington State.
Wir fahren direkt ins Zentrum auf einen Parkplatz am Willametta River. Beim Lösen des Parktickets stellt sich heraus, dass man hier 24 Std. parkieren und damit auch übernachten kann - perfekt!
Zu Fuss machen wir uns auf die Altstadt zu erkunden. Wir bestaunen die Stahlbrücken am Riverwalk, die per Lift einen Teil hochziehen, um die Schiffe durchzulassen. Im Japanese Garden blühen die Kirschbäume und laden zum Verweilen ein.
Zuerst sind wir erstaunt, dass es hier so viele Menschen auf der Strasse gibt, stellen aber rasch fest, dass es praktisch nur Obdachlose sind. Sie sind überall - sitzen oder liegen auf Bänken, schlurfen voll zugedröhnt - etwas vor sich hin mummelnd - über die Gehsteige.
Eine junge Frau mit heruntergelassenen Hosen, zerstochenen Beinen, bauchfreiem T-Shirt schleicht wie ein Zombie den Hausmauern entlang - es ist um die 14°C und ein kalter Wind bläst.
Die Behausungen und Zelte der Obdachlosen stehen überall - auf den Gehsteigen, in den Parks, unter Brücken - alles ist vermüllt. Ein Mitarbeiter einer Gassenküche erklärt uns, dass die Mehrheit der Obdachlosen hier entweder Drogenabhängige (Fentanyl) oder sich selbst überlassene geistig verwirrte Menschen sind.
Zum Schlafen laufen wir wieder zurück zu unserem Parkplatz. Um 21 Uhr klopft ein Nachtwächter heftig an unser Camper-Fenster und will uns fortschicken. Als er realisiert, dass wir den Parkplatz bezahlt haben und nicht vorhaben uns für immer niederzulassen, lässt er uns in Ruhe schlafen! Gute Nacht!
14.-15.04.2023
Froh Portland wieder verlassen zu können, mache wir uns auf den Weg nach Osten zum Columbia River Gorge/Schlucht.
Der über 1900km lange Fluss gilt als der wasserreichste aller nordamerikanischen Flüsse. Leider steht es aber um seine Wasserqualität nicht zum Besten.
Knapp 50km ausserhalb der Stadt beginnt die 130km lange und bis zu 120m tiefe Schlucht. Der Fluss musste sich hier vor Millionen von Jahren einen Durchgang durch ein riesiges Lava-Bett graben und bildet heute die natürliche Grenze zwischen den Staaten Oregon und Washington. Wir haben Glück und erhaschen einen fast klaren Blick auf den höchsten Berg/Vulkan Mount Hood, 3425m hoch.
Die zahlreichen Wasserfälle locken unzählige Touristen an. Beim höchsten - dem 188m hohen Multnomah Fall mit zwei Fallstufen - müssten wir über eine Stunde für einen Parkplatz anstehen. Ich laufe mit der Fotokamera der Fahrzeugkolonne entlang zum Wasserfall und zeige die Bilder anschliessend meinem Fahrer ;o)
Er ist happy - wir können weiter!
Der einst wilde Columbia River wird heute von mehreren Staudämmen gezähmt. Die jährliche Wanderung der Lachse wird dadurch erschwert und die Fische müssen über Fischtreppen zu ihren ehemaligen Geburts-Orten zum Laichen zurückkehren. Staatliche Fischzuchten versuchen den heutigen, vergleichsweise tiefen Lachsbestand wieder etwas anzuheben
15.-20.04.2023
In der grossen Columbia River Kurve biegen wir ab und fahren im Washington State ein. Der Staat ist ca. viermal grösser als die Schweiz mit praktisch gleich vielen Einwohnern.
Vor rund 20 Jahren kamen wir zum ersten Mal in den Genuss von Weinen aus der AVA Walla Walle (American Viticultural Area von Walla Walla). Sie haben uns damals so gut geschmeckt, dass wir nun einen Umweg in diese Wein-Gegend unter die Räder genommen haben.
Viele Weinhersteller in den USA verfügung über keine eigenen Weinberge, sondern kaufen die Trauben von anderen Winzern. Unsere erste Degustations-Gastgeberin - Smoky Rose Cellar Winery - ist ein solcher Hersteller. Da sie neben Wein-Degustationen auch Übernachtungsplätze für Camper anbieten, ist dies auch unsere erste Anlaufstelle in Walla Walla.
Am nächsten Tag, Sonntag, besuchen wir einen uns bekannten Weinhersteller - L'Ecole No. 41 Winery. Dieser Weinhersteller ist in einem ehemaligen Schulhaus untergebracht und ist der ursprüngliche Grund für die Fahrt nach Walla Walla.
Gleich nebenan liegt die Woodward Canyon Winery, ein weiterer Lieblings-Hersteller aus der damaligen Zeit, den wir aber angesichts der bereits konsumierten Weinmenge nicht mehr beehren. Trotzdem, deren Weine werden uns zukünftig noch besser schmecken, da wir nun wissen, wo sie genau herkommen.
20.-23.04.2023
Ausgeruht, Reiseblog wieder auf dem neuesten Stand, 'Häuschen' geputzt, verlassen wir die Blue Mountains und den Columbia River und machen uns auf den 550km langen Weg nach Seattle.
Wir durchqueren das Rattlesnake Valley, sehen zwar keine Klapperschlangen dafür wieder einmal Elche.
Zwischen Vulkan-Gebirge steigt die Strasse stetig zum verschneiten White Pass auf 1370m an, einem Skigebiet von Washington. Es ist neblig, kalt und windig - wir steigen nicht aus und fahren auf der anderen Passseite wieder runter.
Leider ist uns wegen der dicken Wolken-Decke der Blick auf den Vulkan St. Helens und den höchsten Berg Washington's, den Mount Rainier, 4392m, verwehrt.
In Mossyrock übernachten wir im Park direkt am Riff Lake. Mossyrock - 800 Einwohner - gehört zu den angestammten Ländereien der amerikanischen Ureinwohner der Cowlitz und Klickitat. In der Vergangenheit nutzten die nomadischen Ureinwohner das Mossyrock-Gebiet hauptsächlich zum Sammeln und Jagen.
Wir begnügen uns mit dem Sammeln von etwas Anzündholz für unser Lagerfeuer. Aber weder das im Park gekaufte Brennholz, noch das Gesammelte sind genug trocken für ein anständiges Feuer und so schicken wir halt Rauchzeichen gegen den grauen Himmel - vielleicht hilft es ja und morgen scheint die Sonne ;o)
Unseren letzter Übernachtungs-Halt vor Seattle machen wir auf einer Farm. Diesmal bei Renea in Renton, ihrer Familie und den unzähligen Zwei- und Vierbeinern.
Renea nimmt uns gleich mit in den Stall, wo Schafe, Alpakas, Lama, Hühner, Enten und Gänse friedlich nebeneinander das Leben geniessen. Den Samstag-Abend verbringen wir mit Familie und einem weiteren Camping-Gast am Lagerfeuer, bis uns der Regen auseinander treibt.
Am Sonntag-Morgen, mit zwei frisch gebackenen Broten und frischen Eiern versehen, verabschieden wir uns von Renea und fahren nach Seattle.
Alles was mir zu Seattle in den Sinn kommt ist der Film 'Sleepless in Seattle' und die bekannte Space Needle. Nun, die schlaflose Nacht in Seattle haben wir schon hinter uns, denn letzte Nacht hat der Regen erbarmungslos auf unser Dach getrommelt.
Schon morgens um 10 Uhr parkieren wir den Camper vor dem Aussichtsturm 'Space Needle'. Es sind noch nicht viele Touristen da, vielleicht auch, weil es kalt und etwas bewölkt ist. Erstaunt sind wir über die verschiedenen Eintritts-Preise. So müssten wir über 80US$ ausgeben, um auf der Turmplattform die wolkenverhangene Stadt anzuschauen.
Wir lassen es sein und peilen dafür das Chihuly Garden and Glass Museum vom Künstler Dale Chihuly an. Der Eintritt kostet zwar auch 60US$, dafür gibt’s Glaskunst vom Feinsten.
Das Museum of Pop Culture - MoPOP - ist ein Museum für populäre Musik. Uns interessiert aber nicht der Inhalt sondern die Schale, denn das Gebäude wurde von Stararchitekt Frank Gehry entworfen und im Jahr 2000 eröffnet.
Auf dem Weg ins Zentrum fällt uns auf, dass es hier keine Obdachlosen gibt. Die Stadt ist aufgeräumt und sauber und trotz der Kälte begegnen wir 'Fussläufern' wie wir!
Wir machen einen Abstecher zu den Amazon's Spheres bevor wir zum bekannten Pike Place Market abbiegen, wo man sich mit frischem Fisch, Blumen, Gemüse, Käse und vielem mehr eindecken kann.
Zwei Nächte verbringen wir auf dem Dash Point State Park - eine grüne Oase zwischen Seattle und Tacoma - bevor wir zur USA/Kanada Grenze nach Port Angeles hochfahren.
Hier haben sich die Tiere so an die Menschen gewöhnt, dass die Eichhörnchen einem die Nüsse aus der Hand fressen, die Hasen ungestört am saftigen Gras nibbeln und am helllichten Tag ein Vierbeiner an uns vorbei spaziert. Für einen Fuchs zu gross, für einen Wolf zu klein, das kann nur ein Kojote sein! Leider war meine Kamera nicht schussbereit :o(
Obwohl wir schon öfters in den USA unterwegs waren, gibt es immer wieder einiges - für uns Kurioses - zu entdecken!
Ganz speziell haben uns all die riesigen Lebensmittel/Verpackungen das Leben schwer gemacht. In unserem kleinen Kühlschrank hat keine 2-Liter Flasche Milch oder Fruchtsaft Platz. Fleisch, Gemüse, Früchte, Nüsse, Crackers, Rahm, Frischkäse, etc. kommen oft in überdimensionierten Portionen - und schliesslich wollen wir ja auch nicht zwei Wochen lang das Gleiche essen!!
Ab und zu überraschte uns ein Supermarkt mit umweltfreundlichen Ideen, wie abgelaufene Backwaren günstiger zu verkaufen oder den Offenverkauf von Teigwaren, Nüssen, Trockenfrüchten, Kaffee, Frühstücksflocken bis zu Süssigkeiten (nur in Kalifornien).
Eher etwas gewöhnungsbedürftig waren die Schweineköpfe im Tiefkühlregal ;o)
Unten Aufgelistetes hat uns in Erstaunen versetzt, ein Lächeln oder auch ein Stirnrunzeln entlockt.
Von Kanada/Yukon über den Top of The World Highway nach USA/Alaska/Chicken kommend...
Auf dem Top of the Mountin Highway erreichen wir den Grenzpass Kanada-USA in einer Höhe von 1330müM. Etwas unterhalb davon befindet sich das Zollgebäude, wo zwei nette US-Beamte einen Blick in unsere Pässe werfen, ihn mit einem Elch-Stempel verschönern, unsere Fingerabdrücke und eine Foto nehmen und uns in Alaska willkommen heissen.
Alaska ist der grösste und am dünnsten besiedelte US-Bundesstaat - ca. 42 mal grösser als die Schweiz aber nur mit 750‘000 Einwohnern.
Russland verkaufte 1867 Alaska an die USA - für $ 7.2 Mio./heutiger Wert $ 150 Mio. Alaska ist der 49. Staat der Vereinigten Staaten von Amerika.
Chicken, das erste Dorf nach der Grenze liegt - wie könnte es auch anders sein - am Chicken Creek. In diesem Goldgräbergebiet leben während des harten Winters nur eine Handvoll Menschen, im Sommer hingegen schwillt die Zahl merklich an - vor allem auch wegen den Touristen.
Eigentlich wollten die Einwohner das Dorf 'Ptarmigan'/Schneehuhn nennen. Da aber damals niemand so recht wusste, wie dieses Wort zu buchstabieren ist, nannte man es der Einfachheit halber 'Chicken'/Huhn :o)
Wir kommen für einmal genau richtig, denn das jährliche Chickenstock Music Festival ist in vollem Gange. Leider sind alle Eintritts-Karten bereits verkauft (150$/Person), daher geniessen wir die Musik als Zaungäste.
17.-21.06.2023
Der kleine Ort Tok ist bekannt als die Schlittenhunde-Hauptstadt Alaskas. Wir sehen keinen, suchen aber auch nicht. Was wir suchen ist eine Tankstelle und ein Lebensmittelgeschäft, denn nach dem Grenzübertritt müssen wir den Kühlschrank wieder füllen.
Hier begegnen wir einem Schweizer Ehepaar, das schon 40 Jahre in Ottawa lebt und sich wundert, was uns in diese Gegend verschlagen hat - auch wir wundern uns manchmal ;o)
Etwas ausserhalb von Tok - am Moon Lake - gefällt es uns gut, wir bleiben zwei Nächte.
Es sind noch fast 300 schnurgerade Kilometer bis Fairbanks. Meistens fahren wir durch Wald, nur ab und zu gibt es einen Ausstellplatz, der die Sicht auf einen fernen Gebirgszug freigibt.
Wir passieren die 1'300km lange Trans-Alaska-Pipeline. Durch sie fliesst Rohöl von Prudhoe Bay im Norden nach Valdez im Süden. Es ist eines der grössten Rohrleitungssysteme der Welt.
'Halt, da steht doch etwas in einem Teich, das aussieht wie ein Moose/Elch!'
Kaum haben wir am Strassenrand angehalten, stehen schon weitere vier Reisebusse hinter uns und wollen auch ein paar Fotos schiessen. Ich hoffe sehr, dass die Dame nicht die Flucht ergreift bei diesem Andrang. Aber nein, sie kommt sogar noch etwas näher und geniesst die Aufmerksamkeit, die wir ihr alle schenken ;o)
Kurz vor Fairbanks fahren wir durch den Ort North Pole. Hier wohnt Santa Claus mit seinen Rentieren. Ob er wohl zuhause ist?
Schlechtes Timing - Santa und seine Helfer sind gerade nicht im Haus. Wir dürfen uns aber in seiner Produktionsstätte umschauen und seine Rentiere besuchen.
Fairbanks ist mit 33‘000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt in Alaska. Wir haben Glück und ergattern wieder einmal den letzten Stellplatz auf dem Camping in der Stadt. Juni - August ist Ferienzeit in Alaska und ohne eine Vorbuchung wird es schwierig. Ab und zu stehen wir gerne mal nicht wild, denn da können wir wieder Wasser nachfüllen und duschen, ohne in unserem Bad alles ausräumen zu müssen.
Fairbanks - das merken wir schnell - ist nicht unsere Stadt. Wir spazieren durch Downtown, lassen das Ice Museum aus, da man in Gruppen durchgeschleust wird, trinken ein Bier in einem Restaurant und hören uns das Gejammer des Wirtes an, der die Kundschaft vermisst.
In der abgelegenen Animal Research Station gäbe es Rentiere, Elche und Moschusochsen zu sehen. Auch hier nur mit Führung - die leider erst in 1 1/2Std beginnt.
Daher fahren wir zum Pioneer Park, ähnlich dem Ballenberg in der Schweiz. Hier kann man Einiges aus der Goldgräberzeit besichtigen.
24.-28.06.2023
Wir verlassen Fairbanks in leichtem Regen und fahren 200km durch Wald dem Denali/früher Mt. McKinley entgegen. Der höchste Berg der USA - 6‘190m hoch - versteckt sich hinter grauen Wolken. Wir gehören also zu den 70% Park-Besuchern - so wird uns gesagt - die ihn nicht zu Gesicht bekommen :o(
Anchorage liegt eingebettet zwischen dem Knik Arm (ausgesprochen: kuh-nick = Feuer) und dem Turnagain Arm (= Rückstau), zwei schmale Zweige am nördlichen Ende des Golfs von Alaska.
Das Wetter ist immer noch trüb, aber es regnet nicht und ist warm - 23°C. Wir fahren zuerst auf den Camping um uns den Platz für die nächsten vier Tage zu sichern - Es ist Ferienzeit!! - und dann gehts ab ins Zentrum.
Hier ist gerade ein Volksfest in vollem Gange. Wir schlendern durch die Strassen, beobachten die Menschen, hören Musik der verschiedenen Bands und irgendwann meldet sich der Durst. Gut, dass wir gerade an einer Brauerei vorbei schlendern ;o)
Heute Sonntag - bei strahlendem Sonnenschein - wollen wir mit den Bikes einen Teil der Stadt umrunden.
Aber zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Seit unserem staubigen Trip ans Arktische Meer in Kanada, haben wir die Bikes noch nicht ausgepackt und jetzt müssen die zuerst von einer gefühlten Tonne feinem angetrocknetem Sand befreit werden.
Unser erster Halt gibt es am Ship Creek. Hier soll es laut Infozentrum nur so wimmeln von Lachsen. Alles was wir sehen ist - es wimmelt von Fischern, die keinen Lachs an die Angel bekommen. Nach einer halben Stunde geben wir auf und besuchen - gleich nebenan - die Ulu-Werkstatt. Hier werden die typischen Messer zum Häuten der Bären und Elche hergestellt. Und da man sie für diesen Zweck eher nicht mehr so häufig braucht, heisst heute die Strategie - Kräuter damit schneiden ;o)
Die Fahrt geht dem Turnagain Arm entlang weiter. Die Sonne hat sich leider verabschiedet und ein starker kühler Wind zieht auf. So kürzen wir etwas ab und fahren dem Chester Creek - einer bewaldeten Flusslandschaft quer durch die Stadt - entlang zum Camping.
Seit drei Tagen ununterbrochen Regen. Wir verlassen Anchorage und hoffen, dass wir auf der südlich gelegenen Halbinsel Kenai besseres Wetter vorfinden.
Wir fahren dem Turnagain Fijord entlang bis an sein Ende. Es ist nass, trüb und kühl. Trotzdem laufen wir den Holzsteg über den Potter Sumpf ab in der Hoffnung, eines der angekündigten Tiere/Vögel zu erblicken. Offensichtlich bleiben die aber bei diesem Wetter auch lieber zuhause, denn viel bekommen wir nicht zu sehen.
Zu unserer Überraschung wartet - trotz triefendem Regen - am Ende des Steges ein Park Ranger und weist uns mit seinem Feldstecher auf das grosse Nest einer Bald Eagle/Weisskopfseeadler Familie hin. Wow, unsere ersten Bald Eagles!
29.06.-01.07.2023
Es sind noch 300km bis Homer und in diesem miesen Wetter sind wir nicht sicher, ob wir nicht einfach umdrehen sollten. Aber kaum gedacht, hört es auf zu regnen und der Himmel hellt auf, die Sonne scheint und die Berge blinzeln hinter den Wolken hervor.
Etwas ausserhalb von Homer haben wir einen wunderbaren Ausblick auf den Spit - eine 7km lange Landzunge - und auf die schneebedeckten Berge und Gletscher rund um die Kachemak Bay.
Wir fahren auf den Spit bis zum Land’s End. Wer weiss, von welcher Seite sich das Wetter morgen wieder zeigt. Die schmale Landzunge ist vollgestopft mit Touristen, Autos und grossen Ami-Campern. Wir haben Glück und erhaschen nach längerer Suche doch noch einen Parkplatz.
Homer ist bekannt für seinen grossen Halibut-/Heilbut-Reichtum. Die Stadt trägt daher auch den Spitznamen “Halibut Fishing Capital of the World”. Wir kommen genau richtig und können zuschauen, wie ein Halibut-Tagesfang rasch und fachgerecht von einer jungen Dame filetiert wird. Teile dieser Fische geniessen wir, zusammen mit einem feinen cremigen Risotto, anschliessend im Restaurant.
Unser Camping liegt auf einer Anhöhe direkt an der Bay. Ein Spaziergang am Strand lässt uns staunen. Wir, schön eingepackt in Winterjacken, während andere im eiskalten Meer baden, brrrrr!!!
Heute Samstag war Bald Eagle Tag!
Wir habens schon fast aufgegeben, dem US-Amerikanischen Wappentier zu begegnen, aber heute war unser Glückstag. Auf der Fahrt retour von Homer zum Kelly Lake sitzen oben auf Bäumen zwei dieser majestätischen Vögel und beobachten die Umgebung. Uns würdigen sie mit keinem Blick.
Vor Soldotna biegen wir zum Cape Ninilchik ab und hier schweben sie durch die Lüfte - Eltern und Jungvögel - und machen den Möwen das Leben schwer, indem sie versuchen Möwen-Babies aus ihren Nestern zu stehlen.
Nächsten Dienstag feiert die USA ihren Nationalfeiertag und viele Amerikaner haben den Montag frei genommen. Alles ist überfüllt!
Wir fahren zurück zum Kelly Lake, wo wir vor zwei Tagen ganz alleine eine Nacht verbracht haben. Heute sieht es anders aus. Da wir aber schon früh am Nachmittag eintreffen, haben wir Glück und ergattern den letzten freien Platz.
Der See liegt eingebettet zwischen abgebranntem Wald und Gebirge. Ein Waldbrand hat hier vor ein paar Jahren gewütet und in einem riesigen Umkreis alles zerstört. Wir geniessen die letzten Sonnenstrahlen bei einem Spaziergang dem See entlang. Morgen solls wieder regnen :o/
Heute Montag ist wieder alles grau und trüb. Wir fahren nach Seward - laut Reiseführer einer der schönsten Orte auf der Kenai-Halbinsel.
Vielleicht liegt es am Wetter - es nieselt ununterbrochen - aber so ganz verstehen können wir den überaus positiven Reiseführerbericht nicht.
Wegen dem Nationalfeiertag ist bereits heute viel los im Ort. Es gibt Marktstände und die Feuerwehr hat Tag der offenen Tür. Wir probieren einen Rentier-Hotdog und ich möchte unbedingt einmal in einem amerikanischen Feuerwehrauto sitzen ;o)
Nach ein paar Stunden verlassen wir Seward schon wieder und fahren zum nahen Exit Glacier - einem Seitenarm des grossen Harding Icefields.
An den Jahres-Markierungen entlang des Wanderweges wird erschreckend deutlich, wie drastisch sich auch dieser Gletscher in den letzten 100 Jahren zurückgezogen hat.
Eine 50US$ teure Schifffahrt zum Portage Gletscher lassen wir aus, denn die Park Rangerin muss auf unsere Nachfrage eingestehen, dass der Gletscher bei weitem nicht mehr den Fotos auf den Werbeprospekten entspricht - Alaska schrumpfen leider die meisten dieser Sehenswürdigkeiten weg :o(
Wir laufen stattdessen den Byron Glacier Trail, welcher eine besondere Überraschung für uns bereithält. Hoch oben auf einem Baum - direkt am Wanderweg - sitzt ein Schwarzbär und schlägt sich zum Mittagessen den Bauch mit den Beeren einer Pappel voll.
Whittier ist unser letzter Ort, bevor wir die Halbinsel Kenai mit der Fähre verlassen.
Ein seltsamer kleiner Ort - 32km2 Landfläche - und es gibt nur einen Weg hinein und einen hinaus und zwar durch Nordamerikas längsten Bahn- und Strassentunnel. 1943 wurde dieser einspurige, vier Kilometer lange Tunnel in Betrieb genommen. Eisenbahn und Strassenverkehr teilen sich die Fahr-Spur abwechselnd.
1964 - nach einem starken Erdbeben der Stärke 9.2 - beschädigte ein Tsunami mit über 10m hohen Wellen den kleinen Ort schwer und forderte 13 Todesopfer.
Der Begich Tower fällt einem ins Auge, sobald man aus dem Tunnel fährt. Der Tower ist ein Hochhaus mit 14 Stockwerken und Wohnraum für 700 Menschen. Das Gebäude ist Wohnsitz für die meisten Einwohner von Whittier und beherbergt zusätzlich zahlreiche öffentliche Einrichtungen, wie Lebensmittelladen, Postamt, Geldautomat, Notar, Wasch-Salon, Kirche, etc. Die Schule im Nachbargebäude können die Kinder durch einen unterirdischen Tunnel erreichen - alles wintersicher!
Der Alaska Marine Highway ist eine Fährverbindung zwischen Kanada und Alaska und bedient hauptsächlich Orte, die über den Landweg nur schwer oder gar nicht erreichbar sind.
Wir fahren mit der Fähre in 6 Std. von Whittier nach Valdez.
Leider fehlt auch hier wieder die Sonne aber wir sind ja schon zufrieden, dass es nicht regnet. Von Fjord zu Fjord gleiten wir über das ruhige Wasser des Golfs von Alaska. Ab und zu öffnet sich ein Blick auf Gletscherzungen, die noch fast bis zum Wasser reichen. Ein Buckelwal begleitet uns ein Stück des Weges und Seelöwen machen Siesta auf einer kleinen Insel. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon nähern wir uns Valdez.
Eine der grössten Öl-Katastrophen ereignete sich im März 1989 im Prince William Sound in der Nähe des Küstenortes Valdez.
Exxon Valdez - ein Supertanker der Exxon Shipping Company auf dem Weg nach Kalifornien - lief aus Fahrlässigkeit auf ein Riff auf, worauf 37.000 Tonnen Rohöl ausliefen.
Die abgelegene Lage von Prince William Sound - der nur per Flugzeug oder Schiff zu erreichen ist - erschwerte die Bemühungen, das Öl abzusaugen, bevor es die nahen Küsten zu verschmutzen began. 2'100km Küstenlinie waren betroffen, unzählige Fische, Seeotter, Robben, Seevögel und Wale verendeten.
05.-09.07.2023
Die kleine Stadt Valdez befindet sich am Prinz William Sound und hat ca. 4000 Einwohner.
Nach unserer Ankunft um 21 Uhr sitzen wir noch mit Bea und Erwin aus dem Kanton Schwyz auf ein Glas Wein zusammen. Wir haben uns kurz vor der Abfahrt in Whittier getroffen.
Heute Donnerstag - Regen - laufen wir zum Crooked Creek. Hier sollte man Bären beim Lachse-Fischen sehen können. Wir haben einfach kein Glück, denn die Park Rangerin erklärt uns, dass die Lachse hier erst Ende Juli eintreffen :o/ Aber sie meint, dass wir mit etwas Glück bei der Solomon Gulch Fish Hatchery/Lachs-Brutanstalt ein paar Frühankömmlinge sehen könnten. Das sparen wir uns auf für die nächsten Tage.
Freitag und Samstag ist es zwar immer noch bewölkt, aber die Sonne gibt sich Mühe zwischen den Wolken durchzublinzeln. Ein Spaziergang durch Valdez zeigt uns bald, dass es auch hier nicht allzuviel zu sehen gibt. Am Hafen können wir zuschauen, wie einige im Meer gefangene Lachse filetiert werden.
Ein Ausflug zum Glacier Stream lupft uns nicht aus den Socken und bei der Lachsbrut-Anstalt warten nicht nur wir auf ankommende Lachse - nein - auch Otter, Seelöwen, Möwen und Weisskopfadler müssen sich noch ein, zwei Wochen gedulden.
09.-10.07.2023
Der heutige Tag war nach langem wieder einmal ein Highlight - so haben wir uns Alaska vorgestellt!
Blauer Himmel und Sonnenschein begleiten uns auf dem Richardson Highway und dem Tok Cutoff nach Tok.
Vorbei an mehreren Wasserfällen geht es hoch zum Thomson Pass auf 840müM. Hier gibts zur Abwechslung wieder einmal eine Gletscherwanderung zum Worthington Glacier ;o)
Wir können uns nicht satt sehen an den wilden Flusslandschaften mit den dahinter aufragenden Bergen.
Wir passieren den Wrangell-Saint Elias National Park, den grössten National Park der USA mit seinem wunderbaren Bergpanorama.
Nach einer Nacht auf einem Parkplatz am Gulkana River erreichen wir heute Montag wieder das Städtchen Tok am Alaska Highway. Unsere rund einmonatige Rundreise durch Alaska ist damit beinahe abgeschlossen. Am Mittwoch gehts zurück nach Kanada
Über den Alaska Highway fahren wir wieder zurück nach Kanada/Yukon....
....von wo wir nach wenigen Tagen in Südost-Alaska/Haines einreisen
Der Ort liegt wunderschön am blauen Chilkoot Inlet Fjord und erinnert uns etwas an den Urnersee.
Haines selber wird aber nicht grosse Spuren in unserem Gedächtnis hinterlassen. Ausser ein paar wenigen alten Gebäuden und vielen Souvenirläden gibt es hier nicht viel zu sehen. Auch die lokale Bier-Brauerei mit den zu hopfigen/bitteren IPAs entzückt uns nicht.
Um doch noch migrierende Lachse zu sehen unternehmen wir einen Ausflug per Mountain Bike. Wir radeln ans Ende des Fjords zum Chilkoot River. Hier sind nicht nur die Fischer wieder voll in ihrem Element, sondern auch Seelöwen warten auf Lachse- vermutlich vergeblich. Ausser einer gefangenen Dolly-Forelle sehen wir den ganzen Tag kein anderes Fisch-Wesen. Enttäuscht radeln wir wieder nach Haines zurück.
Heute Sonntag - bei immer noch tollem Wetter - nehmen wir die Fähre nach Skagway.
1897 - der Unternehmer Captain William Moore legte von Skagway aus Saumwege über White Pass und Chilkoot Pass an, um die rasch wachsende Anzahl Goldsucher über die Grenze nach Kanada/Whitehorse und damit ins 800km entfernte Dawson City zu bringen - natürlich gegen eine kleine Gebühr.
Für die in Skagway gelandeten Goldsucher begann somit hier der sehr entbehrungsreiche Weg in den kanadischen Norden. Nicht nur die Menschen litten unter den harschen Bedingungen, auch die Pferde wurden bis zum Umfallen geschunden. Angesichts der mehr als 3000 Pferdegerippe am Wegesrand wurde dieser Saumweg bald auch unter dem Namen Dead Horse Trail bekannt.
Noch heute stehen in Skagway einige der um die Jahrhundertwende erbauten Gebäude. Daher legen in den Sommermonaten täglich einige Kreuzfahrtschiffe an und entladen unzählige Touristen. Sie flanieren über die Holzstege, freuen sich an den Auslagen in den zahllosen Juweliergeschäften und kaufen T-Shirts 'Ich war in Skagway' in den noch zahlreicheren Souvenirläden. Nach einem schnellen Bier gehts zurück aufs Schiff und Skagway wird wieder zur Geisterstadt. Wir essen noch ein feines Nachtessen in einem altehrwürdigen Restaurant, stellen uns auf einen ruhigen Übernachtungsplatz und werden Alaska morgen verlassen.
Weiter geht's über den South Klondike Highway von USA/Alaska/Skagway nach Kanada/British Columbia
Von Kanada/Alberta kehren wir zurück nach USA/Montana
Grün 2023 Rot 2022 Violett frühere Reisen
Unsere erste Nacht auf einem Walmart (Supermarkt) Parkplatz haben wir in Pincher Creek hinter uns - beide Campings im Ort waren ausgebucht. Eigentlich wäre es sehr ruhig gewesen, hätte uns nicht die halbe Nacht ein orkanartiger Prärie-Wind durchgeschüttelt.
Es sind heute noch genau 72km bis zur Grenze Kanada-USA, die wir entlang den herrlichen Rocky Mountains fahren. Morgens um 9 Uhr stehen wir bereits am Zoll.
Nach einem Blick in unsere Pässe meint der ernste Beamte: 'It looks good, have a great day!' und schon sind wir wieder in den USA - in Montana.
Der Bundesstaat Montana ist mehr als neunmal grösser als die Schweiz mit der gleichen Einwohnerzahl. Im Norden wird Montana vom Glacier-Nationalpark und im Süden vom Yellowstone-Nationalpark eingegrenzt. Westlich liegen die Rocky Mountains, östlich die Great Plains.
Um über die malerische 50km lange Passstrasse Going-to-the-Sun Road den Glacier National Park durchqueren zu können, mussten wir uns gestern im Internet eines von 600 Tickets/Tag erkämpfen, welche alle innert einer Minute vergeben waren.
Die Strasse führt uns am Ufer des vom Wind gepeitschten Saint Mary Lakes entlang zum Aussichtspunkt Sun Point, wo wir nach einem kurzen Waldlauf zwar eine tolle Aussicht auf den See haben; aber wir müssen aufpassen, dass uns der Wind nicht vom Felsen in den tiefer liegenden See bläst.
Die kurvenreiche Fahrt geht weiter von einem Aussichtspunkt in die Berge zum nächsten, über beeindruckende Landschaften langsam aber stetig aufwärts. Auf 2025m Höhe erreichen wir den Logan Pass.
Von jetzt an geht’s wieder bergab. Die Landschaft erinnert uns sehr an Schweizer Pässe :o)
Nach einer Nacht in Kalispell fahren wir heute in südlicher Richtung dem Flathead Lake entlang nach Missoula. Wir geniessen die Fahrt durch Montana sehr, denn es gibt immer wieder etwas zu sehen und wir wurden ja in den letzten Monaten nicht gerade überschüttet mit Abwechslung. Die Strasse durchquert hügelige Kornfelder, die in der Sonne wie Gold schimmern. Ausgetrocknete Grasflächen, gespickt mit Bäumen und Büschen reichen bis zu den Rocky Mountains im Westen..
In Missoula besuchen wir die Smokejumpers Base - eine interessante Truppe aus ehemaligen Feuerwehr-Personen, die auf ganz spezielle Art Waldbrände bekämpfen. In den endlosen Waldgebieten der USA und Alaska - manchmal auch in Kanada - ist eine Brandbekämpfung mit Fahrzeugen oft zu langsam oder gar nicht möglich. Dann kommen die Smokejumpers zum Einsatz. Sie springen mit ihren Gleitschirmen über einem Waldbrandgebiet ab. Dick gepolstert - mit Gesichtsschutz und Helm - müssen sie oft in dichtem Nadelwald landen.
Falls ein Smokejumper an einer Fichte hängen bleibt, seilt er sich in Windeseile ab, sägt den Baum um und klaubt seinen Gleitschirm aus den Ästen.
In der Zwischenzeit werden Werkzeug- und Lebensmittel-Kisten an GPS-gesteuerten Gleitschirmen abgeworfen, die nun eingesammelt werden müssen. Mit Motorsäge und Hacke ausgerüstet versuchen die Smokejumpers anschliessend eine Feuerschneise aus dem Wald zu sägen bzw. zu hacken und so dem Waldbrand eine unüberwindbare Grenze zu setzen.
Die in den 1950er Jahren gegründeten Smokejumpers bestehen derzeit aus 56 sehr sportlichen Männern und Frauen. Sie warten ungeduldig auf den nächsten Waldbrand - 13 Personen sind bis jetzt bei solchen Einsätzen ums Leben gekommen.
Wenn die Smokejumpers nicht gerade aus einem ihrer Flugzeuge über einem Waldbrandgebiet abspringen, vertreiben sie sich die Zeit mit Unterhaltsarbeiten an ihrer Fallschirmspringer-Ausrüstung, gehen Joggen oder stemmen Eisen im eigenen Fitness-Klub.
Auf der Weiterfahrt entdecken wir in der Ferne einen riesigen Kamin. 'Gwundrig' wie wir sind, schwenken wir vom Highway ab und fahren nach Anaconda.
Der Anaconda Smelter Stack ist mit 178m die höchste Backstein-Struktur weltweit. Der Kamin wurde 1918 von der Anaconda Copper Mining Company gebaut, die hier bis 1981 Kupfererz abgebaut und gleich vor Ort zu Kupferbarren geschmolzen hat.
Von Kalispell bis nach Columbus haben wir distanzmässig zweimal die Schweiz durchquert. Nach einer sicheren Nacht an einer Seitenstrasse im Städtchen Columbus zwischen drei Kirchen ;o) biegen wir ab Richtung Wyoming, zum Yellowstone National Park.
Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wintersportort Red Lodge geht es hoch zum Beartooth Pass - 3330müM. Beim Aussichtspunkt Rock Creek treffen wir auf eine Horde Chipmonks/Streifenhörnchen, die sich von den Besuchern mit Sonnenblumenkernen füttern lassen.
Etwas unterhalb von der Passhöhe finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz, unternehmen eine kurze Wanderung - wir wollen unsere Körper auf die Höhe einstimmen ;o) - und backen unser erstes 3300m-Gipfelbrot.
14./15.08.2023
Früh am nächsten Morgen passieren wir auf dem Beartooth Pass die Grenze zu Wyoming.
Das Wort Wyoming bedeutet 'Land der weiten Ebenen' und ist mit einer durchschnittlichen Höhenlage von 2040müM zusammen mit Colorado der höchste Bundesstaat der USA. Hauptattraktion dieses Staates sind der Yellowstone National Park und der sich südlich anschliessende Grand Teton National Park. Und dort wollen wir jetzt hin!
Hier oben auf dem Beartooth Pass ist von den weiten Ebenen nicht viel zu sehen, dafür geniessen wir noch etwas die Bergwelt und schauen einem Fuchs beim Frühstück zu.
Der Yellowstone National Park erstreckt sich über eine Fläche von 9000 km². Tief unter der Erdoberfläche schlummert der grösste Vulkan des Kontinents und macht sich durch dampfenden Geysire, blubbernden Erdlöcher und Heisswasserquellen bemerkbar.
Wir reihen uns in die Autokolonne ein und fahren als erstes zum Grand Canyon des Yellowstone mit zwei Wasserfällen - Upper und Lower Falls. Wir haben Glück und ergattern einen freien Parkplatz. Vom Canyon-Rand aus haben wir eine beeindruckende Sicht in die wunderschöne, 304m tiefe Schlucht, wo sich das Wasser des Yellowstone River über die 90m hohen Fälle in die Tiefe stürzt.
Das Norris Geyser Basin ist das aktivste Geysirbecken im Yellowstone.
Das Back Basin ist von Wald umgeben und beherbergt Steamboat - mit 91m Höhe der höchste Geysir der Welt. Auf dem Rundgang entdecken wir Geysire unterschiedlichster Grösse und heisse Quellen in den bunten Farben - von Schwefel-Gelb über Eisenoxid-Orange zu Kalk-Weiss bis Himmel-Blau und Algen-Grün.
Im Porzellan Basin mit der hellen pastellfarbenen Umgebung gibt es wegen dem heissen, sauren Wasser praktisch keine Vegetation. Etwas Leben in diese Gegend bringt der Valentine Geyser, der mit viel Gezische das heisse Wasser und den Dampf meterhoch in die Luft katapultiert.
Wir treffen auch auf Vierbeiner, die ein totales Verkehrschaos auslösen. Bis jeder Besucher beim Vorbeifahren ein paar Fotos geknipst hat, fühlt sich das Ganze an wie ein Stau am Gotthard ;o))
Der zweite Tag im Park beginnt mit einer Wartezeit von 30 Minuten für die Einfahrt in den Parkplatz des Grand Prismatic Spring.
Die Quelle ist mit einem Durchmesser von 110m die grösste heisse Quelle in den USA. Die auffälligen Farben rund um das Becken werden durch Bakterien verursacht, die sich vom mineralreichen heissen Wasser ernähren.
Angesichts der Menschenmenge lassen wir die Wanderung zum Aussichtspunkt aus und begnügen uns mit einer Sicht auf Augenhöhe.
Das Schlussbouquet des heutigen Tages bildet der Geysir Old Faithful. Der Kegel-Geysir bricht alle 60 bis 100 Minuten aus und soll in diesen 2 bis 5 Minuten 30‘000 Liter Wasser bis zu 55m in die Luft sprühen. Da lassen wir uns doch gerne überraschen!
Der alte Herr wird aber erst in etwa einer Stunde ausbrechen, also marschieren wir einmal um den Park. Anschliessend setze ich mich zwecks Platzreservation als Nomade verkleidet in die Sonne, während mein Göttergatte uns etwas Kühles zum Trinken besorgt.
Endlich zischt es, die Dampfwolke wird höher und das 'Ahhh…!' der Zuschauer immer lauter. Kaum hat das Schauspiel angefangen, ist es auch schon wieder zu Ende. Hat sich die Warterei für uns gelohnt? Nein, nicht wirklich!
Am frühen Nachmittag verlassen wir den Yellowstone National Park in südlicher Richtung und fahren durch den Grand Teton National Park. Er verdankt seinen Namen der kantigen Teton-Bergkette, die sich in Nord-Süd-Richtung durch den Park zieht.
Von Wyoming aus machen wir einen Abstecher nach Idaho. Dieser Bundesstaat liegt im Nordwesten der USA und ist bekannt für seine gebirgigen Landschaften, seine weitläufig geschützte Wildnis und die zahlreichen Erholungsgebiete. Idaho ist 5 Mal so gross wie die Schweiz, hat aber 5 Mal weniger Einwohner.
Eine Landschaft, die aussieht wie das Schweizer Mittelland wandelt sich relative schnell in endlos erscheinende, trockene Prärie. Ein grosser unterirdischer See - gespeist durch den Snake River - macht hier trotz Trockenheit intensiven Ackerbau möglich - solange noch genügend Wasser vorhanden ist.
Craters of the Moon National Monument ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Idaho und ein Besuch kann uns die zeit- und kostenaufwändige Reise zum Mond ersparen - doch leider ist der Name etwas irreführend.
Obwohl erstarrte Lava-Flüsse auf dem Mond auch existieren, wurden die meisten seiner Krater von einschlagenden Meteoriten und nicht durch Vulkan-Aktivität gebildet.
Zahlreiche Vulkane waren die Architekten dieses Parks, der letzte Ausbruch ist erst knappe 2000 Jahre her. Wir fahren und wandern durch diese bizarre Erd-Landschaft und entdecken die eine oder andere Besonderheit, die wir noch in keiner der früher besuchten Vulkan-Landschaften bemerkt oder gesehen haben.
Auf dem Rückweg vom Craters of the Moon National Monument besuchen wir die Geburtsstätte der Kernspaltungsenergie, den Experimental Breeder Reactor No 1 / EBR1.
Mit dem Bau des EBR1 verfolgte die USA zwei Ziele:
Im Dezember 1951 produzierte EBR1 als erster nuklearer Reaktor nutzbare elektrische Energie mittels Kernspaltung. 2 Jahre später erreichten die Nuklear-Pioniere auch ihr zweites Ziel.
Natürlich war auch das Militär am Experimentieren. Die USA glaubte zu dieser Zeit ernsthaft - 1950er Jahre, Kalter Krieg - dass die Sowjetunion bereits über Flugzeuge mit Nuklearantrieb verfügten. Unsummen wurden von der Air Force in die Entwicklung eines nuklear-betriebenen Düsenflugzeuges investiert. 10 Jahre später wurde das Projekt 'Flugzeug mit Nuklearantrieb' wieder zu Grabe getragen.
Die Navy hingegen war erfolgreicher - zahlreiche U-Boote und Schiffe mit Nuklearantrieb durchpflügen inzwischen die Weltmeere.
Das riesige Forschungsgelände in der Prärie von Idaho dient auch heute noch der Nuklear-Forschung (zivil und militärisch). Einer der uns begleitenden Wissenschaftler arbeitet zurzeit an der Miniaturisierung von Kern-Reaktoren. Er ist überzeugt, dass 2030 die ersten transportablen 75 Megawatt-Reaktoren ihre Serienreife erreichen werden.
Welche Arten der Energieerzeugung unsere Zukunft prägen werden - Kernspaltung, Kernfusion, Fossile Brennstoffe, Geothermie, Wasser-/Wind-/Sonnen-/Gezeiten-Kraftwerke, etc. - wir wissens in wenigen Jahrzehnten!
Kaum haben wir auf dem Interstate 15 die Grenze zu Utah überquert, knallt schon wieder ein Kieselstein in unsere Windschutzscheibe. Knackend bildet sich rasch ein 30cm langer Riss auf der Fahrerseite. Einmal mehr bekommen wir zu spüren, was es heisst in einer US Amerikanischen Reparaturwerkstatt Hilfe zu suchen. Die Reparatur eines Risses in der Windschutzscheibe ....oh nein, sowas machen wir nicht....sowas dürfen wir nicht....was da alles passieren könnte...schrecklich....und dann die Haftungsklagen....
Geholfen wird uns in einer mexikanisch geführten Kleinst-Werkstatt in Salt Lake City, die sich sofort ans Werk macht. Auch für den Ersatz der Vorderreifen brauchen wir keinen Termin - claro, subito - und schon sind wir wieder 'on the road' - Viva México!!
Im Bundesstaat Utah leben mehrheitlich Mormonen. Salt Lake City mit dem Temple Square ist für die Mormonen das, was für die Katholiken Rom und der Vatikan.
Leider wird der Temple Square bis auf Weiteres umgebaut und es sind daher nur zwei Gebäude öffentlich zugänglich. Überall stehen 'Schwestern', 'Brüder' oder 'Älteste', die uns freundlich zulächeln und gerne weiterhelfen möchten - doch wir wissen, was wir wollen ;o)
Wir kommen gerade rechtzeitig zu einem Violin-Konzert in der gekühlten Assembly Hall. Hier lauschen wir der beruhigenden Musik und erholen uns etwas vom Reparatur-Stress.
Der Tabernacle-Dom mit seiner genialen Akustik beherbergt eine der weltweit grössten Orgeln mit über 11‘000 Pfeifen. Das tägliche Orgelkonzert haben wir leider verpasst, doch wir schauen auch gerne dem Meister beim Orgelstimmen zu.
19./20.08.23
Unsere Windschutzscheibe soweit geflickt, dass wir fahren können und das Schuhwerk des Campers auch wieder belastbarer, verlassen wir Salt Lake City auf der sechsspurigen, lärmigen Autobahn Richtung Süden. Da es keinen Camping in der Nähe hat, verbringen wir - einmal mehr - eine Nacht auf dem Parkplatz eines Cracker Barrel Restaurants.
Heute Samstag gehts Richtung Capitol Reef National Park. Wir geniessen die stressfreie Fahrt über die einsame, ruhige Landstrasse. Kurz vor der Einfahrt in den Nationalpark - inmitten von prachtvollen, farbigen Sandsteinformationen - finden wir einen ruhigen Platz zum Übernachten. Obwohl immer noch 36°C, machen wir nach dem Abendessen eine Klettertour auf das über uns liegende Plateau und geniessen die herrliche Sicht in die Ferne.
Heute Sonntagmorgen fahren wir durch den Nationalpark - die Kamera griffbereit - und staunen über die Farben und Formen dieser wüstenähnlichen Landschaft. Wir wandern zur Hickman Bridge, einem 40m langen Steinbogen, der einen engen Canyon überspannt.
Kaum haben wir den Park verlassen, wechselt die Farbpalette von Rot- zu Grautönen.
Müde und verschwitzt - es ist inzwischen 41°C heiss - finden wir einen Übernachtungsplatz in einem Seitental. Umringt von roten Felsen freuen wir uns für einmal, dass es hier 'zümpftig' windet.
20./21.08.2023
Für einen kurzen Abstecher fahren wir in den Canyonland National Park. Rasch gehts hoch auf ein flaches Plateau, von wo wir eine atemberaubende Sicht auf den Merrimac Butte und den Monitor Butte haben.
Die zwei ca. 200m aus der Wüste von Utah senkrecht aufragenden Sandstein-Hügel sind nach zwei Dampfschiffen benannt, die während des amerikanischen Bürgerkrieges zusammenstiessen.
Der Arches National Park mit seinen hunderten Natursteinbögen, hoch aufragenden Zinnen und riesigen, Felstürmen ist inzwischen unser Favorit.
Dass wir für diesen Park eine zeitabhängige Einfahrtsbewilligung übers Internet beantragen müssen, haben wir nicht gewusst - schlechte Vorbereitung!
Obwohl es noch genügend 'Time Slots' hätte, werden wir vom Schalter-Beamten erbarmungslos abgewiesen und ins 9km entfernte Moab geschickt - 'dort hat es WiFi oder ein Telefonsignal, dort könnt ihr euch im Internet anmelden, dann lass ich euch rein' :o(
Es sind nicht nur die zahlreichen Felsbögen, die extrem faszinierend sind. Auch die Felstürme - die stabil zu sein scheinen, obwohl sie den Anschein erwecken, jeden Moment in sich zusammenzufallen - haben es uns angetan.
Dieses Wunderland aus rotem Sandstein entfaltet seine Leuchtkraft speziell in der Abendsonne. Fünf Stunden fahren und laufen wir durch den Nationalpark und sind am Abend von der Hitze und den vielen Eindrücken todmüde.
Das Valley of the Gods ist ein malerisches Sandsteintal nördlich des Monument Valley. Eine 27 km lange Naturstrasse schlängelt sich zwischen rotbraunen Tafelbergen, Türmen und Pilzfelsen hindurch.
Es ist heiss - 38°C - und kein Schatten in Sicht. Wir parkieren unseren Camper und radeln mit unseren Bikes bis ans Ende des Tales. Dass die Strasse wellenförmig leicht ansteigt, merken wir erst bei der rasanten Rückfahrt.
Es ist noch früh am Nachmittag und wir entscheiden uns für einen kurzen Abstecher zum Mexican Hat. Das Monument Valley haben wir 1997 bereits durchfahren und lassen es links liegen.
Zum Übernachten gehts über den Hintereingang ins Valley of the Gods. Die Götter scheinen im Moment mit anderem beschäftigt zu sein, anstatt auf uns aufzupassen ;o) denn plötzlich machts 'ZISCHHH'! Wir haben einen durchstochenen Hinterreifen - und das nach der Biketour und bei dieser Hitze. Somit heisst es nun Reifen-Wechsel - der kühle Weisswein muss warten!
Spaghetti zum Znacht - Speicher wieder aufgefüllt - noch ein wenig im Liegestuhl die Umgebung geniessen und dann zieht ein Gewitter auf. Nichts mit Sterne gucken, es regnet die ganze Nacht.
27.-28.8.2923
Nachdem wir in Bluff/Utah am Donnerstag den 7. Jahrestag unserer Americas-Reise feiern konnten, gab am Tag darauf eine Windböe unserer bereits mehrfach reparierten Sonnenstore den endgültigen Todesstoss ;o(
Am Samstag fahren wir vom sonnigen Utah ins noch sonnigere Colorado - nun halt ohne Schattenspender.
Colorado ist 6.5-mal grösser als die Schweiz mit ca. 6 Mio. Einwohnern. Der Bundesstaat liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 2000m und ist bekannt für seine Landschaft aus Bergen, Wäldern, Hochebenen und Wüstengebieten.
Mesa Verde National Park ist eine grüne Hochebene auf 2550müM, in die zahlreiche Flüsse tiefe Canyons in den weichen Sandstein gegraben haben.
Bevor Navajos, Hopis und andere Völker diese Gegend zu besiedeln begannen, hatten sich bereits ab 500 n.Chr. die Pueblo People hier niedergelassen. Kurz bevor sie diesen eindrücklichen Ort um 1300 n.Chr. in Richtung Arizona und New Mexico wieder verliessen, begannen die Pueblos ihre Dörfer von der Ebene in die Felsüberhänge der weitläufigen Täler zu verlegen.
Auf geführten Touren haben wir zwei dieser Fels-Siedlungen erklettert und besichtigt. Wir sind beeindruckt von der genialen Architektur und staunen über den grossen Aufwand, den die Pueblos in die Erstellung der unzähligen Wohn- und Lager-Gebäude gesteckt haben.
Die Gründe für das Anlegen und das baldige Verlassen dieser Fels-Siedlungen sind nicht bekannt.
Angesichts der künstlich angelegten Engstellen, den gut zu überwachenden Zugängen, dem Fehlen von religiösen oder monarchistischen Antrieben, tippen wir zwei Hobby-Archäologen ;o) auf ein stark gestiegenes Sicherheitsbedürfnis. Weitere Theorien sind willkommen ;o)
Viel Spass haben uns auch diese Zu- respektive Ausgänge der alten Felsbehausungen bereitet. Über steile Leitern, in den Fels gehauene Stufen, durch enge Durchgänge und Felsspalten auf den Knien rutschend, gings vorwärts.
Insgesamt 600 grössere und kleinere Felsbehausungen liegen im Mesa Verde National Park. Ein paar weitere Siedlungen können wir auf unserer Rückfahrt zum Camping von der Strasse aus sehen.
Die Nacht verbringen wir im Park und erfreuen uns am Besuch von vier Weisswedelhirsch-Damen mit ihrem Nachwuchs.
28./29.8.23
Im Frühling 2022 trafen wir in Oaxaca/Mexiko Shari und Walt aus Durango/Colorado. Wir versprachen, auf unserem Rückweg von Alaska bei ihnen einen Stopp einzulegen.
Nach einem Spaziergang durch den Ortskern und einem Bier auf einer der Dachterrassen stellen wir fest, dass uns Durango sehr gut gefällt. Hier könnten wir es auch noch etwas aushalten.
Am Abend parkieren wir den Camper bei unseren Freunden und freuen uns sehr über das Wiedersehen. Bei einem leckeren Abendessen und einem Gläschen Wein lassen wir alte Zeiten aufleben.
Röbä nutzt die Zeit, um ein kleines Sonnendach zu installieren, da wir erst wieder in Europa eine neue baugleiche Sonnenstore erwerben können.
Dear Shari, dear Walt
We enjoyed our stay in Durango - see you in Europe or Mexico again - take care.
Wir verlassen Colorado und fahren südwärts nach New Mexiko. Wir sind immer wieder fasziniert von der Farbenpracht dieses Bundesstaates. Unser Ziel - Santa Fe.
Die Hauptstadt des US-Bundesstaats New Mexico ist für ihre Gebäude im Pueblo-Stil bekannt. Hier gibt es viele erdfarbene Adobe-Häuser, die aus einer Mischung von sonnengetrockneter Erde und Stroh gebaut wurden. Santa Fe wurde 1610 als spanische Kolonie gegründet und ist heute ein Touristenmagnet.
1997 haben wir Santa Fe zum ersten Mal besucht und sind uns wegen der Parkplatzsuche so richtig in die Haare geraten.
2023 zweiter Versuch - grösseres Auto! Nach der fünften Altstadt-Umrundung auf der Suche nach einem Parkplatz - trotz Stadtplan des Visitor Centers - wird die Luft wieder etwas dick in der Fahrerkabine! Wir kommen kein drittes Mal, versuchen es deshalb noch beim Parlamentsgebäude und haben Glück ;o)
Da wir nun schon mal hier sind, wollen wir dieses interessante - runde - State Capitol natürlich besichtigen. Kein Problem! Nach einer gründlichen Kontrolle dürfen wir uns im ganzen Parlamentsgebäude sogar selbständig bewegen - und das in den USA!
Danach bringt uns ein kurzer Spaziergang zum Georgia O'Keeffe Museum. Die Künstlerin Georgia O'Keeffe liess sich von der leuchtenden Landschaft um Santa Fe inspirieren und ihre Darstellungen von New Mexico brachten ihr den Ruf als eine der besten Künstlerinnen des Südwestens ein. Sie malte mit Vorliebe Blumen, Knochen, Blätter, Muscheln und Felsformationen.
Die Altstadt von Santa Fe mit Hunderten von Galerien haben wir schnell durchlaufen. Viel Kommerz - an vielen Ecke wollen sie uns etwas andrehen.
Restaurants zum Draussen sitzen finden wir zwei und die sind voll mit verschwitzten und hungrigen Touristen - es ist Mittag!
Etwas Abkühlung holen wir uns in den beiden Kirchen. Wir entschliessen uns zur Weiterfahrt. Der historische Kern von Santa Fe ist schön, aber begeistert sein geht anders!!
Unser Reiseführer schwärmt in den höchsten Tönen von Las Vegas/New Mexico und da es praktisch am Weg liegt, fahren wir in das Städtchen.
Wir laufen die Hauptgeschäftsstrasse rauf und runter, einmal um den Hauptplatz herum und kommen uns vor wie die Besucher einer Geisterstadt. Die meisten Geschäfte sind nicht mehr in Betrieb, das historische Hotel im Zentrum hat alle Fenster verbarrikadiert und es liegt eine unheimliche Stille über dem Ort.
Wir suchen das Weite und fahren an den etwas ausserhalb gelegenen Storrie Lake. Auch hier ist nicht viel los - uns solls recht sein - wir geniessen den freien Tag am See.
Auf nach Texas, auf nach Amarillo!
Vor 26 Jahren haben hier das erste Mal die Cadillac Ranch besucht. Mal schauen, ob die Cadillacs - die von Hippies 1974 mit der Nase nach unten in die Erde verbuddelt wurden - noch nicht dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind?!
Nicht der altehrwürdige Zahn der Zeit verändert dieses 'Kunstwerk'. Es sind die unzähligen Touristen, die sich mit einer Spraydose verewigen - auch wenn es nur für kurze Zeit hält - denn morgen ist ihr Bild schon wieder übersprüht. Und so hat sich in den Jahren eine dicke Farbschicht über die Caddies gelegt.
Der zweitgrösste Canyon der USA misst eine Länge von 193km und hat eine Tiefe von 245m. Er wird auch gerne als der Grand Canyon von Texas bezeichnet.
Der Palo Duro Canyon entstand über Millionen von Jahren durch Erosion des Red Rivers und Wind. Kaum sind wir ein paar Kilometer in den Park eingefahren, 'gluschtet' uns eine Wanderung zu einem der Aussichtspunkte.
Ohne Zweifel ist der Leuchtturm die berühmteste und beliebteste Felsformation im Canyon. Das bekommen wir heute Samstag auch zu spüren, denn es sind - trotz 40°C Hitze - sehr viele Wanderer und Biker unterwegs.
Mit den Bikes machen wir uns auf und wundern uns über die vielen Rettungsfahrzeuge, die beim Eingang zum Wanderweg parkiert sind.
Der Lighthouse-Wander- und Bikeweg ist hin und zurück 10km lang und beginnt recht angenehm. Schon bald aber müssen wir Stufen rauffahren und in tiefen, engen und ausgeschwämmten Rinnen unseren Weg suchen. Ich ziehe in diesen brenzligen Situationen das Stossen des Bikes vor. Röbä kämpft sich wie ein Wilder durch diese Stellen und….'Autsch!!', landet auf einem Kaktus. Die längsten Stacheln - 3cm lang - können wir vor Ort sofort entfernen. Operiert wird erst zuhause ;o))
Das letzte Stück hoch zum Lighthouse ist eine extrem steile Kletterpartie. Wir staunen nicht schlecht, als eine Gruppe von Rettungssanitätern mit einer Trage uns entgegen rutscht. Eine Frau hat sich oben beim Lighthouse den Fuss gebrochen.
Nur ein paar Meter unterhalb des Felsens kauert ein junger Mann, der total erschöpft ist und auch auf Rettung wartet. Heute scheint ganz schön was los zu sein!
04.-07.09.2023
Ausnahmsweise fahren wir zu einem bereits von uns besuchten Ort zurück. Dass wir die Route über San Angelo zurück nach Mexiko wählen hat einen speziellen Grund. Wir haben - seit unserem letzten aufgezwungenen Reparatur-Aufenthalt - liebgewonnene Freunde hier, die wir wieder besuchen wollen.
Bei Sandy, Fred und Shaly finden wir für die drei Tage Unterschlupf. Wir gehen zusammen essen, arbeiten im Garten und sitzen gemeinsam im Patio, reden über das Älterwerden und 'Gott und die Welt'. Röbä bastelt dazwischen eine neue Abwasserleitung für unser Lavabo im Badezimmer.
Am letzten Abend vor unserer Weiterfahrt treffen wir uns mit Jennifer und Shane. Shane - Mitarbeiter von Ric’s Garage - hat uns damals mit Rat und Tat zur Seite gestanden und unseren Optimismus wieder aufgebaut.
Wir hoffen, dass wir alle drei irgendwann wiedersehen werden - ob in Texas oder in der Schweiz - wir werden sehen.
Von San Angelo über das uns vom Diesel-Druckpumpen-Problem bekannte Sonora sind es 350km durch die endlose texanische Halbwüste bis an die Grenze USA/Mexiko. Auf der amerikanischen Seite der Grenze - in Eagle Pass - finden wir einen Übernachtungsplatz bei einem grossen Spiel-Kasino eines hier ansässigen Indianerstammes.
Es ist eine S**hitze und kein schattenspendender Baum in Sicht. Wir verziehen uns zwecks Abkühlung ins Kasino. Unglaublich, aber mitten am Nachmittag sitzen hier vor allem ältere Semester an den Spielautomaten und verzocken ihre Rente. Wir begnügen uns mit einem Tequila Sunrise an der Bar - da hat man wenigstens etwas fürs Geld ;o)
Am nächsten Morgen, einem Freitag gehts über die Grenze nach Mexiko, Piedras Negras/Bundesstaat Coahuila.
Weiter geht es in Mexiko, von wo wir auch wieder zurückkommen
Rosa 2024 Grün 2023 Rot 2022 Violett frühere Reisen
03.-05.06.2024
Der Grenzübertritt von Sonoyta/Mexiko in die USA/Arizona verläuft reibungslos und schnell. Einmal mehr wollen die Mexikaner gar nicht wissen, dass wir ihr Land verlassen - sie sind wahrscheinlich froh, zwei 'Fahrende‘ weniger zu haben ;o) und die Amerikaner haben uns sehr nett empfangen.
Durch Kakteenfelder fahren wir 45 Kilometer bis zu unserem letztjährigen BLM-Übernachtungsplatz/Bureau of Land Management mitten in der heissen Sonora-Wüste. Da die Camping-Saison hier im Süden schon vorbei ist, müssen wir das riesige Gebiet an der mexikanischen Grenze mit niemandem teilen - ausser vielleicht mit ein paar Schmugglern oder illegalen Einwanderern ;o)
05.-07.06.2024
Heute sind es 200km durch endlose Weiten bis nach Phoenix - Hauptstadt von Arizona. Wir verschieben die Besichtigung aber auf übermorgen, denn heute wollen wir noch 70km weiter bis zum Apache Trail.
Am östlichen Rand von Phoenix beginnt der 116km lange Trail, der einem alten Pfad der Apachen durch die Felsschluchten des Salt River folgt.
Nach einem Abstecher zur Goldfield Ghost Town - zwischen 1890 und 1915 wurde hier intensiv nach Gold gegraben - gehen wir auf die Suche nach einer Bleibe. Der erste Camping hat schon Sommerruhe und der zweite verlangt horrende Preise. Wir fahren zum nahe gelegenen State Park und finden genau das was wir suchen - ein ruhiges Plätzchen vor wunderschöner Kulisse. Hier wurden Western gedreht wie Gunsmoke, Three Amigos und wer kennt sie nicht - zumindest alle in unserem Alter - die Serie Bonanza, für die wir als Jugendliche wöchentlich am Fernseher geklebt sind ;o)
Heute Donnerstag wollen wir mit den Bikes einen kleinen Teil des Apache Trails fahren. Die Strecke bis zum Canyon Lake führt über einen Pass; die Park-Rangers empfehlen sportliche Aktivitäten wegen der extremen Hitze nur zwischen 6 und 8 Uhr morgens zu unternehmen.
Es ist 8.30 Uhr und bereits über 30°C bis wir losfahren. 15 Min später hat Röbä eine Panne - Bike flicken an der prallen Sonne. Bis wir wieder unterwegs sind, ist es schon unerträglich heiss und jetzt müssen wir noch den Pass bezwingen.
Mit etwas kühlendem Fahrtwind geht es später in rasanter Fahrt vom Pass runter zum See. Ich bin total verschwitzt, mein Trinkwasser ist schon fast am Sieden - wir treten die Rückfahrt an. In der Zwischenzeit ist die Temperatur auf 43°C gestiegen und es geht wieder hoch auf die Passhöhe. Auf halber Strecke - ich bin schon halb verdurstet - höre ich ein Hupen und ein Engel auf Erden in männlicher Gestalt ;o) streckt mir eine Flasche eisgekühltes Wasser entgegen. Einfach himmlisch - Geburtstag, Ostern und Weihnachten zur selben Zeit!!
Endlich wieder oben, geht es auf direktem Weg runter in den Saloon zwecks Abkühlung mit einem eiskalten Bier.
Wieder zuhause muss die Klimaanlage Überstunden leisten. Auf der gesamten Reise seit 2016 musste sie noch nie so viele Stunden arbeiten. Die Hitze ist unerträglich! Wir erfahren erst später, dass wir gerade eine aussergewöhnliche Hitzewelle durchmachen!
Um der Hitze etwas zu entgehen, sind wir heute Freitag schon früh unterwegs ins Zentrum von Phoenix.
Die Stadt mit ihren ca. 4.5 Millionen Einwohnern liegt im weiten Valley of the Sun/Sonnental, umgeben von Wüstengebirgen. Leider ist die Stadt kurz nach 10 Uhr erst langsam am Erwachen. Wir fahren zum historischen Stadtviertel Scottsdale - das gleiche Bild - die Läden sind noch geschlossen, wir sind zu früh.
Es geht weiter in den Norden!
7.-9.6.2024
Seit einigen Tagen zieht eine ungewöhnliche Hitzewelle durch Arizona. Temperaturen bis 45°C - in der Nacht 28-30°C - machen uns gehörig zu schaffen. Glücklicherweise liegt das von uns angepeilte Weinanbaugebiet von Arizona - das Valle Verde - auf rund 1000müM und verspricht etwas kühlere Nächte.
Wir lassen uns auf dem Viehmarkt-Gelände von Cottonwood nieder und machen uns anschliessend auf, einige der zahlreichen Wine Tasting Rooms zu besuchen. Obwohl hier die Flaschenpreise zwischen 40-120 USD liegen - ab Weinbauer wohlverstanden - können wir uns für keinen der kredenzten Rot- und Weissweine begeistern.
Wenige Kilometer oberhalb - inmitten malerischer Sandhügel - befindet sich das Minen-Städtchen Jerome. Obwohl noch einige Minen in Betrieb sind, lebt die kleine Ansiedlung heute hauptsächlich vom Tourismus und von Weinverkostern.
Ein 580m tiefer, mit Glas überdeckter alter Minenschacht, ist einer der wenigen Zeitzeugen aus der Boom-Phase von Jerome. In den Jahren 1915 bis 1938 wurden dem Erdboden 400'000t Kupfer, 220t Silber 220t und 5.5t Gold entrissen.
Da uns auch die Jerome-Weine nicht munden, besuchen wir in Clarkdale zum Abschluss noch zwei weitere Weingüter. Im Degustations-Raum des Yavapai College - einer Wein-Fachhochschule mit eigenem Weingut - werden wir von der Weinfachfrau Shirley betreut. Obwohl uns auch hier die Weine nicht überzeugen, macht sie ihre Sache so gut, dass nun doch noch einige Flaschen Weisswein in unserem Camper-Keller liegen ;o)
09.-11.06.2024
Nach den vielen Weindegustationen brauchen wir wieder etwas körperliche Bewegung.
Die vor uns liegende Strecke zwischen Cottenwood und Flagstaff gehört angeblich zu den schönsten in Arizona. Kurz vor Sedona biegen wir ab zum Red Rock State Park. Der Park überrascht mit seinen roten Sandsteinfelsen und ist äusserst beliebt bei den Touristen. Die anhaltende Hitzewelle kommt uns etwas entgegen, denn viele bleiben lieber zuhause in den gekühlten vier Wänden. Da aber der Himmel heute eher bewölkt ist und die Temperaturen 'nur' um die 39°C liegen, ist die zweistündige Wanderung für uns ein angenehmer Nachmittagsspaziergang ;o)
Sedona liegt imposant eingebettet inmitten dieser roten Sandsteinformationen. Und hier treffen wir sie wieder in Massen - die Touristen. Sie sitzen bei einem kühlen Bier oder holen sich Abkühlung in der Eisdiele. Die dritte Möglichkeit sich etwas Kühlung zu verschaffen ist Shopping. Old Sedona - ein Touristentrap - besteht praktisch nur aus Restaurants, Boutiquen und 'Souvenierlädelis'.
Wir kaufen uns ein Eis - $7 pro Kugel - eine Freude war’s auch kulinarisch nicht aber etwas abgekühlt hat es.
Von der Touristeninformation wissen wir, dass man im angrenzenden Coconino National Forest gratis campen kann. Versteht sich von selbst - ohne Strom, Wasser, WC und Abfallentsorgung.
Hier im schattigen Wald bleiben wir zwei Nächte, denn es haben sich wieder ein paar Arbeiten innen und aussen auf der Liste angesammelt.
Etwas erstaunt sind wir über unsere Nachbarn. 2 Männer, 2 Autos, 2 Zelte, 2 Hunde. Von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr sitzt jeder in seinem Auto am Steuer, welches jeweils nach Sonnen-Einstrahlung etwas umparkiert wird. Mann wie Hund verlässt einmal am Tag das Gefährt, um hinter der Fahrertüre das Geschäft zu erledigen. Was es nicht alles gibt?!
In Flagstaff - einem Sommer- und Wander-Sportgebiet in Arizona auf 2080müM - waschen wir in einem Selbstbedienungs-Salon wieder mal unsere Wäsche und füllen den Kühlschrank auf. Anschliessend schlendern wir durch die historische Altstadt, wo uns zahlreiche Outdoor-Sportgeschäfte zum eher seltenen Kleiderkauf verleiten.
Alle 15 Min. rumpelt ein Güterzug - 3 Diesel-Lokomotiven vorne, 150 Wagons mit je 2 gestapelten 40ft-Containern, 2 Lokomotiven hinten - der Santa Fe Railway mitten durchs Zentrum und legt für eine gefühlte Ewigkeit den Strassenverkehr lahm. Wir haben Zeit und schlecken derweil ein köstliches Frucht-Sorbet.
70km östlich von Flagstaff liegt der Barringer- oder Meteor-Krater mit einem Durchmesser von 1200m und einer Tiefe von 170m. Dieses Riesenloch wurde offensichtlich durch den Einschlag eines 50m grossen, 300'000t schweren Eisen-Meteors verursacht. Obwohl bereits 50'000 Jahre alt, ist dieser Krater dank des Wüstenklimas besonders gut erhalten.
Der Krater mit der ihn umgebenden riesigen Prärie ist in privater Hand; das kurze Besteigen des Kraterrandes kostet daher 30 USD/Person. Wir beschliessen diese Summe später in ein gutes Nachtessen zu verwandeln und lassen anstelle dessen unsere Drohne kurz über den Rand gucken.
Auf einem nahe gelegenen Autorastplatz der Interstate I-40 richten wir uns für die Nacht ein und lassen uns vom fernen Summen der endlosen Lastwagen-Kolonnen in den Schlaf lullen.
12.-13.06.2024
Noch weiter im Osten von Flagstaff liegt der Petrified Forest National Park. Bevor wir uns jedoch in diese Wildnis wagen, braucht der Camper neue Hinterreifen. In Holbrook - kurz vor dem Park - finden wir einen Reifenladen, der 2 Reifen auf Lager hat. Erst später fällt mir auf, dass die Gewichtsklasse der neuen Reifen leider zu schwach ist und wir daher den Camper-Keller gehörig ausrümpeln müssen um die Hinterachs-Last zu reduzieren :o( Das nennt man verspäteter Frühjahresputz ;o)
Im Norden des Petrified Forest National Park liegt die Painted Desert oder die bemalte Wüste. Die historische Route 66, die früher durch dieses Gebiet geführt hat, ist nur noch an den alten Telegraphen-Masten und einem verrosteten Auto-Wrack erkennbar. Alle anderen Strassenspuren wurden nach der Gründung des Parks beseitigt.
Auf der 45km langen Parkstrasse reihen sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Rundwanderwege aneinander. Wir beschränken uns auf einige wenige und geniessen die Fahrt durch die interessante Landschaft.
Am Abend des ersten Besuchstages müssen wir uns eingestehen, dass wir nach all dem Gewandere todmüde sind und einen zweiten Besuchstag benötigen. Unweit des Park-Ausgangs richten wir uns daher für die Nacht ein. Die Temperatur-Unterschied zwischen Tag und Nacht auf 1700müM sind inzwischen so gross (38°/9°), dass wir die dicken Bettdecken wieder aus dem Camper-Keller holen müssen.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf, weitere Sehenswürdigkeiten auf einem 4.5km langen Rundweg zu besichtigen, bevor wir durch Hopi und Navajo Reservate weiter in den Norden fahren.
Einige der zurzeit sichtbaren versteinerten Exemplare sind mehr als 3m dick und über 60m lang. Nach der nächsten Regenzeit wird aber vieles wieder zugedeckt oder neu freigespült sein.
Golden schimmert die endlose Weite der Prärie - gespickt mit spitzen Sandsteinhügeln, die in den bedeckten Himmel ragen. Endlose schnurgerade Strassen, die irgendwo im Horizont verschwinden.
Wir durchfahren das Land der Hopi und Navajo. Die indigenen Familien leben verstreut auf einem Stück Prärie und eher selten in einer Dorfgemeinschaft. Trotzdem möchten wir das alte Pueblo Oraibi besuchen und stoppen unterwegs an einem eher neueren Hopi-Kulturzentrum für Informationen. Enttäuscht stellen wir fest, dass das Zentrum bereits wieder eingegangen ist - die Indianer haben es nicht so mit dem Tourismus.
Von den vielen - an der Eingangstür - klebenden Gebote und Verbote entnehmen wir, dass Besuche bei den indigenen Dörfern nicht erwünscht sind. Schade, aber das kennen wir inzwischen ja auch aus der Schweiz, wo die Einheimischen mit dem Über-Tourismus kaum mehr klarkommen ;o)
So machen wir uns auf, die restlichen von den heutigen 276km bis zu unserem Übernachtungsplatz in Tuba City abzufahren.
Eigentlich war unser Plan in nördliche Richtung nach Page zum Antelope Canyon zu fahren. Um dem riesigen Touristen-Ansturm übers Wochenende zu entgehen, wollen wir bis Montag warten. Aber drei Tage in Tuba City ist auch nicht sehr prickelnd. Darum fahren wir zum 93km entfernten Grand Canyon South Rim - ist ja erst das dritte Mal ;o) - 1987 mit Kleinflugzeug - 1997 North Rim mit Zelt und Kindern - 2024 South Rim mit Camper!
Auch beim dritten Mal stehen wir am Canyon-Abgrund und staunen über die enorme Schönheit und Gewalt der Natur. Die Sicht ist zwar nicht superklar, dennoch beeindruckt der Blick zum 1600m tiefer liegenden Colorado River, der sich seit 6 Mio. Jahren unermüdlich durch das 65 Mio. Jahre alte Colorado Plateau gräbt. Heutzutage zwar mit viel weniger Gewalt, denn der Glen Canyon Stau-Damm hat dem Fluss die Kraft genommen.
Zu Fuss laufen wir der Kante entlang bis in den späten Nachmittag hinein. Anschliessend gehts mit dem Gratis-Bus wieder zurück zum Visitor Center, wo wir parkiert haben. Nun geht die Suche nach einem Übernachtungsplatz los, denn alle Camping-Plätze im Park sind zum bersten voll!
Nach zwei Tagen in der freien Natur ausserhalb des Grand Canyon National Park - im Kaibab National Forest - fahren wir heute Sonntag wieder weiter nach Norden. Unterwegs gibt es zwei Sehenswürdigkeiten, die wir uns ansehen wollen.
Die Navajo Bridges - eine historische und eine neuere Brücke - sind eine von nur sieben Strassen-Querungen über den Colorado Rivers auf seiner gesamten Länge von 1207km.
1873 entstand die erste Fährverbindung über den Colorado River. In den 1920er Jahren begannen dann auch Autos die Fähre zu nutzen, so dass man kurz darauf eine Strassen-Verbindung 8km flussabwärts - die erste Brücke über den Colorado überhaupt - mit einer Lange von 254m gebaut hat.
Nach 66 Betriebs-Jahren wurde eine neue Brücke im ähnlichen Stil parallel zur alten gebaut und die erste Konstruktion den Fussgänger-Touristen überlassen.
Etwas weiter nördlich liegt der jährlich von über 2 Mio. Menschen besuchte Horseshoe Bend. Hier hat sich der dunkelgrüne Colorado River hufeisenförmig in das Colorado Plateau geschnitten und zieht 300m unter uns gemächlich dem Grand Canyon entgegen.
Die Navajo nennen den Antelope Canyon den 'Ort, wo Wasser durch Felsen läuft.'
Mit einem Pickup wird unsere Gruppe von einem Navajo-Führer durch die Sandwüste zum abgelegenen Eingang gefahren.
Der 200m lange Slot/Schlitz-Canyon wurde im Laufe von Hunderten von Jahren durch Wasser und Sand gegraben. Je nach Tageszeit dringt das Licht unterschiedlich in den engen Canyon ein und lässt die Sandsteinfelsen in den unterschiedlichsten Farben leuchten. Feiner Sand fällt von oben runter und berieselt die Touristen. In der Regenzeit spült das Wasser den Sand aus dem Canyon und senkt den Durchgang wieder um mehrere Meter.
Kaum haben wir das Innere betreten, beginnt das Staunen! Wir waren uns nicht sicher, ob wir für gutes Licht und schöne Fotos die richtige Tageszeit - 16 Uhr bis 17.30 Uhr - gewählt haben, werden aber nicht enttäuscht.
Wow, was für ein Erlebnis! Noch ganz schwindelig von diesem Feuerwerk der Farben treten wir die Heimfahrt an. Zuhause gibt es einen leckeren Crevetten-Cocktail und ein Glas Weisswein - ohne Wegwerf-Geschirr/-Besteck wie sonst in USA-Restaurants üblich ;o)
Auch eine Überraschung wartet auf uns, denn die Maus, die unsere Früchte anknabbert, ist uns in die Falle gegangen. Zusammen mit Mary und Michael - die Beiden haben uns die Falle ausgeliehen - verbringen wir einen gemütlichen Abend auf dem Camping in Page mit einer Whisky- und Tequila-Degustation.
Am Mittwochmorgen, 09.00Uhr, verlassen wir unseren ruhigen Übernachtungsplatz in der freien Wildbahn und fahren nach wenigen Kilometern in den Zion National Park ein. Wie erwartet sind wir nicht die einzigen Touristen, denn National Parks stehen auf vielen Reiseplanungen an oberster Stelle.
Obwohl wir doch schon einige schöne rote Sandstein-Landschaften gesehen haben, sind wir vom Zion NP und dem Farbenspiel der die Strasse umgebenden Berge mächtig beeindruckt.
Beim Parkeingang wurde die Breite unseres Camper peinlich genau ausgemessen, schliesslich müssen wir auf der 18km langen Fahrstrecke 2 Tunnels durchfahren.
Wir sind nur 2.3m breit und damit 1m schmäler als die lokalen Camper. Obwohl wir nun als 'undersized' gelten, müssen wir trotzdem für die Durchfahrt die Rückspiegel einklappen. Eine entsprechende Aufforderung wird an die Windschutzscheibe geklebt.
Die beiden zweispurigen Tunnels verursachen längere Wartezeiten, da sie wegen den breiten USA-Campern nur in einer Richtung befahren werden können. Wir stehen als erste in der Warteschlange und die Park-Rangerin versucht uns zu erklären, wieso die 'oversized' Campers und RV-Autobusse die beiden Sicherheitslinien im Tunnel überfahren dürfen - ohne ihre Spiegel einklappen zu müssen - wir als 'undersized' aber auf unserer Fahrspur bleiben und daher auch unsere Rückspiegel einklappen müssen ... wir können uns ein Schmunzeln nicht verkneifen ;o))
Der Höhepunkt des Zion NP ist das Besichtigen eines engen Seiten-Canyon. Zu diesem Zweck stehen Shuttle-Busse im Einsatz, da das Befahren dieser Strasse mit einem Privat-Fahrzeug verboten ist.
Obwohl zahlreich, sind die Doppel-Gelenk-Busse zum Bersten gefüllt und die langen Schlangen der wartenden Touristen stehen einem Vergnügungspark in Florida in nichts nach - wir lassen es bleiben und fahren weiter.
Der dünn besiedelte Bundestaat Nevada - 3.2 Mio. Einwohner - hat flächenmässig die Grösse von Italien ohne Sizilien und Sardinien und liegt im Herzen des amerikanischen Westens.
Das Land der Kontraste begrüsst die Touristen mit der glitzernden Welt von Las Vegas aber auch mit den weiten und unberührten Wüstengebieten des Great Basin.
Nevada war der erste Bundesstaat der USA, der das Glücksspiel legalisierte, und das Glücksspiel ist bis heute eine der wichtigsten Einnahmequellen des Bundesstaates.
Geprägt durch das Bus-Erlebnis im Zion NP ändern wir kurzerhand unsere Reise-Route, peilen Las Vegas früher als vorgesehen an und hoffen, dass dort die Besucherströme vor den US-Sommerferien noch einigermassen erträglich sind.
Wir verlassen Utah (GMT-7 Std), fahren kurz durch Arizona (GMT-6Std) und überqueren nach wenigen Kilometern die Staatsgrenze von Nevada (GMT-7Std). Unsere Uhren laufen heiss!
Wir finden einen ruhigen Übernachtungs-Platz auf einem Wüstenplateau und versuchen bei 32°C etwas Schlaf zu finden.
Im Valley of Fire State Park begegnen wir erwartungsgemäss nur wenigen Touristen.
Offensichtlich kommt es vor, dass sich Touristen beim Wandern in ihrer Temperatur-Fitness überschätzen und einen Kreislauf-Kollaps erleiden. Um Rettungseinsätze zu reduzieren und Haftungsklagen zuvorzukommen, hat der Park daher die Wanderwege zu den Hauptattraktionen von Juni - Oktober kurzerhand geschlossen.
Die Wege zu den weniger attraktiven Sehenswürdigkeiten stehen den Besuchern jedoch offen, sind genauso anstrengend und heiss wie die geschlossenen ...soll einer diese Logik verstehen ;o)
Da schon wieder ein Wochenende bevorsteht, sind natürlich alle Campingplätze im State Park reserviert. Wir finden ein paar Kilometer ausserhalb - wieder auf BLM Land - ein wunderbares Plätzchen inmitten der Wüste für uns ganz alleine.
21.-24.06.2024
Las Vegas, die Stadt, die niemals schläft!
Hier sind die Casinos rund um die Uhr geöffnet. Zahlreiche Themenhotels und Luxus-Resorts locken unzählige Touristen an.
Wir fahren zu unserem Übernachtungsplatz beim Main Street Station Hotel. Extreme Hitze - 45°C - empfängt uns. Da steht es sich auf dem grossen, geteerten Platz wie auf einer Bratpfanne. Wir verdunkeln jedes Fenster und lassen zum ersten Mal die Klimaanlage länger laufen. Da der Camping kein WIFI hat und das Leben erst gegen Abend so richtig loslegt, arbeiten wir im gekühlten Hotel an unserem Reise-Blog. Viel hat sich angesammelt in der Zwischenzeit!
Am späteren Nachmittag laufen wir zur Fremont Street - das alte Las Vegas.
Was vor 37 Jahren - bei unserem ersten Besuch - noch eine ruhige und schon eher in Vergessenheit geratende Strasse war, ist die Fremont Street heute aus dem Schatten des Strip getreten.
Massen von Touristen flanieren die 550m lange und gedeckte Fremont Street rauf und runter. Casinos funkeln mit ihren Neonlichtern um die Wette und ziehen die Menschen an die Spielautomaten.
Auf der Gasse stehen viele barbusige, knapp bekleidete Frauen und versuchen den Männern für ein paar happige Dollars eine Foto aufzuschwatzen. Für die Frauen sind die Chippendale-Imitationen verantwortlich ;o)
Wir bekommen den Eindruck, als würden wir uns irgendwo in einem Rotlichtmilieu befinden. Wir setzten uns an die Bar und beobachten die interessante Menschenschar, die an uns vorbeizieht. Auch der berühmte Neon-Cowboy - inzwischen im Greisenalter - hat immer noch seine Freude am Getümmel.
Für Samstag und Sonntag haben wir einen Besuch am Strip eingeplant. Mit seinen Neonlichtern, zahlreichen exklusiven Casino-Hotels, Shopping-Zentren, Restaurants und Shows ist der Strip der Inbegriff von Las Vegas.
Wir laufen uns die Füsse platt und fallen um 23 Uhr bei 38°C todmüde ins Bett. Zum Glück macht unsere Klimaanlage immer noch nicht schlapp ;o)
24.-26.06.2024
Wir verlassen die brütende Hitze von Las Vegas und fahren 270km in den Norden zum Cathedral Gorge State Park. Hier ist es zumindest um 6 bis 7 Grad kühler aber immer noch heiss.
Vulkane, Erdbeben, Wasser und Wind formten über Tausende von Jahren diese interessanten Lehmspitzen, welche vor 2.5 Mio. Jahren noch unter einem grossen See lagen. Zwischen diesen hohen Türmen gibt es viele Slot/Schlitz Canyons - wenn man sie denn findet. Einige sind so eng, dass wir auch seitwärts und mit Bauch einziehen nur knapp durchkommen ;o)
Mit den Bikes wollen wir hoch zum Aussichtspunkt aufs Plateau. Die Strecke führt uns durch ein ausgetrocknetes Flussbett, mitten durch einen weiten Canyon, vorbei an kleinen Sanddünen auf denen Salbei-Büsche wachsen. Am Ende des Canyons ist die Strecke zu Ende. Ab jetzt heisst es Treppen steigen. Da wir auf einer Rundfahrt sind, ist umdrehen keine Option. Röbä packt sein Bike und auf geht’s die unzähligen Stufen hoch. Ich versuche ihm zu folgen aber bei dieser Hitze und sooo viele Stufen - keine Chance. Da muss halt Röbä nochmals anpacken ;o)
Jedenfalls hat sich die Anstrengung gelohnt - die Aussicht ist herrlich.
26.-30.06.2024
The Great Basin/Das Grosse Becken ist eine riesige Halb-Wüste, die eine abflusslose Senke zwischen der Sierra Nevada im Westen und den Rocky Mountains im Osten bildet. Neben einigen grünen, landwirtschaftlich genutzten Tälern wachsen hier fast ausschliesslich Kiefern sowie Wacholder- und Salbei-Büsche.
In der ansonsten recht trockenen Gegend im Osten von Nevada werden wir auf über 2200müM mehrmals von heftigen Gewittern mit Hagelschauern überrascht. Nach der Sturzflut ist die Luft geschwängert von Kräuterdüften.
Kurz vor Ely - einem Minen-Dorf - besuchen wir den Ward Charcoal Oven State Historic Park. Die sehr gut erhaltenen dom-förmigen Steinöfen wurden Ende des 19. Jhd zur Holzkohle-Produktion verwendet. Für diese Holzkohle, die für die Verhütung von Blei-, Zink-, Silber- und Gold-Erzen benötigt wurde, ist der gesamte Kiefern-Bestand in einem 50km Umkreis geopfert worden.
Auf einem kleinen Rundgang kann man sich ein Bild machen, wieweit sich die Natur seit der Abholzung vor 150 Jahren wieder erholen konnte.
Die meisten der unzähligen kleinen Minen sind inzwischen eingegangen. Die Robinson Mine in Ruth ist eine der wenigen Abbaustätten, die noch im Tagebau Kupfer-Erz abbaut. Deren Schutthalden sind weitherum sichtbar und werden in Kürze wieder einmal das Versetzen des Dorfes notwendig machen.
Der Highway 50 ist über 4800km lang und durchquert insgesamt 12 Bundesstaaten - unter anderem auch Nevada als 'Einsamste Strasse in Amerika' - von Ost nach West. Nur sehr wenige kleine Dörfer säumen die kaum befahrene Strasse.
In Eureka machen wir einen Mittagshalt, tanken Trinkwasser und nutzen das offene WiFi der Dorfbibliothek, um unseren Reise-Blog zu aktualisieren.
Zahlreiche State Parks bieten einsame Übernachtungsmöglichkeiten an. Einige davon sind gratis und nur mit Plums-Klos - Illipaha Reservoir - ausgerüstet, andere offerieren gegen ein kleines Entgelt Elektrizität, Trinkwasser und Plums-Klos - Hicksons Petroglyphes. Im letzteren machen wir einen kleinen Ausflug in die Berge und erklettern die Sandstein-Hügel.
Der historische Pfad des Pony Express - ein Reiter-Dienst, der die Post in rund 10 Tagen von Missouri nach Sacramento beförderte - 3'100km - deckt sich in grossen Teilen mit dem heutigen Hwy 50. Alle 40-80km mussten Reiter und Pferd an einer Relais-Station ausgewechselt werden. Einige dieser Stationen - z.B. Middlegate Station - an der Kreuzung von Hwy 50 und Hwy 361 sind heute als Raststationen noch in Betrieb und servieren - unter anderem - gute Hamburger und kaltes Bier.
Millionen von Mormonen-Zikaden suchen aktuell den mittleren Westen der USA heim. An sich sind die lauten Insekten harmlos, ihre schiere Menge hat trotzdem einen gewaltigen Einfluss auf die Natur (und den Schlaf der Menschen) in der Gegend.
Aber warum sind es so viele? Ausnahmsweise ist mal nicht der Klimawandel schuld - sondern ein besonderes Phänomen, dass nur alle 221 Jahre auftritt. In dieser Gegend gibt es Zikaden, die alle 17 Jahre schlüpfen und solche, die es alle 13 Jahre tun. 2024 ist ein Jahr, wo beide Arten gleichzeitig schlüpfen, sich paaren und zu schwärmen beginnen. Millionen dieser Tiere haben Nevada im Frühling in Beschlag genommen und machen das Befahren der Strassen zu einer Rutschpartie. Nach wenigen Wochen ist der Spuk vorbei - einige Nachzügler und die Körpersaft-Spuren auf den Strassen zeugen von diesem gewaltigen Natur-Ereignis.
Sieben Tage nach Verlassen von Las Vegas erreichen wir The biggest little city in the world - Reno.
‘Die grösste Kleinstadt der Welt‘ - 270‘000 Einwohner - ist bekannt für ihre Casinos und die zahlreichen Ski-Resorts in der näheren Umgebung.
Der ehemalige Goldgräberort mauserte sich in den 1930er Jahren zur Glücksspielstadt, noch bevor es Las Vegas Reno gleich tun konnte.
Reno liegt auf 1'373m im grünen Tal des Truckee River - am Fusse der Sierra Nevada - unweit vom Lake Tahoe.
Wir sind kurz vor Sonntagmittag im Zentrum und schlendern die Casino-Strasse rauf und runter. Reno macht den Eindruck, als sei die Stadt noch im Tiefschlaf - ausser den vielen Obdachlosen, die schon halb zugedröhnt über die Gehsteige schlarpen. Innerhalb der Casinos ist mehr los. Die Spielautomaten klimpern, neugierige Touristen - wie wir - bestaunen das Interieur und einzelne sitzen schon an der Bar bei einem kühlen Drink.
Der Wohnbezirk, etwas ausserhalb der Stadt, mit schmucken kleinen Einfamilienhäuschen, umgeben von gepflegten Gärten, gefällt uns um einiges besser. Wir verlassen die Stadt und fahren auf der Suche nach einer Bleibe in die Berge.
30.06.-06.07.2024
Auf 2'730müM - in einem Skiresort des Lake Tahoe - von Kieferwäldern umgeben, finden wir noch einen freien Platz auf dem Mount Rose Camping.
In der kommenden Woche - 4. Juli - feiern die Amerikaner ihren Nationalfeiertag und alles ist auf den Beinen. Campingplätze sind meist schon ein Jahr im Voraus reserviert. Nach der ersten Nacht überdenken wir nochmals unsere momentane Lage und entschliessen uns, bis Freitag den 5. Juli hier zu verbringen. So können wir uns die lange Suche nach einem Übernachtungsplatz während diesen speziellen Tagen sparen.
Direkt hinter uns geht es hoch zum Slide Mountain - eines von mehreren Skigebieten um den Lake Tahoe. Wir entschliessen uns, als erstes diesen Berg - 2'940müM - zu erklimmen. Nach einer steilen Wanderung stehen wir vor den Bergstationen der Skilifte. Links, tief unter uns liegt die Stadt Reno und rechts leuchtet der blaue Lake Tahoe.
Runter geht’s schneller - nicht nur wegen den feinen Steaks, die Röbä für uns zum Znacht auf den Grill legt ;o)
‘Happy 4th!’ - Nationalfeiertag.
Schon um 7 Uhr morgens stehen die ersten Pickups und Camper Schlange und feilschen um einen freien Platz im Camping. Da praktisch alles voll ist, artet das Ganze aus in ein Rumgekurve und wir Sesshaften werden aus dem Tiefschlaf gerissen :o/
Nach dem Frühstück ziehen wir wieder unsere Wanderschuhe an und laufen hoch zum Tamarack Lake. Da der Frühling-Sommer hier oben nur ca. vier Monate dauert, muss sich die Natur sehr beeilen. Wie uns der Ranger erklärt, lag hier vor drei Wochen noch viel Schnee und jetzt ist alles bereits in voller Blüte.
Bei unserer Rückkehr sind Rosie & J. aus Reno unsere neuen Nachbarn. Gemeinsam stossen wir auf den Nationalfeiertag an.
Rosie & J. offerieren uns, das Wochenende in ihrem zweiten Apartment in Reno zu verbringen um so das Gedränge etwas zu umgehen. Wir nehmen die Einladung gerne an und fahren zurück nach Reno.
Am Samstagmorgen gibt's Frühstück im Casino und Rosie zeigt mir anschliessend, wie ich meine Rente eventuell etwas aufbessern könnte ;o) Der Rest des Tages machen die Beiden eine Rundfahrt mit uns um den Lake Tahoe.
Lake Tahoe liegt auf der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien. Er ist mit 500m der zweittiefste See der USA. Für die Umrundung fahren wir knapp 120km und passieren sogar eine Frucht- und Gemüsekontrolle an der Grenze zu Kalifornien.
Dear Rosie, dear J
Thank you for this special treat. We appreciate it very much and we'll always keep it in our memories. And Rosie - thank you for teaching me how to use these gambling machines. You never know, maybe one day, I'll have the big win ;o)
07.-08.07.2024
Entgegen unserem Grundsatz - möglichst nicht zweimal ans gleiche Ort zu reisen - zieht es uns trotzdem wieder zum Mono Lake. Wir fahren am westlichen Rand des Great Basin zu diesem über 1 Millionen Jahre alten See und sind - wie befürchtet - etwas enttäuscht.
Die kontinuierliche Verdunstung des Wasser hat zu einer hohen Mineralien- und Salz-Konzentration geführt, so dass heute das Wasser 2.5-mal salziger als das Meer und sehr alkalisch/basisch geworden ist.
Tufa Towers entstehen nur unter Wasser, wenn sich Kalzium-reiches Grundwasser mit dem Karbonat-reichen Seewasser mischt. Dabei entsteht Kalkstein, der sich um die Unterwasser-Quellen absetzt und diese interessanten, bis zu 10m hohen Türme bildet.
Das flache Gewässer wird von grossen Mengen des schmelzenden Schnees der Sierra Nevada gespiessen, hat aber keinen Abfluss. Seit 1941 wird das Wasser zusätzlich auch für die Versorgung von Los Angeles genutzt, was den Wasserstand drastisch absinken und die berühmten Tufa Towers/Tuffstein-Türme sichtbar werden liess.
Inzwischen hat man die entnommene Wassermenge reduziert, so dass die - bei unserem 1. Besuch 1997 - breiten weissen Ufer verschwunden sind und auch die Tufas langsam versinken. Der natürliche Kreislauf der Natur kommt nun glücklicherweise wieder in Gang, aber leider verschwindet dafür die spezielle, menschengemachte Exotik des Mono Lakes.
Die Schweizer Rangerin Barbara - vor 20 Jahren ausgewandert in die USA - erklärt uns den Nahrungskreislauf im Mono Lake:
Weil im See keine Fische leben können, ist die Nahrungskette kurz und empfindlich. Dafür kommen die hier existierenden Arten in grosser Individuenzahl vor. Biomasse wird von Bakterien zerlegt, die anschliessend von Algen als Nahrungsquelle genutzt wird. Kleinste Brine Shrimps/Salinenkrebse und Alkali-Fliegen - die wiederum von den Vögeln gefressen werden - ernähren sich von den Algen. Der Mono Lake wird daher jedes Jahr von Millionen von Zugvögeln als Rast- und Futterplatz genutzt.
09./10.07.2024
Vor 27 Jahren konnten wir noch ohne spezielle Bewilligung den Yosemite Park besuchen. Heute ist es etwas komplizierter. Wir müssen im Internet eine freie Durchfahrt buchen. Da hier alles mindestens ein Jahr im Voraus schon ausgebucht ist, braucht Röbä eine halbe Stunde, bis er eine freigegebene Durchfahrt ergattert - und die ist erst übermorgen, mittags 12 Uhr. Wir fahren Richtung Parkeingang hoch und suchen uns einen Übernachtungsplatz.
Heute Dienstag, 11.15Uhr, stehen wir schon früh in der Warteschlange bei der Einfahrt Ost. Der Nationalpark liegt in der kalifornischen Sierra Nevada und ist unter anderem bekannt für einige der höchsten Granitwände der Welt.
Nach einer Viertelstunde sind wir bereits drin, doch ein abgerutschter Hang, der neu gesichert werden muss, verzögert die Weiterfahrt um 30 Minuten. Punkt 12 Uhr sind wir bei dem Erdrutsch durch und schon begeistern uns die 240m hohen, polierten und senkrechten Wände des Lembert Domes.
Die Höhepunkte des Tages aber sind El Capitan mit einer Höhe von 900m und der Half Dome, wo sich die Touristen an einem Stahlseil die steile Wand hochziehen, um auf den 2'693m hohen Felsen zu gelangen.
Wir verlassen das kühlere Hochland und fahren runter zum Tuolumne Grove, ein Gebiet mit vielen abgebrannten Nadelbäumen und einigen toten und wenigen noch lebenden Riesen-Sequoia-Bäumen.
Ein anstrengender, einstündiger Fussmarsch runter ins Tal führt uns zum Dead Giant - Tunnelbaum. Als der Tunnel 1878 in den Stumpf geschnitten wurde, war er ein 61m hoher, toter Baum und konnte mit dem Auto durchfahren werden.
10.-11.07.2024
National Parks warten in der Regel mit imposanten Sehenswürdigkeit auf. Kings Canyon National Park - an der Zufahrt zum Sequoia National Park gelegen - ist einer der wenigen Parks, die unsere Erwartungen nicht erfüllen konnte.
Nach einer rund 60km langen Anfahrtsstrecke fährt man in ein Tal hinunter, an dessen Ende sich der Kings Canyon befindet. Bäume verhindern meistens eine Sicht auf die Felsen oder auf die umgebenden Berge. Hinten im Tal - Kings Valley wäre wohl eher passend - dreht man eine Schlaufe und schon gehts die 60km wieder zurück :o(
Nach einer Nacht neben einem mächtigen Baumstumpf fahren wir durch den Sequoia National Park. Dieser Park hingegen wartet mit einigen imposanten Sehenswürdigkeiten auf. Da die Gegend schon Ende des 19. Jhd. unter Schutz gestellt wurde, findet man hier nicht nur eindrückliche Baumstümpfe, sondern auch noch zahlreiche lebende Sequoia-/Riesenmammut-Bäume.
Ein Sequoia kann über 3000 Jahre alt werden, bis zu 95 Meter in die Höhe wachsen und einen Stammumfang von über 35 Meter erreichen. Die Kronen der alten Exemplare zeigen oft Spuren von Sturm- und Blitzschäden, die untersten Meter des Stammes sind meistens verkohlt wegen den unzähligen Waldbränden der vergangenen Jahrhunderte.
Um uns nach der langen Fahrerei die Beine zu vertreten, erklimmen wir kurz vor dem Verlassen des Parks den Moro Rock, einen grossen Granit-Dom.
350 Stufen führen auf den kahlen Felsen, von wo man einen eindrücklichen Blick auf zahlreiche 4000er und das unter uns liegende, für seine Fruchtplantagen bekannte San Joaquin Valley werfen kann.
13.-14.07.2024
Die Hitze hat uns wieder! Erst noch mussten wir uns hoch oben im Sequoia National Park für die Nacht gut zudecken, hier unten auf 105müM läuft jetzt wieder die Klimaanlage.
Wir lassen einmal mehr Los Angeles links liegen und steuern den Aussenbezirk Corona an. Hier wollen wir mit Patricia und Philip - Schwester und Schwager unseres Schwiegersohnes Guillermo - auf unseren 45. Hochzeitstag anstossen. Aber die Fahrt muss verdient sein. Die mehrspurige Autobahn ist verstopft und das ohrenbetäubende Geknatter der überdimensionierten Ami-Fahrzeuge macht mir - nach der langen Zeit in der Natur - sehr zu schaffen!
Von Corona wählen wir nicht den direkten Weg nach San Diego, sondern fahren durch Indianer Reservate nach Ramona.
Im Pala Indian Reservation besuchen wir eine Missionskirche aus dem 19. Jhd., bevor wir uns in Ramona ganz dem Wein zuwenden. In der Hatfield Winery haben wir eine Degustation plus eine Übernachtung gebucht. Die kräftigen Weine erinnern uns sehr an Südeuropa, schmecken gut, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt leider auch hier nicht (60 Fr./Flasche, ab Weinproduzent).
15.-16.07.2024
Der Himmel ist bewölkt, es ist kühl - 26°C - wir fahren in San Diego ein.
Nachdem wir uns einen Platz auf einer Freizeitanlage der US Marine ergattern konnten - 42 Unterschriften waren nötig! - machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden.
Als erstes fahren wir auf die Landzunge Point Loma zum Cabrillo National Monument, wo der Spanier Juan Rodriguez Cabrillo 1542 als erster Europäer die Westküste der heutigen USA betrat.
Von hier aus haben wir einen wunderbaren Panoramablick auf die Pazifikküste und San Diego.
San Diego - mit ca. 1,4 Mio. Einwohnern - liegt an einem künstlichen Hafenbecken an der Südspitze Kaliforniens. Der Tiefwasserhafen ist Stützpunkt einer grossen und aktiven Marineflotte. Flugzeugträger, Minensucher und Transportschiffe sind am ein- und ausfahren.
Neben dem grossen Museums-Flugzeugträgers USS Midway liegen zusätzlich noch der 1863 gebaute Segelschiff Star of India und das U-Boot USS Dolphin im Hafen und können besichtigt werden.
Nach einem Spaziergang durch das Gaslamp Quarter und Little Italy fahren wir zum Balboa Park. Wir sind nicht die einzigen mit dieser Idee, hier ist allerhand los!
Im Balboa Park fand 1915-16 die Panama-California Exposition statt, welche - zusammen mit anderen Ausstellungen - architektonisch interessante Gebäude hinterliess. Der Park beherbergt heute verschiedene Museen, Theater, Restaurants und den San Diego Zoo.
Am nächsten Morgen fahren wir in den Süden Richtung mexikanische Grenze.
Als der Flugzeugträger USS Midway im Jahre 1945 - 8 Tage nach dem Ende des 2. Weltkrieges - in den USA ins Wasser gelassen wurde, war es das grösste Schiff der Welt. In den 47 Dienstjahren (u.a. im Vietnam- und Irak-Krieg) hat man es mehrmals modernisiert und vergrössert.
Das mittels Dampfturbinen angetriebene, 305m lange Schiff konnte vollbeladen - 69'000t - mit über 60km/h durchs Wasser pflügen. Auf seinen 18 Etagen fanden 137 Fluggeräte und 4'500 Personen ihren Platz. Pro Tag wurden 13'000 Mahlzeiten zubereitet, 1'000 Brote gebacken und 2'790kg Wäsche gewaschen.
1992 wurde der Flugzeugträger aufs Altenteil versetzt und dient seit 2004 in San Diego/USA den Technik-interessierten Touristen als Museums-Schiff.
Weiter geht es in Mexiko, von wo wir auch wieder zurückkommen
Hellblau 2025 Rosa 2024 Grün 2023 Rot 2022 Violett frühere Reisen
21.05.2025
Der Wecker klingelt um 7:30 Uhr. Wir holen uns einen Kaffee im 7eleven und stellen fest, dass man 1. diesen Kaffee nicht trinken kann und 2., dass wir irgendwo eine Stunde dazugewonnen haben - es ist erst 6:30 Uhr!
Vor der US-Grenze fahren wir noch schnell zum Supermarkt um die letzten Pesos in etwas Trinkbares umzuwandeln. An der Kasse werden wir belehrt - Alkohol darf erst ab 10:00 Uhr gekauft werden. Wir lassen den Einkauf stehen und beglücken die zahlreichen Strassenhändler mit unseren letzten Pesos.
Von den Mexikanischen Grenz-Beamten merken wir nichts und schon stehen wir in Brownsville an der Grenze zur USA. Mit unserem B2-Visum hoffen wir, schnell passieren zu können. Weit gefehlt!
Freundlich aber bestimmt werden wir gebeten auf der Seite zu parkieren, alle Türen und Klappen zu öffnen und die Fahrzeugschlüssel abzugeben. Ein Beamter eskortiert uns in ein Gebäude. Hier müssen wir alles, was wir auf uns tragen, abgeben, uns mit gespreizten Armen und Beinen an die Wand stellen und einem Body Check unterziehen lassen. Wir haben Glück, denn wir dürfen - unter Beobachtung - vor den drei Arrestzellen auf einer Bank warten. Andere 'Verdächtige' müssen die Schuhe ausziehen und werden In den Zellen eingesperrt.
Wir werden solange festgehalten, bis unser Camper gründlich durchsucht ist und auch der Röntgen-Scanner im Camper nichts Auffälliges ans Tageslicht gebracht hat!
21.-22.05.2025
Obwohl das Strandleben nicht zu unseren Favoriten zählt, wollen wir - nach all diesem Stress - ein paar Tage auf South Padre Island ausruhen.
Da der Camping jetzt in der Nebensaison geschlossen ist, suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen am Ende der Strasse, direkt am Strand. Der Himmel ist bedeckt, dafür ist die Temperatur - zusammen mit dem Wind - gut auszuhalten.
Nachts um 22 Uhr werden wir von dröhnender BUM-BUM-Musik neben uns geweckt. Da der Fahrer keine Anstalten macht, die Lautstärke zurückzudrehen, packen wir zusammen und fliehen auf einen Parkplatz. Morgens um 1 Uhr weckt uns die Polizei: " Sie dürfen hier nicht übernachten!" Röbä: "Aber es gibt kein Schild, das darauf hinweist!" Polizist: "Macht nichts, ich sage es!", meint der Polizist und schickt uns zum Walmart.
Tschüss Padre Island, wir haben genug von diesem freundlichen Empfang in den USA!!
22.-26.05.2025
Nach 300km Fahrt erreichen wir Lagarto am Lake Corpus Cristi.
Etwas oberhalb des ziemlich ausgetrockneten Sees liegt der einsame Camping. Wir sind momentan die einzigen Gäste und werden von Todd sehr herzlich empfangen. Hier können wir uns in der Abgeschiedenheit und der Ruhe vom Stress der letzten Wochen erholen. Die einzigen negativen Geräusche sind die 24/7 laufenden Air-Conditioner der unbewohnten Wohnwagen. Wir hören dem Gezwitscher der verschiedenen Vögel und dem Klopfen des Texas-Spechts zu, der hier die Strommasten bearbeitet ;o) und kühlen uns bei 37°C mit einem Bier.
Sandy - unsere 2-malige Gastgeberin aus San Angelo – lebt inzwischen in einem Altersheim in Georgetown - in der Nähe von Austin. Natürlich statten wir ihr und ihrer Tochter Karen einen Besuch ab. Bei geräuchertem Fleisch, Gemüse und einigen Flaschen Rotwein tauschen wir Erinnerung aus und lauschen hausgemachter Country Music.
Dear Sandy, dear Shelly – we wish you both good health and quick settling-in at your new home.
Dear Karen, Mark & Pancho – thanks for your hospitality, continue to enjoy life.
Wir unterbrechen unsere Fahrt nach Corsicana in Waco und begeben uns zum Magnolia Market. Der Markt wird überragt von den zwei riesigen - heute leerstehenden - Silos. Das Areal - früher Lagerhallen - wurden zu Shops umgebaut und ist heute ein Einkaufsparadies, wo man alles findet, was man nicht unbedingt braucht ;o)
Waco ist einerseits bekannt für die 1870 eröffnete Suspension-Bridge. Mit einer Spannweite von 145m war sie zu jener Zeit eine der längsten Hängebrücken der USA und so breit, dass zwei Kutschen leicht kreuzen konnten.
Andererseits bleibt uns Waco als Gefechts-Ort zwischen einer bewaffneten Sekte und dem FBI in Erinnerung (über 90 Tote), der als Auslöser eines späteren Bombenanschlags in Oklahoma City gilt (168 Tote).
30.05.-03.06.2025
Wir verlassen Texas mit etwas Verwunderung, denn hier - in einem sehr republikanischen Staat - haben wir nach den Präsidenten-Wahlen noch mehr Pro-Trump-Fahnen - und -Schilder erwartet .... gefunden haben wir keine mehr. Ein mutiger Texaner tut aber seinem Unmut ob der Trump-Präsidentschaft sogar öffentlich kund.
Arkansas ist der nächste Staat, den wir auf unserer Reise in den Norden ansteuern.
Hot Springs mit seinen 60°C heissen Quellen zieht schon seit Jahrhunderten Menschen wegen ihren heilenden Eigenschaften an. Uns genügt ein Spaziergang der historischen Bathhouse Row entlang. Wir tippen unsere Finger kurz in das heisse Wasser und informieren uns im Fordyce Bathhouse Visitor Center über die Bade-Gepflogenheiten der damaligen Zeit.
Wir folgen einer hochgepriesenen Panoramastrasse zu den Ozark Mountains in der Hoffnung auf viele interessante Fahr-Kilometer. Doch alles was wir zu sehen bekommen - rechts und links des grauen Strassenbelags - sind hohe Bäume, die uns die Sicht auf die Umgebung versperren.
In Altus machen wir einen Abstecher zum ältesten Weinanbaugebiet in Arkansas - die Wiederkehr Winery.
Johann und Katharina Wiederkehr emigrierten 1880 aus dem Kanton Aargau hierher und pflanzten die ersten Reben. Trotz der Prohibition 1920-1933 konnten sie für ihren ersten Grosskunden - die katholische Kirche - weiterhin Messwein herstellen. Seither wird das Weinanbaugebiet in der 5. Generation erfolgreich geführt.
Nach der Degustation - die Weine waren uns etwas zu süss - geniessen wir im Chalet Suisse ein feines Steak und beschliessen den Abend bei einem Country-Music Gig.
Nach weiteren 150 kurvenreichen Kilometern durch den Ozark National Forest erreichen wir - steil eingebettet in den Ozark Mountains - Eureka Springs.
Über 300 viktorianische Häuser - gebaut vor 1910 - schmücken diesen 'alpinen' Ort mit 2000 Einwohner. Im Dorf-Zentrum ist heute einiges los! Musik- und Bierfestival laden zum Verweilen ein.
Das Wochenende verbringen wir auf dem Camping Wanderlust - und haben Lust auf eine ausgedehnte Wanderung um die Christus-Statue auf dem Mount Oberammergau. Nach dem Sonnenuntergang geniessen wir die kühlen Abende bei einem wärmenden Lagerfeuer.
Um nebst dem Wald auch etwas von der hügeligen Ozark-Umgebung mitzubekommen, lassen wir diesmal die 'Panorama'-Strasse links liegen und nehmen die Autobahn nach Missouri. Diese windet sich durch die sanften Hügel und lässt uns endlich etwas in die Ferne blicken.
In Springfield, dem Heimatort von Brad Pitt, werden wir für die kommende Übernachtung von Mitarbeitern der Mother's Brewing Company erwartet. Das Bier-Tasting beginnt jedoch erst am späteren Nachmittag, so dass wir uns ausnahmsweise wieder einmal einen Hamburger servieren lassen - Fleisch, Brot, Speck, Saucen und Pommes sind vom Feinsten, doch das reicht nun wieder für einige Wochen.
Am nächsten Tag fahren wir - weiterhin im Regen - über die Interstate 44 nach Cuba, einem verschlafenen Nest an der langsam zerfallenden, historischen Route 66.
Um wenigstens noch einzelne Touristen ins Dorf zu locken, haben die Verantwortlichen einige Wandgemälde in Auftrag gegeben. Mangels anderer Sehenswürdigkeiten sehen wir uns diese Kunstwerke näher an - die wenigen Cubaner, die wir treffen, freut es!
Um die Mittagszeit beginnt sich ein heftiges Gewitter über unserer Fahrstrecke zu entleeren und macht das Weiterkommen zu einem Abenteuer. Einige verunfallte Autos am Strassenrand rufen eine von uns beinahe vergessene Gefahr wieder in Erinnerung - Aquaplaning.
Bis zum Eindunkeln dauert die prasselnde Sintflut an, so dass ein grosser Teil unseres nächsten Übernachtungsortes - Meramec State Park - bei unserer Ankunft bereits unter Wasser steht. Aus Gründen der Sicherheit lassen wir uns einen Platz 10 m oberhalb des Flusses geben. Um 01 Uhr morgens müssen die anderen Camper evakuiert werden - der Meramec-Fluss ist über seine Ufer getreten.
05.-07. Juni 2025
Den Regen immer noch im Rücken umfahren wir die Stadt St. Louis um etwas nördlich mit einer Fähre nach Illinois/Graften überzusetzen. Vorbei an Ackerland und eleganten Anwesen stehen wir am Zusammenfluss der mächtigen Flüsse Illinois und Mississippi. Leider ist die Fähre nur am Wochenende in Betrieb und wir - und einige andere - haben den Umweg umsonst gemacht.
Glücklicherweise überquert ein paar Kilometer südlich eine Brücke den Mississippi und so fahren wir gezwungenermassen per Strasse in Illinois/Alton ein.
Alton profitierte früher von seiner Lage am Mississippi. Die Stadt war ein wichtiger Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte und Industriegüter. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Alton zu einer wohlhabenden Stadt mit prächtigen viktorianischen Häusern. Doch mit den Wirtschaftskrisen und dem Niedergang der Flussschifffahrt verlor Alton zunehmend an Bedeutung. Heute lässt sich der ehemalige Glanz der Stadt nur noch an einigen baufälligen Gebäuden und den mit Ziegeln gepflasterten Strassen erahnen.
1858 fand hier eine öffentliche Debatte zwischen Abraham Lincoln (gegen Sklaverei) und Stephen Douglas (für Sklaverei) um den Sitz im US-Senat statt. Lincoln wurde dabei von seinem Kontrahenten auch zu einem Duell herausgeforderte und durfte daher die Waffe wählen. Als dieser - 2 Köpfe grösser als Douglas - sich für das Breitschwert entschied, machte Douglas einen Rückzieher. Douglas wurde anschliessend in den Senat, Lincoln jedoch 2 Jahre später zum 16. Präsidenten der noch jungen USA gewählt.
Robert Wadlow - Alton’s Gentle Giant/sanfter Riese - wurde 1918 mit einer Drüsenstörung geboren, welche zur Folge hatte, dass er sehr schnell wuchs. Mit 8 Jahren war er bereits 1.8 m gross und wog 88 kg. Mit 18 Jahren war er der grösste Mann der Welt. 1940 starb Robert Wadlow im Alter von 22 Jahren an einer Infektion. Er war 2.71 m gross und wog 199 kg.
In Illinois/East St. Louis im Casino Queen RV Park mieten wir uns für 2 Tage ein. Von hier haben wir einen schönen Blick nach Missouri/St. Louis und sein Wahrzeichen - den Gateway Arch.
Zu Fuss machen wir uns kurz nach der Ankunft über eine Mississippi-Brücke in den Nachbar-Staat auf. Wie die meisten amerikanischen Städte ist auch St. Louis kaum fussläufig zu besichtigen und praktisch menschenleer. Auch hier nagt der Zahn der Zeit an den kunstvoll verzierten Hochhäusern aus den Anfängen des letzen Jahrhunderts. Viele sind seit längerem unbewohnt und mit Brettern vernagelt.
Nach einem kurzen Stopp in einem Pub gehts daher bald darauf mit der Metro wieder zurück nach Illinois/East St. Louis.
Cahokia Mounts State Historic Site - ein UNESCO-Weltkulturerbe etwas ausserhalb von St. Louis - war mit 15 Quadratkilometern die grösste präkolumbianische Stadt nördlich von Mexiko und wurde etwa 700 n. Ch. gegründet.
Die Obrigkeit der Stadt liess sich ihre Häuser auf Erdhügel bauen, von denen der Monks Mount mit einer Höhe von 30 m und einer Grundfläche von über 5 Hektaren der grösste war. Die Hügel bestehen hauptsächlich aus Erde und Sandsteinen, die von der Bevölkerung in Millionen von Körben zur Baustelle transportiert werden mussten. Nach 1200 begann der Niedergang Cahokias. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.
07.-11.06.2025
Wir verlassen St. Louis im grauen Hochnebel und fahren die nächsten 385 km durch eintönig flache Ackerlandschaft nach Indiana.
Die einzigen Unterbrechungen sind die stündlichen Fahrerwechsel und die Grenzüberfahrt in den Bundesstaat Indiana. Diesmal verpassen wir auch die einstündige Zeitverschiebung nicht ;o)
Indianapolis ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Indiana. Im Gegensatz zur eher ausgestorbenen Innenstadt von St. Louis ist Indianapolis belebt. Es gibt kaum Wolkenkratzer, einige schöne Parks mit Obdachlosen und viele Strassenkaffees mit Einheimischen und Touristen.
Wir schlendern durchs Zentrum, informieren uns über die geschichtsträchtigen Gebäuden anhand der Infotafeln und lassen die speziellen Wandgemälde auf uns wirken.
Etwas ausserhalb der Stadt - im Mounds State Park in Anderson - richten wir uns für die nächsten paar Tage ein. Hier wollen wir wieder einmal Pause machen, etwas wandern und sonst nichts tun.
Mit Ann und Brian - den vielgereisten Hosts des Campings - verbringen wir einen gemütlichen Abend und tauschen uns über die erlebten Abenteuer aus.
Indianapolis ist vor allem bekannt wegen seiner ovalen, 4 km langen Motorsport-Rennstrecke Indianapolis Motor Speedway und den dort alljährlich durchgeführten Autorennen Indy 500, Brickyard 400, NASCAR und Formel 1.
Obwohl das nächste Rennen erst wieder in 2 Wochen stattfindet, machen wir hier einen kurzen Stopp und schauen uns den Speedway mit seiner eindrücklichen Kapazität von 300'000 Zuschauern etwas näher an.
Das innerhalb der weltweit ältesten aktiven Rennstrecke liegende Museum enthält sowohl historische wie auch moderne Renn-Fahrzeuge und -Utensilien und zeigt auf mehreren Stockwerken die spektakulärsten Renn-Ereignisse in interessanter Art und Weis auf.
11.-13.06.2025
Bei der Vorbereitung dieses Streckenabschnitts hatte ich Zweifel, ob wir 'Ungläubigen' diesen idyllischen Flecken Erde besuchen sollten oder ob wir eher ein Störfaktor darstellen würden. Ich habe eine - von der Zivilisation abgeschottete - ländliche Gegend erwartet, die mit sich und ihrer Welt im Einklang steht.
Umso überraschter sind wir, als wir in Shipshewana - im Herzen vom Amisch-Land - auf einem riesigen und fast voll besetzten modernen Camping ankommen.
Überall sind Touristen und mittendrin die Amischen, die man an Kleidung und an ihren Fortbewegungsmitteln erkennt. Mit ihrer Welt scheinen sie jedoch immer noch zufrieden zu sein. Freundlich winkend fahren sie mit der Pferde-Kutsche an uns vorbei. Wie sie aber mit dem gesamten Rummel um sich herum zurechtkommen bleibt uns verborgen.
Wir besuchen das sehr interessante und informative Menno-Hof Museum und lassen uns im Restaurant Blue Gate kulinarisch von der Amischen Küche verwöhnen.
Im US Amerikanischen Bundesstaat Indiana liegende Shipshewana - mit einer grossen Anzahl Amischer Einwohner - besuchen wir das Museum Menno-Hof und lernen bei einem interessanten Rundgang die Ursprünge der Anababtisten kennen.
Die Anababtisten-Bewegung begann 1525 in Zürich, als dort die Reformation unter Huldrych Zwingli in vollem Gange war. Da die Anababtisten (Wiedertäufer) - zusätzlich zur angestrebten Reformation der katholischen Kirche - auch für die Trennung von Kirche und Staat, für die freiwillige Taufe von Erwachsenen anstelle der Kindertaufe, sowie für den Pazifismus eintraten, wurden sie sowohl von reformierten wie auch von katholischen Behörden wegen Häresie und Verrat unerbittlich verfolgt, gefoltert und zu Hunderten hingerichtet.
Nach anfänglicher Auswanderungen in die Ukraine, nach Südtirol, Holland und Russland emigrierten infolge politischem Druck tausende von Anababtisten - inzwischen wegen Differenzen aufgesplittert in Hutterer, Mennoniten und Amische - in die Amerikas.
Die Hutterer - benannt nach ihrem einflussreichsten Tschechischen Führer Jacob Hutter - sind die älteste Gruppe der Anababtisten und leben heute hauptsächlich in Kanada, USA und Japan. Sie praktizieren neben den ursprünglichen Anababtisten-Grundsätzen das gemeinschaftliche Leben inkl. gemeinsames Eigentum von Hab und Gut.
Die Mennoniten - benannt nach ihrem einflussreichsten Holländischen Führer Menno Simons - sind die grösste Gruppe der Anababtisten und leben heute auf allen Kontinenten der Erde.
Die Amischen - benannt nach ihrem einflussreichsten Schweizer Führer Jacob Ammann - trennten sich bereits früh von den Mennoniten, denen sie eine zu geringe spirituelle Disziplin vorwarfen. Sie brechen den Kontakt zu ausgetretenen (Familien)Mitgliedern auch heute noch kategorisch ab.
Die Amischen sind heute hauptsächlich in Kanada und USA (ca. 300'000) ansässig und versuchen ihr Leben möglichst ohne moderne Annehmlichkeiten als Selbstversorger zu gestalten.
13.-15.06.2025
Wir verlassen das Gebiet der Amischen und fahren nach Michigan City an den Lake Michigan.
Das Wetter ist heute wieder trüb, trotzdem sind alle Campingplätze voll. So begnügen wir uns mit einem Strandspaziergang zum Leuchtturm bevor wir uns im Regen nach Chicago aufmachen.
Chicago liegt direkt am Lake Michigan und ist mit ca. 3 Mio. Einwohnern die drittgrösste Stadt in den USA. Nachdem wir unser Nachtlager - einen Parkplatz mitten in der Stadt unterhalb der L-Bahn/Hochbahn bezogen haben, machen wir uns im Nieselregen auf zu einer ersten Erkundungstour. Zu unserer Überraschung stellen wir fest, dass nicht nur wir zu Fuss unterwegs sind - die Stadt lebt!
Wer nicht laufen will, benutzt die L-Bahn. In Chicago heisst sie so, weil das 'L' für elevated/erhöht steht. Die Hochbahn verläuft zwischen den Gebäuden auf Geleisen über den Strassen.
Den Freitagabend-Apéro lassen wir uns an der Bar des historischen Palmer House Hotels servieren; ein Haus, dass mit seiner eleganten Innenarchitektur viele Touristen anlockt.
Weniger begeistert sind wir vom Steak, das wir anschliessend im Restaurant Weber Grill serviert bekommen. Da Wochenende ist, wird auf die Rechnung - zusätzlich zum erwarteten Trinkgeld - nochmals 18% aufgeschlagen :o(
Wir schlendern zurück zu unserem 'Bahnhof' und geniessen unterwegs noch einen Schlummertrunk auf einer Roof Top Bar.
Gegen unseren (Lärm) Befürchtungen haben wir gut geschlafen und es regnet nicht mehr. Der Hochnebel schleicht zwar noch um die oberen Stockwerke der Wolkenkratzer und der berühmte Chicago-Wind zieht um die Häuserecken. Plötzlich stehen wir vor zwei Schneepflügen mit Strassensalz beladen. Hat sich der Wetterbericht dermassen geirrt? Auf die Frage ob wir Schnee erwarten, meint der eine Fahrer lachend: „Nein, nein, wir sind nur da um diese Strassen abzusperren. Heute findet hier eine von über 2000 landesweiten Demonstrationen - unter dem Titel No King - gegen Donald Trump statt!“
Nach der Demonstration laufen wir zum Millennium Park und besichtigen das Wahrzeichen von Chicago - The Bean. Eigentlich heisst die Skulptur Cloud Gate aber weil sie aussieht wie eine Bohne, bekam sie den Spitznamen - Die Bohne. Die faszinierenden Spiegelungen in der Edelstahl-Skulptur verleiten zu unzähligen Fotos.
Gleich daneben steht der Jay Pritzker Musik-Pavillon von Frank Gehry. Heute findet das 'Konzert' draussen statt - Aerobic fürs Volk ist angesagt ;o)
Dem Riverwalk des Chicago Rivers entlang laufen wir zum ein Kilometer langen Navy Pier, das in den Lake Michigan ragt. Von hier aus hat man einen schönen Panoramablick auf die Stadt und den See.
Wir verlassen Chicago mit dem Ziel New Glarus. Unsere Wetter-Recherche zeigt aber, dass die Temperaturen im nördlichen Wisconsin kühl sind und dass es dort zurzeit regnet. So entscheiden wir uns für eine 3-tägige Wartezeit etwas westlich von Chicago - in Aurora.
Über schmale Hintertür-Strässchen nähern wir uns Wisconsin. Wo normalerweise eine Tafel auf den neuen Bundesstaat aufmerksam macht, wechselt nur gerade das Wetter.
Dunkelgraue Gewitterwolken ziehen auf und bei der Einfahrt in New Glarus giesst es in Strömen. Auf dem Parkplatz der Touristeninformation sind wir die einzigen Parkierer und warten den Platzregen ab. Etwas verwundert sehen wir zu, als eine Dame aus dem Info Center im grössten 'Huddelwetter' noch rasch eine Tafel an einen Pfosten schraubt. Kurze Zeit später - es 'tröpfelt' nur noch - lesen wir - Übernachten verboten!
Die Dame am Schalter meint auf meinen Hinweis, dass das nicht gerade ein netter Empfang sei: "Das ist nicht so gemeint, wir haben eben schon lange auf diese Tafel gewartet!“ - ja, genau!!
Wir gehen als erstes für eine Besichtigung und Degustation zur lokalen Bierbrauerei - New Glarus Brewery. Die beiden Lieblingsbiere der Lokalen - The Spotted Cow und Totally Naked - sind auch unsere Favoriten. Im Puempel’s Old Tavern bestelle ich mir später aber ein Deutsches Weizenbier - sorry!
Etwas ausserhalb wollen wir uns im Woods State Park für zwei Nächte einquartieren. Übers Internet wird unsere Schweizer Kreditkarte nicht akzeptiert - ist dies die Retourkutsche für meinen Biergeschmack? ;o))
Röbä greift daher zum gelben Schnurtelefon am Park-Häuschen und versucht auf diesem Kommunikations-Weg einen Platz zu buchen. Die Dame an der Strippe ist sehr hilfsbereit, aber es dauert dann doch noch 30 Minuten, bis wir einen Übernachtungsplatz bekommen.
Im Swiss Historical Village führt uns Dave durch die sehr interessante Ausstellung. Mit viel Liebe haben die Neu-Glarner allerlei Historisches zusammengetragen.
Das heutige 2300-Seelen-Dorf New Glarus wurde 1845 von 150 Immigranten aus dem Kanton Glarus gegründet. Neben der Urnerboden- und der Tells-Geschichte weiss Dave auch viel über das heutige Dorf zu berichten, das jedes Jahr mit zahlreichen 'Schweizer' Anlässen - Jassturnier, Oktoberfest, Bundesfeier, Wilhelm Tell Festival, Erntedank-Fest, Jodel- und Männer-Chor-Festival - unzählige Touristen anlockt.
Nach dem fast 3-stündigen Museumsbesuch brauchen wir zuerst eine Abkühlung, bevor wir uns unter der sengenden Sonne das Zentrum von New Glarus genauer anschauen.
Die Chalet-artigen Häuser sind geschmückt mit Schweizer Kantonswappen. Auf den Balkonen blühen Geranien und bemalte Kühe stehen in den Gärten - ein kleines Touristenparadies. Das Schweizerische ist nach neun Generationen etwas verwässert und vermischt mit Deutschem und Österreichischem Kulturgut - trotzdem, uns hat New Glarus gefallen!
Die nördliche Hälfte von Wisconsin ist mit Wald bedeckt. Im Moment - auf dem Weg zur Hauptstadt - fahren wir aber immer noch durch sanftes hügeliges Ackerland, wo hauptsächlich Mais angepflanzt wird und die Bauernhöfe weit voneinander entfernt liegen.
Madison - Hauptstadt von Wisconsin - liegt auf einer Landenge zwischen dem Lake Mendota und dem Lake Monona.1837 ließen sich die ersten Siedler nieder, von denen viele aus Deutschland, Irland und Norwegen emigrierten.
Zwischen 1907 und 1917 wurde auf dem höchsten Punkt der Landenge das heutige State Capitol/Regierungssitz von Wisconsin mit der 86 m hohen Kuppel errichtet.
Wir schliessen uns einer interessanten 1-stündigen Führung an. Auffallend ist die Materialvielfalt.
43 Gesteinsarten aus verschiedenen Teilen der USA aber auch aus Italien, Griechenland und Norwegen, sowie viel Gold bringen Farbe und Abwechslung ins Politikerleben.
Anschliessend an die Führung schlendern wir durch die Innenstadt. Viele Geschäfte sind geschlossen und überall sitzen und liegen die Obdachlosen.
Harvest Host, unsere App für Gratis-Übernachtungen auf Bauernhöfen, bei Brauereien oder Winzern führt uns zur Edwin Brix Winery in Juneau, nordöstlich von Madison. Natürlich wird erwartet, dass man beim jeweiligen Gastgeber als Gegenleistung für den Übernachtungsplatz etwas konsumiert. Wir entscheiden uns für eine Degustation ihrer Weiss- und Rotweine - diesmal ein Erlebnis der speziellen Art.
Seit unserer ersten Weindegustation 1996 haben wir zahlreiche Weine in vielen Ländern probiert, jedoch noch nie so unprofessionell vinifizierte Säfte. Alle Weine - auch die jungen Jahrgänge - sind braun oxidiert und sauer wie Zitronensaft. Spätlesen und Dessert-Weine sind massiv mit Zucker und Fruchtsäften aufgemotzt. Dass alle Weine in französischen Eichenfässern gelagert wurden macht die Sache für uns auch nicht besser :o(
Die Sicht von unserem Übernachtungsplatz auf den Weinberg und den Sonnenuntergang ist hingegen makellos.
24./25.06.2025
Nach drei Tagen Rast in Townsend fahren wir 300 km durch Wald bis zum Lake Superior. Irgendwo in der Mitte der Strecke überqueren wir die Grenze zum Bundesstaat Michigan. Die damit einhergehende Zeitverschiebung bemerken wir aber erst im Verlauf des Tages.
Am Nachmittag erreichen wir die ca. 105 km lange Keweenaw Peninsula, die wie ein leicht gebeugter Zeigefinger in den Lake Superior ragt, dem zweitgrössten See der Erde.
Wir schlendern gemächlich durch Houghton, dem grössten Ort auf der Peninsula. Im 19. Jahrhundert kamen dem boomenden Kupferabbau wegen hauptsächlich Einwanderer aus Finnland und Cornwall hierher. Heute ist die Stadt aber - wie die meisten amerikanischen Städte - beinahe menschenleer. In der bekannten Keweenaw Brauerei finden wir dann aber doch noch einige der Einwohner ;o)
1860 grub man in Houghton einen 30 m breiten und 6.5 m tiefen Kanal von Ost nach West und trennte damit den halben 'Finger' vom Festland ab. Der Kanal ermöglichte es, einfacher das Kupfererz aus den Minen zu verschiffen und gleichzeitig Waren und Materialien für die Bergbauindustrie und die Bevölkerung in die Region zu transportieren.
Der Portage Kanal wird heute von einer Lift-Brücke überspannt. Der mittlere Teil kann für die Durchfahrt von grossen Schiffen angehoben werden. Seit dem Bau des Kanals heisst der nördliche Teil der Halbinsel Copper Island.
25.-27.06.2025
Die ansässigen Indianer bauten auf der Copper Island bereits seit mehr als 7000 Jahren Kupfer ab, als 1845 - vor dem bekannteren Gold-Rausch in Alaska und Nordwest-Kanada - der US-Amerikanische Kupfer-Rausch begann.
Wie sonst nirgends auf der Welt war der Boden mit reichhaltigen Kupfer-Erzen und Kupfer-Klumpen durchzogen, was Schatzsuchende in Scharen - hauptsächlich Immigranten aus Europa - und später grosse Industrie-Organisationen anlockte.
Der kostspielige - bis zu 3000 m tiefe - Untertag-Abbau auf der Copper Island ist gegenüber den heutigen riesigen Tagbau-Minen in Chile oder Australien inzwischen nicht mehr konkurrenzfähig. Wir besuchen eine der stillgelegten Abbaustätten in der Nähe von Houghton - die Quincy Mines.
Der Zahn der Zeit nagt nun unerbittlich an den Industrieanlagen, den ehemals lukrativen Minen und den
schmucken Dörfern.
Calumet - zwischen Houghton und Copper Harbor gelegen - ist eines dieser Dörfer und war 1866 die bedeutendste Stadt auf der Copper Island. Schon bald gab es unzählige Läden, Kneipen, Kirchen und Schulen. Der Reichtum aus dem Kupferbergbau führte zum Bau zahlreicher repräsentativer Gebäude. Als der rasch gewachsene Bedarf an Kupfer zwischen dem 1. und dem 2. Weltkrieg abrupt nachliess, begann auch das langsame Sterben von Calumet. Inzwischen ist der Ort - trotz einiger Touristen - leider nur noch ein zerfallendes Relikte aus einer besseren Zeit.
Copper Harbor liegt an der äussersten Spitze der Keweenaw Peninsula. Lange Zeit war der Ort der wichtigste Versorgungshafen für die Menschen auf Copper Island. Heute ist Copper Harbor vor allem für seine malerische Lage und sein umfangreiches Angebot an Freizeitaktivitäten bekannt.
Wir erwachen bei 10°C und nass-grauem Wetter. Wir sind froh um jeden Sonnenstrahl, denn vom Lake Superior her weht ein steifer Wind. Eine wärmende Wanderung zum Hunter's Point geben wir auf halber Strecke auf, denn bis zum Ende führt der Weg nun nur noch über grosse, wackelige Kieselsteine. Wir geniessen dafür die Sicht auf die ehemalige Wanderstrecke und genehmigen uns einen Kaffee mit Muffins an der See-Bäckerei.
Um die auf Copper Island ansässigen Ojibwe-Indianer von ihrem Land und ihren Kupfer-Minen zu vertreiben sowie Recht und Ordnung zwischen den einwandernden Minen-Arbeitern aufrecht zu erhalten, entsandte die Bundesregierung Militäreinheiten nach Copper Harbor mit dem Auftrag, hier einen befestigten Stützpunkt - Fort Wilkins - zu errichten.
Die 100+ Soldaten und Offiziere - teilweise mit Frau und Kindern - wurden in den eisfreien Monaten über den Lake Superior mit Schiffen von Detroit aus mit dem Notwendigsten versorgt. Dazwischen waren sie sich selbst überlassen. Bereits zwei Jahre später wurde das Fort wieder aufgegeben und die Soldaten in den Krieg zwischen Mexiko und USA abkommandiert.
28.06.-01.07.2025
Heute Morgen ist es kalt-nass und ein steifer Wind blässt über den bleigrauen Lake Superior. Die am Rückweg liegenden Sehenswürdigkeiten sind vom Nebel verschleiert und so verlassen wir die Copper Island wieder Richtung Houghton.
Wir bewegen uns auf den US-Nationalfeiertag zu - den 4. Juli. Die meisten Campingplätze, die wir anfahren, sind beinahe ausgebucht. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die nächste Reise-Woche zu planen und die entsprechenden Übernachtungsplätze zu reservieren.
Marquette ist mit etwas über 20‘000 Einwohnern die grösste Stadt im nördlichen Michigan und ein wichtiger Binnenhafen am Lake Superior für die Forstindustrie und die Eisenerz-Verschiffung.
Über das sehr gut ausgebaute Radnetz erkunden wir auf unseren Bikes die Umgebung von Marquette. Die Umrundung des Presque Isle Park geben wir allerdings auf halbem Wege auf. Nicht etwa weil die Tour zu streng wäre, aber die zahllosen schwarzen Stechfliegen bringen uns beinahe um den Verstand! Wir drehen um und radeln dem Lake Superior entlang ins Stadtzentrum.
Eine Wanderung um den Dead River Stausee am nächsten Tag macht um einiges mehr Spass als die gestrige Bike-Tour. Ausser ein paar Stechmücken begegnet uns hier keine einzige Stechfliege - Glück gehabt!
Bevor wir wieder in den warmen Süden fahren, geniessen wir noch etwas die angenehm kühlen Gegenden an den Ufern des Lake Superior.
Nahe an der Grenze zu Kanada strömt der Tahquamenon River inmitten von riesigen Waldgebieten über zwei Wasserfälle - Upper und Lower Tahquamenon Falls - dem Lake Superior entgegen. Das Wasser ist stellenweise braun gefärbt. Gemäss dem Park-Prospekt rührt die bernstein-artige Färbung von Tanninen her, die die unzähligen Zedern und Fichten in die Sümpfe abgeben, die wiederum vom durchquerenden Flusswasser aufgenommen werden. Das Tannin wird ausgeschwemmt und bräunt strähnenweise das Wasser.
Während wir hier in Saint Ignace auf dem Tiki Camping den Nationalfeiertag abwarten, versucht Röbä noch einmal sein altes Bike wieder in Schuss zu bringen. Leider ohne Erfolg und so muss er sich schweren Herzens von seinem langjährigen, treuen Begleiter verabschieden. Es steht jetzt neben der Mülltonne :o(
Um ihn etwas von der Trennung abzulenken, machen wir einen Bootsausflug zur Mackinac Insel.
Mackinac Island ist eine 5 x 3 km kleine Insel im Lake Huron. Mit einem Boot fahren wir in 15 Minuten auf die autofreie Insel.
Bevor im 17. Jahrhundert europäische Entdecker auf die Insel kamen, war sie von Odawa-Indianern besiedelt. Die Insel hatte eine strategisch wichtige Lage für den Pelzhandel im Gebiet der Great Lakes. Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges eroberten die Briten 1812 die Insel zusammen mit dem amerikanischen Fort Mackinac.
Ende des 19. Jahrhunderts begann die Eroberung der Insel durch die Touristen und diese hält bis heute an! Wir laufen einmal die Hauptstrasse rauf und runter, staunen über die gut erhaltenen Viktorianischen Häuser und müssen dabei aufpassen, dass wir weder von Pferdekutschen noch von Fahrrädern überfahren werden.
Wir verlassen die Hektik der Geschäftsstrassen und machen uns zu Fuss auf den Weg durch den kühlen Wald zum Arch Rock - ein natürlicher 4000 Jahre alter Kalksteinbogen mit einer Spannweite von 15 m. Von hier aus haben wir auch eine tolle Sicht auf den Lake Huron.
Weiter gehts zum Sugar Loaf. Der Zuckerhut ist ein 23 m hoher Felsen im Inneren der Insel und war vor 11'000 Jahren ein Teil des Kalksteinmassives der Insel. Über die Jahre hat der damals existierende See diese Spitze ausgewaschen.
Auf dem Rückweg laufen wir am Fort Mackinac vorbei und stürzen uns wieder ins Touristen-Gewimmel.
Am Sonntag nach dem Nationalfeiertag - Independence Day - verlassen wir Saint Ignace und überqueren auf der vierspurigen Hängebrücke Mackinac Bridge die 8km breite Mackinac Strait. Diese Wasser-Strasse verbindet den Lake Michigan mit dem Lake Huron, trennt aber gleichzeitig den nördlichen vom südlichen Teil von Michigan.
In Petoskey - einer kleinen Hafenstadt am Lake Michigan - schalten wir eine kurze Fahrpause ein. Ursi - als passionierte Steinesammlerin und ich als williger Gehilfe - suchen den Strand nach Petoskey-Steinen ab. Diese Steine sind versteinerte sechsseitige Korallen und sind bis zu 350 Millionen Jahre alt. Das Sammlerglück ist uns leider nicht hold und so begnügt sich Ursi mit einem Stein aus dem Souvenirladen.
Etwas weiter südlich, in Charlevoix, mischen wir uns unter die zahlreichen Touristen. Dieses Städtchen ist ausnahmsweise fussläufig zu besichtigen und beherbergt - neben einer abwechslungsreichen Einkaufs-Meile und einer hübschen Strand-Promenade - die interessanten Earl Young Gnome Houses. Ab 1919 - als ungelernter Architekt - baute Young 50 Jahre lang fantasievolle Wohn- und Geschäftshäuser im nördlichen Michigan, ausschliesslich aus lokalen Baumaterialien.
Das Wetter wechselt täglich. Gestern warm - wir schlafen mit leichten Sommerdecken, heute kalt - wir decken uns mit Winterdecke plus Sommerdecke, dann wieder so heiss, dass wir alle Decken weglassen, um am nächsten Tag bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt zu den zwei Decken noch den Schlafsack oben drauf zu legen und Bettsocken anziehen.
Auch heute Sonntag ist wieder so ein nass-grauer Regentag und wir fahren in die Weinregion Old Mission Peninsula. In Traverse City ragt die Peninsula in den Lake Michigan hinein. Die Halbinsel ist eines der bekannteren Weingebiete von Michigan und kann allenfalls unseren Glauben an die Weine um die Great Lakes wieder etwas stärken. Wir stellen aber fest, dass Wein degustieren bei diesem gräusligen Wetter nur halb so viel Spass macht. Draussen ist es kalt und drinnen ist es noch kälter - die Klimaanlagen arbeiten auf Hochtouren!
Nach zwei Wein-Degustation - die Weissweine sind trinkbar bis gut - lassen wir die anderen Weinproduzenten links liegen, kehren der Halbinsel den Rücken zu und richten uns im Traverse City State Park für eine kühle Nacht ein.
Am Montag durchqueren wir den Bundesstaat Michigan in Richtung Osten um anschliessend südlich nach Frankenmuth abzudrehen. Dieser Ort und weitere im Umland wurden 1845 von lutherischen Deutschen/Franken gegründet (Frankentrost, Frankenlust, Frankenhilf).
Auf dem Campingplatz einer lutherischen Kirchgemeinde lassen wir uns für ein paar Tage nieder. Unsere abendlichen Lagerfeuer sowie die frühen Morgenstunden werden von Kirchenliedern untermalt, die eine in der Nähe zeltende lutherische Jugendgruppe mit lauter Inbrunst von sich gibt.
Wäre einer der ersten Siedler nicht ein gewiefter Geschäftsmann gewesen, würde heute Frankenmuth auf keiner Touristenkarte auftauchen. Die Familie Zehnder hat sich im Dorfkern ein kleines bayrisches Disneyland aufgebaut und zieht mit diversen Festanlässen über 3 Million Touristen pro Jahr in diesen Ort.
Im Gegensatz zu den Nächten sind die Tage hier über 30°C warm. In der Hoffnung auf ein kühles bayerisches Bier machen wir uns auf und laufen ins Dorf. Wir werden nicht enttäuscht. Importiertes Bier - Hofbräuhaus, Paulaner, Franziskaner, etc. - und gute Brezen werden im Bavarian Inn serviert. Da die meisten Besucher den Unterschied nicht kennen, werden auch schweizerische und österreichische Delikatessen angeboten - das Geschäft brummt.
Die US Amerikaner laufen gerne mit einem Getränk in der Hand durch die Strassen. Damit sie Alkohol nicht in die Wohnquartiere tragen, werden sie mit Strassen-Klebern auf die geografischen Alkoholgrenzen des Ausgehquartiers aufmerksam gemacht ;o)
09.-11.07.2025
Wir peilen unsere letzten Ziele in den USA an und fahren 170 km in den Süden nach Dearborn, einem Vorort von Detroit. Es regnet und ist somit der perfekte Tag für den Besuch im Henry Ford Museum - der grösste Museumskomplex in den USA. Hier warten nicht nur Automobile die Geschichte schrieben auf den Besucher, sondern auch unzählige Gegenstände von historischem Interesse.
Nach dem Museum wartet der Höhepunkt des Tages auf uns. Wir werden mit einem Bus in 15 Minuten zu einer der zahlreichen Auto-Montagehallen - Ford River Rouge - transportiert.
Nach einem Video über die Geschichte des Automobilherstellers Henry Ford und seiner Idee für die Automobil-Montage auf einem Fliessband, dürfen wir eine Montagehalle betreten und die sehr interessante Produktion eines Fahrzeugs - Ford F-150 Pickup - beobachten.
Die Auto-Gerippe bewegen sich langsam auf einem Fliessband vorwärts, der Montagearbeiter greift sich ein Montageteil, tritt auf das Band und montiert das Teil. Mit wenigen Schritten ist er wieder an seinem angestammten Platz, greift sich wieder ein Montageteil, tritt aufs Band .... 3500-4000 Autos pro Woche, ohne Hektik und völlig entspannt. Die schwereren Teile wie Windschutzscheibe, Heckteil, Motor, etc. werden hingegen von Roboter-Armen dem Gerippe hinzugefügt.
Fotografieren war leider nicht erlaubt, also müsst ihr selber einmal dort vorbeischauen ;o)
Am nächsten Tag fahren ins Zentrum von Detroit. Die größte Stadt im Bundesstaat Michigan entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum blühenden Zentrum der amerikanischen Autoindustrie. 1973 - die Japaner haben inzwischen mit ihren günstigeren, besser ausgestatteten Autos die Welt erobert - erlebt Detroit einen raschen wirtschaftlichen Abschwung. Es folgt ein drastischer Abbau der Arbeitsplätze bei den zahlreichen Automobilherstellern - General Motors, Ford Motor Company, Chrysler Corporation, etc. - und die damit verbundene Abwanderung der Bevölkerung treibt die Stadt in den finanziellen Bankrott.
Wir bewundern die Architektur eines älteren Wolkenkratzers, als wir angesprochen werden. Matthew erklärt uns, dass viele Gebäude der Innenstadt inzwischen saniert wurden und zahlreiche Arbeitgeber wieder zurück nach Detroit ziehen. Er lädt uns ein, seine in der Nähe befindliche Marketing-Firma zu besuchen um zu sehen, wie er eines dieser Backsteingebäude dafür ausgebaut hat - sehr interessant.
Um uns rasch einen Überblick von Detroits Zentrum zu verschaffen, besteigen wir den People Mover. Diese Hochbahn ist kostenlos und kreist im 10 Minuten-Takt um die Geschäfts- und Vergnügungsviertel der Innenstadt.
Der Besuch im 151 m hohen Guardian Building bringt uns zum Staunen. Der 43-stöckige Büroturm im Finanzviertel wurde im Art-Déco Stil 1928 erbaut und erinnert uns eher an eine Kathedrale.
Wir schlendern durch Parks und die belebte Stadt weiter zum Detroit River, wo wir schon mal einen Blick über die Grenze nach Kanada werfen. Nach einem Drink im historischen Ausgehviertel Greektown geht es aber noch einmal zurück zu unserem gestrigen Übernachtungsplatz bei einer Kirche in Dearborn.
Morgen Freitag werden wir die USA endgültig verlassen - wird sind nicht unglücklich - und in Kanada einreisen.
Von allen Fazits, die wir bis jetzt erstellt haben ist dieses das schwierigste. Die USA war bis jetzt die unbestrittene Technologie-Führerin, die grösste Militärmacht und die erfolgreichste Industrie-Nation der Welt. Andererseits sehen wir im Land (mit Ausnahme von Kalifornien) - seit unserem letzten längeren Besuch vor 26 Jahren - wenig Fortschritte, die das täglich Leben eines Durchschnitts-Amerikaners betreffen. Auch sind die politischen, sozialen und ökonomischen Gräben seit unserem letzen Besuch merklich grösser geworden.
Unsere Eindrücke von den Camper-Reisen durch die USA (334 Tage, davon 31 in Alaska):
Positiv
Überraschend
Negativ
Mit dem Camper überqueren wir in Michigan/Detroit die USA Grenze nach Kanada